Die Schwesternschaft 7/8 (fm:Sonstige, 8840 Wörter) [6/6] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Jassi | ||
| Veröffentlicht: Apr 08 2026 | Gesehen / Gelesen: 598 / 479 [80%] | Bewertung Teil: 9.80 (25 Stimmen) |
| Jasmina lernt Idril kennen und erfährt mehr über sich und ihre neue Welt. | ||
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Eine ihr unbekannte junge Frau bat Jasmina ihr zu Selina zu folgen. Sie erwartet sie unten in ihren Räumlichkeiten.
An der dunklen Holztür angekommen verabschiedete sich die Frau und ging durch den Gang zur Eingangshalle.
Jasmina klopfte entschlossen gegen die Tür und wartete einen Moment, bis sie hineingerufen wurde.
Als sie die Tür öffnete, stand Selina direkt vor ihr. So als wenn sie bereits auf sie gewartet hätte. Sie trug eine weinrote Tunika, die ihr fast bis zu den Füßen reichte und von den Schultern in Form eines V über die Brust bis zur Taille bestickt war. Die Stickereien zeigten Symbole und verschiedene Runen, die kunstvoll mit goldenen Fäden eingearbeitet waren. Wie bei Jasminas Kleid, besaß das Gewand auch eine Kapuze.
„Guten Morgen Jasmina, du siehst wunderschön aus in dem Kleid,“ begrüßte sie Selina überschwänglich. „Idril wird sich bestimmt freuen, dich so zu sehen!“
„Guten Morgen Selina“. Jasmina schloss die Tür hinter sich und trat in den Raum. „Warum sollte sich Idril freuen, mich so zu sehen? Ist es etwas Besonderes, dieses Kleid zu tragen?“
„Später Jasmina, lass uns erstmal eine Kleinigkeit frühstücken,“ Selina deutete zum großen Gartenfenster, vor dem ein kleiner Tisch mit leckeren Sachen stand.
Der Duft von frischem Kaffee, Brötchen und Croissants waberte durch den Raum und erinnerte Jasmina daran, dass sie am Abend zuvor nur eine paar Canapés gegessen hatte. Nicht dass ihr Magen knurrte, aber beim Anblick des gedeckten Tisches bekam sie schon Appetit, zumal auch eine Schüssel mit Rührei auf einem Stövchen stand.
„Gerne,“ erwiderte Jasmina und nahm Platz. „Nun merke ich doch, dass ich etwas Hunger habe.“
„Kaffee oder Tee,“ Selina zeigte auf zwei verschiedene Kannen. „Was darf es sein?“
Jasmina reichte ihr ihre Tasse,
„Gerne Kaffee, danke!“
Selina bediente sich an der Teekanne und fügte Kandiszucker und einen Schuss Sahne hinzu.
„Ich mag es wie die Britten,“ lächelte sie und trank einen Schluck. „Bitte bediene dich, es könnte länger dauern, bis du wieder etwas zu essen bekommst. Idril ist nicht unbedingt für ihre Gastfreundschaft bekannt,“ fügte sie hinzu und hob entschuldigend ihre Schultern an.
Sie aßen mit Ruhe von den Leckereien ohne ein Wort zu sprechen. Erst als sie fast fertig waren, schaute Selina über den Rand ihre Tasse zu Jasmina und fragte beiläufig, ob ihr die Massage vom Vorabend gefallen hätte.
Jasmina konnte nicht verhindern, dass ihr Gesicht warm wurde und die Wangen sich röteten.
„Es war eine neue Erfahrung für mich und Lyra hat sich sehr bemüht, mich zufriedenzustellen,“ antwortete sie mit leicht gesenktem Kopf.
„Du musst dich dafür nicht schämen, Jasmina, meine Mädels genießen diese Behandlung regelmäßig,“ beruhigte Selina Jasmina mit einem entwaffnendem Lächeln. „Wie du ja bereits festgestellt hast, fehlen uns hier und nicht nur hier männliche Hexen, die sich unser Annehmen könnten.“
„willst du damit sagen, dass du auch….“ fragte Jasmina erstaunt.
„Natürlich, ich bin ja nicht nur die Clanmutter, sondern auch eine Frau mit Bedürfnissen. Wir helfen uns gegenseitig,“ erklärte Selina ohne Scham und strich Jasmina über den Arm.
Jasminas Augen ruhen auf Selinas Hand, die noch immer auf ihrem Arm ruhte,
„Hilft dir Moran auch ab und zu,“ fragte sie scheinheilig und schaute hoch. Sie glaubte ein kurzes Aufblitzen in Selinas Augen gesehen zu haben, das aber sofort wieder verschwand.
„Du hast Moran kennengelernt,“ stellte sie mit ruhiger Stimme fest. „Moran ist ein äußerst gutaussehender und kräftiger Mann, mit dem man sich in einer schwachen Stunde die Zeit vertreiben kann. Ab und zu habe ich eine schwache Stunde.“
Also ja, dachte Jasmina, Selina lässt sich von Moran beglücken,
„Ich bin ihm gestern zufällig begegnet, als ich aus dem, naja, aus dem Tempel kam. Er erkundigte sich etwas anzüglich, ob es mir den gefallen hätte. Er scheint ein sehr von sich überzeugt zu sein.“
„Das ist er wohl! Er kann aber auch tatsächlich sehr überzeugend und ausdauernd sein. Moran ist wegen der Feierlichkeiten am Sonntag hier und muss beweisen, dass er unsere Junghexen glücklich machen kann.“ Selina erklärte dies mit der Sachlichkeit einer Züchterin, die über die Fähigkeiten eines Deckhengstes spricht. „Aber wir schweifen ab, wir sollten uns besser auf den Besuch bei Idril vorbereiten!“
Jasmina trank noch einen Schluck Kaffee um ihr Grinsen zu unterdrücken und schaute Selina dann fragend an,
„Muss ich mich irgendwie besonders verhalten,“ wollte sie wissen, „oder gibt es besondere Regeln, die bei einem Besuch eingehalten werden müssen?“
„Idril wird sich vermutlich erst zeigen, wenn sie sicher ist, dass wir alleine sind und uns niemand folgt oder beobachtet. Sie ist da ganz eigen. Das Portal wird sich nicht dort befinden, wo Idril ihr Haus, Höhle oder sonst was hat, sondern es wird so weit entfernt sein, dass wir wahrscheinlich einen längeren Spaziergang machen müssen. Ich gehe davon aus, dass und jemand erwartet und uns zu ihr führen wird. Wer oder was werden wir dann schon sehen.“
„Das ist ja alles sehr geheimnisvoll und irritierend. Wozu diese Vorsichtsmaßnahmen? Und was wird von mir erwartet?“
„Zunächst wird Idril nur mit mir sprechen wollen bevor sie sich an dich wendet. Sei einfach aufmerksam und nimm alles in dich auf was du siehst und was du hörst, aber dränge dich nicht in den Vordergrund. Wenn Idril soweit ist, wird sie es dich wissen lassen. Was sie genau vorhat weiß ich nicht, aber sie wird versuchen herauszufinden wer du bist, wessen Blut in deinen Adern fließt. Sie besitzt eine besondere Magie, die sie dabei einsetzen wird. Eine Magie, über die ich nicht verfüge!“
„Richtet die Magie irgendetwas an, was mir schaden könnte? Dringt sie in mich ein und dreht mich auf links? Auf was muss ich mich gefasst machen?“
„Du musst keine Bedenken haben, keine von uns wird dir Schaden zufügen! Und ja, die Magie wird dich auf eine besondere Art und Weise durchleuchten und hoffentlich Ergebnisse bringen. Idril jedenfalls zeigt großes Interesse an dir. Dein Blutbild scheint…sagen wir außergewöhnlich zu sein.
