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Der kleine Bruder (fm:Romantisch, 8646 Wörter)

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Veröffentlicht: Jul 18 2026 Gesehen / Gelesen: 273 / 201 [74%] Bewertung Geschichte: 10.00 (1 Stimme)
Der kleine Bruder findet sein Glück.

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mich zu Familienfeiern ein. Meist endet ein solcher Anruf damit, dass entweder mein Gegenüber frustriert auflegt oder ich das Gespräch bzw ihre Tiraden angewidert beende. Wie immer sind sie der Meinung, ich soll aufhören, eingeschnappt zu sein und mich wie ein Mitglied der Familie benehmen. Nein, Danke, kommt gar nicht in die Tüte.

Früher habe ich mich nach einem solchen „Gespräch“ voll laufen lassen. Kommt heute nicht mehr vor. Entweder ein entspannter langer Lauf oder eine Stunde im Wasser oder eine schöne Ausfahrt auf meiner Maschine entspannen mich. Besonders entspannend sind dann die Gespräche mit meinen Kumpeln bei einem kleinen Bier und einem guten Steak.

Gerade denke ich an den heutigen Arbeitstag und um ehrlich zu sein, meine Tage bei der Firma sind wohl gezählt. Wie gesagt, es ist ja ok, aber ich habe den Eindruck, dass es schnell bergab ab geht mit der Firma. Die Entwicklung neuer Software und die damit verbundene Weiterentwicklung der bewährten, aber langsam älter werdenden Software, lässt nach meiner Meinung sehr zu wünschen übrig. Bei Kundenbesuchen und Beseitigung von Störungen habe ich schon oft kritische Worte von kompetenten Gegenüber zu hören bekommen und diese Anmerkungen auch an meinen direkten Vorgesetzten weitergegeben. Wahrscheinlich vergammeln diese im Schreibtisch oder gehen in ein Ohr rein und kommen beim anderen wieder raus. Viel Widerstand zwischen den Ohren ist sicher nicht vorhanden. Wenn er könnte und eine Handhabe hätte, wäre ich bestimmt schon draußen. Na, ich schaue mal nach einer Alternative.

Morgens war ich ein wenig von der Rolle und brauchte wesentlich länger und war daher ein wenig in Eile, als ich mit der Maschine in die Tiefgarage einfuhr. Und dann auch noch der Fastunfall. Wie kann nur eine so schöne junge Frau so nachlässig sein und mir so vor die Maschine laufen. Wirklich eine schöne Frau. Groß, gut gebaut mit langen Beinen und so was vor arrogant. Obwohl sie den Zusammenstoß verursacht hat und ich es nur mit viel Glück und vollem Einsatz verhindern konnte, blaffte sie mich doch voll an und ich musste mich sehr zusammen reißen, um nicht laut und unhöflich zu werden.

Der Tag ging so weiter, wie er schon begonnen hatte. Erst ein beschissener Job bei einem fast verloren gegangenen Kunden und dann noch ein Anruf meiner Mutter, der sanft begann und wie immer mit der Drohung endete, dass sie mich aus dem Testament streichen werden und ich kein Geld erben werde.

„Mutter, das ist doch Klasse. Dann werden die Beiden ja viel mehr erben. Das wird sie sehr freuen und mich nicht ärgern. Du kannst meinem alten Herrn ausrichten, dass er nur noch einen Sohn hat. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr die ständigen Anrufe lassen würdet.“

Wie schon so oft, habe ich das Handy fast in die Ecke geworfen. Schade, dass man bei einem Handy das Gespräch nicht so wie bei einem alten Festnetzanschluss beenden kann und den Hörer so richtig aufschmettern kann. Ich glaube, dass man mit einer solchen Funktion richtig Geld verdienen könnte. Mal überlegen, ob es für mich ist.

Und der Tag ging wirklich so weiter. Endlich Feierabend und ich war gerade dabei, mein Krad aus der Parkbucht zu manövrieren, als mich das Gekreisch einer Frau aus den Gedanken riss und ich die junge Frau vom Fastunfall mit einem schon älteren Herrn sah. Irgendwie kannte ich den Herrn.

„Das ist der Kerl, der mich fast umgefahren hat. Und dann auch noch die Frechheit hatte, mir die Schuld zu zu schieben. So eine Arroganz muss bestraft werden. Schmeiß ihn raus.“

Ich sah sie verständnislos an und meinte nur kurz.

„Ich wünsche auch eine guten Tag und wenn ich mich richtig an sie erinnere, sind sie ohne auf irgendetwas zu achten, nein stimmt nicht, sie haben auf ihr Handy gestarrt, vor mir auf die Fahrbahn gesprungen. Ich musste ein wenig abrupt bremsen, um sie nicht zu überfahren und freue mich, dass weder sie noch ich Schaden genommen haben.“

„Blödsinn. Sie sind mit viel zu hoher Geschwindigkeit hier rein geschlittert und haben mich bald umgefahren. Und dann auch noch frech werden. Papa, du musst ihn bestrafen.“

„Meine Dame, ich kenne den Herrn ebenso wie sie nicht und verwahre mich ausdrücklich gegen ihre Behauptungen, obwohl ich zugeben muss, dass ich eigentlich fluchen musste. Nur getan habe ich es nicht. Bei so schönen Frauen fluche ich nie. Auch wenn ich sagen muss, dass sie mich wirklich in Versuchung führen.“

Das Lächeln des Herrn war zwar nur andeutungsweise zu erkennen, aber ich bin beim Beobachten recht gut und wartete auf die weitere Entwicklung. Und sie kam.

„Junger Mann, mein Name ist Hart und ich bin der CEO dieses Unternehmens und dies ist meine Tochter Melinda und sie hat sich über ihr Verhalten hinsichtlich der Fahrweise und der Kommunikation bei mir beschwert. Wären sie bitte so nett und nennen sie mir ihren Namen und ihr Funktion in diesem Unternehmen.“

Langsam kam die Wut in mir hoch und ich musste mich ziemlich zusammen nehmen. Sicher wirkte das Gespräch mit meiner Mutter noch nach. Noch so eine arrogante Tussi und der Vater, das sich vor ihren Karren spannen ließ und die Prinzessin nicht in den Griff bekam oder es auch gar nicht wollte. Wie meine verdorbene Schwester. Aber erst mal das Notwendige.

„Hallo Herr Hart. Mein Name ist Leo Winter und ich bin Systemadministrator und Netzwerktechniker in der Abteilung 10 des Unternehmens. Zu mindestens bisher. Und um auf den Vorfall mit ihrem Töchterchen zurück zu kommen. Bevor sie mich feuern, sehen sie sich die Aufnahmen der Sicherheitskameras an und sie werden feststellen, wie es wirklich gewesen ist.“

Ich hatte den Eindruck, dass sich sein Lächeln noch vertiefte.

„Das werde ich tun und dann reden wir noch mal miteinander. Auch mit dir, mein geliebtes Töchterlein. Ich wünsche einen schönen Feierabend.“

Er musste seine immer noch zeternde Tochter fast weg schleifen. Sie war eindeutig nicht mit dem Verlauf des Gespräches zufrieden.

