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Vermisste Blicke (fm:Ehebruch, 23936 Wörter) [3/3] alle Teile anzeigen

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Veröffentlicht: Jun 12 2026 Gesehen / Gelesen: 29 / 14 [48%] Bewertung Teil: 9.00 (1 Stimme)
Sie haben eine Grenze überschritten, die sie nie überschreiten sollten. Was wird jetzt aus Maria und Roman und was aus ihren Partnerschaften? Dies ist der dritte und (vorerst letzte) Teil der Geschichte um die vermissten Gefühle

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© Roman Tiker Dieser Text darf nur zum Eigengebrauch kopiert und nicht ohne die schriftliche Einwilligung des Autors anderweitig veröffentlicht werden. Zuwiderhandlungen ziehen strafrechtliche Verfolgung nach sich.

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dieser Stelle war der Weg, seine Gefühle zu missachten, voneinander zu lassen und Abstand zu halten. Dass sich daraus keine Affäre entwickeln durfte, weil wir beide in einem engen Freundeskreis eingebunden waren, der es nicht zuließ, dass untereinander eine andere Beziehung gepflegt wurde, und schon gar keine körperliche, das lag auf der Hand. Körperlich, das war das, was wir getan hatten.

Es flammte keine wirkliche Liebe zwischen uns, das wussten wir beide, und es würde auch nie dazu kommen. Das hatten wir bereits geklärt, als wir noch zusammen in ihrem Bett gelegen und uns gegenseitig gestreichelt hatten. Wir waren beide verheiratet, hatten ein halbes Leben lang mit einem Partner zusammengelebt und das wollten wir auch nicht ändern. Und doch hatten wir etwas Gemeinsames, etwas Großartiges, das uns verband. Das Wissen, gesehen zu werden, als Mensch begehrt und gleichzeitig geachtet zu werden, die Sehnsucht nach Berührung, danach, die Haut eines anderen Menschen an seiner eigenen zu spüren, mit den Händen zu ertasten und ertastet zu werden. Scheinbar zu lange hatten wir es vermisst, sich zu streicheln und gestreichelt zu werden, dieses Kribbeln auf der Haut zu spüren, wenn jemand all die erogenen Zonen findet, wenn jemand einen lesen kann wie ein Buch und dann so herrlich auf die Folter spannt.

Und letztlich war es auch das Bedürfnis nach körperlicher Befriedigung, das auch nach über 50 Jahren und auch nach mehr als 25 Ehejahren nicht nachgelassen hatte. Nur, dass wir dies alles nicht mit unseren Partnern ausgelebt hatten, sondern mit uns beiden. Sie wusste von meinem Geheimnis und ich von ihrem, und wir beiden wussten nach diesem Nachmittag, dass wir ein gemeinsames Geheimnis hatten, wie zwei Teenager, die dies vor ihren Eltern verborgen halten wollen.

Uns beiden war bewusst, dass wir etwas moralisch Verbotenes getan hatten und dass man uns das bis zum Ende unseres Lebens immer wieder vorhalten würde, wenn jemand davon erführe. Wir waren also dazu verdammt, für den Rest unseres Lebens miteinander gut auszukommen, waren sozusagen eine verschworene Gemeinschaft. Und doch durften sich unsere geheimen Erlebnisse nicht wiederholen. Zu groß war die Gefahr, entdeckt zu werden.

In den nächsten Tagen sahen wir uns nicht, gingen uns mehr oder weniger aus dem Weg, um nicht durch eine unbedachte Geste, ein falsches Wort oder auch nur ein missverstandenes Lächeln aufzufallen. Wenn Karin, meine Frau, sich dazu berufen fühlte, Maria, ihrer Freundin, zu helfen, weil sie schon seit langem bemerkt hatte, dass sie was bedrückte, und mich bat, sie zusammen zu besuchen. Ich sollte mich um Lassie kümmern, Marias Hund, während die beiden Freundinnen ein Gespräch unter Frauen führten. Ich erfand einen Vorwand und ließ sie alleine gehen, mit der Gewissheit, dass Maria sich nicht verplappern würde. Ich wusste, was der Grund für Marias Kummer war, Franks Affäre mit einer jungen Schönheit zum Beispiel. Aber das war nicht das Einzige, was Karins Freundin quälte, das wusste ich nach meinem Nachmittag mit Maria. Das Fehlen von Nähe und das ungestillte Bedürfnis, verführt zu werden, plagte sie ebenso. Als Karin zurückkam, war sie nicht schlauer.

Dass ich Maria nicht sehen und im Arm halten konnte, war dennoch nicht auszuhalten.

Nur in Gedanken war ich oft bei ihr. Jedes Mal, wenn es mir danach war, wenn es mal wieder in den Fingern juckte, sehnte ich mich zurück an jenen Nachmittag und brachte die Sache auf meine Weise zu Ende. Immer gab es einen sehr befriedigenden Abschluss in meinen Gedanken, wenn ich herrlich geschafft auf dem Bett lag und sie vor mir sah. Ich wusste es nicht, hoffte nur, dass es Maria genauso ging.

Wir telefonierten nach einigen Wochen wieder miteinander, weil wir es nicht aushielten. Sie hatte den Anfang gemacht, ganz unschuldig, um eine belanglose technische Frage geklärt zu bekommen. Direkt zu Anfang des Gesprächs war mir klar, dass dies nur ein Vorwand war. Sie wollte mich sprechen, wollte wissen, wie es mir ging, doch ich ließ sie in dem Glauben, dass ich ihr nur bei dem Problem helfen sollte. Sie hatte eine Fortbildung begonnen, bei der sie viel mit dem Computer arbeiten musste, und das war mein Metier. Also fiel es nicht auf, wenn wir stundenlang telefonierten, ich im Büro und sie vor ihrem Rechner. Einmal sprach sie mich darauf an, dass sie die Geschichte von dem alten Mann, der so gerne tanzte, im Netz gefunden hatte. Warum hatte sie danach gesucht? Es kam heraus, dass die ganze Sache in sinnlichem Sex endete. Jetzt wusste sie, was ich für Geschichten las.

„Ich fand die Geschichte toll“, gestand sie mir und ließ mir einen Stein vom Herzen plumpsen.

Kein Vorwurf, eher Anerkennung dafür, dass ich solche Sachen las. Ich verschwieg natürlich, dass ich diese Geschichte selbst geschrieben hatte. Schnell kamen wir wieder zu unserem gemeinsamen Problem zurück, zu dem es keine gangbare Lösung zu geben schien, als auszuhalten.

Ich hatte auch Fragen und rief sie an, um Antworten zu finden. Ich wollte mich jedoch, im Gegensatz zu ihr, zum Stand von Franks Untreue erkundigen.

„Ich glaube, die Gute hatte ihm den Laufpass gegeben, er ist jetzt wieder öfter zu Hause.“

„Und?“, wollte ich wissen.

„Und was?“

„Na, hat er es dir gestanden?“

„Natürlich nicht, du kennst doch Frank. Der würde sich noch rausreden, wenn ich ihn auf frischer Tat erwischt hätte.“

„Und wie kommst du damit klar?“

„Ich weiß nicht, was du meinst. Ist alles wie vorher.“

„Also geht es eurer Ehe wieder besser?“

Natürlich wollte ich wissen, ob zwischen den beiden wieder etwas lief, aber so direkt konnte ich doch nicht fragen. Dennoch hatte Maria mich durchschaut.

„Ich schlafe in Janas Bett, wenn du das meinst. Roman, bist du etwa eifersüchtig auf meinen Ehemann?“ Bei ihrem Kichern wurde ich rot im Gesicht. Wie gut, dass sie das nicht sehen konnte.

„Nein, ich würde mich freuen, wenn es euch wieder besser ginge“, log ich und wusste sofort, dass ich nicht überzeugend klang.

„Seitdem ich es weiß, dass Frank fremdvögelt, muss ich doch damit rechnen, dass er nach einer weiteren Gelegenheit sucht.“

„Das klingt echt bitter.“

Diesmal war ich ehrlich. Immerhin waren wir befreundet und das seit mehreren Jahrzehnten. Eigentlich hätte ich, als guter Freund, Frank verteidigen müssen, etwas von einem einmaligen Ausrutscher erzählen sollen, doch ich tat es nicht. Er hatte es ihr noch nicht einmal gesagt und um Entschuldigung gebeten, da konnte ich im Moment nicht zu ihm stehen. Außerdem war ich nicht besser, hatte ich doch mit seiner Frau herrlichen Sex gehabt und es ihm auch nicht gesagt. Jeder Erklärungsversuch zu Franks Verhalten wäre schließlich auch ein Versuch gewesen, mein eigenes Handeln zu entschuldigen. Und das wiederum bedeutete das Eingeständnis, dass wir beide einen Fehler gemacht hatten. Wir hatten aber keinen Fehler gemacht. Es war ein Teufelskreis.

„Weißt du, Roman“, unterbrach Maria die Stille plötzlich, die sich immer wieder in unsere Gespräche einschlich und die wir beide so sehr mochten, weil wir uns darauf konzentrierten, den Atem des anderen bewusst wahrzunehmen. Es war zu einem Ritual geworden und manchmal beschrieb Maria mir sogar, dass ihr Herzschlag sich beruhigte, wenn sie mich am anderen Ende atmen hörte.

„Weißt du, Roman, ich denke oft daran.“

Wieder machte sie eine Pause und ich traute mich nicht, diese zu unterbrechen. „Wenn ich alleine in Janas Bett liege, und ich dann deine Hände auf mir ...“ Sie redete nicht weiter, war vermutlich selbst entsetzt von ihren Worten.

„Ich auch, Maria.“

Sie atmete erleichtert aus, so laut, dass ich es hören konnte.

„Wir sollten das nicht tun, das hilft uns nicht, davon los zu kommen“, hauchte sie.

„Ich will nicht davon loskommen. Ich will mich zumindest erinnern dürfen. Das kannst du mir nicht verbieten und dir selber auch nicht, Maria.“

„Vielleicht hast du recht. Ich muss schlussmachen, Lassie muss raus und ich muss auch noch etwas tun.“

Ein Augenblick der Stille folgte, dann legte sie auf. Kein ‚Tschüss‘, kein ‚bis dann‘, sie legte einfach auf. So endeten fast alle Gespräche zwischen uns. Sie erinnerte mich daran, dass auch ich noch etwas tun musste, schließlich arbeitete ich gerade, dachte man zumindest in der Firma.

Zu gerne wäre ich zum Baum gegangen, hätte sie abgefangen und wäre eine Runde mit ihr und dem Hund gegangen, doch das war nicht drin. Stattdessen brummte mein Handy schon wieder und ich sah, dass es Frank war. Er hatte schon seit einer halben Stunde versucht, mich anzurufen, und ich hatte es nicht bemerkt.

„Mensch Roman, endlich. Du telefonierst anscheinend die ganze Zeit über.“

„Ich arbeite“, log ich ihn an. Wenn der wüsste, dass ich mich gerade mit seiner Frau über ihn unterhalten hatte ...

„Wir haben so lange nicht mehr ..., hast du nochmal Lust, sich auf ein Bier zu treffen?“

Das stimmte, wir hatte uns lange nicht mehr getroffen. War auch kein Kunststück, schließlich investierte er jede freie Minute in diese Affäre, von der ich natürlich seiner Vorstellung nach nichts wusste.

„Klar, komm doch nachher vorbei, Karin ist heute Abend unterwegs.“

Sie engagierte sich neuerdings in einer Gruppe Frauen, die sich zum Ziel gemacht hatte, sozial benachteiligten Menschen in unserer Region unter die Arme zu greifen. Ich war ehrlich erstaunt davon, unterstützte sie dabei aber nach Kräften. Tatsächlich hielt ich es für unsere Pflicht, sich für ein menschliches Miteinander einzusetzen, wenn ich auch selber bisher keine Gelegenheit dazu gefunden hatte. Zugegeben, ich hatte auch keine gesucht.

„Ich habe mächtig Mist gebaut“, brach es aus ihm heraus, nachdem wir uns zunächst belanglos über unseren Garten unterhalten hatten, beziehungsweise über das, was nach der ganzen Trockenheit davon übriggeblieben war.

Wir saßen auf der Bank vor unserem Gartenhaus, dem Gartenhaus, in dem Maria und ich uns vor einiger Zeit gefährlich nah gekommen waren.

Ich sah ihn fragend an. Wollte er mir tatsächlich etwas gestehen, was ich längst schon wusste?

„Nimmst du noch ein Bier?“ Ich machte eine Flasche auf und reichte sie ihm.

Ziellos starrte er vor sich auf den Boden.

„Sie hat mich verführt“, flüsterte er.

„Bitte, was? Von wem redest du?“

„Caro. Sie hat mich einfach benutzt.“

Stellte er sich jetzt etwa als Opfer dar? Ich wartete, dass er weiterredete. Er setzte die Flasche an, trank einen langen Zug und schwieg.

„Wer ist Caro? Und was meinst du damit?“ Innerlich begann ich zu kochen.

„Caro ist die Tochter einer Kollegin, einer Ex-Kollegin besser gesagt.“

„Und was hat sie gemacht?“

Verständnislos sah er mich an. Frank dachte wohl, ich würde so etwas wie Mitleid mit ihm haben. Ich versuchte, zumindest den Eindruck zu vermitteln, obwohl ich ihm eine hätte reinhauen können.

„Weiß Maria davon?“

„Mensch, bist du bekloppt?“ Frank schlug sich die Hand an seine Stirn. „Maria, pfff.“

Den letzten Laut hätte er nicht machen sollen, jetzt war ich auf hunderttausend. So abschätzig wie das klang, machte er mich mehr als wütend. Was wollte er mir denn damit sagen? Dass er betrogen worden war?

„Und warum hat sie dich benutzt?“

„Du bist aber echt begriffsstutzig.“ Erneut setzte er die Flasche an, sog sie leer und reichte sie mir.

„Noch eine?“

Er winkte ab und starrte weiter vor sich auf den Boden.

„Habt ihr ... ich meine ... hast du mit dieser Caro ...“

„Ob wir miteinander geschlafen haben? Wenn es nur das wäre ...“

Ich konnte mich kaum noch zurückhalten. Er sprach davon, wie er Maria hintergangen hatte, und zeigte nicht einen Funken Reue.

„Ausgenommen hat sie mich, hat sich bezahlen lassen wie eine Nutte.“

Neben meinem Bein ballte ich meine Hand zu einer Faust. Ich kannte diese Caro nicht, sie aber als die Wurzel allen Übels darzustellen, schlug für mich dem Fass den Boden aus.

„Am Anfang tat sie so, als sei sie bis über beide Ohren verliebt, hat mich umgarnt und sich mir an den Hals geworfen. Ich meine, wir hatten auch eine wirklich geile Zeit.“ Er pfiff durch die Zähne. „Am Ende hat sie sich bezahlen lassen, hat mir das Geld aus der Tasche gezogen und mich gemolken wie eine Kuh. Und als ich ... sie hat einfach gesagt, ich brächte es nicht mehr. Was fällt der eigentlich ein?“

Sein Problem schien tatsächlich ein ganz anderes zu sein, als ich mir ausgemalt hatte. Es war gar nicht der Betrug seiner langjährigen Ehefrau, seiner Familie und, ja, auch der Betrug seiner Freunde, der ihn quälte. Die Demütigung eines Flittchens war seine größte Sorge.

„Hörzu, ich weiß nicht, was da genau passiert ist, aber ich kann mir etwas zusammenreimen. Wenn es dich so sehr quält, wäre es dann nicht das Beste, du würdest mit Maria darüber reden?“

Natürlich hatte ich den Eindruck, dass er das weder für nötig hielt, noch dass ihm das irgendwie weiterhelfen würde, und genau aus diesem Grund riet ich ihm dazu.

„Und was soll das jetzt bringen, man? Es ist vorbei. Schluss, aus, Mickey Maus. Und da soll ich etwas gestehen? Ist das allen Ernstes dein Ratschlag?“

Frank redete sich in Rage und bei jedem Wort, das er sagte, verließ auch ein wenig Spucke seinen Mund.

„Ich wollte dich eigentlich fragen, wie ich ihr das zurückzahlen kann und ob du mir dabei hilfst.“

„Wobei soll ich dir helfen? Ich kenne diese Caro nicht mal.“

„Na, dann sei froh.“

Schweigend saßen wir auf der Bank und starrten in die Luft. Ich sollte ihm helfen, sich bei dieser Caro zu rächen? In welcher Welt lebte er eigentlich? In diesem Moment erkannte ich meinen Freund nicht mehr wieder. Wo war der Frank geblieben, den ich kannte, der für seine Familie sorgte, der zu allen Schandtaten bereit war, aber immer seine Grenzen kannte?

„Soll ich dir noch eine holen?“, fragte ich und zeigte auf meine leere Bierflasche.

„Nee, lass mal. Ich gehe jetzt wieder.“

Auf der einen Seite konnte Frank einem leidtun, wie er dort saß, so zusammengesunken und deprimiert. Auf der anderen Seite konnte das doch nicht wahr sein, wie er die Sache einschätzte. Maria, seine Frau, mit der er seit über 25 Jahren verheiratet war, spielte bei der ganzen Angelegenheit überhaupt keine Rolle. Sein Ansehen war ihm viel wichtiger als seine Familie. Ich ließ ihn gehen, wenn er mich auch nachher nicht mehr um Rat fragen würde.

***

„Hast du eigentlich an Janas Geburtstag gedacht?“, fragte Karin und hatte wieder ihren vorwurfsvollen Blick im Gesicht. Sie stand, wie oft, wenn sie etwas von mir wollte, am Türrahmen meines Büros gelehnt und trommelte mit den Fingern auf das Holz.

„Natürlich habe ich daran gedacht“, gab ich schnippisch zurück.

