Es ist einfach passiert II (fm:Ehebruch, 1767 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Ayse1985 | ||
| Veröffentlicht: May 27 2026 | Gesehen / Gelesen: 1041 / 846 [81%] | Bewertung Teil: 9.45 (29 Stimmen) |
| Die Unterhaltung mit Michael läuft aus dem Ruder ... | ||
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Da ist die Realität über mir zusammengeschlagen. "Aber da war es schon zu spät.“
Sie sackte in sich zusammen, vergrub das Gesicht in den Händen und schluchzte so heftig, dass ihr ganzer Körper bebte. „Ich liebe nur dich. Nur dich, das musst du mir glauben! So etwas wird nie, nie wieder passieren. Es war ein totaler Ausnahmezustand.
Ich werde mir Hilfe suchen, Michael. Ich gehe zu einem Psychologen, ich lasse mich therapieren, damit ich verstehe, warum meine Angst mich so zerstören kann. Damit das nie wieder geschieht. Bitte…“
Mit einer verzweifelten Bewegung versuchte sie, sich an ihn zu lehnen, ihre Arme um seinen Oberkörper zu schlingen.
Doch der Moment, in dem sie ihn berührte, wirkte wie ein Stromschlag auf Michael. Ein Gefühl von tiefer, physischer Übelkeit und absolutem Ekel stieg in ihm hoch. Er löste sich mit einer ruckartigen, fast schon gewaltsamen Bewegung von ihr.
Er rutschte an das ganz andere Ende der Couch, unfähig, ihre Haut zu spüren, unfähig, den Geruch an ihr zu ertragen – den Geruch, von dem er jetzt genau wusste, dass er nicht mehr nur ihr eigener war.
„Fass mich nicht auf“, sagte er, und seine Stimme war gefährlich leise, tiefer als der Donner vorhin.
Er sah sie an, und in seinen Augen lag eine Mischung aus bodenlosem Schmerz und einer eisigen Distanz, die Tülay das Blut in den Adern gefrieren ließ. Der Mann, der sie eben noch bedingungslos geliebt hatte, blickte sie an wie eine Fremde, die ihn zutiefst betrogen hatte.
„Du redest von Therapeuten? Von einem Ausnahmezustand?“, fragte Michael, und ein höhnischer Zug legte sich um seine Lippen. „Und was machst du morgen, Tülay? Was machst du im Sommer, wenn Horst drüben im Nachbargarten in kurzen Hosen herumläuft?
Wenn er am Zaun steht? Wenn er dich wieder so greifen kann, dass er deine Brüste reizen kann? Spielst du dann wieder die Hilflose, bei der die Sicherung durchbrennt, weil sein Schwanz so groß ist?“
Tülays Schluchzen stoppte abrupt. Die Worte trafen sie tief, und für einen Moment flammte in ihrer Trauer tiefe Empörung auf. Wie konnte er ihr das unterstellen? Wie konnte er glauben, dass sie das gewollt hatte, dass sie eine Wiederholung herbeisehnte? „Wie kannst du so etwas sagen?“, rief sie unter Tränen, die Stimme schrill vor Verletzung. „Ich ekle mich vor mir selbst! Ich sage dir, dass es nie wieder passiert!“
Doch noch während sie schrie, brach die Wut in sich zusammen. Sie sah den Blick ihres Mannes. Sie sah die totale Leere in seinen Augen und verstand plötzlich. Natürlich verstand sie ihn. Wie sollte er ihr jemals wieder vertrauen? Sie hatte das Fundament ihrer sechzehnjährigen Ehe innerhalb von einer Stunde in Schutt und Asche gelegt. Das Vertrauen war nicht nur beschädigt – es war im Moment schlicht nicht mehr vorhanden.
Mit dem Mut der Verzweiflung kroch sie auf den Knien über die Polster der Couch auf ihn zu, streckte die Hände aus, wollte sein Gesicht berühren, sich in seine Arme flüchten, um den Albtraum ungeschehen zu machen. „Michael, bitte, halt mich einfach…“
„Nein!“, stieß er aus und wich ihr aus, indem er aufstand. Er stand mitten im Raum, hielt Abstand, die Arme verschränkt, als wollte er sich vor ihrer bloßen Anwesenheit schützen. „Ich brauche Abstand, Tülay. Viel Abstand. Und verdammt viel Zeit. Erwartest du ernsthaft, dass ich jetzt einen Haken hinter die Sache setze? Dass wir uns kurz drücken, du ein bisschen weinst, und dann machen wir weiter, als wäre nichts geschehen? Du hast mit dem Mann geschlafen, den ich gebeten habe, auf dich aufzupassen!“
Tülay saß zusammengesunken auf der Couch. Ihr Verstand raste, sie war völlig durcheinander, von den Hormonen, dem Adrenalin, der puren Panik vor dem Alleinsein. In ihrem Chaos klammerte sich ihr Gehirn plötzlich an den einen Gedanken, den sie vorhin im Badezimmer gehabt hatte. Das Thema, das alles verändern würde. Das Thema, das ihn vielleicht dazu bringen musste, seine schützende Hand wieder über sie zu legen, weil es um etwas Größeres ging als sie beide.