Es vergingen zwei Tage und am Freitag fuhr ich nach Feierabend schnell zu einem guten Kumpel aus dem Studium und verbrachte ein schönes Wochenende mit ihm und noch zwei ehemaligen Mitgliedern unserer Motorradgang. Dabei habe ich schon mal nach einem neuen Job gesucht und habe auch die Beziehungen genutzt. Bin zwar noch nicht zu richtig fündig geworden, aber es ist nicht aussichtslos und ich bin ja nicht unbedingt auf den sofortigen Anschluss angewiesen. Also erst mal auf die Entwicklung bei mir zu Hause abwarten.

Am Montag kam ich kurz vor Feierabend von einem Kunden, bei dem ich mir mal wieder anhören musste, dass die von uns gelieferte Software zwar gut ist, aber nicht mehr unbedingt den neuesten Stand verkörpert und er wohl unseren Service schätzte, aber doch überlegt, zu wechseln. Viel konnte ich dagegen nicht sagen, also lies ich es und war gerade auf dem Weg zu meinem Abteilungsleiter, als dieser mir entgegen kam und mir mitteilte, dass ich mich beim CEO melden soll.

„Wird wohl deinen Entlassung werden? Hast dich ja mit seiner Assistentin richtig angelegt.“

„Ich glaube nicht, dass sich dein Wunsch erfüllt und wenn doch, ist es ja kein Verlust für dich und deinesgleichen. Ein Mahner weniger. Vielleicht macht mich der Chef ja auch zu seinen persönlichen Mitarbeiter, der euch auf die Füße treten soll. Ein wenig mehr Bewegung würde euch sicher gut tun.“

Mir war langsam egal, wie die Sache hier enden wird. Auf jeden Fall würde ich dem CEO noch meine Meinung sagen. Egal wie es ausgeht, ich gehe mit erhobenen Kopf.

Das Telefonat mit dem Vorzimmer war kurz und endete damit, dass ich meinem Chef kurz zuwinkte und in den Fahrstuhl stieg und in die oberste Etage fuhr. Leicht durch meine Gedanken abgelenkt stieg ich aus der Kabine und wurde fast durch einen kleinen Jungen umgerannt. So etwa 4 Jahre alt und ziemlich wild. Bevor er hinfiel, konnte ich ihn noch packen und riss ihn hoch und wirbelte ihn rum. Schien ihm nicht viel auszumachen, den er war zwar laut, aber es war mehr ein Jauchzen als ein Schreckschreien. Als ich ich ihn hinstellen wollte, meinte er nur.

„Nochmal, nochmal.“

Wer bin ich denn, dass ich einem kleinen Kerl einen Wunsch abschlagen kann. Also noch mal eine wilde Drehung mit dem Kleinen auf dem Arm und schon mal ein paar Schritte in Richtung der Chefbüros gemacht. Im Büro saß die Schöne an dem großen Schreibtisch und sah nicht sehr begeistert aus, als sie mich sah, nun gut, ich auch nicht, schön und überheblich ergibt dumm. Oder seht ihr das anders?

Der kleine Mann lief aber auf sie zu und kroch auf ihren Schoß. Ihrer? Wohl kaum, aber man kann sich ja irren.

Ich musste warten. Es dauerte ein paar Minuten und dann verließ eine Dame das Chefbüro und der Junge rannte zu ihr und plapperte los. Das ist die Mutter und sie sah der Tochter des Chefs ähnlich. Ein wenig älter, nicht so strahlend, eher ein wenig traurig, aber sonst eine schöne Frau.

Nun gut, ich konnte zum Chef, der sich für die Verspätung entschuldigte, aber seine ältere Tochter hat ein paar Probleme, bei denen der Rat eines Vaters erbeten wurde. Dafür habe ich Verständnis.

Das folgende Gespräch war auf der einen Seite sehr informativ und auf der anderen Seite stärkte es mich in meinem Entschluss, nach einer anderen Herausforderung zu suchen. Er entschuldigte sich für den Vorfall mit seiner anderen Tochter, aber es schien mir nur Halbherzig. Aber ich kann mich irren, man soll immer das Beste hoffen.

Als ich mir die Freiheit nahm und ihn auf die nach meiner Meinung bestehenden Probleme anzusprechen, hörte er sich meine Worte zwar an, verschloss sich aber dann und beendete die Audienz, Nun gut, was hat eine kleiner Angestellter schon zu sagen. Welche Ahnung hat er schon.

Die nächste Zeit geschah wenig, zu mindestens, was mir auffiel.

Bei einem Treffen mit meinen Freunden lernte ich eine Dame kennen, die mir einen Tipp für einen anderen Job gab. Nun gut, es war keiner für meinen eigentlichen Abschluss, aber hörte sich interessant an. Eine noch ziemlich junge Firma suchte Fachkräfte und da sie noch recht jung war, war das Aufgabengebiet umfangreicher, nicht so festgeschrieben und einseitig. Interessant.

2 Monate später war ich einer der neuen Mitarbeiter und der Job brachte Spaß, richtig Spaß. Ziemlich selbstständige Arbeit, keine großen Überstunden und einen Chef, der auch noch zuhören kann. Nach und nach kamen mir Ideen und ich setzte mich eines Nachmittags, ich war gerade von einem Kunden zurück, mit dem Inhaber der Firma hin und unterbreitete ihm meine Vorschläge. Nicht in Detail, macht man nicht, wenn man selbst davon profitieren will, aber doch von der Zielrichtung und im Groben, wie man es erreichen will. Er war anfangs begeistert, wurde dann aber stiller und hob, als ich mit meinen Ausführungen fertig war.

„Der Gedanke ist super. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Sache Erfolg hat, aber es gibt einen riesen Harken. Nein, eigentlich zwei. Der erste ist das Kapital. Ich habe alle Reserven und meine komplette Kreditlinie für dieses Geschäft ausgegeben. Und so viel wirft die Firma nicht ab, dass ich schon wieder genug Kapital angesammelt habe. Und zweitens kann ich das auch organisatorisch nicht alleine schaffen, zu mindestens nicht, wenn ich noch für die Familie da sein will. Und das will ich.“

„Kann ich voll verstehen. Finde ich auch gut. Da wäre jemand, der einsteigen würde, das Kapital besorgen kann und auch die nötige Qualifikation hat. Wie man das rechtlich und gesellschaftsrechtlich absichert, muss uns ein Fachmann sagen, wenn du interessiert bist.“

Es dauerte mehrere ausgiebige Besprechungen, zwei Wochen Arbeit mit einem guten Wirtschaftsberater und dann gab ich mich zu erkennen und zwar bei einem Abendessen mit meinem Chef und zukünftigen Partner und seiner Frau in einem Lokal, in dem man lange Zeit im voraus reservieren muss.

Ich glaube, das Wundern begann schon, als wir das Lokal betraten und der Inhaber das Lokals sofort vor uns stand und mich umarmte.