„Du wolltest was besorgen.“

„Falsch - ich habe etwas besorgt.“

„Und was, wenn ich fragen darf?“

„Darfst du, aber ich sage es dir nicht. Schließlich soll es eine Überraschung sein.“

Mit griesgrämiger Miene zog sie ab. War auch kein Wunder, hatte ich ihr damit doch insgeheim zu verstehen gegeben, dass sie es nicht für sich behalten konnte.

Der Geburtstag, das war noch eine Herausforderung. Jana, die älteste Tochter von Maria und Frank, die, in deren Bett Maria jetzt regelmäßig schlief, wie sie mir erzählt hatte, war mein Patenkind und wurde 25 Jahre alt. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis gehabt, wenn wir auch seit ihrer Pubertät nicht mehr so oft über persönliche Dinge sprachen. Das machte sie lieber mit ihrer Mutter aus und darüber war ich sehr froh. Etwas überrascht war ich damals, als sie mich in Begleitung eines jungen Mannes besuchte und eigentlich „nur“ auf einen Kaffee vorbeikam. Im Nachhinein erfuhr ich, dass es ihr fester Freund werden sollte, und sie wollte, da war ich mir im Klaren, meine Reaktion auf den Jüngling abchecken. Ich fühlte mich tatsächlich geehrt, dass sie so viel Wert auf meine Meinung legte, doch der junge Kerl tat mir ein wenig leid, weil er meinem Urteil zum Opfer fallen würde.

Wenn sie sich auch ansonsten mit ihren Beziehungskisten in unseren Gesprächen zurückhielt, ließen wir keine Gelegenheit aus, uns bei Treffen über sie, ihr Studium und ihre Zukunftspläne zu unterhalten. Immer wenn sie ihre Eltern besuchte, suchte sie den Kontakt auch zu mir und kam vorbei oder rief an und lud mich zu ihnen ein. Sie war eine taffe junge Frau mit klaren Vorstellungen von ihrem Leben und der Welt und mir machte es Spaß, mit ihr zu plaudern oder über Dinge wie Werte und Weltanschauung zu diskutieren. Ihr Bruder war da weit weniger interessiert, lebte eher in den Tag hinein und gab sich frei und ungezwungen den Freuden des Lebens hin.

Also hatte ich mir ein ganz besonderes Geschenk überlegt und wollte auf keinen Fall, dass jemand vorher davon erfuhr.

Auf der Fahrt zu ihr, sie studierte in einer satte 200 Kilometer entfernten Großstadt soziale Arbeit mit Nebenstudium in Psychologie, versuchte Karin immer wieder etwas zu erfahren, biss bei mir jedoch auf Granit. Mich plagten derweil ganz andere Gedanken. Vor der Party hatte ich großen Respekt, weil ich das erste Mal nach unserem herrlichen Nachmittag unter anderen Leuten auf Maria treffen würde. Wie würden wir mit der Situation klarkommen? Nun gut, auf die Dauer ließen sich solche Treffen nicht vermeiden und ich musste und wollte zu Janas Geburtstag erscheinen, das war klar. Also mussten wir beide da jetzt durch. Zum Glück hatte Frank es abgelehnt, gemeinsam dorthin zu fahren. Er müsse von dort noch etwas erledigen, erklärte er.

Würde er etwa die Fahrt nutzen, sich mit Maria auszusprechen. Ich nahm das so hin und es war mir sehr recht, denn die Vorstellung, zwei Stunden lang mit ihm, Maria und Karin auf engstem Raum verbringen zu müssen, ohne einen Blick auf seine bezaubernde Frau werfen zu dürfen, machte mir Angst. Insofern war ich ihm sogar sehr dankbar, dass ich mit Karin alleine fahren konnte.

Als wir ankamen, waren die beiden schon da und Maria beachtete mich gar nicht. Sie stand mit einem Glas in der Hand bei einer jungen Frau, vermutlich eine von Janas Freundinnen, und würdigte mich keines Blickes. Ich glaubte, sie war abgeklärter als ich. Mir fiel nur auf, dass sie wieder atemberaubend aussah. Nicht, dass sie sich besonders herausgeputzt hatte, mein Körper und mein Verstand spielten mir wahrscheinlich nur einen Streich, denke ich im Nachhinein. Für mich war sie dennoch die auffallendste Frau an diesem Nachmittag.

Karin staunte nicht schlecht, als ich Jana einen Umschlag übergab, sie hineinsah und las, was auf der Karte stand, um mir anschließend um den Hals zu fallen und mir einen dicken Kuss auf die Wange zu drücken. Einen Blick in Marias Richtung konnte ich nicht vermeiden und unsere Augen trafen sich. Alles andere als unschuldig sah sie mich an, etwas zu lange, um unauffällig zu wirken. Zum Glück schaffte ich es, mich von ihr zu lösen und zu Jana zurückzukehren. Selbst Frank sah auf. Er stand am Tisch mit den Getränken, hielt ein Bier in der Hand und sah gar nicht so aus, als hätte er sein Gewissen erleichtert.

„Das ist echt super, ich freue mich total. Da gehen wir hoffentlich gemeinsam hin?“ Jana hing noch immer an meinem Hals.

„Es sei denn, du möchtest jemand anderes mitnehmen.“ Es war gar nicht so einfach, mich von ihr zu lösen.

„Auf keinen Fall.“ Jana strahlte über das ganze Gesicht. Karin sah mich entgeistert an.

„Darf ich mal sehen?“, fragte sie und nahm Jana die Karte aus der Hand. „Hut ab, jetzt verstehe ich, warum du das geheim halten wolltest. Eine Übernachtung im Planetarium.“ Sie verzog ihre Lippen voller Anerkennung und ich war mir sicher, dass dies ehrlich gemeint war.

„Unterwasserwelten“, fügte ich hinzu, „das ist wichtig. Und es muss auch nicht die ganze Nacht dauern.“

„Wie muss ich mir das vorstellen?“, fragte Frank, der auf einmal neben mir stand.

„Papa, da wollte ich immer schon mal hin. Man kann sich unter die große Kuppel legen und, so lange man möchte, einen exklusiven Film aus der Tiefsee anschauen. Das muss unbeschreiblich sein. Boah, Roman, dass du das noch weißt. Das habe ich irgendwann mal erzählt, das weiß ich.“

„Du hast davon geschwärmt und nicht nur davon erzählt. Da konnte ich gar nicht anders.“

Ich war selber überrascht, wie gut mein Geschenk ankam. Auf einmal wurde ich umringt von lauter jungen Leuten, die mit mir darüber reden wollten. Dabei glitt mein Blick ein weiteres Mal zu Maria, die mit einem hinreißenden Lächeln antwortete.

Beim Buffet spürte ich auf einmal, dass sie hinter mir stand. Außer Karin würde mir vermutlich niemand in aller Öffentlichkeit an den Hintern fassen und die konnte es nicht sein, denn sie stand bei Frank.

„Du hast voll ins Schwarze getroffen, meinen Glückwunsch“, flüsterte Maria mir ins Ohr und sog die Luft ein. „Du riechst so gut“, hauchte sie.

„Ein neues Eau de Toilette ... sexy men oder so.“

Maria schlug sich eine Hand vor den Mund, um nicht aufs Buffet zu prusten.

„Möchtest du auch von dem Salat?“, fragte ich unschuldig.

Das war die einzige wirkliche Begegnung mit meiner atemberaubenden Freundin an diesem Tag und ich fand, wir hatten die Nagelprobe glänzend bestanden. Meine Angst war also völlig übertrieben.

Auf der Fahrt nach Hause stellte mich Karin zur Rede. Zunächst hatte ich die Vermutung gehabt, sie und Frank hätten sich über seinen Fehltritt unterhalten oder zumindest darüber, wie schlecht er aussah. Was sie wissen wollte war allerdings, wie ich mir das vorstellte mit Janas Geschenk.

„Das habe ich mit ihr schon besprochen. Ich fahre nächsten Freitag zu ihr, abends gehen wir ins Planetarium, anschließend schlafe ich ein paar Stunden auf ihrem Sofa und bin am Samstag im Laufe des Nachmittags wieder zu Hause.“

„Das hast du dir schön ausgedacht. Du machst dir einen schönen Tag mit Jana und ich bleibe zu Hause. Aber gut, wenn sie damit einverstanden ist?“

„Hey, sei nicht eingeschnappt. Es gab nur noch zwei Karten. Außerdem bin ich am Samstag wieder da“, versuchte ich zu beschwichtigen.

„Dann gehe ich mit Maria am Freitag was essen. Sie braucht mal Gesellschaft, glaube ich.“

Nach der Prüfung auf der Party war ich mir sicher, dass ein Essen mit Karin nicht gefährlich werden konnte.

Eine Woche später lag ich, in dicke Kissen geschmiegt, auf dem Boden des Planetariums und genoss es, den Seegurken beim Leben zuzusehen, als Jana mich plötzlich aus meinem Tagtraum holte.

„Sag mal, läuft da was zwischen Mama und dir?“

Ich spürte, wie die Wärme in mir aufstieg, als wäre ich ein Tauchsieder. Ich sah sie an und versuchte, dabei möglichst empört zu wirken, und merkte wie Jana mir, ihrem Patenonkel, der doppelt so alt war wie sie selber, die Röte ins Gesicht trieb.

„Bist du verrückt? Nein, wie kommst du denn darauf?“

„Mhm, ich dachte nur“, sagte sie knapp und schaute wieder zur Decke.

Nachdem ich bei ihr angekommen war, hatten wir zusammen gegessen, etwas geplaudert, nichts Wichtiges, nur, wie es ihr ging, wie es mit der Uni lief und ob sie gut zurechtkam. Kein Anflug einer solchen Frage war zu erkennen und jetzt, wo wir seit einer knappen Stunde die Decke bestaunten und den Film, der dort lief, haute sie einen solchen Hammer raus.

„Ihre Blicke auf meiner Geburtstagsparty haben mich gewundert und sie hatte ein so seltsames Funkeln in den Augen, wenn sie dich angesehen hat. Ich hätte schwören können ... naja, wenn da nichts ist, ist da eben nichts.“

Mir wurde heiß und kalt zugleich. Von welchen Blicken sprach sie? Wenn es ihr aufgefallen war, hatten das eventuell auch andere Gäste gesehen? Vielleicht sogar Frank? Oder, noch schlimmer, Karin?

„Wie hat sie mich denn angesehen?“

„Du sagst doch, da ist nichts, dann lass gut sein. Wahrscheinlich habe ich mich getäuscht und viel zu viel hineininterpretiert.“

„Nein, nein, wenn dir das aufgefallen ist, will ich es wissen. Wie hat sie mich angesehen?“

Jana drehte sich zu mir, atmete tief ein, so als wollte sie etwas sagen, ließ die Luft mit einem tiefen Seufzer wieder raus und sank zurück in die Kissen.

„Hey!“, beschwerte ich mich und richtete mich auf, um ihr in die Augen zu sehen.

Ein unverschämtes Grinsen zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, oder zumindest glaubte ich, eines zu erkennen, schließlich war es dunkel und nur die Leinwand in der Kuppel leuchtete. Vermutlich wäre Jana die Erste, die Maria und mich verstanden hätte, und dennoch hatten wir uns versprochen, dass kein Sterbenswörtchen über unser gemeinsames Erlebnis unseren Mund verließ. Diese ungezogene Göre schien mich durchschaut zu haben. Hatte sie das in ihrem Studium gelernt, Leute aus der Reserve zu locken?

„Schau mal, da sind Blauwale“, grinste sie und beachtete meine Reaktion überhaupt nicht.

Was blieb mir im Moment anderes übrig, als mich wieder in die Kissen sinken zu lassen und den Blauwalen dabei zu beobachten, wie sie lautlos durchs Wasser glitten.

Bis um halb drei nachts hielt Jana es aus, dann schlief sie ein. An Schlaf war bei mir nicht zu denken, ich war innerlich viel zu aufgewühlt, um auch nur einen Augenblick zur Ruhe zu kommen. Als ich sie gegen vier Uhr weckte, weil ich gehen wollte, lag sie eingekuschelt unter einer Decke und schnarchte. Völlig verschlafen schaute sie mich durch ihre zerzausten Haare an, brauchte einen Moment und packte ihre Tasche und ihre Jacke. Wortlos verließen wir das Planetarium, wobei mir immer noch ihre Worte im Kopf herumspukten.

„Sag mal, wie kommst du auf so eine Idee?“, nahm ich das Thema wieder auf, das mir die ganze Zeit über das Hirn zermarterte.

„Hast du noch was zu trinken?“, wich Jana aus.

„Hier.“ Ich reichte ihr meine angetrunkene Wasserflasche und hoffte, dass sie bald mit der Sprache herausrücken würde.

„Ihre Hand auf deinem Hintern?“ Es war eigentlich keine Frage und doch formulierte sie es so.

„Welche Hand auf meinem Hintern?“, fragte ich und gab mich unwissend.

„Na, am Buffet? Ich habe gesehen, wie Mama ihre Hand an deinen Hintern gelegt hat. Das war kein Zufall, oder? So etwas tut man doch nicht, wenn man nicht etwas Intimes miteinander teilt?“ Schon wieder dieser fragende Blick. Es half nicht, irgendetwas abzustreiten, vielleicht half ja Schweigen.

Hatte sie es also bemerkt. Und ich hatte noch gedacht, unser erstes Zusammentreffen nach unserem wunderschönen Nachmittag wäre folgenlos geblieben. Jana fragte nicht mehr nach, bis wir bei ihr zu Hause waren.

„Ich lege mich etwas hin“, entschied ich und wartete darauf, dass sie mir eine Decke und ein Kissen gab. Stattdessen stand sie mit fragendem Blick vor mir. Von mir würde sie nichts erfahren, so penetrant sie auch nachfragte.

Eine gefühlte Ewigkeit dauerte es, bis sie mir die gewünschte Decke reichte und ein Kopfkissen aus ihrem Schlafzimmer holte. Als ich lag und sicher war, dass sie sich verzogen hatte, ließ ich meinen Kopf tief ins Kopfkissen sinken und wurde mir bewusst, dass sie mir ein Kopfkissen gebracht hatte, in dem sie selber schon gelegen hatte, denn es roch eindeutig nach ihr. Wie soll ein Mann in meinem Alter denn schlafen können, wenn er ständig den Geruch einer jungen attraktiven Frau in der Nase hat? Dennoch musste ich völlig übermüdet irgendwann ins Reich der Träume abgetaucht sein, denn, als ich die Augen wieder aufschlug, schien mir die Sonne direkt ins Gesicht und ich hatte diesen untrüglichen Geschmack nach Schlaf im Mund. Außerdem spannte mein Rücken verdächtig.

Vorsichtig versuchte ich aufzustehen und merkte sofort, dass ich mich nur unter Schmerzen bewegen konnte. Es war nicht das erste Mal, dass mich dieses Problem quälte, und doch hatte ich in meiner Unbekümmertheit gehofft, ein paar Stunden auf einem Sofa würden nicht solche Folgen haben. Dagegen half normalerweise nur ein heißes Bad, das wusste ich nur zu genau. Ich hatte zwar noch nie zuvor bei Jana übernachtet, und es war mir unangenehm, doch so konnte ich auf keinen Fall die zweistündige Fahrt nach Hause antreten. Auf allen vieren kroch ich durch die Wohnung und suchte den Weg ins Bad, als ich die Klospülung hörte und die Tür aufging.

„Suchst du was?“, fragte mein aufmüpfiges Patenkind und sah zu mir herunter, der in Unterhose und T-Shirt zu ihren Füßen kauerte.

„Mein Rücken“, klagte ich, konnte sie nicht ansehen und hatte meine Augen nur auf ihre Füße gerichtet, „meinst du, ich könnte vor der Fahrt bei dir ein Bad nehmen?“

„Oh Gott, ja sicher. Kann ich dir helfen? Warte, ich lasse dir Wasser ein. Mensch, hättest du doch was gesagt, dann hätte ich auf dem Sofa geschlafen.“ Sie war bereits verschwunden und drehte das Wasser auf.

Genau, das wäre es gewesen. Im Bett dieser jungen Frau zu liegen und ihren Duft die ganze Zeit in der Nase zu haben, ohne ein Auge zu zubekommen.

„Schaffst du das alleine? Ich habe heißes Wasser aufgedreht. Testen musst du selber, ob es nicht ein wenig zu heiß ist.“

Mittlerweile hatte ich es geschafft, mich am Türrahmen soweit aufzuraffen, dass ich zumindest auf eigenen Beinen stand. Den Rücken immer noch ein wenig krumm, stand ich mit der Stirn an den Türrahmen gelehnt, stöhnte ein „Geht schon, danke“ hervor und wartete, bis Jana das Bad verlassen hatte. Unbeholfen zog ich das wenige, was ich trug, auf dem Beckenrand sitzend aus und hielt einen Finger in das Wasser. Heiß, aber sicher nicht zu heiß, lautete mein Urteil, bevor ich mich am Beckenrand und der Wand abstützend vorsichtig in die Wanne vorwagte. Eine wohlige Entspannung stellte sich augenblicklich ein, als das heiße Wasser meine lädierten Rückenmuskeln umschmeichelte, während immer noch warmes Wasser nachlief.

Zufrieden atmete ich laut aus, so laut, dass Jana es in der Wohnung gehört haben musste, denn sie rief mir etwas zu. Ich verstand es nicht. Erst als sie es direkt hinter der geschlossenen Tür nochmal wiederholte, wurde mit gewahr, dass sie sich tatsächlich Sorgen machte.

„Geht es dir gut? Kann ich noch etwas für dich tun?“

„Eine Massage wäre super“, hörte ich mich stöhnen.

„Was?“

„Ach nichts, ist alles gut. Ich brauche ein bisschen Zeit, dann wird das schon“, rief ich nun etwas lauter und drehte das Wasser ab.