„Michael…“, flüsterte sie, und ihre Stimme zitterte schrecklich. „Es gibt da noch etwas… Ich brauche dich jetzt mehr denn je. Du weißt… du weißt, dass wir nie verhütet haben. Weil… weil du keine Kinder bekommen kannst. Aber Horst… Horst hat in mir…“ Sie schluckte schwer. „Wenn ich schwanger bin, Michael? Was ist, wenn ich schwanger von ihm bin? Du hast dir immer ein Kind gewünscht… vielleicht müssen wir jetzt erst recht zusammenstehen…“ Sie blickte ihn voller Hoffnung an, bettelnd um ein Zeichen von Mitgefühl, um den Beschützerinstinkt, den er immer für sie gehabt hatte.
Doch Michaels Gesicht veränderte sich überhaupt nicht. Keine Regung von Schock, kein Funken von väterlicher Sehnsucht. Nur eine tiefe, eisige Kälte legte sich über seine Züge. Er sah sie von oben herab an, und seine Worte waren wie messerscharfe Eiskristalle.
„Du hast dich da ganz alleine reingebracht, Tülay“, sagte er mit einer schneidenden, emotionslosen Stimme. „Und du musst jetzt ganz alleine wissen, was du willst.“
Tülay starrte ihn an, unfähig zu atmen. „Was… was meinst du damit?“ „Du bist Muslimin“, fuhr Michael kühl fort. „Du hast mir jahrelang erzählt, was dein Glaube dir bedeutet. Abtreiben als Muslimin? Du wurdest weder vergewaltigt, noch wurdest du gezwungen. Du hast es selbst gesagt: Deine Sicherung ist durchgebrannt, du hast es genossen. Wenn du also schwanger sein solltest, dann musst du dir jetzt ganz schnell klar machen, wie du den Vater in dein Leben einbinden willst.“
Jedes Wort war ein Todesurteil für ihre Hoffnung.
„Denn ich“, setzte Michael nach, und seine Augen fixierten sie mit einer unbarmherzigen Härte, „ich werde mit der ganzen Sache absolut nichts zu tun haben wollen. Das ist nicht mein Kind. Und das ist nicht mehr mein Leben.“
Zum ersten Mal in diesen quälenden Stunden spürte Tülay die volle, ungeschönte Realität. Es war kein vorübergehender Ehestreit. Es war kein Schock, den man mit ein paar Wochen Schweigen überwinden konnte. Ihre Ehe – die sechzehn Jahre voller Liebe, Respekt und Vertrauen – stand vor dem absoluten, endgültigen Ende.
Der Schock lähmte sie vollkommen. Sie wollte schreien, sie wollte argumentieren, sie wollte auf die Knie fallen und um Gnade flehen, aber ihre Stimmbänder waren wie zugeschnürt. Kein Ton verließ ihre Lippen. Sie konnte nur dabeistehen und zusehen, wie ihre Welt zerbrach.
Michael drehte sich wortlos um. Er ging in das gemeinsame Schlafzimmer. Tülay hörte das leise Rascheln von Stoff. Wenige Augenblicke später kam er zurück in den Flur. Über seinem Arm lag seine Bettwäsche, das Kissen und seine kurze, graue Pyjamahose.
Er sah nicht mehr zu ihr hinüber. Er würdigte sie keines einzigen Blickes mehr, schenkte ihr kein einziges weiteres Wort. Er ging geradewegs auf die Tür des Gästezimmers am Ende des Flurs zu, öffnete sie, trat ein und zog die Tür mit einem leisen, aber endgültigen Klingen hinter sich ins Schloss.
Tülay blieb allein im dämmrigen Wohnzimmer zurück, umgeben von der drückenden Stille einer gescheiterten Ehe.
*** Ende *** ?
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