„Es ist mir eine große Freude, dich hier mal wieder zu begrüßen. Natürlich freue ich mich genau so, deine Freunde hier in unserem bescheidenen Lokal begrüßen zu dürfen. Folgt mir bitte. Euer Tisch ist natürlich schon vorbereitet und ich hoffe, dass ihr euch hier wohl führt.“

„Herr Hu, bitte bedenkt, das wir noch zwei Gäste mehr erwarten. Also eine Person mehr, als ich sagte.“

„Dann darf ich sie bitten, einen kleinen Moment zu warten, damit wir den Tisch für sie noch umgestalten können. Es wird auch nur einen kleinen Augenblick dauern. Vielleicht kann meine Frau den Moment nutzen, sie zu begrüßen. Nari, wärst du so nett.“

Eine rundliche, aber sehr beweglich kleine Frau stürzte fast auf uns zu. Ich wusste, es würde stürmisch werden und so war es auch. Sie trug zwar keine Kopfbedeckung, wie es sonst üblich war in der Küche, aber der Rest der Bekleidung war eine schneeweiße Kuchenkluft. Sie umarmte mich fest und küsste mich auf beide Wangen.

„Leopold, mein Junge, ich muss dich tadeln. Du kommst viel zu selten her und ich kann dich so gar nicht genug verwöhnen. Bitte komme öfter zu uns. Du weißt, es ist immer ein Tisch für dich frei. Unsere Kinder würden dich auch gerne einmal wieder begrüßen und dir berichten, welche Erfolge sie in ihrem Studium erreicht habe. Bitte, Leo, schau öfter bei uns rein.“

Ihr Mann tippte ihr leicht auf die Schulter und sie nickte leicht.

„Ja, Mann. Ich gehe sofort und bereite das Festessen für meinen liebsten Gast und seine Freunde vor. Ein wenig Geduld, aber die Vorspeisen sind schon fast fertig.“

Nach einem Streichen über meine Wange war sie wie der Blitz verschwunden und wir wurden zu unserem Tisch geleitet. Meine Gäste hatten den Vorgang mit einigermaßen Unverständnis beobachtet.

„Jennifer, Kurt, geduldet euch ein wenig. Wenn unser Wirtschaftsberater und seine Frau da sind, werde ich das Geheimnis auflösen. Lasst uns ein Gläschen vorweg trinken.“

Schon ein paar Minuten später wurden meine letzten Gäste an unseren Tisch geführt und ich konnte ihnen erzählen, wie ich zu dieser Ehre gekommen bin.

Es ist schon drei Jahre her, da kam ich durch einen Zufall auf eine Gruppe Männer zu, die zwei Teenager, ein Junge und ein Mädchen, in eine Ecke gedrängt hatten und den Jungen geschlagen, man sah es, und festgehalten hatten. Sie waren dabei, dem Mädchen, der jungen Frau gerade die Bluse auszuziehen und dabei fielen nicht gerade freundliche Worte. Wenn ich es richtig verstanden habe, ging es um eine Schuld und die Eintreibung. Das war mir aber egal. So behandelt man eine Frau nicht und auch den jungen Mann nicht. Nun gut, ich hatte den Überraschungseffekt und meine Kunst des Kampfes. Es gelang mir, sehr schnell drei der Angreifer zu erledigen und die letzten Beide nahmen die Beine in die Hand und flohen. So lernte ich die Familie Hu, Inhaber eine damals noch nicht so bekannten koreanischem Lokal kennen, konnte ihnen bei der Bezahlung der Schulden bei eine nicht so netten Landsmann helfen und wurde dann auch ihr Teilhaber. Mit eine weiteren Summe wurde das Lokal erweitert und zu einem angesagten Treffpunkt der Liebhaber der asiatischen Küche. Übrigens eine gute Investition. Gewinnbringend.

Nun gut, ich und meine Freunde aus der Motorradgang, die übrigens nicht kriminell ist, haben noch einmal helfen müssen. So einfach wollte der Landsmann seine Einfluss nicht aufgeben. Regelmäßiges Schutzgeld schmälert aber die Gewinne und unsere Polizei ist manchmal ein wenig langsam und auf einigen Augen blind. So fuhren eines Tages etwa 15 schwere Motorräder vor einen Laden und drei Herren in eine schwarzen Kluft mit Baseballschläger gingen unter dem lauten Geräusch laufender Räder in den Laden und machten eine deutliche Ansage. Kurz darauf wurden vier Herren mit unterschiedliche Brüchen verarztet. Meine Jungs hatten damit natürlich nichts, aber auch gar nichts zu tun. Wir waren nicht da. Seitdem war alles geklärt.

Daher kann ich jederzeit dort essen, habe immer einen Tisch und die Familie liebt mich. Wenn ich nur einmal eine Andeutung gemacht hätte, wäre die Tochter auch meine Frau geworden. Aber ich wusste, sie liebt einen Studenten und ich liebe sie nicht. Wir beide sind dicke Freunde.

Gut, so einfach war es nicht. Es ist nur die Fassung für Fremde und Freunde, nicht für die Familie. Aber auch so verrückt genug.

Also haben wir sehr gut gegessen, uns noch einmal ausführlich unterhalten und dann war das Geschäft in Sack und Tüten und ich Mitinhaber einer neuen Firma unter altem Namen. Und sie lief gut. Die Geschäftsidee zahlte sich aus und meine Investition kam langsam wieder rein. Noch immer lagen auf der Bank genug Gelder, um mein Leben lange zu finanzieren.

Aber darum geht es nicht. Ich war immer noch alleine, hatte zwar Freunde, enge Freunde, aber Niemanden, der mein Bett wärmt und meine Bedürfnisse erfüllt. Nun gut, es gab immer mal Frauen in meinem Leben, mit denen ich die Laken zerwühlte, aber ein wirklich Bindung gab es bisher nicht.

Und dann kam der Tag, den ich nie wieder vergessen werde. Ich hatte eine Termin bei einem neuen Zahnarzt, falsch in einer für mich neuen Praxis mit drei Zahnärzten. Warum für mich neu? Nun mein alter Zahnarzt hatte eine zu enge Bindung an meine Schwester und nervte mich bei Terminen zu sehr mit seinen Geschichten mit der Familie. Also brauchte ich einen neuen Zahnarzt.

Ich saß nun im Wartebereich und hörte das Fluchen der Dame in der Anmeldung. Irgendwas mit der Computeranlage. Nun ja mein Spezialgebiet und Schmerzen hatte ich ja auch nicht und so bot ich mich an und wurde erhört.

War kein so großes Problem. Eine kleine Reparatur und die Anlage lief wieder. Bei der Reparatur habe ich festgestellt, dass dringend eine Erweiterung und Verbesserung der Firewall der Anlage notwendig ist. Das habe ich auch der Dame von der Anmeldung gesagt. Sie wollte es an die drei Zahnärzte weitergeben und gleich nach meiner völlig schmerzfreien Kontrolluntersuchung sprach mich einer der Ärzte an und ich machte ihm eine kurzen Vorschlag. Sie nahmen am nächsten Tag an, die notwendigen Arbeiten konnten aber nur an dem folgenden Wochenende erledigt werden, da sonst zu viele Daten der laufenden Behandlungen verloren gehen.