„Was, wenn es tatsächlich so sein sollte und ich habe irgendetwas in mir, was mein Leben verändern könnte? Wie könnte sich das auf mein Hier und Jetzt auswirken? Auf mein Beruf, auf mein soziales Umfeld, einfach auf alles? Das würde doch mein komplettes Leben auf den Kopf stellen!“
„Du solltest dir erst dann Gedanken darüber machen, wenn wir von Idril zurückgekehrt sind und wissen, was sie über dich entdeckt und gesagt hat. Wir werden gemeinsam eine Lösung finden.“ Mit einem Blick auf ihre Uhr sagte Selina, dass es Zeit zum Aufbruch sei und sie das Frühstück beenden sollten.
„Du hast vorhin gefragt, ob es etwas Besonderes sei dieses Kleid zu tragen, das du anhast. Ich will dir die Frage beantworten, also, es ist insofern etwas Besonderes, weil es ein sehr altes Kleid ist, auch wenn man es ihm nicht ansieht, und es traditionell von Frauen getragen wird, die eine gewisse Stellung in der Schwesternschaft innehaben. Und so wie ich Idril verstanden habe, vermutet sie in dir eine Frau, die solch eine Stellung einnehmen könnte. Aber das sind nur Vermutungen, nichts als Vermutungen, daher solltest du dir jetzt nicht den Kopf zerbrechen, das kannst du noch früh genug machen.“
„Das beruhigt mich jetzt nicht wirklich,“ antwortete Jasmina mit belegter Stimme. „Bevor wir uns auf die Reise begeben würde, ich gerne noch einen Moment für mich haben, wenn es geht.“
Selina nickte wissend und zeigte auf eine unscheinbare Tür, die Jasmina bisher noch gar nicht wahrgenommen hatte, „natürlich, du kannst gerne mein Bad nutzen.“
Wenig später standen Selina und Jasmina vor einer freien Stelle der Zimmerwand neben dem Bücherregal. Beide hatten ihre Kapuzen übergezogen. Selina schob ein unscheinbares Buch zu Seite und legte ein handflächengroßes Eingabefeld frei. Mittels der mit Runen versehenen Tasten, gab sie den von Idril übermittelten Code ein.
Die Wand wurde unversehens lebendig, waberte und öffnete sich schließlich. Durch den entstandenen Zugang trat Selina in das Portal und zeigte Jasmina an, ihr zu folgen. Jasmina spürte wie sich ihr Magen vor Aufregung und Unsicherheit zusammenzog, ihre Knie fingen an zu zittern, sie war nicht in der Lage den kleinsten Schritt zu machen.
Hastig ergriff Selina die Hand von Jasmina und zog sie in das Portal, das sich unmittelbar hinter ihnen schloss.
Jasmina hatte keine Gelegenheit sich zu orientieren, sie wurde in einen sich rasend schnell drehenden Wirbel gesaugt und verlor das Gefühl von Ort und Zeit.
Als sie wieder zu sich kam, saß sie auf dem bemoosten Boden einer Waldlichtung mit dem Rücken an einen großen Felsen gelehnt. neben ihr war Selina, die sich bereits erhob und sich umschaute. Sie reichte Jasmina die Hand und half ihr auf.
„Wir warten hier, bis wir abgeholt werden. Ich habe keine Ahnung wer es sein wird, ab es wird jemand kommen.“
Jasmina sah sich ebenfalls um, konnte aber niemanden erblicken.
„Ich kann keine Menschenseele erkennen,“ sagt sie leise mit ängstlicher Stimme. „Sind wir hier auch richtig? Nicht dass uns Idril in eine gottverdammte Einöde gelockt hat.“
„Das hat sie nicht,“ entgegnete Selina und zeigte zu dem gegenüberliegenden Waldrand. „unser Guide ist bereits da.“
Jasmina folgte Selinas Blick und sah einen, halb von einem Busch verdeckten, riesigen schwarzen Wolf. Meine Güte, so einen Monsterwolf gibt es doch gar nicht, dachte sie; ihre Nackenhaare stellten sich vor Schreck auf und sie ließ die Bestie nicht aus den Augen.
„Dieses Monster ist unser Empfangskomitee,“ fragte sie flüsternd und trat enger an Selina heran.
„Ja,“ kam die knappe Antwort, „komm, wir folgen ihm.“
Als sie sich dem Wolf näherten vernahmen sie ein leises Knurren und ein kurzes Bellen, das ähnlich eines Hundes klang. Jasmina fragte sich, ob dies eine Art Begrüßung oder eher eine Warnung war. Der Wolf wendete sich ab und trabte entlang des Waldrandes bis zu einem schmalen Pfad, der für ungeübte Augen kaum erkennbar war. Dort blieb er kurz stehen, vergewisserte sich, dass die Frauen ihm auch folgten und lief weiter.
Jasmina und Selina hatten Mühe mit ihm Schritt zu halten, sie mussten auf Wurzeln achten, um nicht zu stürzen und ebenso auf Zweige, damit sie ihnen nicht ins Gesicht schlugen. Trotz aller Vorsicht konnte es Jasmina nicht verhindern, dass sie mit einem Ärmel ihres Kleides an einer Dornenhecke hängen blieb und ein Stück des feinen Stoffes rausgerissen wurde.
Nach einiger Zeit öffnete sich der dichte Wald und sie sahen eine Ebene vor sich die leicht in Richtung einer Felsenlandschaft anstieg. Weit im Hintergrund erhob sich ein mächtiges Gebirge, dessen Gipfel weiß in der Sonne schimmerten. Mit einem kurzen Bellen forderte der Wolf die Frauen auf weiterzugehen.
Als sie die bizarre Felsformation erreicht hatten, verharrte der Wolf und wartete knurrend, bis Jasmina und Selina zu ihm aufschlossen. Mit seinen gelben, leicht schräg stehenden Augen starrte er sie an, seine Lefzen waren etwas geöffnet und ließen die spitzen Reißzähne erkennen. Er hatte einen muskulösen Körper, einen kräftigen Brustkorb und einen muskelbepackten Nackenbereich.
Einem solch gefährlichen Tier ist Jasmina noch nie so nahegekommen. Gott sei Dank machte es keine Anzeichen über sie herzufallen.
Der Wolf drehte sich weg und verschwand nach ein paar Schritten hinter einem Felsvorsprung. Jasmina und Selina folgten ihm, als sie hinter dem Felsvorsprung traten, konnten sie ihn aber nirgendwo sehen. Er war verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Jasmina legte den Kopf in den Nacken und schaute die steile Felswand nach oben, aber dort war erst recht nichts zu erkennen, kein schwarzes Fell. Wie auch dachte sie, schließlich ist er ein Wolf und kein Schneeleopard, der in den unwegsamen Gebirgen des Himalayas lebt. Da kommt niemand hoch.
Jasmina sah zu Selina, die ein paar Schritte weiter gegangen war und hinter jeden Winkel, hinter jedem Vorsprung nachschaute. Als ihre Blicke sich trafen, schüttelte Selina den Kopf und kam zurück.
„Was soll das, er kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben,“ schnaubte Jasmina und starrte den Felsen an.
„Das hat er auch nicht,“ antwortete Selina, „vermutlich steckt Idril dahinter und erlaubt sich einen Scherz mit uns. Vielleicht beobachtet sie uns und lacht sich ins Fäustchen. Wir werden warten, mal sehen was passiert.“
Sie gingen dorthin, wo der Wolf verschwunden sein könnte, zu dem Felsvorsprung. Selina betrachtete konzentriert den Fels, achtete auf jede unnatürliche Veränderung und Form, auf jeden Riss und jede Struktur. Als sie ihre Hände auf das Gestein legen wollte, erklang aus dem Fels ein tiefes Knurren.