„Okay, ich mach uns mal Kaffee“, hörte ich noch und nahm wahr, dass sie auf dem Weg zurück in die Küche war.

Das warme Wasser entspannte meinen Rücken sehr schnell und ließ mich zur Ruhe kommen.

Ein quietschendes Geräusch drang auf einmal in meinen Kopf, so als schiebe jemand vorsichtig die Tür auf. Janas Wuschelkopf erschien im Türspalt, verharrte dort kurz, bis sie sich davon überzeugt hatte, dass ich entspannt die Augen geschlossen hielt. Ich reagierte nicht, obwohl ich etwas hätte sagen sollen. Es war nicht in Ordnung, wenn eine junge Frau das Bad betrat, während ihr Patenonkel in der Wanne saß, und doch kam sie heran, ich konnte es hören. Barfuß hinterließen ihre Füße ein patschendes Geräusch auf dem Fliesenboden und ich hörte ihren aufgeregten Atem. Wie gelähmt saß ich in ihrer Wanne, die Lider geschlossen und konnte nicht reagieren. Selbst meine Augen fühlten sich wie zugeklebt an. Einen Moment glaubte ich, sie würde mich beobachten, würde nur so dastehen und mir dabei zusehen, wie ich in ihrer Wanne lag.

Mit einiger Überwindung schaffte ich es, meine Augen einen Spalt weit zu öffnen und sah ihren prüfenden Blick. Sie musterte mich vom Kopf bis zu den Zehen und nichts, außer dem Wasser, hinderte sie daran. Als sie sah, dass meine Augen sich geöffnet hatten und ich sie ansah, breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Immer noch trug sie ihren Pyjama, einen Schlafanzug mit geknöpftem Oberteil und labberiger Hose, den ansonsten nur Männer in meinem Alter tragen, der in den letzten Jahren aber wieder in Mode gekommen war, und den offensichtlich diese junge Frau für sich entdeckt hatte. Wenn sie auch wusste, dass ich sie beobachtete, setzte sie den unverschämt musternden Streifzug ihrer Augen über meinen Körper fort, und ich fragte mich, was sie als Nächstes vorhatte.

Ich sollte mich bedecken, ging es mir durch den Kopf, doch meine Hände und Beine fühlten sich schwer an. Nur meinen Augen war es erlaubt, zu verfolgen, was sich hier abspielte, ohne eingreifen zu können. Das Einzige, was in, oder viel besser, an meinem Körper reagierte, war das Körperteil, das anzuschwellen in der Lage ist, ohne eine stumpfe Verletzung zu erfahren. Mit Genugtuung schien Jana dies zu beobachten und ging auf die Knie, um sich mit einem Ellbogen auf den Beckenrand abzustützen. Die andere Hand ließ sie über die Wasseroberfläche gleiten und hinterließ Spuren ähnlich dem Kielwasser eines Motorbootes.

An meinem Kinn vorbei, mein Knie, das aus dem Wasser ragt, umschiffend, verbreiteten ihre Finger Unruhe auf dem See der Wanne bis zu meinen Füßen und zurück. Ein Finger streifte wie zufällig die fette Boje zwischen meinen Knien, an der ich zwar indirekt schuld war, an der ich aber nichts ändern konnte. Marias verdorbene Tochter schien, Spaß daran gefunden zu haben, diese Boje jedes Mal anzustupsen, wenn sie vorbeikam und schob sie einmal nach Back- und das nächste Mal nach Steuerbord. Nach einigen Kreisen, ging ihre Hand auf Tauchstation und berührte meinen Bauch. Vorsichtig streiften die Fingerspitzen über meine Haut und ließen die Boje noch weiter anwachsen, so dass sie sich gemütlich auf der Wasseroberfläche ausbreitete. Wirklich unverschämt glitten Janas Finger über meinen Körper und lösten wohlige Gefühle in mir aus, denen ich nur schwer Paroli bieten konnte.

Der Ärmel ihres Pyjamas war komplett nass, als sie an meinem Bein hochstreichelte bis zu meinem Knie. Sie wird doch wohl jetzt nicht das Oberteil ... nein, sie zog es nicht aus, sie krempelte nur den Ärmel hoch, um ihre Entdeckungsreise fortzuführen. Dass mein Seeungeheuer, Boje wäre an der Stelle verniedlichend, ihr begehrtes Ziel war, wurde schnell klar. Immer wieder kehrte sie dorthin zurück, bis sie den Ursprung am Grund prüfend umschlang und den Lümmel mit ihrer Hand so gut es ging umfasste. Jetzt kam das, was kommen musste, sie schob ihre Hand nach oben und nach unten und löste bei mir die Bewegungsarmut schlagartig auf. Im Gegentakt begann mein Becken in den Reigen mit einzustimmen, während sich die Blockade in meinem Rücken in Luft auflöste und sogar meine Arme hätten helfend eingreifen können. Meine Augen auf den faszinierten Blick meines Patenkindes gerichtet, bestaunte diese, wie sich das harte Fleisch in ihrer Hand bewegte.

Stetig stärker wurde der Seegang, weil die Bewegung ihrer Hand immer mehr zunahm und mein Becken immer mehr mitspielte. Ich konnte nicht glauben, was hier passierte, und doch ließ ich es gebannt geschehen, so als wäre ich nicht Teil davon, sondern nur ein stiller Beobachter hinter einer dicken Scheibe. Und doch spürte ich genau, was dieses Luder mit mir anstellte, und merkte wie der bekannte Druck sich in meinem Becken ausdehnte, wie immer mehr Blut dorthin strömte, um den Befruchtungsprozess in Gang zu setzen. Natürlich genoss ich die zarte Hand an meinem empfindlichen Penis sehr, erkannte in Janas Augen genau die von Maria und an ihrem Blick ebenso den ihrer Mutter. Und doch war die Situation mehr als seltsam, hatte ich doch nie darüber nachgedacht, dass Jana und ich ... und jetzt saß ich in ihrer Badewanne und ließ mich von ihr derart massieren.

Meine Gedanken verschwammen und das Nächste, was ich wahrnahm, waren überraschte Laute aus dem Mund einer jungen Frau, die dabei zusah, wie das Seeungeheuer sich zuckend ergab, weiße Fäden aufs Wasser aufschlugen und Spuren hinterließen wie der Laich einer Froschdame. Es brannte noch etwas nach in meinem Becken, bis die Prostata zusammen mit den Hoden und den gesamten Beckenbodenmuskeln alles zur Fortpflanzung Notwendige erledigt hatte und sie sich zufrieden abklatschten. In diesem Moment schlug ich die Augen auf und hörte das Klappern von Geschirr. Es dauerte einen Moment, bis ich registrierte, dass das Wasser deutlich an Temperatur verloren und ich ein ausgedehntes Nickerchen in Janas Wanne verbracht hatte. Mein kleiner Freund dümpelte gottseidank ganz normal im lauwarmen Wasser herum und es waren auch keine Schlieren zu sehen. Die Tür war verschlossen und ich hörte Janas Rufen, dass der Kaffee längst fertig sei.

Ich atmete tief durch und rief heiser „Ich komme“ zurück. Kurz spürte ich in mich hinein und war mir sicher, dass es meinem Rücken schon viel besser ging.

Wenige Minuten später saß ich am Küchentisch und erschrak. Jana trug den gleichen Pyjama wie in meinem Traum und der Ärmel ihres rechten Arms war hochgekrempelt.

„Ist was?“, fragte sie. Sicher hatte ich sie zu sehr angestarrt.

An der Küchenanrichte gelehnt nippte sie an ihrem Kaffee und sah mich musternd an. Ein verschmitztes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

„Geht es deinem Rücken besser?“

„Viel besser, danke“, antwortete ich und machte vermutlich keinen glücklichen Eindruck.

Sind wir Männer eigentlich unser ganzes Leben lang viel triebgesteuerter als die Frauen? Das fragte ich mich, weil ich mir ansonsten nicht erklären konnte, warum ich in Janas Wanne solche Dinge träumte. Sie hätte mir sicherlich eine Antwort darauf geben können, interessierte sich sehr für die Psyche der Menschen und hatte Bücher gelesen, die ich nie und nimmer auch nur im Ansatz verstand. Aber konnte ich sie fragen? Natürlich nicht, schließlich war ich nicht total verrückt. Zumindest hatte ich ein schlechtes Gewissen und musste auch so ausgesehen haben, als ich an meinem Kaffee trank.

Ich sah sie an, wie sie in ihrem Pyjama an der Anrichte gelehnt stand und mich noch immer in sich hineinlächelnd musterte. Diese junge Frau sah bezaubernd aus in diesem labberigen etwas und, wäre ich ein junger Mann, hätte ich mich sicher sehr um ihre Sympathie bemüht.

Jana hatte viel von ihrer Mutter, die feinen Gesichtszüge, die bei Maria bereits um einige Sorgenfalten ergänzt worden waren, das Lächeln, das einen echt einnehmen konnte, und dann die Figur, die zierlichen Füße und die schmale Taille, um die Maria von all ihren Altersgenossinnen beneidet wurde. Unter dem Schlafanzug kam diese bei Jana zwar nicht zur Geltung, ich wusste aber, wie sie in passenderer Kleidung aussah. Schon wieder ertappte ich mich dabei, wie ich in der jungen Frau, deren Patenonkel ich schließlich war, eher den femininen Körper sah als die selbstbewusste Studentin. In dieser Hinsicht übertraf sie Maria um Weiten.

„Um nochmal auf gestern zurück zu kommen“, riss Jana mich aus meinen Gedanken, „ich war nicht ganz fair zu dir.“

Wieder nippte sie an ihrem Kaffee, der mittlerweile fast kalt sein musste.

„Deine Worte haben dich nicht verraten, dein Blick war es.“

Sie ließ die Worte wirken und sie taten es.

„Ähm, du kennst das mit dem Verhältnis der nonverbalen zur verbalen Kommunikation?“

Ich nickte.

„Das mit der Hand an deinem Hintern habe ich von einer Freundin. Sie hat es beobachtet und fragte mich. Danach habe ich euch beide gesehen und dann ...“ Jana stockte und suchte nach Worten. „Ich verurteile dich nicht, also wenn da was dran ist. Mama natürlich auch nicht. Im Gegenteil, ich weiß, dass es zwischen meinen Eltern nicht mehr gut läuft, also insgesamt meine ich. Eigentlich fände ich es sogar süß, wenn da was ... also wenn ihr beide ...“

Ich konnte und wollte darauf nicht antworten. Sie hatte mich durchschaut, hatte uns durchschaut, aber sie wusste nichts davon, wie es uns damit ging.

„Karin täte mir leid, aber das müsst ihr unter euch ausmachen. Ich wollte mich nur entschuldigen, dass ich dich so überfallen habe. Ich war halt neugierig, schließlich ist sie meine Mutter.“

So, als würde es mich nichts angehen, worüber sie sprach, schaute ich auf die Küchenuhr.

„Ich muss fahren.“

„Ja, sicher“, sagte sie und stellte ihre Tasse ab.

Sie wollte gerade zu ihrem Schlafzimmer gehen, vermutlich um sich etwas anderes anzuziehen, stoppte kurz und blieb vor mir stehen. Dann passierte etwas, was ich erstmal nicht vergessen werde. Jana legte eine Hand auf meine Wange, so als wolle sie mich trösten. Anschließend beugte sie sich zu mir herunter und küsste mich zärtlich auf die Wange.

„Ich kann Mama gut verstehen“, flüsterte sie mir zu.

Vielleicht verstand sie mehr als Maria und ich zusammen, warum es dazu gekommen war, dass wir miteinander geschlafen hatten, dachte ich bei mir und sah ihr nach, wie sie im Schlafzimmer verschwand. Ich packte meine Sachen zusammen, faltete die Decke und roch, als ich es darauflegen wollte, nochmal an dem Kopfkissen. Es roch immer noch ein wenig nach Jana.

„Machst du das immer so?“

Ich zuckte vor Schreck zusammen. Sie stand im Türrahmen und hatte mich offensichtlich dabei beobachtet.

„Das mache ich instinktiv ... ohne nachzudenken, entschuldige“, versuchte ich auszuweichen.

„Ich wollte mich bei dir aber noch für das tolle Geschenk und den schönen Abend oder viel mehr die schöne Nacht bedanken.“

Sie stand mit offenen Armen vor mir, bereit für eine herzliche Umarmung und grinste. Wir machten das so, bisher zumindest. Jetzt stellte ich mich auf einmal so unbeholfen dabei an.

Während wir uns fest aneinanderdrückten flüsterte Jana mir ins Ohr: „Entschuldige bitte nochmal, wenn ich dich verlegen gemacht habe, das war nicht meine Absicht.“

Ich wusste, dass es ehrlich gemeint war und flüsterte zurück: „Schon gut.“

„Ich gönne es euch. Passt aber bitte auf, dass ihr nicht mehr kaputtmacht als es am Ende wert ist.“

„Ich fand es auch schön mit dir heute Nacht“, sprang ich schon wieder im Thema. Es war halt nicht meine Sache, mit ihr über Dinge zu reden, die sie nichts angingen, und das ging sie einfach nichts an, wenn sie auch Marias Tochter war.

Auf der Fahrt nach Hause gingen mir so viele Gedanken durch den Kopf, dass ich die Musik leise stellen musste. Ich ertappte mich dabei, wie ich mich an die Umarmung mit Jana erinnerte und darüber nachdachte, dass sie sich nicht viel anders angefühlt hatte, als ihre Mutter. Lag es an mir, dass ich im Moment immer nur solche Gedanken hatte? Mensch, ich war über 50 und nicht mehr 15, was sollte das eigentlich?

Und wie sollte ich damit umgehen, dass Jana uns durchschaut hatte? Sollte ich Maria davon erzählen oder es lieber für mich behalten? Würde sie es ihrer Mutter sagen, oder würde sie es als Geheimnis zwischen ihr und mir belassen? Wir hatten jedenfalls eine Mitwisserin und das machte mir zu schaffen. Wie es weitergehen könnte mit Maria und mir und ob es überhaupt ein Weiter geben könnte, daran wagte ich gar nicht erst zu denken. Irgendwann drehte ich die Musik wieder auf und die Fenster herunter. Laut brüllte ich all meinen Frust in die weite Welt hinaus und beschallte die Autobahn mit meinem kläglichen Gesang, um am Ende etwas entspannter zu Hause anzukommen, als ich bei Jana losgefahren war.

Karin arbeitete wie erwartet im Garten, kniete zwischen den Sträuchern und hatte schon wieder etwas gefunden, was ihr auf den Nerv ging und wegmusste. Sie sah auf, grüßte kurz und senkte ihren Kopf wieder. Nachdem ich meine Tasche abgestellt hatte, stand ich vor dem Küchenfenster und trank ein Glas Wasser. Plötzlich spürte ich Hände auf meinem Bauch und etwas Warmes an meinem Rücken.

„Na, mein Held, wie war es?“

„Gut, Jana hat es gefallen.“

Karin stand hinter mir und umarmte mich so, wie sie es schon seit Wochen, wenn nicht seit Monaten, nicht mehr getan hatte.

„Weißt du, ich war ehrlich gesagt ein wenig eifersüchtig.“

„Warum eifersüchtig? Etwa auf Jana?“

Ich stellte das Glas ab, drehte mich in ihren Armen und legte meinerseits die Arme um meine Frau.

„Ja. Als ich gesehen habe, wie sie sich über dein Geschenk gefreut hat ...“

Sie sprach nicht weiter, legte stattdessen ihren Kopf an meine Brust. So viel Intimität war ich seit langer Zeit nicht gewohnt von ihr, darum hielt ich sie fester im Arm, roch ihr Haar und fühlte ihren Körper.

„War es das Geschenk oder die Zeit, die ich mit ihr verbracht habe?“

„Fische interessieren mich weniger, aber genau, du hast ihr Zeit geschenkt, Zeit, die sie mit dir verbringen konnte.“

„Die kannst du auch haben.“

„Ich weiß - und doch macht es mich neidisch.“

„Du gibst also zu, dass du einer der sieben Todsünden verfallen bist?“

Zum Glück traf mich ihr Hieb nicht am Rücken.

„Ich gehe duschen, kommst du auch?“

Was war nur los mit ihr? Hatte der Abend gestern mit Maria sie so umgestimmt, oder war es eine Laune ihrer Hormone, dass sie sich auf einmal so gab? Hatte ich eine Ausrede parat, oder wollte ich es sogar? Wünschte ich mir das nicht schon so lange und war ihre fehlende Nähe nicht der Grund, warum ich bei Maria gelandet war?

Erstaunt sah ich Karin mit hochgezogenen Augenbrauen nach, als sie bereits auf der Treppe stand. Mit wechselnden Gefühlen setzte ich mich in Bewegung, nachdem ich hörte, dass das Wasser lief. Durch den Türspalt sah ich im Badezimmerspiegel meiner Frau zu, wie sie unter der Dusche stand, wie sie sich die Haare wusch, an sich ein ganz normaler Vorgang, doch in diesem Augenblick äußerst aufregend. Wie sie ihre Arme streckte und dabei ihre Kontur in die Länge zog, wie ihre Rundungen dabei so wundervoll zur Geltung kamen und ein weiches Bild einer wunderschönen reifen Frau zeichneten, wie sie sich mit den Händen durch die Haare strich, wie der Schaum sich an ihrem Körper herunterkämpfte, in ihrem Schoß verlangsamt wurde und er sich für eine Seite entscheiden musste. Dazu streichelten ihre Hände sie mehr als nur zu reinigen. Es beflügelte meine Fantasie und führte dazu, dass ich, ohne weiter darüber nachzudenken, mein Hemd aufknöpfte und abstreifte, meine Schuhe zur Seite schnellte und meine Hosen auf den Boden rutschen ließ.