Also war ich am Samstag um 9 Uhr vor der Praxistür und staunte, dass mich der kleine Junge aus der Chefetage meiner alten Firma begrüßte. Neben ihm stand die Dame, die aus dem Chefbüro bekommen war und die nach Aussage des alten Chefs seine Tochter ist.

Die Arbeit war in zwei Stunden erledigt, wobei mir der kleine Kerl nicht von der Seite wich. Bei den Gesprächen neben der Arbeit bekam ich mit, dass Vera wirklich die Tochter meines ehemaligen Chefs und auch Zahnärztin in dieser Praxis ist. Der Kleine ist ihr Sohn, den sie heute mitnehmen musste, da der Vater keine Zeit für ihn hat. Mit einer leisen Stimme meinte sie, dass das eben manchmal so ist, wenn sich die Eltern scheiden lassen.

Entschuldigt, aber ich bin frech und habe die Beide zum Mittag eingeladen. Vera hätte wohl verneint, aber ich hatte einen Ass im Ärmel, ihren Sohn, der begeistert war. Das Essen lief gut und ich habe mich gleich noch mal verabredet. Vera war aber immer sehr zurückhaltend und ihr Sohn war da viel aufgeschlossener und er war auch die Verbindung zur Mutter. Nach einiger Zeit hatten wir dann auch Verabredungen ohne ihren Sohn und sie öffnete sich mir. So erfuhr ich, dass sie mit einem Doktor der Medizin, der am Krankenhaus arbeitet, verheiratet ist, in Scheidung lebt, da er fremd geht. Ja, immer noch fremd geht. Schlimm für sie ist, dass er ziemlich ausfallend ist und ihr unterstellt, dass sie ebenfalls fremd geht. Und was für sie völlig unverständlich ist, er meint, dass der Junge nicht sein wäre. Fast weinend erzählte sie, dass sie nie was mit einen anderen Mann gehabt hat.

Sonst verstanden wir uns sehr gut und es wurde noch besser, als wir uns an einem Sonnabend zum Mittagessen verabredeten. Tobias, ihr Sohn, war bei seinen Großeltern und daher hatte sie mehr Zeit. Es war gutes Wetter, warm und sonnig, kaum Wind und so entschied ich mich für das Motorrad. Eigentlich hätte ich vorher mit ihr reden sollen und so brauchte ich etwas länger, um sie aufs Rad zu quatschen. Aber nach einer kurzen Strecke scheint es so, dass sie es genoss. Ich auf jeden Fall, denn sie schmiegte sich fest an meinen Rücken. Kann aber auch Angst sein.

Wir haben in einer Ausflugsgaststätte einfach aber gut gegessen, sind lange spazieren gegangen und dann noch ein wenig durch die Gegend gefahren. Nicht ohne Ziel, nur sie kannte es nicht. Eine frühere Dorfgaststätte, die schon lange ein Treffpunkt der Biker ist, war das Ziel, das ich ansteuerte.

Wir wurden mit lautem Hallo von meinen Freunden begrüßt. Sie waren mit ihren Frauen, Freundinnen da, ein bisschen Tanzen, quatschen und auch ein Bierchen trinken. Es ist eine verschworene Truppe und ich glaube, hier kann man seine volle Brieftasche liegen lassen und bekommt sie voll wieder. Aber eins ist noch viel besser. Auch wenn es ziemlich locker zugeht, auch schon mal ein schlüpfriger Witz gerissen wird und auch eng getanzt wird. Die Partnerinnen der Freunde sind absolut tabu.

Es dauerte keine Stunde und Vera war mittendrin und die Damen der Truppe hatten sie in ihre Mitte geholt. Ich glaube sogar, dass Vera ein Glas Wein mehr getrunken hat, als sie sich vorgenommen hat. Wir sind nicht zu spät los gefahren und ich habe sie heil und gesund zu Hause abgeliefert. Nach einer schon recht festen Umarmung gab es zum ersten mal einen Kuss auf den Mund. Also hat sich der Ausflug gelohnt und auch noch Spaß gemacht.

„Danke, war sehr schön. Können wir das noch mal machen?“

Wir haben am Sonntag fast eine Stunde miteinander telefoniert. Dann musste sie ein Date am Mittwoch absagen und ich war gerade nach Hause gekommen, hatte mir ein kleines Abendbrot gemacht und wollte mich eigentlich vor den Fernseher setzten und eine weitere Serie reinziehen, als es Sturm klingelte. Vor meine Tür stand Vera und sah nicht gut aus. Ein blaues Auge, eine aufgesprungene Lippe und Schlagspuren im Gesicht. Und sie weinte. Sicher nicht nur wegen der Schmerzen. Was soll man mit einer so verstörten Frau machen? Also in den Arm ziehen, umarmen und in meine Wohnung ziehen.

Es sei klar gestellt, dass Vera noch nie in meiner Wohnung war. Ich führte sie zum Sofa, half ihr sich hin zu setzten und ging in die Küche, holte eine Beutel eingefrorener Erbsen aus der Gefriertruhe, aus dem Bad ein flauschiges Handtuch und gab es ihr. Sie verstand und legte sich den Beutel auf das langsam anschwellende Auge. Wieder schnell in die Küche und ein Glas und eine Flasche Wasser geholt. Sie trank ein Glas und legte sich zurück. Ich half ihr und hob die Beine hoch, die Schuhe hatte ich schnell entfernt und eine leichte Decke gab ihr noch mehr Sicherheit.

Eigentlich hatte ich nur zwei Fragen. Erstens, wo ist Tobias und wer hat sie so zugerichtet? Ich habe nur die erste Frage gestellt und auch eine vernünftige Antwort bekommen. Es war bei ihrer Schwester und die habe ich dann angerufen. Nein, ich hatte die Telefonnummer nicht, aber Vera gab mir ihr Telefon und nicht mal eine halbe Stunde später hatte ich eine Furie und eine verschüchterten Jungen in meiner Wohnung. Ihre Schwester verkannte total die Situation und fauchte mich an, wie ich ihre Schwester so zu richten kann, ich kam gar nicht zu Worte. Erst als Vera laut wurde und das fiel ihr nicht leicht, wurde die Sache geklärt und ich erfuhr auch, dass ihr Ehemann der Verursacher war. Vera war aber so eingeschüchtert, dass sie keine Anzeige wollte. In mir brodelte es und ich schwor mir, dass ich ihn schon noch zu fassen bekomme.

Melinda, ihre Schwester, nahm nach über 2 Stunden Tobias mit zu den Eltern und Vera hatte zwei Tabletten genommen und war beim Einschlafen. Sie ließ sich sogar dazu überreden, in mein Schlafzimmer zu gehen, zog sich dort aus und kroch in meine Bett. Ich habe die Nacht auf dem Sofa verbracht.

Morgens habe ich das Büro informiert, dass ich mindestens einen Tag frei brauche. Kann ich als Chef schon mal machen. Veras Gesicht sah auch nicht gut aus. Das Auge war jetzt total blau und die Lippe angeschwollen. Auch sie hat sich in der Praxis entschuldigt. Es ist bestimmt besser, wenn die Patienten ihre Ärztin nicht so sehen.

