Neue Lust und alte Sehnsucht (fm:Romantisch, 6976 Wörter) | ||
| Autor: xzb | ||
| Veröffentlicht: Jun 06 2026 | Gesehen / Gelesen: 30 / 18 [60%] | Bewertung Geschichte: 0.00 (0 Stimmen) |
| Sie kniete auf ihrer Matratze, das Haar zerzaust, ein Kissen mit beiden Händen über dem Kopf erhoben. Im fahlen Licht der Notbeleuchtung sah er das Profil ihres Gesichts, ihre hohen Wangenknochen, ihre schlanke Silhouette. Sie zielte auf ihn. | ||
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Der Geräuschpegel im Speisesaal des Jugendheims lag nah an der Schmerzgrenze. Lautes Gejohle, unverhohlenes Getuschel, Besteck- und Tellerklappern. Die lange Theke war eine Schlachtzone aus Brotkörben, Butterdosen und Platten mit Wurst und Käse, Töpfchen mit vegetarischen Aufstrichen wie Paprikacreme, aber auch Süßes wie Honig und Früchte fürs Müsli und Apfelstrudel, der sich bei den Teenagern großer Beliebtheit erfreute.
Mart hatte das letzte Stück ergattert und schob es auf seinem Teller hin und her. Neben ihm redete Stefan ohne Punkt und Komma über die Schnitzeljagd, die er am Nachmittag für sich entscheiden konnte.
Doch Mart hörte kein Wort, denn schräg gegenüber, zwischen Maren mit der gebatikten Latzhose und der schnatternden Birte, saß Claudine. Sie hatte sich eine dünne Scheibe Käse aufs Brot gelegt und biss hinein, als ihre Blicke sich trafen.
Es war nur ein Augenblick. Ein ganz normaler Augenblick. Aber irgendwie auch nicht.
Sie lächelte, als hätte sie ein Geheimnis für ihn. Mart spürte sein Blut in den Schläfen pochen. Er wollte wegschauen, um nicht peinlich aufzufallen, aber er konnte nicht. Ihre Augen hielten ihn fest, im direkten Licht der Neonbeleuchtung wirkten sie grau, aber er wusste, dass sie von wunderschöner olivgrüner Farbe waren.
„Ey, Mart! Hörst du überhaupt zu?“, zischte Stefan und stupste ihn an.
Mart ruckte herum. „Was? Doch. Klar. Voll.“
Als er sich wieder zurückdrehte, aß Claudine seelenruhig ihr Brot zu Ende, als wäre nichts gewesen. Aber Birte schaute zu ihm herüber, beugte sich zu ihr und tuschelte etwas. Claudine zuckte nur mit den Schultern, ihre Wangen waren ein kleines bisschen gerötet.
Kerstin, Diakonin und Gruppenleiterin, stand auf und hub ihre Stimme gegen die Geräuschkulisse: „Wer fertig ist, räumt sein Zeug bitte ab. Wir treffen uns für den Abend im Gruppenraum.“
Mart stand auf, nahm seinen Teller und ging zur Geschirrrückgabe. Auf dem Weg dorthin kreuzte sich sein Weg mit Claudines für einen Herzschlag. Dicht an dicht flüsterte sie: „Heute Nacht Kissenschlacht. Bei uns. Wenn das Licht aus ist.“ Dann war sie vorbei. Mart schaffte es gerade noch, nichts fallen zu lassen.
Die Tische im Gruppenraum waren an die Wand geschoben, die Sitzkissen zu einem großen Haufen gestapelt. Kerstin klatschte in die Hände.
„So, meine Lieben! Zum Abschluss spielen wir etwas Spannendes und auch Kreatives. Lebendiges Memory!“
Ein vielstimmiges Raunen ging durch die Runde, gemischt mit vereinzelten „Oh, cool!“-Rufen.
„Zwei sind die Spieler und gehen vor die Tür. Alle anderen sind Memorykarten. Jeder sucht sich einen Partner. Immer zwei bilden ein Pärchen!“ „Ich und Maren erraten die Paare!“, rief Stefan und die beiden schlüpften nach draußen.
Bevor Mart überhaupt begriff, was geschah, spürte er eine Hand an seinem Handgelenk. Claudine zog ihn zu sich hin. „Komm, wir zwei!“
Einige Oh-Rufe schallten ihnen hinterher. Birte verdrehte die Augen, aber Claudine ignorierte es. Mart wurde rot, ließ sich von Claudine leiten.
In der Ecke flüsterte sie: „Okay, wir brauchen eine Bewegung. Irgendwas Ungewöhnliches, das keiner sofort checkt.“
Mart überlegte. „Ähm, wir könnten uns gegenseitig an der Nase berühren?“
Claudine lachte leise. „Bescheuert. Aber gut. Also: Wir stehen uns gegenüber und fassen uns an die Nase. Gleichzeitig. Ja?“
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