Ohne weitere Gedanken zu verlieren, trat ich zu Karin unter die Dusche. Sie empfing mich, wie seit Wochen, ach, was sage ich, seit Monaten nicht mehr, nahm meine Hände und verschränkte sie mit ihren auf ihrem Bauch. Minutenlang ließen wir das warme Wasser an uns herablaufen, genossen die Nähe und die Berührung. Sie drehte sich in meinen Armen und küsste mich, drückte ihren reifen Körper an mich und weckte in mir Gefühle wie seit langem nicht.

Eine Stunde später lagen wir im Bett, kuschelten uns aneinander und mein Gewissen meldete sich zurück. Ist es eigentlich nur bei Männern so, dass der Verstand sich verabschiedet, wenn weibliche Reize auf einen einwirken? Nicht eine Sekunde hatte ich in der letzten Stunde daran gezweifelt, dass es das Normalste der Welt ist, mit meiner Ehefrau auch nach langer Abstinenz herrlich erfrischenden Sex zu haben. Nicht eine Sekunde hatte ich mich gefragt, woher ihr Sinneswandel gekommen war, hatte wie ein Schoßhund mit dem Schwanz gewedelt, weil Frauchen mir ihre Zuneigung zeigte. Jetzt auf einmal kam mir der perfide Gedanke, dass ich gleich zwei Frauen betrogen hatte. Doch, hatte ich das wirklich? Ging das überhaupt, seine Geliebte mit der eigenen Ehefrau zu betrügen?

Mit umtriebigen Gedanken belastet, hielt ich Karin im Arm und wunderte mich, wie offen sie auf einmal war. Unter der Dusche hatte sie bereits begonnen, mich anzüglich zu berühren, was sie sonst seit Langem nicht gemacht hatte. Es war sogar zu ersten intimen Handlungen gekommen. Zielgenau hatte sie in meinen Schritt gefasst, nachdem sie merkte, wie sehr meinem kleinen Freund die Situation gefiel. Gleichzeitig hatte sie meine Hand zu ihrem Schoß geführt, auch etwas, was ich lange vermisst hatte. Und, oh Wunder, sie war mehr als bereit gewesen.

Anschließend waren wir, ohne uns lange abzutrocknen, liebestoll ins Bett getaumelt und zu meiner Überraschung hatte sie die Initiative übernommen, hatte sich im Sinnestaumel mir angeboten. Karin wusste genau, wie ich es liebte, mich mit dem Mund an ihren süßen Lippen zu vergehen, bis sie es nicht mehr aushielt.

Ich bin kein Freund von Vergleichen und war es nie, weil jeder Mensch unterschiedlich ist und auch ein Recht dazu hat. Dennoch war ich kurz versucht, Parallelen zwischen dem Sex mit Maria und dem mit Karin zu finden, steigerte mich hinein in die Vorstellung, Karin wäre, wie auch immer, hinter das Geheimnis zwischen Maria und mir gekommen und wollte mich testen. Eine absolut absurde Idee, die am Ende meiner Frau gar nicht zuzutrauen war.

Es half nichts, ich brauchte Abstand, Abstand von Maria und von meinen körperlichen Gelüsten. Ich musste klar im Kopf werden, ohne dass meine Libido für mich dachte und die Entscheidungen traf. Für den nächsten Tag schlug ich Karin eine Wanderung vor. Wir würden irgendwo hinfahren und die Natur genießen, einfach frische Luft tanken. Ich hoffte, dass wir dabei nicht in ein eindringliches Gespräch über unsere Ehe verfallen würden. Sie war völlig hingerissen von dem Vorschlag, freute sich darauf, dass wir etwas zusammen unternahmen. Zumindest sagte sie mir das und ihr Blick, als sie mir am Abend eine gute Nacht wünschte, sagte das gleiche.

Es war wie ich gehofft hatte, wir sprachen auf der Fahrt nur über die anstehende Wanderung und die Möglichkeiten, zum Essen einzukehren. Immer wieder erwischte ich Karin dabei, wie sie mich ansah. Keine Spur von einem aufgedeckten Betrug oder einer Ahnung, dass Maria und ich etwas anderes miteinander verband als bloße Freundschaft. Ganz im Gegenteil leuchteten ihre Augen, wenn sie mich ansah, wie ich die Schuhe nachschnürte, wie ich ihr half, trockenen Fußes über den Bach zu kommen, oder als wir uns in einem Restaurant gegenübersaßen. Waren es die Nachwirkungen des Wiederentdeckens, die bei Karin vergessene Zuneigung wieder aufkeimen ließen?

Als wir nach Hause kamen, bestätigten wir uns gegenseitig, dass wir nach langer Zeit nochmal einen sehr schönen Sonntag gemeinsam verlebt hatten, und versprachen uns, dies so bald wie möglich zu wiederholen.

Ich muss zugeben, dass es mich zutiefst berührte, wie wir miteinander umgingen. Kein Zwist, kein Streit, nicht einmal eine Meinungsverschiedenheit hatten wir ausfechten müssen. Pure Harmonie mit der ein oder anderen Neckerei hatte den ganzen Tag über geherrscht und die Umarmung und die Schmuserei vor dem Schlafengehen stellte alle vorherigen Monate in den Schatten.

Von Maria hörte ich mehrere Tage nichts. Manchmal verspürte ich das Bedürfnis, sie anzurufen, mit ihr zu reden, nur unter Freunden, um zu fragen, wie es ihr ging, doch ich beherrschte mich und rief nicht an. Der Umgang mit Karin war irgendwie freundlicher, so als wären wir ein harmonisches Paar und die täglichen Zärtlichkeiten nahmen zu, nicht weil es so sein musste, sondern weil es ein beiderseitiges Bedürfnis war. Am meisten fiel mir allerdings auf, dass sie mich öfter ansah. Mir fiel es auf, weil ich auch öfter hinsah, wenn sie im Haus war oder im Garten. Wenn sich unsere Blicke trafen, folgten fast immer auch selbstverständliche unbewusste Berührungen.

Es war schon mindestens zwei Wochen her, dass ich Jana besucht hatte, als mein Telefon klingelte und ich sah, dass es Maria war. Zunächst schluckte ich, wurde zurückgeworfen in meinen Gedanken, die so langsam in klaren Bahnen liefen und die Vorherrschaft über andere Areale in meinem Hirn zurückgewonnen hatten. Ich saß wieder mal im Homeoffice, hatte Zeit und drückte unschlüssig die grüne Taste.

„Hallo Maria.“

„Hallo Roman.“

„Ähm, du kennst dich doch aus mit Fotobearbeitung, also mit der Software?“ Ich merkte, wie schwer es ihr fiel, das Gespräch zu beginnen.

„Ja, ein wenig.“ Also wieder ein Versuch, mit mir über dieses Thema ins Gespräch zu kommen. „Wie geht es dir?“, fragte ich, um den eigentlichen Grund ihres Anrufes zu klären.

„Ähm, gut ... ja, alles in Ordnung.“

Sie machte eine Pause und ich wusste sofort, dass nicht alles in Ordnung war.

„Wie war es bei Jana? Ich meine, wie war es mit ihr? Hattet ihr einen schönen Tag?“

Hatte ihre Tochter noch nicht mit ihr gesprochen?

„Doch, es war ... ein Erlebnis. Für Jana auch, denke ich.“

„Ja, sie sagte auch so etwas.“

Also hatten sie gesprochen. Sicher hatte Jana ihr aber nichts von unserem Gespräch erzählt.

„Wie war dein Abend mit Karin?“

„War auch gut.“

„Sie ist ... so ... anders seitdem.“

„Es tut mir leid. Ich glaube, sie hat mehr erfahren als sie sollte.“

„Was meinst du?“

„Irgendwie haben wir geredet und geredet und dann hat sie mich ... wie soll ich sagen? Sie hat mich mit ihrer Fragerei irgendwie in die Ecke gedrängt.“

Mir wurde warm. „Was heißt das?“

„Irgendwann im Laufe des Gesprächs hat sie erfahren, dass ich mich mal mit einem Mann getroffen habe.“

Ich musste schlucken. „Hast du ihr von Franks Affäre erzählt?“

„Nicht so direkt, aber ich glaube, sie ahnt, dass da was ist. Zumindest ahnt sie, dass ich glaube, dass da was ist.“

„Und wie hat sie reagiert?“

„Sie hat es hingenommen. Natürlich war sie überrascht, aber ich glaube, sie hat mich nicht verurteilt, dass ich mich mit jemandem getroffen habe?“

„Hat sie nicht gefragt, wer es ist?“

„Zuerst nicht, nachher schon. Ich habe gesagt, dass es jemand aus meinem Fortbildungskurs ist, den sie nicht kennt. Dann hat sie nicht weiter nachgefragt.“

Verhielt Karin sich deshalb so anders? Hatte sie Angst, uns könnte so etwas auch passieren?

„Oh, Maria, das tut mir so leid, dass du sie anlügen musstest.“

„Nein, Roman, ich war genauso daran beteiligt ... und ... ich würde es wieder tun.“

Die letzten Worte klangen deutlich leiser, aber nicht weniger ernsthaft. ‚Sie würde es wieder tun‘, hallte es in meinem Kopf nach. Gerne würde ich ihr das auch sagen, war im Moment davon aber gar nicht überzeugt.

Es entstand wieder diese Stille zwischen uns und sie war so angenehm. Ich hörte Maria seufzen und wusste, dass auch sie es genoss. Nur zu wissen, dass jemand da ist, der zuhört, der einen versteht und der weiß, wie es einem zumute ist.

„Ich muss eine Projektmappe erstellen und brauche Fotos dafür. Es sollen nicht nur einfache Aufnahmen sein, etwas, wo der Hintergrund undeutlich und das Motiv im Vordergrund scharf ist oder umgekehrt. Kannst du so etwas?“

„Natürlich, ich kann dir helfen, Maria. Wo hast du die Fotos?“

„Die muss ich noch erst machen. Du hast doch eine Kamera, oder?“

„Die habe ich, ja. Brauchst du die, möchtest du sie holen, oder soll ich sie dir bringen?“

„Ich habe mir gedacht“, Maria stockte, „du könntest mir helfen, die Fotos zu machen.“

„Ja, klar. Was für eine Art von Fotos soll das sein?“

„Das Thema heißt ‚beautiful nature‘. Also brauche ich Naturaufnahmen. Ich weiß noch nicht genau.“

„Hast du eher an Landschaft gedacht oder Tiere? Blumen vielleicht oder Bäume?“

„Ehrlich gesagt habe ich noch keinen Plan. Das klingt aber gut. Blumen, Bäume, Landschaft, daraus könnte man was machen.“

„Wenn du zu dem kleinen Waldstück fährst, hast du einen tollen Blick über die Gegend und ...“

Bei dem Gedanken, mich mit Maria an dem kleinen Waldstück zu treffen, übernahm der Teil in mir schon wieder die Übermacht, der daran dachte, wie toll der Nachmittag mit ihr gewesen war, und ich versuchte, mich dagegen zu wehren. Keine 10 Sekunden brauchte ich, bis ich merkte, dass es zwecklos war. Maria war hoffentlich mental stärker, sie würde schon nichts Unüberlegtes tun, redete ich mir ein. Was für ein Unsinn.

„Wann hast du Zeit?“

Sie ließ mir gar keine andere Wahl. Ein Einwand schien völlig aussichtslos.

„Heute Nachtmittag? Das Wetter soll konstant bleiben, dann steht das Licht auch gut.“

Um zwei trafen wir uns mit unseren Fahrrädern am Baum mit der Bank, einem denkwürdigen Ort, hatte doch hier alles angefangen, schwierig zu werden. Lassie wedelte wie wild mit dem Schwanz, als er mich sah.

„Mensch, da freut sich aber jemand, dich zu sehen. Hallo Roman, danke nochmal, dass du mir helfen möchtest.“

„Das ist selbstverständlich, Maria. Na, du kleiner Wuschel.“ Der letzte Satz galt natürlich dem Hund, den ich mit einem Kraulen am Hals beruhigte.

„Erzähle doch mal, wie war es bei Jana?“, fragte Maria während wir nebeneinander herfuhren.

„Ach, gut.“

Maria lächelte mich fragend an. „Nur gut? Ein bisschen mehr könntest du schon erzählen.“

„Naja, wir sind da hin, haben uns unterhalten, uns den Film angesehen und dann ist sie eingeschlafen.“

„Das ist ja typisch. Und deinen Rückenschmerzen geht es besser?“

„Hat sie dir davon erzählt? Mensch, wie peinlich.“

Maria begann zu kichern. „Muss dir nicht peinlich sein. Was meinst du, wo ist das Licht am besten?“

„Lass uns bis auf die andere Seite fahren, da ist der Blick weiter und da haben wir die Sonne seitlich und nicht so grell.“

Wir fuhren auf die Rückseite des kleinen Wäldchens, stellten die Fahrräder ab und leinten den Hund daran fest. Lassie legte sich gemütlich ins Gras. Mir war bereits als wir uns trafen aufgefallen, wie gut Maria heute schon wieder aussah. Zu ihrer kurzen viel zu weiten Latzhose trug sie Chucks ohne Socken und ein enges Top, das ihren schlanken Oberkörper wunderbar in Szene setzte. Ich nahm meine Kamera aus der Tasche und machte zuerst einmal ein paar Probeaufnahmen von meiner Freundin.

„Nur, um das Licht zu testen, keine Angst, die kann man nachher löschen“, erklärte ich ihr, woraufhin sie verlegen lächelte. „Was ist das eigentlich für eine Projektmappe?“

„Das ist nur etwas zum üben, das hat ansonsten nichts mit der Arbeit zu tun. Die Dozentin meinte, man müsse ein Gefühl entwickeln für Eindrücke, Sichtweisen, Licht und Konzept. Wir müssen uns am Thema orientieren, sind aber völlig frei in der Gestaltung.“

Ich erklärte Maria die Funktion der Kamera, machte ein paar Bilder von der Landschaft, einfach so, ohne ein bestimmtes Thema einzufangen.

„Gut ist immer, wenn du das Bild strukturierst, einen Hintergrund, einen Vordergrund und ein Motiv dazwischen hast. Sieh mal hier, ein Ast vom Baum, die Wiese dazwischen mit den aufgerollten Heuballen und die Hügel am Horizont. Man kann seinen Fokus auf den Ast legen und den Rest unscharf lassen, dann sieht das so aus.“ Ich zeigte ihr das Foto. Anschließend nahm sie die Kamera und probierte verschiedene Motive aus.

„Ich würde gerne etwas Lebendiges aufnehmen, das wird aber nicht scharf.“ Sie gab mir die Kamera zurück.

„Wir könnten versuchen, Käfer einzufangen. Lass uns mal an dem Baum die Makrofunktion testen. Da kannst du sehen, was die Kamera kann.“

Ich zeigte Maria, wie man ganz nah an die Rinde zoomen und doch alles scharfstellen konnte. Dabei achtete ich darauf, dass immer auch ein kleiner Ausschnitt von ihr drauf war. Ein Teil ihrer Wange, ihre Nasenspitze oder auch ein Ausschnitt ihres Gesichts war zu sehen. Als wir uns die Bilder anschauten und außer dem winzigen Getier auch die feinen Härchen an ihrem Kinn erkennen konnten, wurde Maria verlegen.

„Lösch das wieder, das gehört nicht dazu.“

„Man sieht doch nicht, dass du das bist. Außerdem sieht das wirklich schön aus.“

Mit vorwurfsvollem Blick sah sie mich an.

„Gib mal her.“ Sie griff zu und schon war ich die Kamera los.

Jetzt fotografierte Maria die Blätter eines Strauchs, auf dem ein Käfer herumkroch. Als sie mir das Bild zeigte, konnte man an dem Blatt vorbei meine lädierte Jeans erkennen.

„Und du glaubst, das wäre besser?“

„Lass uns doch mal Bilder machen, die mehr zeigen, mehr Landschaft. Stell dich an den Baum gelehnt“, befahl sie.

„Aber ich soll doch gar nicht auf dem Bild zu sehen sein“, wandte ich ein.

„Ich lasse dein Gesicht weg.“

„Meine Klamotten eignen sich doch gar nicht für ein Foto.“

„Mach mal bitte, wir können das doch sicherlich nachher ein wenig unscharf machen, damit man mehr von der Landschaft sieht.“

Notgedrungen lehnte ich mich an den Baum, befolgte Marias Anweisungen, mich seitlich zu drehen, ihr den Rücken zuzuwenden, und hörte es ständig klicken.

„Sieh mal, das sieht doch gut aus.“

Maria zeigte mir ein Foto, auf dem ich mit dem Rücken zu ihr stand.

„Was meinst du?“

Sie zoomte das Bild näher heran, bis mein Hintern im Großformat zu sehen war.

„Du bist verrückt. Das hat nichts mit deinem Projekt zu tun.“

„Aber dein Hintern sieht verführerisch knackig aus in der Hose.“ Sie lachte laut.

„Stell du dich mal da hin, dann zeige ich dir, wie man den Hintergrund besser in Szene setzt.“

Sie gab mir die Kamera und stellte sich an den Baum mit dem Rücken zu mir. „Leg mal eine Hand auf deine Schulter und tue so, als würdest du mich ansehen.“

Maria tat, was ich sagte. Ein Träger ihrer Latzhose rutschte über ihre Schulter und stoppte am Ellbogen.

„Ja, genau, und jetzt dreh dich ein wenig zu mir.“

Die Kontur ihres Oberkörpers erschien im Profil auf meinem Display.