Wir saßen gerade beim Frühstück, als es klingelte. Mir eröffnete sich die einmalige Chance, ihren Ehemann kennen zu lernen. Mein Gott, wie stank der Mann nur nach Alkohol. Er drängte in die Wohnung und beschimpfte seine Frau auf die übelste Art und Weise. Ich wartete und bekam die Gelegenheit. Als er Vera schon wieder angreifen wollte, lag er sehr schnell mit schmerzenden Knochen in der Ecke der Küche und hatte sich beim Fallen den Kopf sehr an der Kante der Küche aufgeschlagen. Ich stellte mich zwischen den am Boden liegenden Mann und Vera, rief die Rettung und die Polizei.

Die Rettung dauerte knapp 20 Minuten und kurz darauf kamen auch zwei Beamte der Polizei und es ging jetzt seinen Gang. Hausfriedensbruch, Körperverletzung waren die zwei Sachen, die erst einmal aufgenommen wurden. Vera wurde gründlich untersucht, ihre Verletzungen dokumentiert und ich wurde wegen der Verletzungen, die er erlitten hat, verhört.

Dann war wieder Ruhe. Ich war gerade dabei, die Blutflecken zu beseitigen, als es wieder klingelte und diesmal stand eine sehr schöne Dame vor der Tür und bat, ihre Tochter sprechen zu können. Mama war recht aufgeregt und ich gab den Beiden die Gelegenheit, alleine zu reden. War ja in der Küche genug zu tun. Als ich fertig war, schaute ich kurz ins Wohnzimmer, die Beiden saßen auf dem Sofa und als ich fragte, ob sie mit mir Essen würden, schaute Vera mich an und zeigte auf ihr Gesicht.

„Ich bestelle für uns.“

Ihr denkt richtig, Herr Hu hat verdammt schnell geliefert und uns schmeckte es sehr gut. Ihr Mutter schaute lange auf die Behälter mit der Aufschrift des Lokals, sagte aber nichts. Was mich aber wunderte, Vera blieb hier. Nun, ich habe mich nicht beschwert, überlegte aber, wie ich das Sofa verbessern kann, ist nicht für mehrere Nächte geeignet. Brauchte es auch nicht, denn nach einem netten Abend zog mich Vera ins Schlafzimmer.

"Komm mit mir ins Bett, aber benimm dich. Ich bin noch verheiratet und außerdem tut meine Lippe noch sehr weh. Aber in den Arm nehmen kannst du mich gerne, wenn du es willst.“

Natürlich wollte ich und wie ich wollte. Ich hätte auch noch mehr gewollt, aber man muss warten können und das was ich bei der Umarmung spürte, war sehr vielversprechend.

Am nächsten Tag musste ich mal wieder arbeiten und Morgens verabschiedete sich Vera mit kleinen Küssen.

„Können wir das noch mal machen? Ich habe so herrlich in deine Armen geschlafen.“

Ich habs versprochen.

Zwei Woche später hatte Vera eine große Bitte, die mich in einige Schwierigkeiten stürzte. Sie bat mich, sie zu einer großen Wohltätigkeitsveranstaltung zu begleiten. Nun wäre es nicht so schwierig, einen Smoking besitze ich, kann mich bei Tisch benehmen und auch ganz ordentlich tanzen, aber auf dieser Fete sind die restlichen Mitglieder meiner Familie sicher da, waren sie immer. Nicht, weil sie so mitfühlend sind, sondern weil es ein großes gesellschaftliches Ereignis ist und sie natürlich dort ihren Reichtum zur Schau stellen müssen. Und ich bin mir sicher, wenn ich dort mit Vera und sicher auch ihren Eltern auftauchen werde, gibt es Schwierigkeiten.

Ich habe mir Vera gegriffen, mich mit ihr aufs Sofa gesetzt und ihr reinen Wein eingeschenkt, ihr meine wahre Abstammung enthüllt und ihr auch die Gründe für meine Veränderung erklärt. Sie war zuerst verwirrt, dann erschreckt und dann wütend. Nicht auf mich wütend, sondern auf meine Familie und deren Einstellung, auf ihr Verhalten. Und wir haben uns entschieden, ihren Eltern die Sache zu erklären und gemeinsam zur Veranstaltung zu gehen.

Ihr könnt mir glauben, eine solche Überraschung habe ich noch nie erlebt. Natürlich war ihr Vater überrascht, dass seine ältere Tochter, noch verheiratet, mit einem anderen Mann ankam und dann auch noch mit einem ehemaligen Angestellten seiner Firma. Nun, seine Frau und ihre Schwester Melinda waren nicht so überrascht oder doch, zu mindestens überrascht, dass Vera auf dieser Veranstaltung öffentlich zeigen wollte, dass sie mit mir ausgeht und wahrscheinlich auch, dass wir zusammengehören.

Nein, wir hatten immer noch keinen direkten Sex, aber es würde sicherlich nicht mehr lange dauern, bis auch diese Hürde überwunden ist. Ich war mehr als bereit und ich war mir gegenüber auch ehrlich, es war nicht nur das Verlangen, mit dieser Frau intim zu werden sondern ich mochte sie sehr. Ja, ich konnte mir viel mehr vorstellen. Aber ihr kennt ja mein Motto. Immer mit der Ruhe und ja kein Druck. Vera entscheidet.

Aber zurück zu meinem ehemaligen Chef. Zunächst überrascht, dann lachte er und das sehr lange.

„Junge, ich stehe jetzt nicht nur wegen meiner Tochter in deiner Schuld und weiß bald nicht, wie ich es wieder gut machen soll. Zunächst aber vielen Dank, dass du sie aufgenommen und verteidigt hast. Ich kann heute noch nicht verstehen, wie sich ihr Ehemann zu einem solchen Arschloch entwickelt hat. Hoffentlich ist der Alptraum bald vorbei. Leider hat unser Rechtssystem mal wieder völlig versagt. Ihr kennt ja den Strafbefehl. Aber zu etwas anderem. Danke für deine Worte zum Zustand meiner Firma. Frage Melinda, was einige Tage nach deinem Weggang bei uns los war. Für deinen Anstoß danke ich dir.“

Beim Kaffee bzw, wir waren fast fertig und saßen noch bei einer Tasse Kaffee zusammen, Tobias spielte mit Lego in der Ecke der riesigen Couch, kam Vera auf unser Problem zu sprechen. Ihr hättet mal die Augen der noch nicht Eingeweihten sehen sollen. Natürlich kannten sie meine Familie. Zwar nicht gut, aber doch wussten sie, wer sie sind und wie viel sie wert sind.

Ich habe meine Probleme versucht, so einfach wie möglich zu erklären, wurde aber von Veras Mutter gnadenlos ins Verhör genommen und nach einer etwas ausführlichen Erklärung doch unerwartet in die Arme genommen. Der böse Blick von Vera brachte mich bald zum Lachen und ihren Vater auch. Ihre Mutter sah ihren Mann an und dann ging ihr wohl ein Licht auf.

