Auf dem Weg zum höchsten Punkt (fm:Dominanter Mann, 2708 Wörter) [3/3] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: davepassion | ||
| Veröffentlicht: Jun 27 2026 | Gesehen / Gelesen: 33 / 20 [61%] | Bewertung Teil: 9.00 (1 Stimme) |
| Nach frischem Schneefall führt der gemeinsame Aufstieg zum Gipfel nicht nur über den Berg, sondern auch zu innerer Klarheit. Aus stiller Anziehung wird gegenseitiger Respekt. Am Ende gehen beide nicht mehr voraus oder hinterher, sondern denselben Weg. | ||

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Die Nacht hatte frischen Schnee gebracht. Als ich am nächsten Morgen die Vorhänge öffnete, lag die Welt unter einer neuen Schicht aus Weiß. Die Gipfel wirkten näher als am Abend zuvor und gleichzeitig unerreichbarer. Als hätte der Berg beschlossen, seinen höchsten Punkt noch ein wenig sorgfältiger zu bewachen.
Unten vor der Hütte herrschte bereits Bewegung. Skifahrer schnallten ihre Ausrüstung an, Stimmen vermischten sich mit dem Knirschen von Schnee und dem leisen Surren der ersten Lifte.
Doch meine Gedanken waren nicht bei den Pisten. Sie waren bei ihr. Vielleicht hatte ich deshalb kaum geschlafen. Vielleicht lag es aber auch an dem Blick, den sie mir zum Abschied geschenkt hatte. Diesem Blick, der länger geblieben war als notwendig. Länger, als vernünftig gewesen wäre. Manche Entscheidungen werden nicht getroffen. Sie reifen über Nacht.
Als ich die Hütte verließ, wartete sie bereits. Die waldgrüne Mütze. Das Kupfer ihrer Haare, das selbst im kalten Morgenlicht zu glühen schien. Sie lehnte lässig an einem Geländer und blickte ins Tal. „Du bist spät“, sagte sie, ohne sich umzudrehen.
„Du bist früh.“
„Wer etwas erreichen will, sollte rechtzeitig aufbrechen.“
Ich musste lächeln. „Und wenn der Weg länger wird als gedacht?“
Jetzt drehte sie sich zu mir um. „Dann zeigt sich, wer wirklich nach oben wollte.“ Für einen Augenblick hielten wir den Blick des anderen fest.
Dann setzte sie sich in Bewegung. Der Weg begann zunächst unspektakulär. Ein schmaler Pfad führte oberhalb der Pisten den Hang hinauf. Die Luft war klar. Jeder Atemzug fühlte sich an, als würde er bis tief in die Lungen schneiden. Wir sprachen wenig. Nicht weil es nichts zu sagen gegeben hätte. Sondern weil manches Schweigen mehr verrät als Worte. Mit jedem Höhenmeter wurde die Hütte kleiner. Die Menschen wurden zu Punkten. Die Geräusche des Tals verschwanden langsam hinter uns. Nur der Schnee blieb. Und ihre Schritte. Und meine.
Irgendwann erreichten wir einen Abschnitt, an dem der Weg steiler wurde. Sie blieb stehen. Nicht lange. Nur lang genug, um sich umzusehen. „Hier drehen die meisten um.“ Ihr Blick glitt über die Spur hinter uns.
„Warum?“
Sie lächelte. „Weil es ab hier unbequem wird.“ Der Wind fuhr über den Hang und spielte mit einer losen Haarsträhne. „Vorher träumt man vom Gipfel. Ab hier muss man etwas dafür tun.“
Ich folgte ihrem Blick nach oben. Das Gipfelkreuz war inzwischen deutlich größer geworden. Und doch schien es noch immer weit entfernt. „Bereust du es manchmal?“ Die Frage war heraus, bevor ich darüber nachdenken konnte.
Sie sah mich an. „Was?“
„Weiterzugehen.“
Für einen Moment antwortete sie nicht.
Dann schüttelte sie langsam den Kopf. „Nein.“ Ihre Stimme war leise. „Ich bereue nur die Wege, die ich nicht gegangen bin.“ Etwas an diesen Worten traf mich. Vielleicht weil ich wusste, dass sie nicht nur von Bergen sprach. Vielleicht weil ich selbst an Kreuzungen stehen geblieben war, die ich längst hinter mir hätte lassen sollen.
Wir gingen weiter. Der Wind wurde stärker. Der Anstieg härter. Und doch fühlte sich jeder Schritt leichter an als der letzte. Als würde etwas in mir endlich aufhören, gegen die Richtung anzukämpfen. Lange hatte ich geglaubt, Entschlossenheit sei etwas, das man irgendwann findet. Irgendwo zwischen Erfahrung und Gelegenheit. Doch je höher wir stiegen, desto deutlicher wurde mir, dass sie die ganze Zeit da gewesen war. Vergraben unter Zweifeln. Unter Vorsicht. Unter dem Wunsch, niemandem
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