Selina machte unwillkürlich einen hastigen Schritt zurück und prallte gegen Jasmina, sodass beide fast zu Boden fielen. Kaum war das Knurren verklungen, erschien aus dem vermeintlich festem Gestein die monströse Gestalt des Wolfes. Mit einer unglaublich geschmeidigen Bewegung sprang er heraus und landete vor den beiden erschrockenen Frauen.
„Ein magischer Zugang,“ flüsterte Selina und fixierte die schroffe Wand aus Felsgestein. Es gab keine Veränderung, keine Öffnung durch die man schlüpfen könnte, nichts. „Unglaublich über welche Möglichkeiten Idril verfügt! Also gut, dann werden wir wohl da durch müssen, folgen wir dem Wolf!“
Der Wolf drehte sich um und ging langsam auf die Felswand zu. Als er sie mit der Schnauze berührte, löste sich das Gestein auf wunderbarer Weise auf und es erschien ein schmaler Zugang zu einem dunklen Gang. Dicht hintereinander folgten Jasmina und Selina und traten in den Gang. Kaum hatten sie den steinigen Boden unter den Füßen, schloss sich hinter ihnen der felsige Zugang. Gleichzeitig entflammten wie von Zauberhand Fackeln, die an der Wand in eisernen Halterungen steckten.
Jasmina spürte, wie sich in ihrem Körper die Wärme ausbreitete, die sie schon an den Tagen zuvor überzogen hatte, wenn sie sich in der Nähe von Hexen oder deren Magie befand. Nur war die Wärme, die sie gerade fühlte deutlich intensiver und pulsierte heftig durch ihren Körper. Ihre Härchen an den Armen hatten sich aufgerichtet. Sie waren von mächtiger Magie umgeben, anders konnte sich Jasmina das Phänomen nicht erklären.
„Ich spüre Magie,“ flüsterte sie Selina zu, „sehr starke Magie, ich habe das Gefühl innerlich verbrennen zu müssen!“
„Es ist die besondere Magie, die nur Idril besitzt! Sie ist sehr mächtig!“
Sie folgten dem Wolf durch den steinernen Tunnel, bis nach ungefähr hundert Metern vor ihnen ein diffuses Licht zu erkennen war. Je näher sie dem Licht kamen, umso heller wurde es, sie hatten das Ende des Ganges erreicht. Vor ihnen öffnete sich ein von riesigen Felswänden umschlossenes Tal mit weitläufigen Grün und mit Großen Laubbäumen, eher schon ein Laubwald, der sich bis in die Ferne erstreckte. Auf der rechten Seite lag ein von der im Zenit stehen Sonne in Silber getauchter See, der von hohem Gras und Schilf umgeben war. Das vom Wasser reflektierte Sonnenlicht blendete sie für den Moment, sodass sie kurz die Augen schließen mussten.
Dem See gegenübergelegen fing ein großes, sehr wehrhaft wirkendes Blockhaus ihre Blicke ein. Aus massiven Stämmen gebaut, mit einer großen Veranda und recht kleinen Fenstern sah es aus wie die überdimensionierte Kopie einer Jagdhütte aus den Erzählungen von Jack London. Wären da nicht die Photovoltaik-Module auf dem Dach hätte man glauben können, sich auf einer Zeitreise in das Amerika des 18. Jahrhunderts zu befinden.
Selina und Jasmina gingen dem Wolf hinterher, der einem kaum sichtbaren Pfad in das Tal hinein folgte. Ab und zu drehte er seinen mächtigen Schädel und überzeugte sich davon, dass sie noch da waren. Der Pfad schlängelte sich durch das saftige Grün an vereinzelte Büschen und Hecken vorbei in Richtung Blockhaus. Jasmina bewunderte die vielen unterschiedlich blühenden Blumen, die aus der Ebene, in Verbindung mit dem majestätischen Hintergrund aus Wald und Felsen, ein farbenfrohes Gesamtbild schufen.
Nachdem sie das Haus erreicht hatten, verharrte der Wolf auf der Veranda und schien zu warten. Erst aus der Nähe konnte Jasmina erkennen, wie stabil und akkurat das Blockhaus gebaut wurde. Die Stämme waren so exakt aufeinander abgestimmt, dass keine Unebenheit oder Ritzen erkennbar waren. Im Verhältnis zum Gebäude waren die Fenster relativ klein und hatten hölzerne Läden, die man verriegeln konnte. Sie waren von innen mit Vorhängen verdeckt. Auf dem Dach thronte ein mächtiger Schornstein mit schwarzen Rändern an der Öffnung, die darauf hindeuteten, dass in den kalten Jahreszeiten gut geheizt werden muss. Verkabelungen der Photovoltaikanlage führten unter hölzernen Abdeckungen zu einem am Boden der Veranda stehenden rechteckigen Metallkasten, bei dem es sich sicher um einen Stromspeicher handelte. Ganz ohne moderne Technik konnte man wohl auch nicht im selbstgewählten Exil leben.
Ein hölzernes Knarren erregte Jasminas Aufmerksamkeit. Als sie sich dem Geräusch zuwandte, sah sie, dass sich die massive Eingangstür öffnete und eine weibliche Gestalt aus dem Haus heraustrat. Sie hatte schlohweiße fast silbrige Haare, die ihr weit über die schmalen Schultern reichten und ihr maskenhaftes Gesicht einrahmten. Die Frau trug einen langen bis über die Knie reichenden braunen Wildlederumhang mit auffälligen Ornamenten in verschiedenen Formen und Farben. Unter dem Umhang konnte Jasmina ein hochgeschlossenes dunkles Kleid erkennen, das vermutlich auch aus Leder war.
Mit ausdrucksloser Mine betrachtete sie die Ankömmlinge, strich dem Wolf über das schwarze Fell und flüsterte ihm etwas zu. Schließlich schaute sie Selina an und der Hauch eines freundlichen Lächelns erschien auf ihrem Gesicht.
„Es ist lange her Selina, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Bestimmt hundert Jahre. Du hast dich nicht verändert, immer noch die selbstbewusste Schönheit,“ begrüßte die Frau Selina mit fester Stimme. „Willkommen in Whisperstone, komm in mein bescheidenes Haus und sei mein Gast,“ sie schaute kurz zu Jasmina, „das gilt natürlich auch für deine Begleiterin.“
„Danke für deine Gastfreundschaft Idril! Unser letztes Zusammentreffen ist tatsächlich schon sehr lange her, ich kann mich aber noch gut daran erinnern. Du warst in unserer Stadt als ich als Clanmutter eingesetzt wurde,“ Selina deutete eine Verbeugung an, „und ich bin dir immer noch dankbar, dass du mich damals unterstützt hattest.“
Idril winkte gönnerisch ab,
„Du hattest es dir verdient, ich habe nur die anderen Clanmütter daran erinnert! Jetzt kommt bitte rein,“ forderte sie und ging zurück in das Haus. Angeführt von dem Wolf folgten Jasmina und Selina.
Hinter der Tür öffnete sich der zentrale Bereich des Hauses, von dem mehre Türen zu beiden Seiten abgingen. Der Blickfang war ein gemauerter Kamin, dessen Patina zeigte, dass er oft genutzt wurde. Idril bot ihren Gästen bequeme Holzsessel an, die um den Kamin und einem kleinen Tisch angeordnet waren. Vor ihnen stand eine mit weichen Fellen bedeckte Bank, auf der eine Person komfortabel hätte liegen können. Im Raum verteilt hingen oder standen eine Vielzahl von Öllampen und Kerzen, von denen, obwohl sie nicht brannten, ein warmer und erdiger Duft von Sandelholz und Zedern ausging. In einem großen, bis unter die Decke reichenden Regal stapelten sich Bücher mit und ohne Cover, die Jasmina keinem Thema zuordnen konnte.
