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Konzert Teil 4 (fm:Ehebruch, 2100 Wörter) [4/4] alle Teile anzeigen

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Veröffentlicht: Aug 21 2026 Gesehen / Gelesen: 844 / 755 [89%] Bewertung Teil: 9.63 (19 Stimmen)
Manchmal ist Schweigen Gold, manchmal aber auch grundverkehrt,… und Verschwiegenheit ist meistens positiv konotiert, Verschweigen aber immer negativ.

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© Cerar Dieser Text darf nur zum Eigengebrauch kopiert und nicht ohne die schriftliche Einwilligung des Autors anderweitig veröffentlicht werden. Zuwiderhandlungen ziehen strafrechtliche Verfolgung nach sich.

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ihn wie übelster Vertrauensbruch, ja wie Ehebruch aussehen. Wer aber hatte ihm diese Bilder geschickt und warum? Desto länger sie darüber nachdachte, gab es nur eine schlüssige Erklärung. Es waren Bilder, die Ron mit seinem Handy gemacht hatte und über die nur e r verfügen konnte, es sei denn, er hätte sie an Dritte weitergeschickt.

Es fiel ihr wie Schuppen von den Augen! Ron ist ein echtes Schwein! Er will ihre Ehe zerstören! Und dieses zweite Foto war wahrscheinlich von ihm nicht durch ein versehentliches Ausrutschen entstanden, sondern voll bewusst geplant!

Egal wie, sie musste Jan erreichen, musste ihm erklären – aber, würde er ihr glauben, glauben können?

Sie versuchte erneut ihn anzurufen, wieder und wieder, doch die Ansage war stets die gleiche: ‚Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht erreichbar‘. Sie schrieb ihm, SMS, WhatsApp, e-mail, aber Jan antwortete nicht. Es war mittlerweile schon nach Mitternacht und Panik ergriff mehr und mehr Besitz von ihr. Sie wollte nur noch nach Hause, wollte zu Jan, wollte sich erklären. Sie hatte doch wirklich Nichts getan, jedenfalls nichts Unverzeihliches.

Sie würde am Morgen nicht zur Arbeit gehen, sie würde heimfahren, doch der frühest mögliche Zug ging erst in über vier Stunden. Und während sie resigniert feststellen musste, dass sie im Moment nichts tun kann, wuchs in ihr die Wut auf Ron, dem sie das alles zu verdanken hat.

Auch ihn versuchte sie anzurufen, doch auch er war für sie nicht erreichbar. Dieses Verdammtsein zur Untätigkeit zerrte an ihren Nerven. Was , wenn Jan ihr nicht glaubt? Nur Ron hatte die Möglichkeit, die Wahrheit zu bezeugen und zu erklären.

Um 05:04 Uhr saß sie im Zug nach Hause. Es war eine fürchterlich lange Fahrt, während der sie immer wieder versuchte, ihren Mann zu erreichen-vergeblich. Der Schock kam, als sie die Haustür aufmachte. Auf dem Couchtisch standen drei leere Bierflaschen, eine halbvolle Flasche Baccardi und zwei leere Cola-Dosen, sowie ein leerer Pizza-Karton. Auch das Schlafzimmer war unaufgeräumt, was an sich nicht schlimm gewesen wäre, wenn nicht die Schranktüren offen gestanden hätten und die darin normalerweise ordentlich gestapelte Wäsche wüst durcheinander gelegen hätte. Offensichtlich fehlte Einiges, genau wie auch verschiedene Hemden und Hosen von der Kleiderstange daneben. Die leeren Bügel lagen achtlos verstreut am Boden und auf dem Bett. Jan war gegangen. Er hatte sie verlassen!

Kati brach weinend auf dem Bett zusammen.

