Es ist einfach passiert III (fm:Romantisch, 1545 Wörter) [3/3] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Ayse1985 | ||
| Veröffentlicht: Jun 01 2026 | Gesehen / Gelesen: 0 / 0 [0%] | Bewertung Teil: 0.00 (0 Stimmen) |
| Der letzte Teil dieser Trilogie, das Ende wird nicht allen gefallen, aber bitte lebt damit. Ich möchte mich auch bei allen Bedanken, die ein Feedback gegeben haben. | ||
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Die sechs Monate nach Tülays Beichte waren für beide eine lebendige Hölle gewesen. Das gemeinsame Haus, einst ein Ort der Geborgenheit, war zu einem Mausoleum des Schweigens erstarrt. Michael funktionierte nur noch. Er ging zur Arbeit, kam spät nach Hause und schloss sich im Gästezimmer ein. Tülays Tränen, ihr Flehen, ihre Demut – all das prallte an einer unsichtbaren Mauer aus Eis ab.
Was Tülay in ihrer Verzweiflung nicht sah, war der zerstörerische Krieg, der in Michaels Innerem tobte. Es war nicht nur der Verrat an sich. Es war das quälende Gift der Unzulänglichkeit. Tülays hysterische Worte über Horsts Anatomie hatten sich wie Säure in sein männliches Selbstwertgefühl gefressen. Jedes Mal, wenn er in den Spiegel blickte, sah er einen Mann, der vermeintlich nicht ausreichte, um seine Frau sexuell zu erfüllen. Diese Scham lähmte ihn, machte ihn unfähig, einen Schritt auf sie zuzugehen. Lieber blockte er alles ab – selbst die verzweifelten Appelle seiner eigenen Mutter –, als sich dieser ultimativen Demütigung zu stellen.
Doch dann riss der Geduldsfaden.
„Zieh aus, Michael. Bitte.“ Tülays Stimme war an diesem Abend nicht laut, aber sie war gebrochen. Sie saß am Küchentisch, blass, abgemagert von den Monaten der psychischen Belastung. „Diese Farce… ich kann sie nicht mehr ertragen. Deine Kälte bringt mich um.“
Michael war wie vor den Kopf gestoßen. Sie schickte ihn weg? Sie, die Schuldige? Seine Abwehrhaltung war so tief verwurzelt, dass er erst gar nicht begriff, dass dies kein Angriff war, sondern der letzte, verzweifelte Schrei einer Frau, die am Ende ihrer Kräfte war. Sie ging mittlerweile zu einer Psychologin, quälte sich jede Woche mit dem Ekel vor sich selbst und der Erinnerung an diesen einen, panischen Ausnahmezustand. Für sie war der Körper des alten Mannes im Nachhinein eine Quelle purer Abscheu gewesen; eine traumatische Erfahrung, die sie in ihrer Todesangst während des Gewitters überrollt hatte. Aber Michael war blind für ihr Trauma – er sah nur seine eigene verletzte Männlichkeit.
Das Gewitter im Stadtpark
Manfred, der Ehemann von Tülays Schwester, fackelte nicht lange. Er fing Michael auf dem Weg zu seiner Übergangspension ab und drängte ihn ins Auto. Im menschenleeren Stadtpark kam es zum brutalen Showdown.
„Hast du sie eigentlich noch alle im Schrank?!“, brüllte Manfred, und seine sonst so ruhige Art war verflogen. Er packte Michael an der Jacke. „Sie hat einen verdammt schweren Fehler gemacht, ja! Aber sie ist zur Besinnung gekommen, sie hat es dir sofort gesagt, sie kriecht seit sechs Monaten auf den Knien vor dir und geht zum Therapeuten, weil sie sich vor sich selbst ekelt! Und du sitzt auf deinem hohen Ross und lässt die Frau, die du liebst, krepieren!“
„Du verstehst das nicht!“, schrie Michael zurück, die Fäuste geballt, kurz davor, auf seinen Schwager loszugehen. „Du weißt nicht, was sie gesagt hat! Was da war!“
„Ich will es gar nicht wissen!“, hielt Manfred dagegen. Seine Augen fixierten Michael unbarmherzig. „Ich frage dich nur eines, und davon hängt alles ab: Liebst du sie noch? Wenn nicht, sag es jetzt. Dann helfe ich ihr bei der Scheidung und wir jagen dich zum Teufel.“
Das Wort Scheidung traf Michael wie ein Schlag in die Magengrube. Es war, als würde vor seinen Augen eine dicke Nebelwand zerreißen. Wenn er jetzt nicht handelte, war sie weg. Für immer. Seine sechzehn Jahre Glück, seine Zukunft, seine Tülay.
„Ja…“, flüsterte Michael plötzlich, und die Tränen, die er sechs Monate lang unterdrückt hatte, schossen ihm in die Augen. „Ja, verdammt, ich liebe sie über alles. Genau deshalb tut es doch so weh.“
Manfreds Blick wurde weicher, aber seine Stimme blieb fest. Er griff in seine Innentasche und zog einen Umschlag heraus. „Ein Doppelzimmer an der Ostsee. Fest gebucht. Zwei Wochen. Ihr fahrt da hin und schlagt euch die Köpfe ein – aber ihr redet. Keine Vorwürfe mehr, Michael. Respekt. Sag ihr, wie du dich fühlst, aber mach ihr keine Vorhaltungen.“
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