„Das sieht toll aus. Ziehe die Hand aus dem Träger.“

Sie tat es und auf einmal hing der Latz nur noch achtlos auf ihrer Vorderseite und ich glaubte zu erkennen, dass ihre Brustwarze sich unter dem Top abzeichnete. Ich zoomte näher heran, machte noch ein Foto, schwenkte die Kamera auf ihren Rücken und fing ihren Po ein. Ein herrlich verführerisches Bild mit der labberigen Latzhose und ihren nackten Beinen, die aus den weiten Hosenbeinen hervorkamen, erschien auf dem Bildschirm, als ich es näher heranholte.

Ich ging auf Maria zu und nahm den Zoom weg. Gleichzeitig schaltete ich wieder in den Makro-Modus zurück und hielt die Kamera auf ihre wunderschöne Brust unter dem engen Top. Als ich direkt hinter ihr stand, sog ich ihren Duft ein. Sie roch auf einmal wieder so gut, darum stieß ich mit der Nasenspitze kurz an ihrem Nacken an und Maria zuckte nicht zurück. Stattdessen griff sie nach hinten und erfasste meine Hand. Wie gelähmt stand ich da und merkte, wie etwas in mir aufkeimte, was ich unbedingt hätte unterbinden müssen. Maria verschränkte ihre Finger mit meinen, schob unsere Hände auf ihren Bauch und seufzte.

„Wie ich das vermisst habe“, flüsterte sie und drehte ihren Kopf langsam hin und her, so dass meine Nasenspitze immer wieder ihren Nacken berührte.

Ich stand dicht hinter ihr und sie musste meinen Atem auf ihrer Haut spüren.

„Roman, das tut so gut.“

Über ihre Schulter konnte ich in die aufklaffende Latzhose sehen, deren Träger auf der einen Seite auf ihrer Hüfte lag und einen atemberaubenden Blick in ihr Hosenbein offenlegte. Meine Hand war im Weg, ansonsten hätte ich bis zu ihren Schuhen durchsehen können. Langsam schob ich meine Hand zur Seite. Ihre Hand lag kontrollierend darauf und dirigierte sie über die Hüfte auf den Oberschenkel. Ich spürte ihre Unterhose, strich daran vorbei, bis ich die nackte Haut ihres Beins an meinen Fingern fühlen konnte, dann hielt ich die Kamera an ihrem Gesicht vorbei nach unten und drückte ab. Mit meiner Hand spannte ich die Hose noch weiter auf und ließ den Fotoapparat mehrfach klicken.

„Was wird das?“, fragte sie flüsternd in mein Ohr.

„Reine Naturaufnahmen. Die Natur der Frau.“

„Du bist unmöglich. Die schönsten Bilder entstehen im Kopf und lassen sich nicht auf Papier bannen“, hauchte sie und schob meine Hand langsam in die Mitte. Ich fühlte den Stoff ihrer Unterhose, nahm die Wärme wahr, die in Marias Latzhose herrschte.

„Willst du wissen, was du schon wieder angestellt hast?“

In ihrem Schritt angekommen, dirigierte sie meine Finger unter den Bund ihrer Unterhose. Ich spürte, wie es noch wärmer wurde, und fühlte die krausen Löckchen an meiner Fingerspitze.

„Maria, wir sollten ...“ Ich wurde von einem lauten Seufzer aus ihrem Mund unterbrochen.

Die Quelle der aufkommenden Hitze lag direkt unter meinen Fingern. Wir verharrten einen Moment, ließen die Situation auf uns wirken. Vorsichtig wollte Maria meine Hand weiterführen, doch ich stoppte und zog meine Hand zurück bis auf ihren Bauch. Sie spürte, dass mir nicht nach mehr war.

„Maria, das geht nicht“, hauchte ich und merkte wie meine Stimme zittrig klang.

In meinen Armen drehte sie sich zu mir und küsste mich. Ich versuchte, es zu verhindern, hielt sie fest im Arm und sie schmiegte sich an. Minutenlang standen wir da und hielten uns. Es war so schön, sie zu halten, sie zu fühlen, ihre Wärme, ihre Nähe und ihren Herzschlag zu spüren.

„Jetzt haben wir kaum brauchbare Fotos.“ Sie hatte sich von mir gelöst und sah auf die Armbanduhr. „Und ich muss nach Hause.“ Sie sah mich mit einem unübertrefflichen Lächeln an. „Dann müssen wir uns nochmal treffen, damit du mir das mit den weiten Aufnahmen nochmal erklärst.“

Ich konnte nicht glauben, dass das jetzt schon wieder passiert war. Es war ehrlich nicht zu fassen, wir verhielten uns wie zwei Teenager, trafen uns heimlich zum Kuscheln.

„Maria, das ist nicht dein Ernst. Wir sollten das nicht tun.“

Ich versuchte, entsetzt zu wirken, um sie wieder zur Vernunft zu rufen, um uns beide zur Vernunft zu rufen.

„Schau mal, was glaubst du, wie das auf einem großen Bildschirm aussieht.“

Ohne auf meine Worte zu reagieren, hielt sie mir die Kamera hin und zeigte mir eines der Fotos, bei denen ich die Kamera einfach an ihr herunter gehalten hatte. Man sah eindeutig ihre Brust seitlich im Bild, außerdem war zu erkennen, dass eine Hand, in dem Fall meine, sich in ihrer Hose zu schaffen machte. Der Schnappschuss war sehr gut gelungen, vermittelte eine große Authentizität durch eine gewisse Unschärfe und dazu eine atemberaubende Erotik dadurch, dass vieles zu erahnen und doch nicht im Detail zu erkennen war.

Zu Hause speicherte ich die Fotos auf einem Cloudspeicher, zu dem ich die Zugangsdaten per Hand auf einen Zettel schrieb. Den übergab ich ihr bei unserem nächsten Treffen. Ja, wir trafen uns zwei Tage später erneut, schließlich brauchte Maria Bilder, die sie verwenden konnte. Sie trug diesmal eine dünne Flanellhose zu ihrem T-Shirt und sah schon wieder so aufregend aus.

Noch während ich mein Fahrrad abstellte, riss sie mir förmlich die Kamera aus der Hand und küsste mich leidenschaftlich. Ohne Vorwarnung drückte sie sich an mich und presste ihre Lippen auf meine. Ich spürte ihre Wärme und ihre innere Aufregung, als sie ihren Arm um mich legte und meinen Kopf, mit der Hand in meinem Nacken, an sich zog. Ungefragt drückte Maria auf den Auslöser und schoss wahllos ein paar Aufnahmen. Zu sehen war fast immer nur ein Ausschnitt von uns und ein Teil der Landschaft im Hintergrund.

Wenn ich mich auch über meine eigenen Gedanken wunderte, die sich seit einigen Tagen wieder fast ausschließlich um urmenschliche Bedürfnisse drehten, so war ich mir sicher, in Maria ein passendes Gegenüber gefunden zu haben. Sie schien, seit einiger Zeit von den Gefühlen körperlicher Nähe ebenfalls sehr beseelt zu sein, und doch schwirrten immer wieder Janas Worte in meinem Kopf umher, wir sollten achtgeben, nicht mehr zu zerstören, als es wert wäre. Jetzt gerade, wo Maria hinter mir stand, ihre Hand auf meinem Hintern lag und darüber streichelte, hörte ich im Hinterkopf mein Patenkind jedoch nur noch undeutlich flüstern.

„Maria?“

„Mhm“, hauchte sie bestätigend in mein Ohr.

„Ich muss dir was gestehen“, sagte ich und schaute durch den Sucher der Kamera, die Maria mir vor das Gesicht hielt.

„Ich habe ... also wir haben ... Karin und ich, wir haben miteinander geschlafen.“

Ich wollte es ihr sagen, musste es ihr sagen, weil es mir ein Bedürfnis war, ehrlich zu ihr zu sein.

„Mhm“, flüsterte sie ohne weitere Regung. „Schau mal, wäre das nicht ein schönes Motiv?“, fragte sie und hielt die Kamera an den Bäumen vorbei und fokussierte den Horizont.

„Hast du gehört, was ich gesagt habe?“

„Ja, habe ich, Roman.“

„Und?“ Maria reagierte nicht. „Stört es dich irgendwie?“

Sie nahm die Kamera herunter und trat vor mich. Mit festem Blick sah sie mich an.

„Darf mich das denn stören? Sie ist deine Frau ... ich meine, ihr seid verheiratet.“

„Ja, schon ...“

„Es ist doch schön, wenn es das bei euch noch gibt. War es nicht schön?“

„Doch doch, natürlich.“

„Du musst mir das nicht beichten.“ In ihren Augen sah ich, dass es sie bewegte. „Ich glaube, ich habe genügend Fotos. Können wir am Rechner noch was bearbeiten?“

„Ja, klar. Möchtest du an deinen oder an meinen?“

„Nein nein, wir fahren jetzt, du lädst die Bilder hoch und dann können wir morgen nochmal telefonieren?“

Es bewegte sie nicht nur, es saß tiefer. Ich konnte es aber jetzt nicht ändern, nahm sie in den Arm und drückte sie fest an mich und spürte, wie sie ihren Kopf an meine Schulter lehnte.

„Ich weiß, es klingt blöde und es ist total unvernünftig, aber ... ich glaube, ich habe mich ein klitzekleines bisschen in dich ...“, flüsterte sie.

„Schhhh“, zischte ich und drückte sie fester an mich.

Ich wollte es nicht hören, nicht jetzt. Sanft strich ich Maria über den Rücken und versuchte krampfhaft, ihren Po nicht zu berühren. Sie hingegen erwiderte mein Streicheln und ließ nichts aus. An meiner Wange spürte ich ihre zarte Hand, sah ihr direkt in die Augen und konnte nicht anders, als sie auf die Stirn zu küssen. Eine Ewigkeit verging, bis wir uns seufzend voneinander lösen konnten und wortlos die Räder bestiegen. Am Baum trennten wir uns, ohne anzuhalten, nur mit einem „Bis dann“.

In Gedanken versunken überspielte ich die Fotos, sah mir jedes einzelne noch einmal an, nur um Marias Gesicht zu sehen, mich an ihrem Lächeln satt zu sehen und ertappte mich dabei, wie ich mit dem Finger über den Bildschirm fuhr, so als wolle ich ihre Wange streicheln. Ein unangenehmes Gefühl der Ratlosigkeit lag schwer auf meinem Magen. Wieder und wieder fragte ich mich, wie es weitergehen könnte. Durfte es überhaupt ein Weiter geben? Oder mussten wir beide nicht so schnell wie möglich die Reißleine ziehen und alles vergessen, was passiert war?

Beim Abendessen sagte ich nicht viel, schwieg so deutlich, dass es sogar Karin auffiel und sie mich fragte, was los sei.

„Ach nichts, die Arbeit“, flunkerte ich sie an.

Bevor ich am nächsten Morgen meinen Arbeitsrechner hochfuhr, schaltete ich das Notebook an und besah mir ein weiteres Mal unsere gemeinsamen Bilder. Mir kam die Idee, einen weiteren Ordner anzulegen, nur für mich, in dem ich einige Bilder abspeicherte und bei anderen Maria fokussierte und das Drumherum unscharf erscheinen ließ. Die gleichen Bilder bearbeitete ich auch andersherum und speicherte sie in dem gemeinsam genutzten Ordner ab. Dann rief ich Maria an. Ihr Tonfall war völlig sachlich. Sie wollte ans Werk gehen und ich erklärte ihr, wie sie mit der Software die Effekte in die Bilder bekam. Anschließend ließ ich sie ihre Ergebnisse mit meinen vergleichen. Wir brauchten nur zwanzig Minuten, bis wir fertig waren.

„Hör zu, Maria“, versuchte ich, auf den gestrigen Nachmittag zu sprechen zu kommen.

„Lass gut sein, Roman. Es ist alles in Ordnung“, sagte sie. Ein „Danke“ folgte, dann legte sie auf. Mir tat es im Herzen weh, sie so leiden zu sehen, aber es durfte nicht sein, dass wir Gefühle füreinander empfanden. Wir hatten wunderbaren Sex gehabt und dabei musste es bleiben. Alles andere war nicht drin, das machte alles nur noch schwieriger.

Die nächsten Tage hörte ich wieder nichts von Maria, meldete mich auch nicht bei ihr, weil ich immens viel für die Arbeit erledigen musste. Abstand tat gut, wenn ich in den kleinen Pausen auch immer wieder an sie denken musste, und daran, was sie mir gestanden hatte. Hatte nur sie dieses Problem, oder war es bei mir nicht genauso? War sie für mich wirklich nur eine Partnerin gewesen, mit der ich meine Bedürfnisse hatte ausleben dürfen? Wäre da nicht unsere gemeinsame Umgebung, unsere beiden Ehen, unsere Freunde und das ganze Drumherum, hätten wir uns garantiert aufeinander eingelassen. Um diesen komplizierten Gedanken zu entfliehen, stürzte ich mich immer wieder in die Arbeit. Einen Drang nach körperlicher Nähe verspürte ich gottseidank nicht und Karin schien es nicht zu kümmern.

Alles verlief wieder in geregelten Bahnen, bis zu Franks Geburtstag. Für den frühen Abend hatte er, wie üblich, auf ein kühles Getränk eingeladen. Die heißen Sommertage hatten wir glücklicherweise hinter uns gelassen, wenn es auch am Abend noch angenehm warm war. In T-Shirt und kurzer Hose kam jedoch nur noch Jochen, der Hartgesottene unter uns. Alle anderen waren den nächtlichen Temperaturen angemessen angezogen.

Frank begrüßte uns wie immer mit einem Handschlag und einer Männerumarmung. Ein paar festere Schläge auf den Rücken, ohne viel Gefühl, aber mit der nötigen Portion Kraft. Die Frauen in unserer Runde wurden wesentlich zärtlicher begrüßt mit einem sanften Streicheln über den Rücken während der Umarmung. Bei niemandem machte es mir jedoch so viel Mühe wie bei Maria, mich im Zaum zu halten. Ihr Blick, als sie mir gegenübertrat, holte mich um Wochen zurück und sofort war ich gewillt, sie lange und zärtlich in den Arm zu nehmen. Ich musste mich sehr beherrschen und sie musste es auch. Ihre zarte Hand auf meinem Rücken strich nicht belanglos über meinen dünnen Pullover, sie tastete prüfend und begehrend nach meinen Konturen und ich konnte sie gut verstehen. Als ich anschließend Jana begrüßte, sah ich in ihr Gesicht und erkannte, dass sie bemerkt hatte, was in ihrer Mutter und mir vorging. Mit hochgezogenen Augenbrauen begrüßte sie mich, umarmte mich und gab mir ein Küsschen auf die Wange. Einen Moment lang hielt sie sich an mir fest und flüsterte mir ins Ohr: „Hast du nachher Zeit?“

Mit einem kaum wahrnehmbaren Nicken sagte ich ihr zu, nachdem wir uns wieder voneinander gelöst hatten.

„Wo ist dein Bruder, ist er nicht hier?“

„Hat kurzfristig abgesagt. Er müsse morgen früh raus, sagte er. In Wirklichkeit hat er wahrscheinlich vorgezogen, den Abend mit irgendeinem Mädel zu verbringen.“

Ich sah sie ungläubig an. „Habt ihr Stress?“, fragte ich, weil ich diesen Unterton von ihr nicht kannte.

„Ach, vergiss es. Der kommt ganz nach Papa.“

Uups, das hatte ich nicht erwartet, ließ ihre Bemerkung jedoch unkommentiert stehen.

Es war mir zunächst nicht aufgefallen, doch als wir alle was zu trinken hatten und Frank das Wort erhob, um uns zuzuprosten, lallte er, als hätte er bereits mächtig vorgeglüht. An seinen Gesten konnte man deutlich erkennen, dass er einen sitzen hatte, der nicht von schlechten Eltern war. Kannte ich auch den Grund für diese Entgleisung nicht, so empfand ich es als meine Pflicht als guter Freund, ihm zu helfen, den Abend einigermaßen würdevoll zu überstehen. Ich tat mein Bestes, setzte mich neben ihn, als er sich am Tisch niederließ und übernahm unauffällig seinen Schatten, wenn er sich zu den anderen an den Stehtisch gesellte. In der Zeit kam es weder zu einem Kontakt zu Maria noch zu Jana, um den Hintergrund von Franks Zustand zumindest im Ansatz zu klären. Erst als Frank mir um den Hals fiel und begann an meiner Schulter zu heulen, fasste ich mir ein Herz und überzeugte ihn davon, dass es besser wäre, sich hinzulegen.

Unbeachtet von den anderen, das glaubte ich zumindest, half ich ihm die Treppe hoch ins Schlafzimmer, zog ihm Schuhe und Hose aus und legte ihn ins Bett. Sogar zudecken ließ er sich ohne Gegenwehr von mir, nuschelte noch etwas Unverständliches, was fast wie ein Lied klang, und begann augenblicklich zu schnarchen. Einen Moment blieb ich in der Tür stehen, nur um sicher zu sein, dass er nicht spontan nochmal aufstand, weil ihm schlecht wurde und er sich übergeben musste. Anschließend schloss ich die Tür und ging wieder zu den anderen. In der Küche traf ich auf Jana.

„Hast du ihn ins Bett gebracht?“, fragte sie und es klang so, als sei es meine Pflicht gewesen und sie sei völlig unbeteiligt in der Angelegenheit. Ich ließ mir nichts anmerken.

„Er liegt, mal sehen wie lange.“ Ich kannte Frank und es konnte durchaus sein, dass er nach einer Stunde wie ausgewechselt wieder zur Tür herauskam.

„Du wolltest eben mit mir reden?“

„Nachher.“ Sie drehte ihren Kopf und ihr Blick zeigte auf Karin, die soeben zur Tür hereinkam.