„Vera, ja, ich mag diesen Kerl, aber mehr als deinen Partner, den hoffentlich viel besseren Partner. Keine Angst, mein Schatz, ich mische mich nie in eure Angelegenheiten ein. Nur eins sei gesagt, wenn ich an deiner Stelle wäre, wüsste ich genau, was ich machen würde und das würde nicht lange auf sich warten lassen. Viel Glück, meine Große.“

Wir wurden uns einig, dass die Familie uns zu der Veranstaltung begleitet, wir einen Tisch kaufen würden und sehen würden, wie sich der Abend entwickelt. Ja, zu dieser Veranstaltung musste man die Karten kaufen und wenn man an einem Tisch gemeinsam sitzen wollte, kostete das extra.

Und nur zur Kenntnis. Auch an diesem Abend haben wir nicht miteinander geschlafen. Ging ja auch nicht, da Vera in ihrem Zimmer bei den Eltern schlief.

Der Abend der Veranstaltung kam und ich holte Vera von ihren Eltern ab. Ich will nicht zu sehr schwärmen. Ein verliebter Mann ist da sicher immer nicht objektiv oder etwas sehbehindert. Ich war begeistert und hatte beim Betreten des Saals zwei wunderschöne Frauen an meiner Seite. Vera und auch Melinda waren top gestylt und konkurrieren sicher mit ihrer ebenfalls sehr schönen Mutter. Schaut euch die Schwiegermutter genau an, dann könnt ihr erahnen, wie euer Schatz in 20/25 Jahren aussieht. Ich freute mich darauf.

Nun, wir erregten Aufsehen. In der Gesellschaft kennt man sich und ich war ja kaum wirklich in der Gesellschaft bekannt, aber Vera kannte man. Und man wusste auch über die Ehe bzw ihr Ende Bescheid. Aber es ist auch hier nicht üblich, vor dem offiziellen Ende der Ehe so demonstrativ mit einem neuen Partner aufzutauchen. Und es dauerte auch nicht lange, bis die Damen und Herren mich einordnen konnten. Auch wenn man es vermied, das Wispern und Tuscheln war auffällig. Nun ja, Vera war auch nicht sehr zurückhaltend. Nichts Anstößiges, aber ihr Anspruch wurde deutlich gemacht. Und dass ihre Eltern einverstanden waren, machten sie durch nette Gesten und ein lockeres Gespräch deutlich.

Genau so deutlich machte ich, dass ich den Sinn der Veranstaltung kenne. Als Spenden gesammelt wurden und diskret eine junge Sammlerin vorbei kam, erlaubte ich mir, den bereits gefertigte Scheck zu reichen. Der Dank war demonstrativ. Tausend Euro sind ja auch eine Summe, die nicht immer bei einer Tischsammelaktion überreicht wird. Große Spenden gehen meist beim Vorstand der Organisation vorher ein. Und die Eintrittspreise sind ja auch ein wichtiger Teil der Sammlung.

Und dann war es so weit. Meine Familie erschien. Mutter stockte kurz, sah mich mit einem starren Lächeln an und Vater war mal wieder wütend, wann war er es mal nicht. Wenn Mutter nicht eingegriffen hätte, wäre meine Schwester wohl genau wie mein Arsch von einem Bruder gleich zu mir gekommen, aber so ging dieser Kelch an mir vorbei.

Das Essen war gut, für den Preis angemessen und verlief ruhig. Der Vorstand nutzte die Gelegenheit und es wurde berichtet. Langweiliges Zeug, aber wohl notwendig.

Lasst mich drei Begebenheiten dieser Feier erwähnen, aber vorher sagen, dass der erste Tanz, nein die erste Runde mit Vera ein Erlebnis waren. Ihre Augen leuchteten und die Nähe war erregend. Ihre Mutter, mit der ich natürlich auch eine Runde tanzte, während Vera mit ihrem Vater tanzte, lächelte mich an und sagte nur, dass wir ein tolles Paar seien.

Und dann begann die Familie. Zuerst kam meine Mutter und ich sah schon an den Gesichtern von Vera und ihrer Mutter, dass da Ärger auf mich zu kam. Wie vermeidet man auf einer solchen Veranstaltung Ärger. Ich habe mit meiner Mutter die letzten zwei Tänze der Runde getanzt und sie dann zu ihrem Tisch zurückgebracht. Mehr als ein kurzes Nicken hatte ich nicht für meine Familie.

„Ich denke, ich habe meine unbedingte Pflicht für heute Abend erfüllt. Danke für den Tanz. Mehr Kontakt ist nicht nötig und auch nicht erwünscht, haltet euch daran.“

Nein, ich habe nicht laut gesprochen, aber doch verständlich. Zum ersten mal seit langer Zeit hatte ich den Eindruck, dass meine Mutter mich verstand. Der Rest aber sicher nicht.

Zeigte sich dann auch nach einer weiteren Runde mit Vera. Wir waren gerade wieder zu unserem Tisch zurück, als mein aufgeblasener Bruder auf uns zusteuerte und sie sehr direkt aufforderte, zum Tanz aufforderte. Die Reaktion Veras war göttlich.

„Nein, auf keinen Fall. Erstens tanze ich nicht mit unhöflichen Menschen. Ein höflicher Mensch hätte meinen Partner gefragt und zweitens tanze ich nur mit meinem Freund, der mich mag und höflich behandelt.“

Dabei hielt sie mich fest und zum Abschluss bekam ich ein Küsschen, nicht auf die Wange sondern auf den Mund. Dann drehte sie sich um und fragte.

„Schatz, lass uns kurz an die Bar gehen und eine Kleinigkeit trinken.“

Eigentlich hatten wir noch jeder Getränke auf dem Tisch. Ihre Eltern kamen auch vom Tanz und ihr Vater lächelte.

„Schatz, eine wunderbare Idee und ich hoffe, wir dürfen euch begleiten.“

Also, wenn ich an der Stelle meines Bruders gewesen wäre, hätte ich mir eine Ecke gesucht und mich dort verkrochen. Aber ich bin ja nicht mein Bruder.

Der Abend war schon recht fortgeschritten und Vera und ich überlegten, ob es angebracht wäre, die Feier schon jetzt zu verlassen, als ihr Ehemann mit meinem Bruder auf uns zukam. Er hatte nach meiner Einschätzung schon wieder wesentlich zu viel getrunken und in seinem Suff wollte er mit Vera tanzen. Dabei war er nicht höflich, nicht zärtlich, nein grob und ausfallend gegenüber seiner Frau. Mich beachtete überhaupt nicht.

Im Augenwinkel sah ich, dass Veras Vater sich umsah und dem Einlaßdienst einen Wink gab. Die beiden Herren kamen langsam auf uns zu, sahen mich und grinsten und wurden langsamer.

Als Veras Mann handgreiflich wurde und Vera anpackte, lag er schon wieder auf dem Boden. War nun wirklich keine Kunst. Betrunken und dumm ist eine schlechte Mischung. Ich sah nicht mal hin, nur meinen Bruder an und zischte.