Der Boden bestand aus grobbehauenen Holzdielen, die den rustikalen Eindruck des Raumes abrundeten.
Trotz dieser geerdeten Beschaffenheit erkannte Jasmina auch Errungenschaften der Gegenwart, so gab es kleine in die Decke eingearbeitete LED-Leuchten, von denen ein paar leuchteten, eine Mini-Stereoanlage mit digitalen Anschlüssen und auf einem niedrigen Tischchen lag ein Satellitentelefon. Bestimmt verfügt sie auch über eine funktionierende Küche, überlegte Jasmina, über dem Kaminfeuer wird Idril ja wohl kaum kochen.
„Bitte setzt euch, die Sessel sind wirklich bequem und sorgen für Entspannung.“ Kaum hatte sie das gesagt, spürte Jasmina wie sich ihr Körper entspannte und Ruhe in sie einkehrte. Was blieb war aber die pulsierende Wärme, die auf Idrils Magie verwies. „Ich bin gleich wieder da, ihr mögt doch einen Kräutertee, oder?“
„Gerne“ antwortete Selina für beide und schaute dabei Jasmina an, die bejahend nickte.
Der schwarzen Wolf, hatte sich unter einem Fenster auf einer Decke zusammengerollt und beobachtete aufmerksam die Frauen.
Idril verschwand durch eine der vielen Türen und kam kurze Zeit später mit einem Tablett, auf dem drei dampfende Pötte mit Tee und ein kleines rundes Gefäß aus Steingut standen, zurück und stellte je einen Pott vor Selina und Jasmina. Ihren behielt sie in der Hand und hielt ihn so, als wenn sie sich ihre Hände wärmen wollte.
„Ihr müsst unbedingt etwas von diesem besonderen Honig in euren Tee geben, der hebt den Geschmack auf eine ganz andere Stufe, bitte,“ sie reichte Jasmina das runde Gefäß, die es dankend entgegennahm.
Jasmina nahm mit dem Holzlöffel, der in dem Gefäß verborgen war, etwas von dem Honig auf und ließ ihn in ihren Tee rinnen. Selina verzichtete, da sie auf Honig allergisch reagierte, wie sie entschuldigend erklärte. Auch Idril verzichtete, da sie ihren Tee bereits in der Küche versüßt habe.
„Wie hast du es nur geschafft dir deine besondere Schönheit zu erhalten,“ richtete sich Selina an Idril, „das widerspricht doch allen Lehren die dort in den schlauen Büchern niedergeschrieben wurden.“ Sie zeigte mit einer Hand über ihre Schulter zum Bücherregal. „Auch dein Körper hat sich dem Alterungsprozess widersetzt, erstaunlich! Nur dein schönes Haar hat ein dunkles Silber angenommen.“
Idril konnte ein Lächeln nicht verbergen als sie antwortete,
„An den Haaren arbeite ich noch, für alles andere habe ich Wochen, nein Monate in meinem Labor verbracht und all mein Wissen zur Erstellung von speziellen Tinkturen und Getränke eingebracht.“
„Dein Aussehen belohnt die Hartnäckigkeit,“ schmeichelte Selina ihr, „auch deinen Brüsten hat die Verjüngungskur sehr gutgetan! Soweit ich es erkennen kann, sind sie wieder fest und herausfordernd.“ Ungeniert schaute Selina auf den Busen von Idril. „Leg doch bitte mal deinen Umhang ab, damit wir deinen Busen besser würdigen können!
„Ihr seid doch nicht hier, um meine körperlichen Veränderungen zu bewundern, sondern aus einem ganz anderen Grund,“ sie schaute Jasmina an, „aber wenn es dir so wichtig ist, Selina, dann gewähre ich dir einen Blick auf meinen ganzen Stolz.“ Idril stellte ihre Tasse ab und entledigte sich ihres Umhangs. Unter dem hochgeschlossenen und engen Kleid hoben sich ihre großen Brüste mehr als deutlich ab. Sie drehte sich einmal um sich selbst und sah zu Selina,
„Und, zufrieden?“ Idril schaute fragend zu Selina, die den Anflug eine süffisanten Lächelns nicht ganz verbergen konnte.
„Ja, durchaus, du siehst um 500 Jahre jünger aus! Wenn ich unsere Altersgrenze erreicht habe, werde ich mich an dich wenden und dich um die Mittelchen bitten.“
„So, Schluss jetzt mit der Vorführung,“ sagte Idril entschieden, setzte sich Jasmina gegenüber in den Sessel und schaute sie nachdenklich an.
„Nun zu dir, meine Liebe. Wie ich erfahren habe, soll es gewisse Ungereimtheiten zu deiner Herkunft oder besser zu deiner Abstammung geben. Selina vermutet aufgrund ihrer Untersuchung, dass es in deinem Blut Hinweise auf Verbindungen zu uns Hexen und oder zu Feyn gäbe. Das wäre schon sehr außergewöhnlich und ist bei einer Sterblichen noch nie vorgekommen. Oder kann es sein, dass du womöglich gar keine normale Sterbliche bist? Das sollten wir hier und jetzt herausfinden und wenn wir schlauer sind was dich betrifft, dann müssen wir überlegen, wie wir mit dem Ergebnis umgehen.“
Jasmina hatte konzentriert zugehört und nickte,
„Ich muss auf jeden Fall erfahren was mit mir ist, was ich bin oder nicht bin! Ein positives Ergebnis würde mein ganzes Leben auf den Kopf stellen, nichts wäre dann mehr so, wie es bisher scheint. Egal, was du in mir findest, ich muss es erfahren!“ Jasminas Blick wanderte von Idril zu Selina, die ihr aufmunternd zulächelte. „Ich bin bereit, was muss ich machen?
Idril zögerte einen Moment und schaute zu dem Wolf, der sie ansah, als wenn er jedes Wort verstanden hätte.
„Sylas, du kannst dich wandeln!“
Der Wolf erhob sich und reagierte mit einem leisen Knurren, dann umgab ihn plötzlich ein gleißend helle Licht, das sofort wieder verschwand und an Stelle des Wolfes stand da jetzt ein überirdisch gutaussehender Mann mit einem Körper wie gemeißelt. Er war groß, in Jasminas Augen sehr groß, mit breiten Schultern und einer schmalen Taille. Sein langes hellblondes Haar reichte ihm fast bis zur Hüfte und glänzte als er vor das Fenster trat und die Sonnenstrahlen ihn erfassten. Seine hellblauen Augen schimmerten wie ein klarer Bergsee und fixierten Jasmina mit starrem Blick. Seine muskulösen Beine und mehr zeichneten sich deutlich unter der engen Hose aus Wildleder ab, sein gewaltiger Oberkörper wurde von einem weißen Hemd bedeckt, dessen obere Knöpfe geöffnet waren und einen Blick auf seine leicht dunkle Haut zuließen. Sylas, wie Idril ihn nannte, strahlte die selbe tödliche Kraft und Entschlossenheit aus wie der Wolf, der er eben noch war.
Jasmina konnte nicht verhindern, dass ihre Herzfrequenz bei dem Anblick dieses Mannes in einem pathologisch bedenklichen Maße anstieg.
Noch irritierender waren für Jasmina die Ohren, die unter dem hellen Haar hervorschauten, sie liefen spitz zu. Aus Unterhaltungen mit Selina und Sabrisse wusste sie, dass hier ein Fey vor ihr stand. Ein verboten schöner Fey.