Ich nahm mir aus dem Kühlschrank etwas zu trinken, schließlich hatte ich noch nichts gehabt, weil ich mich den ganzen Abend um Frank gekümmert hatte. Karin kam auf mich zu, gab mir ein flüchtiges Küsschen und ich konnte über ihre Schulter Janas schuldzuweisenden Blick sehen, bevor sie zurück auf die Terrasse trat.

„Wo ist Frank?“, fragte meine Frau.

„Im Bett, es war ihm nicht gut“, gab ich zurück, woraufhin sie lachte.

„Achso, und ich dachte, er hätte zu viel getrunken.“ Ohne weitere Worte schlug sie den Weg zur Toilette ein.

Draußen gesellte ich mich zu den anderen und versuchte immer wieder, Marias Blick einzufangen, doch sie wich mir aus. Tat sie das aus Sorge, es könnte jemand bemerken, oder bewusst, um mich zu bestrafen? Vielleicht war es besser so, gestand ich mir schweren Herzens ein. In ihrem Blick glaubte ich ein gewisses Maß an Enttäuschung zu erkennen, wenn sie den Gesprächen der anderen lauschte, was ich auf Franks Auftritt zurückführte.

Nach einiger Zeit, eigentlich zu früh für eine Geburtstagsfeier unter Freunden, begannen die anderen, plötzlich nacheinander aufzubrechen, bis nur noch Karin und ich übrigblieben. Die Stimmung war für unsere Treffen in der Clique unüblich gedrückt gewesen, was wohl ebenfalls mit Franks Verhalten zu tun hatte. Offen gesprochen wurde nicht darüber, vermutlich zum Schutz des fehlenden Geburtstagskindes. So waren wir halt, harmonisch, wenn alles gut lief, aber distanziert, wenn Probleme aufkamen. Früher war das anders gewesen, da hatte man Dinge offen angesprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Heute hielten die Frauen zu den Frauen und die Männer hielten sich zurück, um nicht in ein Fettnäpfchen zu treten.

Meine Frau war es, die vorschlug, sich an den kleinen Gartentisch zu setzen und einen der, wie sie es ausdrückte, letzten angenehmen Abende des Jahres zu genießen. Ansonsten hielt sie nicht so lange aus und ich hatte insgeheim gehofft, dass sie schon alleine nach Hause fahren würde, wie sie es oft tat, darum wunderte ich mich über ihr Sitzfleisch.

„Ich sehe nochmal nach Frank“, gab ich zum Besten, nicht nur aus Fürsorge, sondern auch, um zu zeigen, dass ich mich sehr wohl um meinen Freund kümmerte. Außerdem wollte ich weg aus dieser Runde, ließ die Frauen ein Gesprächsthema finden, bei dem ich nachher nur noch Zuhörer sein brauchte.

Aus Marias und Franks Schlafzimmer, dem Zimmer, in dem ich mit Maria diesen wundervollen Nachmittag verbracht hatte, hörte ich ein lautes Schnarchen. Als ich die Türe einen Spalt breit aufschob, sah ich Frank, in die Decke eingerollt, auf dem Rücken liegen. Kurz kam in mir die Frage auf, wo Maria heute Nacht schlafen würde, wo Jana offensichtlich hierblieb. Vielleicht hätte ich Frank besser in Janas Bett legen sollen, kam mir in den Sinn. Die Frauen würden wohl eine Lösung finden.

Ich wollte gerade die Treppe wieder nach unten gehen, als Jana mir entgegenkam und mich in ihr Kinderzimmer drückte. Ohne ein Wort zu sagen schloss sie die Tür hinter sich und das Fenster, das offenstand und setzte sich aufs Bett. Wir machten kein Licht, denn das hätte man von unten sehen können. Außer dem Mond, der Janas Gesicht fahl erleuchtete, war es dunkel.

„Roman, ich ... ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.“

„Was bedrückt dich denn?“ Ich setzte mich neben sie und legte ihr einen Arm auf den Rücken.

Sie schob ihn sanft zurück.

„Meine Mutter hat es mächtig erwischt.“

„Was meinst du?“

„Ich kann es immer noch nicht glauben, aber sie ist verknallt. Da gibt es gar keinen Zweifel. Bis über beide Ohren hat sie sich verschossen.“

„Wie kommst du darauf?“

„Als ich sie das letzte Mal gesehen habe, sie hat mich besucht und wir waren zusammen in der Stadt, da hatte ich schon einen Verdacht. Sie war so ausgewechselt, so hoffnungsvoll, so positiv, wie ich sie lange nicht erlebt habe. Und dann habe ich gesehen, wie sie vorhin immer zu dir herübergesehen hat und wie ihre Augen leuchteten, wenn sie dich beobachtet hat.“

„Sie hat mich angesehen, heute? Ich hatte den Eindruck, sie wich meinen Blicken aus.“

„Das könnte man als lustig bezeichnen, wenn es nicht so tragisch wäre. Immer, wenn du zu ihr rüber gesehen hast, hat sie sich weggedreht. Ich habe euch beide den ganzen Abend über immer wieder beobachtet. Sie hat einen Narren an dir gefressen und mich würde brennend interessieren, wie du das hinbekommen hast.“

Ich war sprachlos. Nicht nur wegen dem, was Jana mir da sagte, sondern deshalb, weil gerade sie es mir erzählte. Sie hatte uns den ganzen Abend über beobachtet?

„Du musst da was machen, unbedingt“, flehte sie mich an.

„Was soll ich denn machen?“ Ratlos sank ich innerlich in mich zusammen und ich musste wohl auch so ausgesehen haben, denn nun legte Jana tröstend ihre Hand auf meinen Rücken.

„Ahnt Karin was?“

Ich sah zu ihr hoch, sah sie entsetzt an. „Ich hoffe doch nicht.“

„Du musst es ihr sagen, bevor sie selber dahinterkommt.“

„Wie soll ich das machen? Das geht doch alles nicht.“ Ich versenkte mein Gesicht in meine Hände. Wenn das so offensichtlich war, wer wusste noch davon?

„Ich fand nur fair, es dir zu sagen, bevor du es von anderen erfährst“, sagte sie und zog mich in eine Umarmung. Wie ein kleiner Junge, der etwas Schlimmes getan hat und nicht weiterweiß, lag ich im Arm meines um 30 Jahre jüngeren Patenkindes und ließ mich trösten.

„Oder ihr müsst es beenden und für alle Zeiten voneinander lassen. Die Möglichkeit gibt es auch, ist aber sicher nicht einfacher.“

In meinem Kopf hallten die Worte nach, flogen durcheinander und verschmolzen zu neuen Sätzen, die wenig Sinn ergaben. Marias Augen würden funkeln, wenn sie mich ansieht, hatte Jana gesagt. Wie gerne hätte ich dieses Funkeln gesehen und wie gerne hätte ich es erwidert. Ich musste mir eingestehen, dass Maria auch in meiner Seele einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte, und ich nicht weit davon entfernt war, mich in sie zu verlieben.

Jana stand auf, strich mir nochmal über die Schulter, als wolle sie sichergehen, dass alles in Ordnung sei, und ging zur Tür.

„Wir sollten wieder runtergehen, sonst denken die beiden noch sonst was.“

Das würde jetzt auch nichts mehr schlimmer machen, dachte ich mir.

„Warte,“ ich stand auf, „was ist mit deinem Vater los?“

„Der hat sich heute Nachmittag schon einige genehmigt. Was der Grund war und ob es überhaupt einen Grund gab, das weiß ich nicht. In letzter Zeit ist er sehr verschlossen mir gegenüber. Mama hat es wohl nicht mitbekommen und ich war noch nicht hier. Sie hat es mir nachher erzählt.“

„Und deine Mutter, weiß die was?“

Jana zuckte mit den Schultern. „Vielleicht fragst du sie?“

Mir gingen alle möglichen Dinge durch den Kopf, weswegen Frank sich so abgeschossen haben könnte. Da war als erstes diese Caro. Maria wusste davon, vielleicht hatte sie etwas dazu gesagt. Um sie und mich konnte es nicht gehen, ansonsten hätte er sich nicht von mir ins Bett legen lassen. Hatte Maria ihm etwa seine Affäre vorgehalten?

„Ich muss noch kurz aufs Klo“, sagte ich, „geh nur schon raus, dann schöpft niemand Verdacht.“

Die drei Frauen unterhielten sich, offensichtlich über belanglose Dinge, sahen nicht mal auf, als ich zurückkam. Mit einem frischen Bier in der Hand setzte ich mich zu ihnen und erntete von meiner Frau einen fragenden Blick.

„Ich dachte, wir gehen jetzt.“

„Du wolltest dich nochmal hinsetzen.“

„Das ist aber schon etwas länger her.“ Dabei schaute sie demonstrativ auf ihre Armbanduhr. „Maria möchte sicher auch ins Bett.“ Sie sah zu Maria und erhoffte eine Zustimmung.

„Lass dir ruhig Zeit und trink dein Bier, schließlich hast du meinen Waldarbeiter versorgt. Danke nochmal.“ Mit dem Kopf zeigte sie auf das Fenster, hinter dem Frank schnarchte..

„Dann muss wohl eine von euch mit dem Sofa vorliebnehmen“, scherzte ich und biss mir gleichzeitig auf die Zunge.

„Mama schläft heute Nacht in meinem Arm.“ Jana legte ihre Hand auf Marias Bein und streichelte darüber. „Wir machen es uns schön gemütlich.“ Maria lächelte ihre Tochter an und legte ihre Hand auf Janas.

„Genau, wir kuscheln uns eng aneinander, dann schlafen wir sicher wie Babys.“ „Macht es dir etwas aus, wenn ich schon fahre? Du kannst nachkommen, wenn du dein Bier ausgetrunken hast. Ich möchte ins Bett, ich bin total kaputt.“ Karin stand auf, zog ihre Jacke über und sah mich fragend an. „Ähm, sicher, wenn es dir nichts ausmacht, alleine durch die dunkle Nacht zu radeln?“

Sie verzog ihren Mund. „Du weißt doch, ich gehöre nicht mehr zur Zielgruppe.“ Den Spruch hatte Frank mal losgelassen bei einem Treffen, als das Thema -Überfall auf Frauen- zur Sprache kam. Damals hatte sie sich darüber geärgert, jetzt schmunzelte sie. Ich ging mit ihr zu ihrem Fahrrad und verabschiedete mich mit einem üblichen Küsschen von ihr.

„Ich komme gleich.“

„Sei bitte leise, ich schlafe wahrscheinlich schon.“

Mit einem schlechten Gewissen sah ich ihr nach, als sie in die Nacht fuhr. Dennoch kam es mir natürlich ganz recht, mit Jana und Maria alleine ein paar Worte zu wechseln. Jana saß alleine am Tisch und aus der Küche hörte ich Geschirr klappern. „Sollen wir nicht helfen, ein wenig aufzuräumen?“

„Lass sie, trink dein Bier und, wenn du möchtest, hole ich noch eins. Ich glaube, sie braucht einen Moment für sich.“

Jana hatte noch nicht zu Ende gesprochen, da stand Maria schon in der Tür. Unschlüssig sah sie auf uns beide herab, blieb in der Türe stehen und erwartete, dass jemand etwas sagte. In der Hand hielt sie ein Glas Rotwein, sie wollte also noch nicht ins Bett. Mit der Hand schob Jana ihr einen Stuhl zurecht. „Setz dich zu uns, aufräumen können wir auch morgen.“

Ohne ein Wort zu sagen, setzte sich Maria und nippte an ihrem Wein. Jeder wartete darauf, dass jemand die Stille durchbrach, in der unausgesprochen diese große unüberwindbare Wand zwischen uns stand. Nach einer Weile stand Jana auf, schob ihren Stuhl zurück unter den Tisch und stellte sich neben ihre Mutter. Mit der Hand auf ihrer Schulter nickte sie mir zu.

„Ich bin müde und gehe ins Bett. Ich denke, ihr bleibt auch nicht mehr lange?“

„Geh ruhig, Liebes, ich komme gleich“, sagte Maria und lächelte ihr zu. Ein dankbares Lächeln, das zu verstehen gab, dass alles in Ordnung sei, huschte über ihr Gesicht. Jana verstand und ließ uns alleine.

„Sie weiß von uns“, flüsterte Maria mir zu.

„Ich weiß.“

Ihr Lächeln in meine Richtung war gequält. Die Stille legte sich wieder über uns und diesmal war es nicht diese angenehme Ruhe, die ich verspürte, wenn ich mit Maria telefonierte. Es war eine Stille, die Ratlosigkeit ausdrückte, die Machtlosigkeit vermittelte, alles andere als angenehm war und doch mussten wir sie ertragen, weil einfach die Worte fehlten.

Ich schob meine Hand auf ihre, die neben ihrem Glas auf dem Tisch lag, wollte beruhigend wirken, doch Maria zog sie weg. Sie tat das nicht vorwurfsvoll, eher, um zu verhindern, dass ich das dulden dieser Geste als Einladung verstand. Stumm saßen wir uns gegenüber, bis ich es nicht mehr aushielt, meine Flasche nahm und sie in einem Zug leerte. Ich stand auf und brachte sie in die Küche, um sie auf der Spüle abzustellen. Auf einmal stand Maria neben mir und stellte ihr Glas ab. Ihre Hand strich über meinen Arm, ganz bewusst, und hielt auf meiner Hand. Ich drehte mich zu ihr und sah in ihre Augen.

Von Leuchten war nichts zu erkennen, dafür aber ein deutliches Zeichen der Resignation. Wortlos nahm ich sie in den Arm. Sie ließ es geschehen, legte ihre Arme um meinen Hals und drückte ihren Kopf an meine Schulter. Zum Glück brannte nur noch die Lampe über dem Herd, so glaubte ich, dass man uns von außen nicht sehen konnte. Mit dem Zeigefinger unter ihrem Kinn hob ich ihr Gesicht und gab ihr einen scheuen Kuss auf den Mund. Maria setzte nach und machte aus einem scheuen einen leidenschaftlichen Kuss und es tat so gut, von ihr bestätigt zu bekommen, dass ich noch willkommen war. Nach einiger Zeit lösten wir uns voneinander. Wir saßen im gleichen Boot und mussten beide rudern, um den Wellen zu entkommen, dessen mussten wir uns bewusst werden. Und wir mussten es wollen.

„Kann ich dich alleine lassen?“

„Ja sicher, ich gehe zu Jana ins Bett und lasse mich von ihr trösten. Das ist fast so gut wie bei dir.“

Ein letztes Mal drückte sie mich fest an sich, presste ihr Gesicht an meinen Körper und gab mir zu verstehen, dass sie mich vermisste. Auf einmal tat das alles so gut. Ich redete mir ein, dass ich nicht alleine war mit dem Problem, und sie würde es auch nicht sein.

***

„Und warum muss sie die Wohnung renovieren?“

„Sie will ausziehen und da muss man halt renovieren. Das sieht der Mietvertrag so vor.“

„Und du sollst ihr dabei helfen?“

„Sie hat mich gefragt. Soll ich etwa nein sagen?“

„Du weißt aber schon, dass unser Garten für den Winter vorbereitet werden will?“

„Ja, sicher, aber das können wir doch auch nächste Woche noch erledigen. Außerdem bist du doch auch nicht da. Soll ich das vielleicht alles alleine machen?“

Mit einem Schmollgesicht ging Karin die Treppe hoch. Wieder mal stritten wir uns über Dinge, die für mich völlig unwichtig waren, doch dieses Mal wollte ich es nicht auf mir sitzen lassen und folgte ihr. Im Schlafzimmer warf Karin Kleider wahllos in einen Koffer.

„Sie ist mein Patenkind und, wenn sie mich um Hilfe bittet, ist es verdammt noch mal meine Pflicht, ihr zu helfen.“

Karin sah mich mit versteinerter Miene an.

„Du fährst doch auch mit deinen Freunden aus dem Wohltätigkeitsverein auf einen Ausflug.“ Ich versuchte, ruhig zu bleiben, konnte es dennoch nicht verhindern, dass meine Stimme an Bestimmtheit zunahm.

„Ein Austausch ist das, kein Ausflug.“

„Dann eben ein Austausch.“

„Was wollt ihr denn machen, etwa Tapete wechseln und anstreichen? Und das mit deinem Rücken? Das kannst du doch gar nicht.“

„Aber im Garten arbeiten kann ich mit meinem Rücken?“

Karin hielt inne, hatte gerade ein T-Shirt in der Hand und zerknüllte es. Vorsichtig nahm sie es wieder auseinander und begann, es sorgfältig zu falten.

„Na gut. Bleibst du über Nacht?“

„Eher nicht. Beim letzten Mal kam ich fast nicht mehr vom Sofa hoch. Nochmal werde ich nicht darauf die Nacht verbringen.“

„Du kannst ja fragen, ob sie dich in ihr Bett lässt.“

„Was soll das denn jetzt heißen? Sie ist schließlich mein Patenkind, Franks Tochter.“

„Entschuldige, das war gemein.“

Sie legte das T-Shirt auf den Koffer, drehte sich zu mir und wollte mich umarmen. Das war ihre Art, mir ihre Versöhnung anzubieten, mir zuerst Dinge an den Kopf zu werfen und nachher mit einer Umarmung und einem flüchtigen Küsschen alles wieder ins Lot zu bringen. Ich hasste es.

„Nimm trotzdem mal Wechselklamotten mit. Wer weiß, wie lange ihr braucht. Ich möchte nicht, dass du spät in der Nacht noch die lange Strecke mit dem Auto fährst.“

Eine halbe Stunde später war sie weg, wurde abgeholt von einem Kleinbus, in dem lauter Frauen saßen, die ich nicht kannte. Karin hatte recht, ich sollte etwas an Wäsche mitnehmen, für den Fall, dass es spät werden würde. Jana hatte mich spontan Anfang der Woche angerufen und mir erklärt, sie würde die Wohnung wechseln und müsste das ein oder andere renovieren. Natürlich half ich ihr, wenn sie mich fragte. Wenn ich auch nicht der begnadetste Handwerker war, konnte ich nicht absagen. Und ich wollte auch nicht absagen. Jana war mir in der letzten Zeit noch mehr ans Herz gewachsen, schließlich war sie meine wichtigste Ratgeberin in Sachen Maria.