„Verschwinde oder du liegst gleich daneben.“

Auch wenn ich nicht glaube, dass er es begriffen hat, was ich für Vera tun würde, es reichte, um umzudrehen und in der sich ansammelnden Masse zu verschwinden.

Veras Vater beugte sich zu dem immer am Boden liegenden Mann, packte ihn am Jackett und zog ihn kurz hoch.

„Ich bringe dich in den Knast, vernichte dich, wenn du noch einmal meine Tochter anmachst.“

Dann ließ er ihn fallen, lachte mich an und meinte zu mir in Fortsetzung seiner Worte.

„Aber ich glaube, du lässt mir dafür nichts mehr übrig.“

Zog mich in eine kurze Umarmung und sah Vera an.

„Geht schon. Belohn ihn.“

Und belohnt wurde ich. Bis zu meinem Bett waren wir ja noch einigermaßen vernünftig, aber was dann folgte, erschöpfte mich und ließ mich fragen, welchen Teufel ich mir ausgesucht habe. Engel machen doch so was nicht. Erst einen aussaugen, dann wieder steif blasen und fast zu Tode reiten und nicht genug bekommen. Nur gut, dass wir Beide nur wenig Alkohol getrunken haben.

Selbst als ich Morgens noch nicht richtig wach war, hat sie sich das genommen, was sie wollte und ist dann noch mal in meinen Armen eingeschlafen. Mein Gott, roch das Zimmer und erst die Frau, die neben mir wach wurde, mich anstrahlte und leise flüsterte.

„Liebling, ich brauche eine Pause, sonst franse ich aus. Aber es war wunderbar. Ich wollte es schon lange. Und noch mal danke, dass du auf mich aufpasst.“

Wir haben noch einige Minuten im Bett gelegen und waren beschäftigt. Duschen, leider getrennt. Die Dusche ist zu klein. Dann saßen wir in meiner Küche. Nein, wir waren nicht nackt, haben ein wenig gegessen. Kaffee getrunken und uns geliebt. Ich war vollkommen zufrieden und habe dann so aus der Laune heraus gefragt.

„Vera, Schätzchen, wann heiraten wir?“

Hätte ich diese Frage bloß nicht gestellt. Vera ist bestimmt nicht schwer, aber eine Frau, die einen Radierstart hinlegt, sich auf einen stürzt und auf einen wirft, ist schon eine Macht. Nur gut, dass ich gelernt habe, schnell und effektiv zu reagieren sonst wären wir wohl auf dem Fußboden gelandet.

„Eigentlich sofort, aber spätestens einen Tag nachdem meine Scheidung fertig ist.“

Übrigens hatte ich keine Verlobungsring in der Tasche oder irgendwo im Haus. Aber am Montag habe ich eine kurze Auszeit genommen, bin zur Bank gefahren, habe mein Schließfach geöffnet und den Ring meiner Großmutter geholt, bin auf direktem Weg zur Praxis meiner Frau gefahren und habe ihr vor ihren Patienten einen formvollendeten Antrag mit Niederknien und Frage gemacht. Sie hat nicht nur ja gesagt sondern mich auch lange geküsst.

Der Ring musste zwar noch angepasst werden, aber der Goldschmied war schnell damit fertig.

Habe ich eigentlich erzählt, dass ich Vera und ihren Jungen am Samstag ins Lokal meines Freundes geführt habe. Frau Hu hat mich fast erdrückt und Vera an ihre Brust gezogen und mit Tränen in den Augen geherzt. Natürlich durften wir am Familientisch abseits des eigentlichen Lokals sitzen und Tobias war der absolute Star. Vera war ein wenig von den Socken, hielt sich aber gut. Nur ihre Mutter schimpfte das erste mal mit mir. Nun gut, ich habe ihnen versprochen, dass wir schnellstens Alle dort Essen gehen. Habe ich auch eingehalten und dann wussten alle, dass ich stiller Teilhaber bin. Übrigens weigert sich die Familie HU, mich aus der Teilhaberschaft zu entlassen.

Mit Vera entwickelte sich alles hervorragend. Auch wenn sie nicht jede Nacht bei mir übernachtete und es nicht nur um Sex ging, war sie oft bei mir. Ihre Wohnung, ihre Ehewohnung nutzte sie nie. Sie hat mir ehrlich gestanden, dass sie Angst vor ihrem Mann hat. Ich kann sie auch nicht rund um die Uhr beschützen und daher ist es besser, wenn sie bei mir oder bei ihren Eltern ist.

Wir verstanden uns hervorragend. Nicht nur im Bett sondern auch sonst. Schön und klug ist eine perfekte Mischung. Was mich aber besonders anzog, ist, dass sie eine natürliche Freundlichkeit und Zurückhaltung hat.

Den letzten Punkt setzten wir in unserem ersten längeren Urlaub in einer Ferienanlage in Schwarzwald. Sicher hätten wir auch eine Anlage im Ausland wählen und uns leisten können, aber wir wollten etwas für Tobias und außerdem eine ruhige und abgeschiedene komfortable Hütte und dafür war die Anlage super. In einer der schönen Nächte hat mich Vera gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mit ihr ein oder zwei Kinder zu haben. Überlegen musste ich nicht. Kinder gehören nach meiner Meinung zu einer Familie dazu und leisten konnten wir es uns sicher. Wenn ich heute daran denke, glaube ich, dass Vera da schon schwanger war. Sicher erst am Anfang, aber spüren es Frauen nicht, wenn sie schwanger sind? Sie hat bei meinem "Sicher" fast 15 Minuten an meiner Schulter geweint.

Am dritten Tag des Urlaubs war ich mit dem Kleinen baden und war dabei, ihm die Grundzüge des Schwimmens zu zeigen, als er mich fragte, mit diesem kindlichen Lächeln fragte, ob ich sein Papa werde. Er ist mir nicht um den Hals gefallen, als ich bejahte, hat aber genickt und weiter gemacht.

Zwei Wochen nach Rechtskraft der Scheidung standen wir Mitten in der Woche vor dem Standesbeamten und haben uns das Ja-Wort gegeben. Sehr zum Ärger der Mutter, die ein großes Fest wollte. Hat sie bekommen, aber erst rund einen Monat später und ohne Pomp. War auch nicht mehr so möglich, denn das Bäuchen war schon zu sehen und ließ sich im Hochzeitskleid nicht mehr verbergen. Da war der zwar schicke Hosenanzug schon besser.

Auf einer Feier, bei der ich eine der Hauptpersonen bin, trinke ich nur wenig und so fiel mir eine Dame in der Eingangshalle des Hotels auf, in dem wir feierten. Als ich Vera darauf aufmerksam machte, nickte sie mir zu und küsste mich kurz.

„Mach es, Schatz, sie ist deine Mutter.“

Ich habe den Schatten überlistet und habe sie überrascht.

„Mutter, du musst hier nicht verstecken spielen. Komm rein und begrüße meine Frau und meine neue Familie. Du bist willkommen. Aber keinen Streit. Meine Frau braucht Ruhe und viel Liebe.“

Es hat einige Sekunden gedauert und dann hat mich meiner Mutter das erste mal seit langer Zeit umarmt und mir gratuliert.