Wie durch Watte vernahm Jasmina Idrils Stimme,
„Wenn ihr euch wieder einbekommen habt, dann möchte ich euch Sylas vorstellen, ein Fey, wie es unschwer zu erkennen ist. Sylas ist ein guter Freund und aktuell auch ein Beschützer, er wurde von Drystan, dem Herren des Fey-Hofes Feyrinor, entsandt um mich hier in Whisperstone zu schützen und zu unterstützen. Es gibt an diesem Ort ein paar Kreaturen, denen es nicht gefällt, dass ich mich hier niedergelassen habe. Sylts weiß, wie man mit ihnen umgehen muss!“
Sylas deutete bei der Vorstellung eine Verbeugung an und schaute fragend zu Idril.
„Sylas, du schaust dich am besten draußen ein wenig um, solange wir hier noch beschäftigt sind. Es wäre nicht gut, wenn wir gestört werden.“
„ist in Ordnung,“ ertönte seine tiefe Stimme, „wenn die Damen mich entschuldigen würden, dann sorge ich vor der Tür für Sicherheit!“ Mit einem deutlichen Grinsen öffnete er die Haustür und trat auf die Veranda. Mit einem metallischen Klick fiel die Tür hinter ihm ins Schloss.
„So, jetzt zu uns,“ begann Idril, ihre braunen Augen ruhten auf Jasmin. „Schön, dass du meiner Bitte nachgekommen bist und trägst dieses besondere Kleid! Es steht dir sehr gut und unterstreicht deine Weiblichkeit. Das Kleid hat eine ganz spezielle Bedeutung für mich und ich sehe es gerne, wenn es getragen wird. Insbesondere dann, wenn die Trägerin eine so interessante Person ist, wie du es zu sein scheinst.“
Die Stimme von Idril war in Jasminas Ohren weich, fast träumerisch, als wenn sie eine ganz bestimmte Person vor Augen hatte, die früher mal das Kleid trug.
„Nur schade, dass in dem einen Ärmel ein Loch hineingerissen wurde,“ stellte Idril mit verärgerter Stimme fest. „Wenn du das Kleid trägst, musst du es mit Demut und Vorsicht tun und darauf achten, dass es nicht beschädigt wird.“
Jasmina nickte, „ja, das werde ich, es tut mir leid, ich bin auf dem Weg hierher an einem Dornengestrüpp hängen geblieben.“
„Ich kümmere mich später um das Kleid,“ fuhr Idril fort, „nun aber zu dir. Ich hoffe, dein Geheimnis lüften zu können, wir werden sehen. Selina hat mir all das geschildert, was sie bei ihrer Untersuchung festgestellt hat. Darauf bauen wir heute auf, nur dass ich versuchen werde tiefer in dich einzudringen, bis in die entfernteste Ecke zu gelangen, um Klarheit zu erhalten, wessen Erbe du in dir trägst.“ Idril machte eine Pause und deutete auf Jasminas Teetasse, „du solltest deinen Tee trinken bevor er ganz kalt ist, er wird deine Nerven etwas beruhigen.“
Jasmina griff nach ihrer Tasse und trank von dem nur noch lauwarmen aber honigsüßen Kräutertee. Kaum hatte sie die Tasse geleert, spürte sie eine innere Ruhe und das Nachlassen ihrer Anspannung. Der Tee beruhigt nicht nur, dachte sie, sondern macht auch schläfrig. Jasmina hatte Probleme, ihre Augen aufzuhalten, immer wieder fielen sie zu und die Stimme von Idril hörte sie nur noch wie durch dicke Watte.
„Du merkst wahrscheinlich eine totale Entspannung und bist kurz davor einzuschlafen, das ist gut und muss so sein! Ich werde meine Magie nutzen um das zu erfahren, was seit dreißig Jahren in dir schlummert, und je entspannter du bist, um so besser arbeitet die Magie. Für dich ist es am bequemsten, wenn du dich auf die Bank hier legst,“ schlug Idril vor und deutete auf die mit Fellen bedeckte Bank vor dem Kamin. „Das Kleid kannst du ausziehen, es stört nur den Fluss der Magie.“
Jasmina erhob sich aus ihrem Sessel, zog ohne Protest das Kleid aus und legte sich auf die Bank. Sie war tatsächlich bequem, die Felle weich und warm. Selina schob ihr noch ein Kissen unter den Kopf, sodass sie wirklich sehr komfortabel lag.
Jasmina schloss ihre Augen und wurde von ihrer inneren Ruhe umfangen. Vor ihrem geistigen Auge zogen die ersten Erinnerungen ihrer Kindheit, ihrer Schulzeit, Erlebnisse mit ihren Eltern, schöne wie auch weniger schöne, vorbei, sie sah sich an der Uni, mit Freunden auf Reisen und ihre erste leidenschaftliche Liebe, Malu. Sie fühlte die Berührungen, die Küsse, das Streicheln, die Schmetterlinge im Bauch und ihre Hingabe. Sie sah aber auch den körperlichen Zerfall von Malu, ihr Leiden, scheiß Krebs und ihren Tod.
Sie hörte den Jubel, ihren Jubel und den anderer Studenten und Studentinnen als sie nach dem zweiten bestandenem juristischen Staatsexamen ihr Studium beendete. Jasmin fühlte den Druck als neue, als junge Anwältin sich in einer Kanzlei mit überwiegend alten Männern durchsetzen zu müssen.
Dann sah sie aber noch etwa, oder war es nur ein schwaches, verschwommenes Fühlen. Sie blickte auf einen kleinen Tümpel, dessen schmutziges Wasser gegen das Ufer plätscherte, sie beobachtete wie er größer wurde, anwuchs zu einem Teich, zu einem See, der so klares Wasser hatte, dass sie bis zum Grund sehen konnte. Dort erkannte sie Zeichen, Symbole, Runen, Gestalten tauchten auf und verschwanden wieder. Gesichter starrten sie aus der Tiefe an, wunderschöne Frauen und Männer, aber auch Gesichter von Wut verzerrt und schrecklich, glühende Augen schienen sie zu verbrennen.
Plötzlich erschien ein rubinrotes Licht, kaum sichtbar, aber es war da und erstrahlte immer heller, wie ein schöner Stern am Abendhimmel. Das rote Leuchten kam näher, immer näher, berührte sie und brannte sich in ihre Haut. Jasmina spürte, wie es sich in sie vergrub, ihre linke Leiste schmerzte, sie wälzte sich hin und her, wollte das Brennen abschütteln, es gelang ihr nicht, das Rot wurde ein Teil ihres Körpers.
Aus weiter Ferne vernahm Jasmina eine Stimme oder täuschte sie sich. Sie lauschte, die Stimme war da und rief nach ihr, leise aber verständlich,
„Jasmina du musst aufwachen, hörst du mich? Bleib liegen, bleib ruhig liegen, es ist gleich vorbei! Öffne deine Augen!“
Eine Hand berührte ihre Wangen, ihre Stirn, etwas Feuchtes benässte ihre Lippen. Sie musste husten, als eine bittere Flüssigkeit durch ihren Mund in ihre Kehle floss. Was ist das schoss es ihr durch den Kopf, wo ist der See, wo bin ich? Jasmina blickte in ihre Tiefe, sah den See, still und silbern glänzend. Keine Symbole, Zeichen oder Runen, keine Gestalten und Gesichter, alles war weg! Sie fühlte nur eine unglaubliche Ruhe, ein Gefühl der Stärke und unbändiger Kraft. Eine unerklärliche Veränderung hatte sich vollzogen.
Idril stand vorne über gebeugt neben der Bank und schaute auf Jasmina herab. Ihre Hände schwebten über Jasminas nackten Körper, strahlten Wärme und ein glitzerndes Licht aus. Tausende von kleinen Lichtpunkten bewegten sich über den ausgestreckten Körper, berührten die Haut und stiegen wieder auf zu Idrils Händen, immer schneller immer häufiger. Die Impulse, die Idril aussandte drangen in Jasminas Körper ein und wurden wieder zurückgesandt.