Es dauerte lange, bis sie sich wieder einigermaßen stabilisiert hatte. Wieder versuchte sie Jan zu erreichen, doch es war vergeblich. Er hatte inzwischen zwar sein Handy wieder aktiviert, doch offensichtlich hatte er sie als Kontakt gesperrt. So konnte sie noch nicht einmal eine Nachricht schicken. Vielleicht würde er ja die e-mail lesen, die sie ihm zusätzlich geschrieben hatte. Keiner seiner Freunde konnte oder wollte ihr helfen bzw. ihr einen Hinweis geben, wo er sein könnte. Aus dem Sekretariat der Firma, in der er arbeitete, erfuhr sie, dass er an diesem Morgen völlig unerwartet Urlaub genommen habe, den man ihm aufgrund seiner ansonsten immer korrekten Arbeitsauffassung gewährt hat.

Am späten Nachmittag bekam sie dann Besuch von ihrer besten Freundin Judit. Ihr hatte sie eine WhatsApp geschrieben und sie gefragt, ob sie nach der Arbeit vorbeikommen könnte. Es ginge ihr sehr schlecht.

Als die sie sah, war sie ehrlich entsetzt über ihren Zustand. Die Augen gerötet und geschwollen vom vielen Heulen, dunkle Ringe darunter, die Haare so zerzaust, dass einzelne Strähnen wie Strohbündel vom Kopf wegstanden und sogar auf den Wangen klebten, ganz zu schweigen von der ungeordneten Kleidung, die sie in diesem heruntergekommenen Zustand wie eine Stadtstreicherin aussehen ließ. „Mein Gott Kati! Wie siehst du denn aus? Was ist denn passiert?“, fragte sie bestürzt, als Kati die Tür öffnete. „Komm rein!“, forderte sie sie auf.

Im Wohnzimmer angekommen nahm Judit sie in die Arme und hielt sie eine lange Zeit fest an sich gedrückt. Auch wenn beide kein Wort sprachen, es tat einfach gut. Dann erkundigte ihre Freundin sich direkt nach Jan, aber Kati konnte ihr natürlich nichts Neues sagen. Also forderte Judit sie auf zu erzählen. Sie ließ ihr dabei alle Zeit, die sie brauchte, unterbrach sie nur selten, um ihr zu zeigen, dass sie ehrlich mit Anteilnahme zuhörte.

Kati fühlte sich danach besser. Endlich hatte sie die Gelegenheit, ihre Sorgen mit einem anderen Menschen zu teilen. Sie fühlte sich jetzt sogar schon wieder stark genug, für sie beide einen Kaffee zu kochen.

Als sie mit den beiden Kaffeetassen zurück ins Zimmer kam, überraschte Judit sie mit einem Vorschlag: „Was hältst du davon, wenn ich Jan anrufe und mit ihm rede? Ich habe doch auch seine Nummer. Mich hat er ja wahrscheinlich nicht gesperrt.“

In Kati erwachte augenblicklich ein Funken der Hoffnung. „Mensch Judit, das ist eine super Idee. Du hast recht, mit dir spricht er vielleicht. Bitte, wenigstens einen Versuch ist es wert.“ – „Genau das meine ich auch, aber du hältst dich zurück, nein, besser noch, komplett raus. Vertrau mir einfach! Ich gehe ins Nebenzimmer zum telefonieren und du bleibst hier, d’accord?“

Nur schweren Herzens stimmte sie zu, doch letztendlich hatte Judit sicher recht. Und wahrscheinlich konnte sie auch so ziemlich alles mithören.

Nur kurze Zeit später hörte sie Judit sprechen. Jens hatte das Gespräch angenommen. „Jan, du kannst dir denken, warum ich anrufe?“ Das war für beide eine Suggestivfrage und deshalb fuhr sie direkt fort: „Du , klar, wenn du der Meinung bist, es geht mich nichts an, verstehe ich das. Aber ich muss dir einfach als Freundin von Kati, aber auch von dir, als um unserer aller Freundschaft wegen, sagen, dass Kati bitter leidet. Sie schwört Stein und Bein, dass da nichts mit Ron gelaufen ist. Der ist plötzlich im Restaurant aufgetaucht, hat sich zu ihr gesetzt und einen auf kumpelhafte Freundschaft zwischen euch dreien gemacht.“ Jan unterbrach sie, nicht derb, aber bestimmt: „Kennst du die Fotos, die ich dir gerade geschickt habe?“ Judit öffnete die Nachricht. „Ja, allerdings“, antwortete sie und Jan sprach weiter: „Dann sieh dir mal genau an, wo die zu sehen sind.“ Schnell erkannte Judit, worauf Jan hinaus wollte. Die beiden Fotos waren auf der Klatschspalte einer Boulevard-Zeitung abgedruckt!