„Ja. Man sieht es deiner Frau an. Sie ist schwanger. Weißt du schon, was es wird?“

„Nein, wir wollen uns überraschen lassen. Nun komm aber, sonst suchen sie uns. Vera weis Bescheid.“

Meine Mutter ist nicht lange geblieben, aber sie und meine Frau sind beim Abschied längere Zeit in einem separaten Raum verschwunden und ich sah, dass meine Mutter Vera beim Abschied lange Zeit umarmte. Vera lachte mich an und antwortete auf meine Frage.

„Schatz, nur Mädchensachen und es ist ok. Sie wird uns sicher öfter besuchen. Sei bereit.“

Ich weiß, dass ich in dieser Nacht eine sehr süße Frau in den Armen hatte, die sehr bestimmt ihr Recht als Ehefrau forderte. Als sie mir in fortgeschrittener Stunde sagte, dass ich ihre große Liebe bin und sie mir alles, wirklich alles geben würde, was eine Frau ihrem besten Liebhaber geben konnte, meinte sie explizit auch ihren süßen Hintern.

„Liebling, ich hoffe, dass ich dich nicht enttäusche, aber das ist etwas, was ich nicht gerne in Anspruch nehmen will. Es sei denn, du bestehst darauf. Aber das glaube ich nicht. So ein bisschen spielen, ja, aber nicht ganz. Nicht, dass mich irgendwas an dir ekeln würde, aber es steht nicht unbedingt auf der Speisekarte.“

„Ich bin nicht böse, eher glücklich. Ich dachte nur, weil es immer so beschrieben wird, dass Männer es wollen. Nein, für dich immer, aber lieber nicht.“

„Na, da siehst du wieder, dass ich etwas aus der Art geschlagen bin.“

Vera hatte einen Monat vor der voraussichtlichen Entbindung Sorge, dass sie mir nicht genug Sex bieten kann. Diese Sorge bekam ich raus, da sie einen etwas bedrückten Eindruck machte.

„Vera, du bist gerade jetzt die schönste Frau, die ich mir vorstellen kann. Alles, dein großer Bauch, deine gewachsenen Brüste und dein süßes Gesicht sagen mir, dass du für mich schön bist, dass du die Frucht unserer Liebe unter deinem Herzen trägst. Es ist wunderschön und ich hoffe, dass es dir und dem Kleinen in dir gut geht. Du hast mir in den vergangenen Wochen so viel Liebe und Sex gegeben, dass ich ein paar Wochen wohl ohne Sex auskommen kann, wenn du mir nur weiter deine Liebe gibst.“

An dem kommenden Wochenende hatte ich die Familie zu einem Essen bei Familie Hu eingeladen und wunderte mich, dass der Tisch nicht nur für 5 Personen sondern für 7 gedeckt war. Zunächst kam Melinda mit einem noch recht jungen, aber zu ihr passenden Mann, den ich schon irgendwo gesehen hatte. Sie lächelte und sagte nur, dass sie ihn auf der Gala kennengelernt hat und er sie bei einem Tanz mit ihr vor meinem Bruder beschützt hat. Er hat sich einfach nicht abklatschen lassen. Es muss noch mehr gewesen sein, aber lass ihnen die kleinen Geheimnisse.

Und dann kam meine Mutter und wurde durch Vera mehr als nett begrüßt. Der Abend war wie immer bei Familie Hu ausgezeichnet und ich musste schon ein wenig energisch werden, als mir die Rechnung verweigert wurde. Also habe ich geschätzt und 20 % auf die Schätzung aufgeschlagen. Vera lächeltet. Nun, was sie mit meinen Partnern abmacht, kontrolliere ich nicht.

Übrigens ist meine Mutter eine sehr beliebte Großmutter und hat ihrem neu geborenen Enkelkind, eine Tochter, kurz nach der Geburt ein Konto für die Kosten der Ausbildung geschenkt und mich dabei verschmitzt angelächelt.

„Du Sturkopf nimmst doch kein Geld von mir, aber deine Kinder darf ich doch verwöhnen. Tobias bekommt auch den Betrag für die Ausbildung und ich glaube, deine Frau wird dich noch überraschen.“

Wir haben uns ein Haus am Rande der Stadt in einer noch ländlich geprägten Vorstadt, gekauft, es umgebaut und modernisiert und leben jetzt, fast 25 Jahre nach den Ereignissen mit unseren vier Kindern glücklich. Nein. Sie sind nicht mehr ständig im Haus. Tobias ist schon selber Vater von zwei süßen Mädchen. Unsere Große, Viola, schließt gerade ihr Studium ab. Hat lange gedauert, aber sie wird bestimmt eine gute Rechtsanwältin. Natalie und Melanie studieren beide noch und wir hoffen, dass eine einmal eine gute Zahnärztin und die andere eine ebenso gute Technikerin werden. Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend und finanzielle Sorgen haben sie ja nicht.

Ja, ich habe nur Töchter fertig bekommen. Ist aber auch bei der Vorlage nicht verwunderlich. Beklagt hab ich mich nicht.

Vera ist immer noch Zahnärztin und will auch noch nicht aufgeben. Sie wartet auf unsere Tochter und dann werden wir in die Sonne reiten. Meiner Firma geht es gut. Auch hier ist für eine Nachfolge gesorgt. Unsere Jüngste zeigt großes Interesse. Also alles bestens. Ich bin zufrieden und liebe meine Frau immer noch so sehr und bin mir sicher, sie erwidert diese Liebe. Wir haben es wirklich geschafft, trotz mancher kleine Probleme, diese lodernde Liebe zu bewahren. Wer glaubt, dass es in 25 Jahren Ehe keine Probleme gibt, lebt entweder auf dem Mond oder in einer Fantasiewelt.

Meine eigentliche Familie ist in den Jahren zerbrochen. Erst hat sich meine zickige Schwester mit einem reichen Herren aus einem südeuropäischen Land abgeseilt. Ob sie glücklich ist, wissen wir nicht. Meine Mutter auch nicht, die in der Nähe unseres Wohnortes in einer Seniorenresidenz wohnt. Und das nach einigen Jahren in einer sehr guten Wohnanlage einige Kilometer entfernt. Sie ist zwar immer noch mit meinem Vater verheiratet, aber sie haben sich schon lange getrennt. Vater liebt immer noch junges Gemüse und macht sich langsam lächerlich. Nicht meine Problem.

Mein großer Bruder hat einen schlimmen Unfall gehabt, der ihn fast in den Rollstuhl gebracht hat. Nein, kein Autounfall. Er kam von einer verheirateten Frau, nicht mit ihm verheiratet, und ist fürchterlich gestolpert. Bei dieser Geschichte ist er auch geblieben. Keiner hat ihm geglaubt, aber die Ermittlungen haben keine Täter erbracht und meine Bruder hat nichts gesehen oder gehört. Auf jeden Fall geht er zur Zeit an Krücken und ich gehe davon aus, dass es schlimmer wird. Nun ja, noch mal einen Ehemann verärgern wird er nicht. Sonst geht es ihm aber gut. Die Familie hat ja Geld und kann sich Angestellte leisten.



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