Jasmina wurde immer unruhiger, sie stöhnte und gab unverständliche Laute von sich, ihr Körper krümmte sich wie unter einer schweren Last. Sie stieß Schreie aus, wie sie nur Schmerzen, Entsetzen, Angst oder Wut erzeugen können. Ihre Augen wurden feucht, Tränen liefen über ihre Wangen.
Die Bewegungen der Lichtpunkte wurden langsamer, ihr Licht schwächer, bis sie ganz verschwanden. Idril zittertet am ganzen Körper, sie war kaum noch fähig ihre Hände ruhig zu halten. Erst als der letzte Lichtpunkt erloschen war nahm sie die Hände runter und sank vollkommen erschöpft in den Sessel neben ihr.
Mit dem Verschwinden der Lichter beruhigte sich Jasminas Körper, kein Stöhnen, kein Schrei war mehr zu hören nur die feuchten Spuren, die die Tränen in ihrem Gesicht hinterlassen hatten, zeugten von den Anstrengungen, die Jasmina durchlebt hatte.
Selina stellte sich neben die Bank und strich Jasmina über die Wangen,
„Jasmina du musst aufwachen, hörst du mich? Bleib liegen, bleib ruhig liegen, es ist gleich vorbei! Öffne deine Augen!“
Behutsam stützte sie Jasminas Kopf und führte einen Becher an ihren Mund, den Idril vorher bereitgestellt hatte. Als Jasmina etwas von der Flüssigkeit geschluckt hatte, musste sie heftig husten und ein bitterer Geruch stieg auf.
Vorsichtig richtete sie sich auf und schaute in Selinas lächelndes Gesicht. Sie musste sich erstmal sortieren und nachdenken, was mit ihr geschehen ist. Sie sah Idril, die erschöpft in einem Sessel saß und sie müde anschaute.
Warum bin ich fast nackt und warum fühle ich mich so komisch schoss es ihr durch den Kopf.
Die Welt sah auf einmal ganz anders aus. Sie konnte spüren, wie das Blut in ihren Adern floss. Es brannte vor Kraft, als würde es ihre Haut durchdringen. Jasmina konnte die Luft um sich herum schmecken. Alle ihre Sinne waren um das Hundertfache geschärft, oder bildete sie sich das alles nur ein.
Langsam kamen ihre Erinnerungen. Idril hatte sie aufgefordert den süßen Tee zu trinken, er würde sie beruhigen, meinte sie und sie wolle Magie nutzen, um ihr Innerstes zu durchforsten, oder so ähnlich. Das Kleid behindere ihre Magie, deshalb sollte sie es ausziehen. Darum bin ich nackt.
Während sie noch versuchte ihre Gedanken zu sortieren, legte ihr Selina eine Decke über die Schultern und strich ihr beruhigend über den Rücken.
„Du brauchst einen Moment, um wieder ganz du zu sein, das ist ganz normal nach dieser Prozedur. Wenn sich Idril etwas erholt hat, wird sie dir erklären, was sie gefunden, worauf sie gestoßen ist.“
Jasmina stand auf, griff nach dem schwarzen Kleid und zog es an. Das Loch im Ärmel war verschwunden. Salina zuckte nur kurz mit Schultern als Jasmina sie ansah, sollte wohl bedeuten, dass es ein Klacks war, das Loch zu schließen.
Es dauerte nicht lange bis sich Idril einigermaßen erholt hatte. Ihr Blick war wieder klar und wechselte zwischen Jasmina und Selina hin und her. Dann blieb er auf Jasmina gerichtet und deutete ihr, sich in den Sessel neben ihr zu setzen.
„In deinen Augen kann ich Neugierde aber auch Wissen erkennen,“ richtete Idril das Wort an Jasmina, „du spürst wahrscheinlich schon eine Veränderung in dir, die du dir nicht erklären kannst. Ich war mir sicher etwas zu finden, was Selinas Vermutungen bestätigen würden, und das habe ich auch. Es ist mehr als wir vermutet hatte.“ Idril machte eine Pause und nickte Selina zu.
„Was bedeutet das, mehr als du vermutet hast,“ hakte Jasmina ungeduldig nach. „Stimmt etwas nicht mit mir?“
„Doch, doch, mit dir stimmt alles,“ beschwichtigte Idril, „es ist nur schwer alles in Worte zu fassen. Zunächst möchte ich mich bei dir dafür entschuldigen, dass ich dir eine Substanz verabreicht habe, die dich in einen für meine Magie empfänglichen Zustand versetzt hat. Ohne, wäre es unmöglich gewesen, an deine verborgenen Geheimnisse zu gelangen. Zu deiner Information, es war der Honig in deinem Tee, der mir geholfen hat. Er hat dafür gesorgt, dass ich an deine Erinnerungen und an deine Erbanlagen gelangen konnte. Beides ist elementar, um dich, um deine Abstammung zu entschlüsseln.“
„Ich bin soweit, dir zuzuhören, mein Kopf ist wieder klar und aufnahmefähig!“ Jasmina schließt für einen Moment die Augen und schaut dann zu Idril. „Könntet ihr Sylas bitte sagen, dass er nicht so laut und so schräg „Some Kind of Miracle“von Kelly Clarkson summen soll, auch wenn es stimmt. Es ist schon eine Art von Wunder was hier geschieht. Warum zum Beispiel kann ich ihn überhaupt hören? Er sitzt auf der Veranda und die Fenster und die dicke Tür sind verschlossen.“
„Nun, wenn du mir weiter zuhörst, wirst du es vielleicht verstehen warum das möglich ist,“ erklärt Idril und lehnte sich in ihrem Sessel zurück. „Ich habe sehr viel meiner forschenden Magie in deinen Körper gesendet. Es ergab sich ein Austausch von Impulsen, die zwischen mir und dir hin und her wanderten und Informationen in sich trugen. Ein Austausch, der sehr viel Kraft gekostet hat, aber schließlich auch zu Erkenntnissen führte. Die wesentliche Erkenntnis ist, dass dein Erbgut von zwei Reinblüter abstammen.“ Jasmina schnaufte ungläubig. „Hör mir gut zu Jasmina, von zwei verschiedenen Reinblüter! Dein Vater ist ein High-Fey und deine Mutter die Tochter einer hochangesehenen Clanmutter der Schwesternschaft.“ Idril hob ihre Hand als Jasmina zu einer Frage ansetzte. „Später Jasmina, lass mich erst zu Ende reden.“ Idril setzte neu an. „Die Verbindung der beiden stand unter keinem guten Stern. Deine Mutter, sie hieß Elaria, kam gewaltsam zu Tode, sie wurde von deinem Vater, es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Morwen, einem High-Fey, enthauptet.“
Ein kalter Schauer fuhr Jasmina über den Rücken und ließ sie zittern, der Schrecken der Information drang tief in sie ein. Auch wenn ihre leiblichen Eltern für sie nur eine abstrakte Vorstellung war, fühlte Jasmina in ihrem Inneren einen Schmerz. Es war die Gewissheit, sie nie kennenlernen zu können, was sie schmerzte.
Jasmina schloss seufzend ihre Augen und verharrte für den Moment in ihrer Betroffenheit.
Dann straffte sie ihre Schultern und sah Idril durchdringend an,
„Woher weißt du so genau, wer meine Eltern sind, waren, du hast sie doch gar nicht gekannt, oder?“
„Nein, das habe ich nicht! Aber ich habe, nachdem ich über dich informiert wurde und daher wusste, dass sich in dir zwei Linien verbergen, versucht mit einer der Linie Kontakt aufzunehmen. Ich habe schon seit hunderten von Jahren Verbindungen nach Zargos zum Feyn-Hof Feyrinor. Feyrinor untersteht dem Imperial-Fey Drystan Ashentide und seiner familiären Linie.