Ich packte also ein paar Sachen in eine Tasche, holte im Keller noch die wenigen Utensilien, die ich hatte, um Tapete zu entfernen und wieder aufzuhängen, und in weniger als 30 Minuten saß ich im Auto und ließ mir von Herbert die Stimmung heben.

„Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden. Es trommeln die Motoren, es dröhnt in meinen Ohrn!“, sang ich laut und trommelte zu seinem Mambo aufs Lenkrad.

Es war schon so weit, dass ich mich freute, Jana zu treffen, mit ihr gemeinsam über die Zukunft zu sprechen, mehr über ihre Zukunft als über meine, und Träume zu entwickeln, darum trat ich das Gaspedal noch weiter durch. Ich war gerade dabei, mir den Text zum nächsten Lied ins Gedächtnis zu rufen, als ich auf dem Display des Autos sah, dass Frank anrief.

„Hallo Frank, was kann ich für dich tun“, sagte ich beschwingt und war mir im nächsten Augenblick klar, dass diese Stimmung zurzeit nicht zu seiner Lage passte.

Was hinter seinem Ausbruch an seinem Geburtstag gesteckt hatte, das hatte er mir bis heute nicht gesagt und Maria hatte, wie sie mir erklärt hatte, ebenfalls keinen blassen Schimmer. Außerdem würde es sie nicht interessieren, wenn er mit seinen Liebschaften Stress habe, hatte sie mir in einem Ton am Telefon erklärt, der alles andere als zuversichtlich klang.

„Hi, nur kurz, bist du zu Hause?“

„Nein, ich bin auf dem Weg zu deiner Tochter. Wir wollen ihre Wohnung auf Vordermann bringen.“

„Zu Jana? Was ist denn mit der Wohnung? Und warum fragt sie da gerade dich? Ach, auch egal. Ich erreiche Maria nicht.“

Ich schaute auf die Uhr. An einem Samstag um 10 musste Frank doch zu Hause sein, er arbeitete nie am Wochenende.

„Wo steckst du denn?“, fragte ich.

„Lange Geschichte, erzähle ich dir vielleicht später mal. Ich erreiche sie jedenfalls nicht und da dachte ich, du könntest mal nach ihr sehen. Das kommt mir komisch vor.“

Was meinte er damit? Machte er sich Sorgen, dass sie sich etwas angetan haben könnte, oder dass sie einfach gegangen war, ohne Tschüss zu sagen?

„Ich bin nicht zu Hause, wie ich schon sagte. Sag mal, wo bist du? Hat sie dir heute Morgen nicht vielleicht gesagt, wo sie hinfährt und du hast es wieder vergessen?“

„Man, das ist es ja. Ich war nicht zu Hause.“

„Frank, wo bist du?“

„Bei Ines.“

„Und wer ist Ines?“

„Ich sagte doch, lange Geschichte. Ines ist die Mutter von Caro. Kann Karin nicht vielleicht?“

„Karin ist auch nicht da. - Die Mutter von Caro?“

„Hey, ich muss auflegen. Danke für nichts, wir sehen uns.“

Ein Tuten erklang in meinem Lautsprecher. Ines war die Mutter von Caro? Und Frank war nicht zu Hause? Er hatte jetzt was mit der Mutter von dieser Frau angefangen, der er alles heimzahlen wollte? Das konnte echt nicht wahr sein. Und jetzt glaubte er, ich würde ihm helfen, seine Frau bei Laune zu halten, oder was? Der hatte doch echt einen Sockenschuss.

Ich drehte die Musik leiser und setzte den Blinker, weil ich an der nächsten Ausfahrt raus musste. Zwanzig Minuten später stand ich mit einer Tasche mit Werkzeug vor dem Haus, in dem Jana wohnte, und klingelte. Meine Tasche mit der Wechselwäsche hatte ich vorsorglich im Auto gelassen, schließlich wollte ich nicht mit der Tür ins Haus fallen.

„Roman? Komm hoch, wir sind im Wohnzimmer.“

Sofort summte der Türöffner. Ich hätte auch der Zeitungsbote oder ein Einbrecher sein können, niemand hätte es bemerkt. Und zu allem Überfluss war die Wohnungstür nur angelehnt. Ich würde mit ihr nochmal über Sicherheitsvorkehrungen reden müssen. Im Flur stellte ich meine Tasche ab und ging zunächst aufs Klo. Mal sehen, ob mich irgendjemand bemerkte oder vermisste. Bis zum Händewaschen kam ich, da klopfte jemand an der Tür. Ich schloss auf und sah in Marias Augen. Mit einem Spachtel in der Hand stand sie vor mir, hatte diesmal eine verschmutzte Latzhose an und lächelte.

„Hallo Roman. Wie war die Fahrt?“

„Hallo Maria. Dich hatte ich hier nicht erwartet.“

„Du kannst den Mund wieder zu machen, es ist nur meine Mutter.“ Jana war aus dem Wohnzimmer gekommen, um mich zu begrüßen. „Na, wie ein Liebespaar seht ihr wirklich nicht aus“, witzelte sie, „noch nicht mal eine Umarmung, viel weniger eine richtige Begrüßung?“ Sie schob sich an Maria vorbei, umarmte mich und gab mir demonstrativ einen Kuss auf die Wange. Seit einiger Zeit machte sie das und ich konnte nicht mal sagen, ob es dafür einen bestimmten Anlass gegeben hatte. Auf jeden Fall schmeichelte es mir.

„Na los, sonst stehen wir noch heute Abend hier.“

Was erwartete sie? Dass ihre Mutter und ich uns in ihrem Beisein küssten? Maria wartete, bis Jana wieder im Wohnzimmer verschwunden war, bis sie mir einen sanften Kuss auf die Wange geben wollte. Ich nutzte die Gelegenheit und nahm sie in den Arm, drehte meine Gesicht dabei so, dass ihre Lippen auf meinen landeten und küsste sie wie Menschen es tun, die sich gernhaben. Maria zitterte in meinen Armen. Fühlte sie sich nicht wohl? Ich sah sie fragend an, doch sie lächelte und ich glaubte, etwas Verliebtes in ihren Augen zu erkennen.

„Ist alles okay?“, fragte ich.

„Ja, alles in Ordnung, mir war nur gerade so...“

„Na also, geht doch.“ Jana stand in der Tür und grinste verschmitzt. „Ich habe ein paar Schnittchen gemacht und Kaffee, wenn du möchtest. Das findest du alles in der Küche. Wenn du soweit bist, kannst du uns gerne helfen, das schwere Sofa zur Seite zu rutschen.“

Sofort machte ich mich ans Werk, nahm meine Tasche mit ins Wohnzimmer und musste feststellen, dass die beiden Frauen schon ganze Arbeit geleistet hatten, denn es sah bereits sehr unwohnlich aus.

Als Jana mich aufgefordert hatte, hoch zu kommen und erwähnte, sie seien im Wohnzimmer, hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass Freunde hier wären, um ihr zu helfen. Dass ich jetzt mit ihr und Maria die Arbeit erledigen sollte, das hatte ich nicht erwartet.

Bis Mittag war das Wohnzimmer so weit, dass man neue Tapete aufhängen konnte. Jana klärte mich darüber auf, dass im Schlafzimmer und in der Küche lediglich gestrichen werden musste, und das Bad hatte sie bereits Anfang des Jahres gestrichen. Insofern, so schätzte ich, konnten wir gegen Abend fertig sein. Ich für meinen Teil war völlig ungeübt im Tapezieren, war allerdings verwundert darüber, dass professionell aussehendes Werkzeug, Bürsten, Tapeziermesser und ein Tapeziertisch mit einer Kleistermaschine bereitstanden.

„Ich beginne mal in der Küche, hier ist es zu eng für uns alle“, gab Jana zu verstehen und verschwand mit einem Farbeimer und ein paar Rollen und Pinseln hinter der Küchenwand.

Schnell hatten Maria und ich uns auf die Arbeitsteilung geeinigt. Zusammen schnitten wir die Tapete zu, nachdem sie die Wand ausgemessen und mit einem Lot den Anfang an der Wand markiert hatte. Ich kleisterte die Tapete vor, während Maria an der Wand einige Markierungen anbrachte. Ich war überrascht, wie selbstsicher sie das anging, und es sah für mich so aus, als würde sie das nicht zum ersten Mal machen.

„Sag mal, Jana, warum musst du eigentlich umziehen?“, fragte ich.

Sie hatte mich offensichtlich nicht gehört, darum ging ich zu ihr. Letztlich mussten die Tapetenbahnen noch einweichen und ich hatte etwas Pause.

„Ach, weißt du, ich möchte mit jemandem zusammenziehen und da brauche ich die Wohnung nicht mehr.“

„Aha. Da hast du mir gar nichts von erzählt.“

Sie grinste mich an. „Du musst auch nicht alles wissen.“

„Und wann soll das sein?“

„Bist du nicht ein wenig zu neugierig?“

„Ich frag ja nur für einen Freund“, grinste ich zurück. „Die Wohnung ist doch toll, sie liegt schön und da finde ich es schade, wenn du ...“

„Das ist nur zur Probe. Ich suche noch keinen Nachmieter“, unterbrach sie mich und gab mir zu verstehen, dass ich nicht weiter nachfragen sollte.

„Darf ich denjenigen denn kennenlernen, oder ist das auch geheim?“, versuchte ich dennoch am Ball zu bleiben.

„Wirst du vielleicht noch früh genug“, wimmelte sie mich ab.

Maria warf mir einen mitleidigen Blick zu, als ich zu ihr zurückkam, und gab mir ein Zeichen, ihre Tochter nicht weiter auszufragen.

„Sie ist schwer verliebt. Lass sie einfach, das ist gerade nicht so einfach“, flüsterte sie mir zu und reichte mir eine Bürste, um die Tapete, die sie, auf der Leiter stehend an die Wand hängte, glatt zu streichen.

„So ist das richtig?“, fragte ich und schob mich zwischen ihre Arme, die immer noch die Tapete festhielten.

Mit den Knien stieß sie mich Richtung Wand und ich wäre fast mit der Nase dagegen gestoßen. Es entstand ein neckisches Spiel zwischen uns beiden, wenn ich zwischen ihre Arme griff, um die Bürste zum Einsatz kommen zu lassen und mit dem Rücken gegen ihre Beine und ihren Bauch drückte, so dass sie schnell ihre Arme von hinten um mich legen musste, um nicht von der Leiter zu fallen. Beim nächsten Versuch strich sie den Kleister von ihrem Finger in meinem Gesicht ab. Während sie die nächste Bahn holte, schob ich die Leiter näher an die Wand und, als sie hochstieg, umfasste ich von hinten ihre Taille, um sie festzuhalten. Maria quiekte laut auf und schaffte es nur so gerade, die Tapete an die Wand zu klatschen.

„Ihr habt wohl richtig Spaß, wenn ich das richtig sehe, das war so nicht gedacht. Zuerst die Arbeit und dann ...“

„Lass uns doch“, raunte ich ihr zu, „wir wollen auch mal Spaß haben.“

Zur Abwechslung landete ein Pinselstrich von Jana auf meinem T-Shirt.

„So, jetzt ist aber Schluss“, rief Maria von der Leiter, „wir sollten nicht trödeln.“

Jana wechselte folgsam ins Schlafzimmer und kämpfte dort mit der Abdeckfolie. Ich half ihr beim Auslegen und erhoffte, mehr über ihre Beziehung zu erfahren. „Wer ist denn der Gute. Kenne ich ihn?“

„Zieh die Folie bitte stramm, sonst wird das nichts.“

Sie war also nicht bereit, mit mir darüber zu reden, also wechselte ich wieder ins Wohnzimmer, wo Maria gerade mit der nächsten Bahn jonglierte. Ich fühlte mich sehr wohl zwischen den beiden Frauen, die Stimmung war gut und dieses Mal war nicht ich derjenige, der Verantwortung trug, sondern konnte mich auf reine Hilfstätigkeiten beschränken. Die ein oder andere Neckerei meinerseits trug zur allgemeinen Belustigung bei und hob das Arbeitsklima nochmals. Ein wenig Wehmut stellte sich bei mir dennoch ein, als ich auf der Leiter stand und die Tapete hielt, während Maria mit der Bürste den unteren Teil glättete, und ich sie von oben dabei beobachtete.

Ich, Roman, fast 56, war verliebt. Wie konnte so etwas geschehen?

Nach getaner Arbeit stärkten wir uns an Janas vorbereiteten Schnittchen und einem Salat, den sie mir nebenbei hingelegt und mich gebeten hatte, ihn mit meiner legendären Salatsoße zu veredeln. Dazu gab es hartgekochte Eier. Ein einfaches und doch sehr schmackhaftes Essen und genau das richtige, um lustig beieinander in ihrer Küche zu sitzen.

„Ich gehe schnell duschen. Vielleicht könnt ihr zwischendurch die Reste der Folie entsorgen?“ Janas Augenaufschlag konnte man nicht widerstehen.

„Machen wir. Könnte ich nachher nochmal bei dir in die Wanne?“, fragte ich, weil sich schon wieder Rückenschmerzen ankündigten.

„Oh Gott, schon wieder dein Rücken? Sicher, ich lege dir etwas hin, was du ins Badewasser geben kannst. Das entspannt, das nehme ich auch schon mal“, zwinkerte sie mir zu.

„Der letzte macht bitte die Dusche trocken. Ihr wisst, ich hasse diese Kalkflecken.“ Diesmal galt das Zwinkern ihrer Mutter.

„Das bekommen wir hin, wir sind schon erwachsen, geh du duschen.“ Jetzt zwinkerte Maria ihrer Tochter zu.

Ich machte mich an die Küche, entfernte die Klebebänder und die Folie und ließ Spülwasser ein. Aus dem Bad hörte ich die Dusche laufen, als ich fertig war, und suchte Maria. Sie war bereits im Schlafzimmer angekommen, und, obwohl mein Rücken sich bemerkbar machte, bückte ich mich, um ihr zu helfen. Ihr ausgestreckter wunderschöner Po in der gutsitzenden Latzhose lachte mich verführerisch an und ich konnte der Einladung nicht widerstehen. Mit meinem Hintern schupste ich dagegen, was dazu führte, dass Maria, völlig überrascht von meinem Angriff, wie ein nasser Sack umkippte.

„Hey, na warte“, schimpfte sie, stellte sich hinter mich und trommelte mit beiden Händen auf meinen Hintern. Es entstand schon wieder ein neckisches Spiel zwischen uns beiden, bei dem wir uns gegenseitig mit herabgetropften Farbklecksen beschmierten und versuchten, uns in die Folie einzurollen, um eine Gegenwehr zu unterbinden.

„Ihr seid echt wie die Kinder, ... nein, ihr seid noch schlimmer.“ Jana stand, in ein Handtuch gewickelt, in der Tür und schüttelte mit dem Kopf. „Ich wollte mich gerne anziehen. Wäre also schön, wenn ihr bald fertig werden könntet.“

„Aye aye Captain“, salutierte ich und beseitigte zusammen mit Maria die Reste vom Boden. Jana schob uns aus dem Zimmer und schlug die Tür zu.

„Ich habe lange nicht mehr so herzhaft gelacht“, gestand Maria und nahm den Staubsauger. „Lass dir Wasser ein, ich mache das hier fertig.“

Vor dem Badezimmerspiegel sah ich zu meinem Gegenüber. Ich musste mir eingestehen, dass ich froh war, Jana zugesagt zu haben, denn der ganze Tag war lustig verlaufen, viel angenehmer, als wenn ich zu Hause mit Karin im Garten arbeitete. Der Vergleich war gemein, das war mir bewusst, und dennoch war ich froh, hier zu sein. Wenn der Abend auch so verlaufen sollte, wollte ich Jana gleich schon anbieten, meine Tasche aus dem Auto zu holen. Ich würde es sogar nochmal mit dem Sofa aufnehmen, wenn die beiden Frauen im Bett schlafen wollten. Zu Hause wäre ich alleine und die Gesellschaft der beiden war eine gelungene Abwechslung und vor allem wäre sie es wert, ein wenig Rückenschmerzen in Kauf zu nehmen.

Das Badeöl, das Jana mir bereitgelegt hatte, roch extrem gut, nicht zu intensiv und doch wohltuend, obwohl ich noch nicht mal einen Fuß in die Wanne gesetzt hatte. Das tat ich jetzt und stellte fest, dass ich mich nicht getäuscht hatte. Außerdem lag ein leichter Teppich aus Schaum auf der Wasseroberfläche.

Ging es meinem Rücken vorhin auch nicht so extrem schlecht, war ich immer schon ein Freund von Badewannen und bevorzugte sie gegenüber Duschen. Wohlig legte sich das warme Wasser um meinen Körper und entspannte mich nach nicht mal einer Minute. Aufpassen musste ich nur, nicht einzuschlafen. Nicht, dass ich Angst hatte, in der Wanne vergessen zu werden, aber unangenehm könnte es werden, wenn ich schon wieder wegnicken und träumen würde. Standhaft gelang es mir, die Augen offen zu halten, und ich lauschte den Geräuschen, die aus der Wohnung kamen. Die beiden Frauen unterhielten sich, anscheinend im Wohnzimmer, zumindest konnte ich sie hören. Verstehen konnte ich nichts, aber ich konnte hören, dass mit einem Mal die Wohnungstür geöffnet und wieder geschlossen wurde.