Das war allerdings heftig. Sie verstand, dass Jan sich nicht nur betrogen fühlte, sondern für jedermann öffentlich ausgeschmiert und gedemütigt wurde.

„Jan, Ich verstehe deine Wut, ja wirklich. Und ich habe keine Erklärung für das, was hier abgeht. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass Kati nicht lügt. Ich verspreche dir, dass wir das aufklären werden. Bitte gib uns, gib dir und Kati, gib eurer Ehe etwas Zeit und damit eine Chance.“ Seine Antwort klang, anders als sie erwartet hatte, nicht wütend, sondern eher resigniert und traurig: „Judit, ich weiß, dass du mich nicht anlügen würdest, aber ich fürchte, dass wir alle beide Katis Märchenstunde aufgesessen sind.“

Sie musste erkennen, dass Jans momentaner emotionaler Zustand denkbar ungünstig für eine Aussprache zwischen ihm und Kati war. Doch so ganz ohne Ergebnis wollte sie das Gespräch auch nicht beenden, und deshalb fragte sie ihn, wo er denn gerade sei, doch auch hier blockte er ab: „Im Urlaub. Mehr musst du nicht wissen. Ich bin mir sicher, dass du alles, was wir besprochen haben, gleich nachher Kati erzählen wirst, und auf eine Auseinandersetzung mit der habe ich nun wirklich zu diesem Zeitpunkt keine Lust. Diesen finalen Stress erspare ich mir. Den sollen dann irgendwelche Anwälte erledigen.“ Jan hatte sich während der letzten Sätze immer mehr in Rage geredet. Ohne irgendein Wort der Verabschiedung hatte er das Gespräch mit ihr abrupt beendet.

Judit war ratlos. Was sollte sie ihrer Freundin sagen? Die Wahrheit? Was hatte sie erreicht? Okay, sie hatte Jan erreicht, aber das war auch schon alles. Im Gegenteil, seine Haltung gegenüber Kati hatte sich als noch viel schlimmer als befürchtet herausgestellt. Er war vom hinterhältigen Ehebruch seiner Frau so felsenfest überzeugt, dass er die Scheidung verlangen wird. Und seinen Aufenthaltsort, den zu erfahren Kati so wichtig ist, weil sie davon überzeugt war, dass sie ihm im direkten Gespräch alles würde erklären können, den hatte sie auch nicht in Erfahrung bringen können. Andererseits wusste sie, dass ihre Freundin fürchterlich unter dem Missverständnis litt. Aber eine verharmlosende Lüge würde ihre verfahrene Situation möglicherweise eher noch verschlimmern, und so entschied sie sich für die schonungsvoll verpackte Wahrheit.

Kati, die im angrenzenden Zimmer auf sie wartete, hatte zwar so einiges mithören können, doch den Zusammenhang des Gesprächsinhalts konnte sie so nicht nachvollziehen. Umso aufgeregter und ungeduldiger erwartete sie die Rückkehr ihrer Freundin ins Zimmer, doch deren Mimik und Körpersprache ließ nichts Gutes erwarten. „Judit, sag schon, was hat er gesagt?“, fragte sie ungeduldig, doch in ihrer Stimme schwangen die Angst und Sorge unüberhörbar mit.

Und Judit berichtete ihr von dem, was sie mit Jan gesprochen hatte. Letztendlich gab es ja nicht viel Neues. Sie wussten noch immer nicht, wo Jan sich aufhält. Allerdings traf sie die Nachricht von der Wirkung der Bilder in der Klatschpresse tief. Ron, dieses Schwein hatte wohl genau das beabsichtigt.



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