Zwischen den Feyn und uns besteht eine schon sehr lange andauernde Abmachung, wir können uns gegenseitig in unseren Welten aufsuchen. Insbesondere dann, wenn es wichtiges zu besprechen gilt. Und dein Staus war mir so wichtig, dass ich Drystan Ashentide aufgesucht habe. Wir haben uns lange über dich und deine Situation unterhalten, dabei habe ich ein paar interessante und eben auch unheilvolle Dinge erfahren.“
Idril atmete kräftig durch und schaute zu Selina, die Idril nickend aufforderte, weiterzureden.
„Nun sag schon, was hast du erfahren. Ich will alles wissen! Warum musste meine Mutter sterben? Ist dieser Morwen, mein vermeintlicher Vater, für diese Tat zur Rechenschaft gezogen worden? Lebt er noch? Was bedeutet das für mich?“ Jasmina sah mit flehentlich aufgerissenen Augen zu Idril.
„Ich habe von Drystan erfahren, dass Elaria von Morwen geschwängert wurde, als dieser sich für einige Zeit in unserer Welt aufgehalten hatte. Als er davon erfuhr, forderte er Elaria auf das Kind wegmachen zu lassen, er wollte dieses Kind auf gar keinen Fall haben. Elaria weigerte sich. Als sich die Schwangerschaft nicht mehr verheimlichen ließ, floh Elaria, wohin weiß keiner so genau. Erst als die Geburt sich ankündigte tauchte sie in einem Krankenhaus auf und entband ein kleines Mädchen. Aus Angst davor, dass Morwen ihr und ihrem Kind etwas antuen könnte, schlich sich Elaria aus dem Krankenhaus und ließ ihre Tochter zurück. Auf einem Zettel den sie in der Decke des Kindes versteckt hatte, stand, dass sie ihre Tochter, sie soll Jasmina heißen, zur Adaption freigab. Eine Suche nach Elaria blieb erfolglos.“
Idril trank einen Schluck von ihrem kalten Tee, überlegte einen Moment und sprach dann weiter.
„Irgendwie muss Morwen von der Geburt erfahren haben, aber zu spät um seiner Tochter etwas anzuhaben. Sie wurde bereits adoptiert. Dafür fand er aber Elaria in ihrem Versteck, keiner weiß wie er sie finden konnte. Er verlangte die Herausgabe des Kindes! Als er hörte, dass sie nicht wisse wo das Kind ist, hat er sie in seiner wahnsinnigen Wut erschlagen und enthauptet. Nur eine Enthauptung kann eine Hexe töten. Elaria ist nach menschlicher Zeitrechnung nur siebzehn Jahre alt geworden.“
Jasmina beugte sich vornüber, starrte Idril an und zog ihre Augenbrauen hoch,
„Warum war Morwen so hinter mir her, warum musste meine Mutter meinetwegen sterben, das ergibt doch gar keinen Sinn. Was hat diesen Mann so angetrieben? Ich hoffe, er schmort in der Hölle!“
In ihrer Aufregung spürt Jasmina, dass sich in ihrem Körper etwas Unbekanntes entwickelt, etwas Übernatürliches. Sie richtet ihre Konzentration auf ihr Inneres und versucht die Herkunft dieses Gefühls zu ergründen.
Jasmina erinnert sich, was sie gesehen hatte, als Idril sie untersucht hatte, erinnert sich an den silberglänzenden See, der sich in ihr gebildet hatte. Mit all ihrer mentalen Kraft versucht Jasmina ihn zu finden. Ihr Gesicht verzieht sich unter der Anstrengung zu einer Fratze. Dann sieht sie ihn, den See, er ist noch da, er ist keine Einbildung, aber was ist er dann? In der silbrigen Oberfläche bilden sich eine kopfähnliche Schattierung, die sich langsam verändert und sich zu einem Gesicht wandelt, zu ihrem Gesicht! Jasmina erkennt ihr Spiegelbild, ihre langen brünetten Haare, die ihr Gesicht einrahmen und ihre funkelnden Augen. Was sie aber noch in der leicht gekräuselten Oberfläche des Sees erkennt ist ihr fremd. Es sind ihre Ohren, die nicht mehr ihr menschliches Aussehen haben, sondern jetzt spitz nach oben verlaufen.
Erschrocken greift sich Jasmina an die Ohren, der See verschwindet und sie tastet ihre Ohren ab. Sie sind nicht spitz, sie sind so, wie sie schon immer waren, abgerundet mit niedlichen Ohrläppchen. Erleichtert schnauft Jasmina und beruhigt sich wieder.
„Was ist mir dir Jasmina,“ hört sie Selinas aufgeregte Stimme, „du sahst aus, als wenn der Tod dir gegenüberstand! Du hast mir einen ordentlichen Schrecken eingejagt! Hast du Ohrenschmerzen?“
Jasmina erkennt, dass sie noch immer ihre Hände an ihre Ohren hat und nimmt sie schnell runter,
„Nein, nein, es ist alles in Ordnung,“ antwortet sie hastig, „ich hatte nur ein Trugbild vor Augen.“ Jasmina schaut zu Idril, die sie die ganze Zeit über beobachtet hatte. „Du bist mir noch eine Antwort schuldig, Idril. W a r u m?“
Idril nickt bedächtig und blickt ihr direkt in die Augen,
„Du hast recht, ich muss dir das Warum erklären. Du würdest es ohnehin irgendwann erfahren, daher ist es vielleicht sogar besser, wenn ich dir das Schicksal hinter deiner Frage beantworte. Bevor ich beginne, noch eine Frage. Eben gerade, als du dich auf einer anderen Ebene befunden hast, hattest du dich da verändert?“
Jasmina zögerte kurz, nickte dann aber.
„Gut, oder vielleicht nicht gut, das wird sich noch zeigen. Hatte es etwas mit deinen Ohren zu tun, waren sie spitz?“
Wieder zögerte Jasmina, nickte aber erneut, „Ja!“
„So nun zu dem Warum! Dein leiblicher Vater, Morwen, ist nicht nur ein High-Fey, sondern auch der Bruder von Drystan Ashentide, dem Herrscher von Feyrinor!“
Jasmina spürte, wie die Erde unter ihr zu schwanken begann.
„Morwen würde, wenn seinem Bruder Drystan etwas finales zustoßen sollte, seinem Bruder als Herrscher von Feyrinor nachfolgen. Diese logische Regel gilt aber nur dann, wenn der Nachrückende Fey mit einer High-Feyin verheiratet ist und vorehelich keine Kinder mit einer anderen Frau gezeugt hat. Die Reinheit des Blutes muss gewährleistet bleiben. Das wäre aber nicht der Fall, wenn es herauskäme, dass er eine junge Hexe bestiegen und mit ihr ein Kind gezeugt hat. Du musstest also weg!“
Idril war sich der Brutalität ihrer Worte bewusst, konnte aber das was passiert war nicht schönreden.
„Da deine Mutter, Elaria, dich aber zur Adaption freigegeben hatte, warst du seinem Zugriff entzogen. Also musste er die Person töten, die noch von dem Kind, von dir, wusste. Das war deine Mutter.“
Jasmina liefen die Tränen über die Wangen, ihre Lippen bebten und sie zitterte vor Zorn am ganzen Körper. Als Selina ihr tröstend eine Hand auf die Schulter legte, schob Jasmina sie grob weg. Selina verstand, blieb aber neben Jasmina stehen.
„Was ist aus Morwen geworden, lebt er noch? Oder hat er seine gerechte Strafe gefunden?“
„Es gab Zeugen, die ihn des Öfteren mit Elaria gesehen haben, und man fand in der Hand deiner Mutter einen Stofffetzen, den man einer Jacke von Morwen zuordnen konnte. Drystan brachte es nicht übers Herz seinen Bruder dem Henker zu überstellen, sondern verbannte ihn auf eine kleine kaum besiedelte Insel im Ozean, wo er unter einer magischen Überwachungsglocke sein Dasein fristet. Er lebt noch.“
„Er hat meine Mutter getötet und darf weiterleben,“ ereiferte sich Jasmina, „was ist das für eine Ungerechtigkeit! Und das nur weil sein Bruder ein Feyn-Herrscher ist! Was gilt bei diesen Feyn das Leben einer anderen Person, gar nichts,“ schrie Jasmina außer sich vor Wut.“
„Ja, es ist schwer zu akzeptieren,“ beschwichtigte Idril sie, „aber bedenke, dass die Verbannung und das Leben unter einer Überwachungsglocke auf einer einsamen Insel eine harte Strafe ist, härter vielleicht als ein schneller Tod durch den Galgen. Und bedenke bei all deiner Gram, dass auch in deinen Adern Feynblut pulsiert und du dich dieser Tatsache eines Tages stellen musst. Irgendwann wirst du auf Drystan treffen, und das möchtest du doch sicher nicht mit so viel Wut und Hass im Bauch tun.“
„Im Moment habe ich kein Interesse daran, irgendein Fey zu treffen, egal wer es ist,“ ereiferte sich Jasmina und erhob sich ruckartig aus ihrem Sessel, „und diesen Drystan schon gar nicht!“
„Das musst du auch nicht, zumindest nicht in nächster Zeit,“ versuchte Idril sie zu beruhigen, „allerdings gibt es da ein kleines Problem. Drystan hat zu deinem Schutz einen erfahrenen Feyn-Krieger aus seiner Verwandtschaft abgestellt, den Sohn seiner Cousine Luelle Werghan. Er heißt Sylas und sitzt draußen auf der Veranda.“
Jasmina schaute Idril überrascht an und schüttelte den Kopf,
„Ihr habt das also schon vor Tagen abgesprochen, ohne mit mich miteinzubeziehen. Und was heißt überhaupt „zu meinem Schutz“. Bin ich in Gefahr?“
„Drystan will nicht, dass dir irgendetwas geschieht und um dies mit dir abzusprechen, fehlte Zeit und Gelegenheit. Also haben wir zwei das abgesprochen. Immerhin ist die Schwesternschaft ja auch betroffen und auch wir wollen nicht, dass du dich einer Gefahr aussetzt. Außerdem mussten wir ja damit einverstanden sein, dass Sylas dir auch in unseren Bereichen an der Seite steht.“
Selina, die sich die ganze Zeit zurückgehalten hatte, trat nun auf Jasmina zu und nahm sie liebevoll in den Arm,
„Ich weiß, es ist eine schwere Zeit, die du gerade erlebst, es stürmt so viel auf dich ein, dass du gar nicht weißt wo dir der Kopf steht. Ich möchte dir versichern, dass wir eng an deiner Seite stehen und dich unterstützen, wo wir es können! Deine Aufgabe wird es in nächster Zeit sein, zu akzeptieren was und wer du bist, wenn du das schaffst, dann schaffst du alles andere auch!“ Selina haucht hier einen Kuss auf die Stirn und entließ sie aus ihrer Umarmung.
Jasmina schaute Selina dankbar an und lächelte tapfer. Kaum hatte sie sich einigermaßen beruhigt, ergriff Idril wieder das Wort,
„Zu den Aufgaben, die du bewältigen musst, gehört auch der Umgang mit deiner Magie! Magie wird vererbt und du hast viel, sehr viel davon geerbt. Die Magie eines High-Fey verstärkt durch die einer Hexe, eine kolossale Mischung. Nun liegt es an dir und deinem Willen, mit dieser Magie umzugehen. Du musst deine Sinne öffnen, dann werden dir deine magischen Kräfte helfen. Das geht nicht von heute auf morgen, es brauch seine Zeit, aber du wirst es schaffen. Der erste Schritt wird sein, deine innere Quelle zu finden, den See, aus dem du deine Kraft, deine Magie schöpfen kannst. Wir werden dir helfen!“
Idril ging zu dem riesigen Regal und suchte mit ihren Augen die Fächer ab, bis sie ein besonderes Buch gefunden hatte und es in die Hand nahm. Der Staub auf dem Buch zeugte davon, dass es schon ewig nicht mehr gelesen wurde. Es war in dunklem Leder gebunden und war ziemlich dick.
„Das Buch hier wird dir helfen die Magie zu verstehen und sie nach und nach anzuwenden. Wenn du mir versprichst, es sorgsam zu behandeln, dann darfst du es mitnehmen und studieren. Es wird dir eine Hilfe sein.“ Jasmina nahm das alte Buch ehrfürchtig entgegen und legte es auf dem Tischchen ab.
„Danke, ich werde es hüten wie einen Schatz!“
„Sehr gut! Es wurde aus unserer sehr alten Sprache nach und nach in eure, wie auch unsere jetzige Sprache übersetzt. Du musst dir die Zeit nehmen die notwendig ist, um all das was in diesem Tom, so werden die alten Bücher der Magie und Zauberei bei uns genannt, geschrieben steht zu verstehen, zu lernen und zu verinnerlichen. Wenn du das erreicht hast, kannst du eine mächtige Frau werden. Hier oder woanders, das Schicksal wird es entscheiden.“ Idril schaut vertrauensvoll in Jasminas Augen und zeigt dann auf Sylas. „Er, Sylas, kann dir mit seiner Erfahrung helfen, genauso wie Selinas und die Schwestern des Clans.“
Sylas hebt den Kopf und nickt Jasmina mit ernster Miene aber mit einem freudigen Funkeln in den Augen zu.
„Ich werde mein Bestes geben,“ bedankte sich Jasmina und verbeugte sich vor Idril, „ich danke dir für deine Hilfe, für deine Unterstützung und für die Wahrheit über meine Eltern. Ich stehe in deiner Schuld!“
„Du schuldest mir gar nichts, achte nur auf deinen Weg und nutze deine angeborenen Fähigkeiten. Alles andere wird sich ergeben!“
„Es ist nun Zeit für uns aufzubrechen, uns erwartet noch die Vorbereitung auf das morgigeInitiationsritual,“ stellte Selina fest. „Ich muss noch einige Gespräche führen und Entscheidungen treffen.“
Idril nahm eine lederne Tasche auf, die neben dem Regal lag und gab sie Jasmina. „Du kannst das Buch der Magie hineintun, es lässt sich dann leichter tragen und außerdem passt in diese Tasche noch viel mehr hinein, du wirst schon sehen!“ Idril drehte sich zu Sylas und bedachte ihn mit einem freundlichen Blick, „Ich danke dir, dass du der Bitte deines Herrschers gefolgt bist und uns mit deinem Schutz hilfst. Du darfst Jasmina nicht von der Seite weichen, egal was passiert! Noch ist sie nicht so weit, sich selbst allen möglichen Aufgaben zu stellen.“
Sylts nickte, „ich werde wann immer es nötig ist zur Stelle sein! Jasmina ist, wenn auch entfernt, Teil meiner Blutlinie und ich werde ihr helfen mit ihrer Magie umzugehen.“
„Dann geht und passt auf euch auf,“ Idril öffnete die Haustür und entließ ihre Gäste.
Kurze Zeit später, nachdem sie das Tal verlassen und den dichten Wald durchquert hatten, standen sie vor dem Felsen auf der Lichtung. Selina berührte ihn mit ihrer Hand und gab den Zielcode in das erschienene Tastenfeld ein. Das Portal öffnete sich und sie gingen hinein. Nach dem Betreten war der Fels wieder nur ein großer Stein auf einer Lichtung.
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