Kurze Zeit später schob sich die Badezimmertür auf und mit patschendem Geräusch von nackten Füßen auf den Fliesen kam Maria herein. Ihr herzhaftes Lachen von vorhin war einem angenehmen freundlichen Lächeln gewichen. Neben der Wanne setzte sie sich hin und legte ihre Arme auf den Wannenrand.

„Wo ist Jana hin?“, fragte ich, weil ich vermutete, dass sie es gewesen war, die die Wohnung verlassen hatte.

„Sie ist zu ihrer Freundin.“

„Zu ihrer Freundin?“

„Elisabeth, die junge Frau, zu der Jana in die Wohnung zieht.“

Jetzt war ich etwas überfahren. Ich hatte vermutet, dass sie zu ihrem Freund zieht und nun war es eine Frau?

„Ok, sie zieht zu ihrer Freundin“, stellte ich fest. „Und ... wann kommt sie wieder? Ich meine, sie kommt doch wieder? Muss sie was holen oder etwas dort hinbringen?“

„Hast du etwa Angst, so alleine mit mir?“

Maria begann mit dem Finger Kreise im Wasser zu ziehen. Ich schnipste etwas Badewasser in ihr Gesicht, traf genau die Nase und eine kleine Schaumkrone kroch daran herab. Maria machte es mir nach und traf zielgenau mein Gesicht. Wir mussten beide schon wieder lachen.

„Hattet ihr das so geplant? Also, dass wir beide alleine zurückbleiben?“

„Geplant war gar nichts. Gestern als wir angefangen haben, hatten wir nur gehofft, heute fertig zu werden.“

Dort wo Marias Finger mehrmals durch das Wasser gepflügt war, hatte sich der Schaum bereits verflüchtigt und gab den Blick auf mich frei.

„Ich werde den Verdacht nicht los, dass Jana mich gefragt hat, ihr zu helfen, damit wir beide aufeinandertreffen.“

„Das glaube ich nicht nur, das hat sie genauso geplant. Sie hat mir eben gesagt, wir sollten die Zeit nutzen, um uns klar zu werden, wo wir stehen.“

„Und wo stehen wir deiner Meinung nach?“

Maria stand auf, löste die Träger ihrer Latzhose und ließ sie auf die Fliesen rutschen. Anschließend zog sie ihr T-Shirt über den Kopf und sah mich mit verführerischem Blick an. Die beiden Hügel, die ich so liebte, lächelten mir mit aufgerichteten Knospen durch ihr Unterhemdchen zu, das Maria langsam von ihren Schultern gleiten ließ.

„Noch kannst du entscheiden“, sagte sie und schob ihre Daumen in den Bund ihrer Unterhose. Ich blieb stumm, sah ihr nur zu, wie sie langsam das Höschen zusammen mit ihrem Unterhemd über ihre Hüften streifte und ihr wunderschönes Dreieck zum Vorschein brachte. Langsam stieg sie in die Wanne, setzte sich und schob ihre Beine zwischen meine durch, bis ihre Füße auf meiner Brust landeten. Sofort legte ich meine Hände darauf und streichelte die Fußrücken. Starr blickten wir uns in die Augen, sicher, dass wir nachher noch genügend Zeit haben würden, über kompliziertere Dinge nachzudenken, und diesen Augenblick auskosten wollten. Maria rutschte weiter ins Wasser und ließ die erste Welle über den Wannenrand schwappen.

„Wenn deine Tochter das sehen könnte ...“

„Entspann dich“, lachte sie und ließ die Knie gegen meine sinken.

„Gemeinsames Baden hat was.“

„Aber nur, wenn man mit dem richtigen Mann in der Wanne sitzt.“

„Oder mit der richtigen Frau.“

Meine Hände strichen Marias Beine hoch zu den Knien und an der Innenseite der Oberschenkel herunter. Um weiter zu kommen, musste ich mich etwas vorbeugen, wodurch sich ihre Beine noch weiter spreizten. Mit den Füßen hielt sie dagegen und drückte mich stattdessen zurück. Verliebt sah sie mich an, spielte mit ihren Füßen auf meiner Brust und gab mir zu verstehen, dass ich mich einfach entspannen sollte. Die Stille, die Wärme und die Tatsache, dass wir beide hier lagen, war für mich das höchste Maß an Glück.

„Du wusstest schon vorher, dass Jana im Bilde ist?“, fragte sie.

„Seitdem ich mit ihr im Planetarium war. Sie hat es mir gesagt, besser gesagt hat sie mich damit konfrontiert. Eine Freundin von ihr hat bei ihrem Geburtstag gesehen, wie du meinen Hintern gestreichelt hast. Dann hat sie uns beobachtet und, was soll ich sagen ...“

„Sie ist halt wie sie ist.“

„Genau, sie ist nicht auf den Kopf gefallen.“

„Nein, das ist sie sicher nicht.“

„Sag mal, was machst du da?“

„Was meinst du?“

„Mit deinen Händen ...“

Ich spürte ihre Hand zwischen uns. Mit den Fingern strich sie über meine Hoden und so, wie wir saßen, war sie auch nicht weit entfernt von ihrem eigenen Paradies.

„Magst du das nicht?“

„Doch schon ...“

„Aber?“

Unter Wasser trafen sich unsere Hände und spielten miteinander. Nach einiger Zeit beugte Maria sich vor, zog die Beine zurück, bis sie zwischen meinen Beinen kniete und kam mir entgegen. Zielsicher trafen ihre Lippen meinen Mund, bevor ihr Körper im warmen Wasser auf meinen glitt. Mit den Händen umrahmte sie mein Gesicht und küsste mich, während sich ihre Brust auf meine absenkte.

Nachdem sie sich gelöst und in meinen Armen gedreht hatte, lehnte sie mit dem Rücken an meine Brust. Ich legte meine Arme um sie und küsste ihr Haar.

„Ich könnte den ganzen Tag so liegen bleiben“, hauchte ich nach einer Zeit der Ruhe, in der wir nur uns beide und das warme Wasser genossen.

„Langsam wird aber das Wasser kühl. Wie geht es deinem Rücken?“

„Fühlt sich an wie neugeboren.“

„Ich weiß, wo es noch bequemer ist“, kicherte Maria, drehte sich und küsste mich leidenschaftlich.

Gemeinsam entstiegen wir den Fluten und ich ließ das Wasser ab, nahm das Handtuch, reichte ihr auch eines und begann, meine Freundin abzutrocknen. Gegenseitig rieben wir uns die Nässe vom Körper und kicherten wie zwei verliebte Teenager, weil wir es gar nicht erwarten konnten, ins Bett zu kommen. Zum Glück war das groß genug. Es war zwar nicht so groß wie ein Doppelbett, aber immerhin reichte es für zwei. Kurz kam mir der Gedanke, dass Jana hier vielleicht schon mit ihrer Freundin gelegen haben mochte, wurde aber schnell von Maria zurück in die Wirklichkeit geholt. Ihr war nicht nach langem Vorgeplänkel, sie drückte mich in Rückenlage auf Janas Schlaflager und krabbelte über mich. Wieder küssten wir uns, schmusten miteinander, bis ihre Hand prüfend in meinen Schritt wanderte. Für gut befunden ließ sie sich augenblicklich auf meinen harten Freund ab und begann mit sanften Beckenbewegungen.

Wenn wir nicht in Schmuserei verfallen waren, schauten wir uns in die Augen, als würden wir unsere gemeinsame Zukunft darin entdecken. Sie musste für Maria rosig aussehen, weil sie immerzu lächelte, während sie unentwegt ihr Becken auf mir kreiste. Auch als sie bereits begann zu keuchen, verzauberte sie mich mit ihrem Blick, den hochgezogenen Mundwinkeln und den kleinen Fältchen um ihre Augen. Ohne das Tempo zu erhöhen, schob Maria ihr Becken bedächtig auf mir vor und zurück und ich merkte, dass mein kleiner strammer Freund bei ihr die richtigen Knöpfe auslöste, weil sie irgendwann den Mund öffnete und die Augen schloss. Wie in Trance bewegte sie sich auf mir und, hätte ich eine Kamera gehabt, wäre das genau der Moment gewesen, den ich gerne eingefangen hätte. Der Anblick des Gesichts einer Frau in dem Moment, wenn sie ganz bei sich ist und es ihr gutgeht, sollte sich in jeden Kopf einbrennen, weil es das Schönste ist, was ich je gesehen habe.

Noch gesteigert wurde Marias Gesichtsausdruck als ihre Bewegungen heftiger wurden, bis sie sich mit einem Mal unkontrolliert schüttelte und ich an ihrer Atmung glaubte zu erkennen, dass sie sich in einen Höhepunkt hineinsteigerte. Ich war noch lange nicht so weit, konnte selbst nicht glauben, dass sie mit diesem langsamen Tempo derartige Effekte auslösen konnte, doch plötzlich krampfte sie die Beine gegen meine Oberschenkel und sank nach ein paar heftigen Seufzern auf mir zusammen.

Viele Atemzüge später öffnete Maria die Augen und sah mich dankbar an. Dann küsste sie mich.

„Das war toll“, hauchte sie. „Für dich auch?“

„Natürlich, Maria, ich liebe dich doch.“

Weder sie noch ich hatten registriert, was ich gerade gesagt hatte, und wir brauchten beide einige Sekunden, um uns klar zu werden, dass es genau das war.

Wir liebten uns.

Langsam begann sie wieder ihr Becken zu kreisen, erhob sich von mir und stützte sich mit den Händen auf meiner Brust ab.

„Spürst du, wie du in mir drin wieder härter wirst? Das ist so ein unglaubliches Gefühl, Roman.“

„Du machst das so gut, ich möchte gar nicht, dass es zu Ende geht“, gestand ich ihr.

Erst jetzt registrierte ich, dass ich seit einiger Zeit ihre Brüste mit beiden Händen streichelte. Sanft umschmeichelte ich die schönen Rundungen, umfuhr die lieblichen Krönchen das ein oder andere Mal mit meinen Fingerspitzen und Maria schien es zu gefallen, denn sie hielt mir ihre Brust durchweg entgegen.

Nach einiger Zeit gestand sie: „Ich kann so nicht mehr. Bist du noch nicht soweit?“

„Brauchst du eine Pause?“

„Mir tut die Hüfte weh“, kicherte sie und wir mussten beide herzhaft lachen, während sie abstieg. „Außerdem muss ich mal aufs Klo.“

Als sie aus dem Zimmer ging, lachten mich ihre beiden Pobacken an, die sich bei jedem Schritt hoben und senkten und ich war mir augenblicklich klar, dass ich diesen Anblick niemals missen wollte. Nachdem ich die Spülung hörte und Maria zu mir zurückkam, gab sie ihre Vorderseite meinem Blick preis. Ihre süßen Brüste, die ich genauso gerne ansah, wie ich sie streichelte, der Bauchansatz, der viel kleiner war als mein eigener, und das wunderschöne dunkle Dreieck zwischen ihren Beinen, das davon zeugte, dass sie eine erwachsene Frau war, und das ich so liebte. Diese zart behaarte Stelle an ihr, die ihr Paradies geheimnisvoll verbarg und ihren Duft so herrlich konservierte. Ob die feinen Härchen dort auch irgendwann grau werden, fragte ich mich. Ich würde es möglicherweise erfahren und sie dennoch lieben, entschied ich.

Maria legte sich flach auf mich, ließ ihren Kopf auf meine Brust sinken und lauschte meinem Herzschlag. Lange Zeit lagen wir so, Brust an Brust, Haut auf Haut, und spürten uns atmen. Es war so wundervoll und es gab im Moment nichts Schöneres, als hier zu liegen und sich zu spüren. Mein Freudenspender war zwischen meinem und ihrem Bauch sorgsam eingehüllt und fühlte sich wohl.

„Roman, was machst du?“ Maria hob mit einem Mal den Kopf und sah mich an.

„Was meinst du? Ich streichele deinen Rücken.“

„Das meine ich nicht. An meinem Bauch, da regt sich was.“

„Maria, da liegt die begehrenswerteste Frau auf mir und beschwert sich darüber, dass ich noch lebe?“ Wir mussten schon wieder lachen.

Langsam erhob sie sich, krabbelte auf allen Vieren an mir herunter und besah sich den Auslöser des kleinen Ulkes. Zwischen meinen Beinen knieend strich sie mit den Fingerkuppen darüber.

„Schau mal, wie er zuckt und größer wird“, tat sie erstaunt.

„Ich glaube, er mag das“, beantwortete ich ihre verzückte Feststellung.

„Glaubst du, er mag das auch?“, fragte sie und küsste ihn. „Jetzt zuckt er noch heftiger.“

„Möchtest du das wissenschaftlich erforschen?“

Ich konnte noch beobachten, wie ihre Zunge sich zwischen den Lippen herausstreckte, dann schloss ich genüsslich meine Augen. Sie machte das so gut, wenn sie ihn in die Hand nahm und der ganzen Länge nach ableckte, wenn sie ihre Lippen darüberstülpte, ihn soweit es ging in ihrem Mund verschwinden ließ und ihn saugend wieder hervorholte.

„Du musst das nicht tun“, brachte ich mit heiserer Stimme hervor, doch Maria schien das nicht zu kümmern. Liebevoll saugte sie, bis ich es nicht mehr aushalten konnte. Sie musste es bemerkt haben, denn kurz vor dem Abschluss entließ sie ihn mit einem Ploppen und sah zu, wie ich meine gesamte Glückseligkeit zuerst schießend und dann fließend zum Ausdruck brachte.

Sie gab mir einen Moment der Ruhe, in der sie mich anscheinend genau beobachtete. Jedenfalls kniete sie immer noch zwischen meinen Beinen und sah mich an, wobei ich, als ich die Augen öffnete, glaubte, ein wenig Stolz in ihrem Blick zu erkennen.

„Weißt du, dass der Kleine in meinem Mund noch fester geworden ist?“

„Wenn du das sagst. Ich habe es noch nicht probiert“, lachte ich.

Maria senkte ihren Kopf und gab dem Kleinen, wie sie ihn nannte, einen Kuss, bevor sie sich wieder auf mich legte. Dass ihr Bauch dabei die klebrige Masse zwischen uns verteilte, schien ihr nichts auszumachen. Etwas, das bei Karin unvorstellbar gewesen wäre.

Den Kopf auf meiner Schulter fragte sie: „Bin ich dir zu schwer?“

„Natürlich nicht.“ Ich streichelte über ihren Kopf auf den Rücken. „Ich müsste nur mal aufstehen, ich liege hier schon zu lange auf dem Rücken.“

Sie rollte sich zur Seite und gab mir die Möglichkeit, mich aufzurichten. Ich schlich ins Bad, hatte erwartet, dass mein Rücken sich meldete, tat er aber nicht. Wie durch ein Wunder geheilt, fühlte sich alles ganz geschmeidig an. Ich ging aufs Klo, wusch mir die Hände und den Bauch ab und sah abermals in den Spiegel. Was hatte Jana sich nur gedacht, uns zwei in ihrer Wohnung alleine zu lassen? Hatte sie wirklich erwartet, dass wir angeregt diskutieren, oder konnte sie sich nicht denken, dass wir die Gelegenheit nutzten, unsere Vorlieben besser kennen zu lernen?

Zurück im Schlafzimmer fand ich meine Geliebte auf dem Rücken liegend und gespannt zur Tür schauend vor und schlich mich unter ihren Augen an wie ein Raubtier. Auf allen Vieren krabbelte ich an ihren Beinen hoch, bleckte mit den Zähnen und tat so, als würde ich ihren Oberschenkel zerfleischen. Maria spielte mit, schlug sich erschrocken die Hände vors Gesicht und gab einen ängstlichen Laut von sich. Mit den Zähnen auf ihrem Fleisch knabberte ich mich ihrer herrlich duftenden Muschel entgegen und umfasste sie genüsslich mit meinen Lippen. Den Mund weit geöffnet vergrub ich ihre süßen Lippen samt Innenleben in meinem Mund und schnellte ohne Vorwarnung meine Zunge nach vorne. Das heftige Einatmen meiner Geliebten war nicht gespielt, sondern kam daher, dass sie mit meinem nassen Muskel auf ihrer Vulva nicht gerechnet hatte.

Als hätte ich ein besonders schmackhaftes Eis in der Hand, leckte ich die Überreste unseres Tuns mit der gesamten Breite meiner Zunge ab und bekam ein anfängliches Keuchen zur Antwort.

„Was machst du. Das schmeckt doch bestimmt nicht, Roman.“

„Das schmeckt so gut, wie etwas nur gut schmecken kann. Es schmeckt nach Liebe und Leidenschaft“, raunte ich mit der Stimme eines Löwen.

Maria lachte auf. Langsam kroch ich an ihr hoch, küsste mich über ihren Bauch, wo noch getrocknete Reste zu finden waren, zu ihren Brüsten, die ich fast ganz in meinem Mund verschwinden lassen konnte. Gut versorgt entließ ich sie wieder und küsste mich über ihr Dekolleté zu ihrem Hals, an dem ich meine Zähne wieder zum Einsatz brachte. Maria erfasste meinen Kopf und zog ihn hoch bis unsere Lippen sich miteinander vereinigten.

„Schmeckst du jetzt, wie toll das ist?“, röchelte ich.

Jetzt fletschte Maria mit den Zähnen, krallte ihre Finger in meinen Rücken und warf mich auf die Seite.

„Du verrückter Kerl“, maulte sie und küsste mich ihrerseits.

Schmusend lagen wir nebeneinander und streichelten uns zärtlich. Meine Fingerkuppen glitten sanft über ihre Haut, während sie das gleiche bei mir anstellte. Ich spürte, wie sie auf einmal das obere Bein hob, wenn ich in die Richtung streichelte, so als wolle sie mir zeigen, dass ich sie dort berühren sollte, wo eben noch mein Mund gewesen war. Mich davon überzeugend, dass ich richtig lag, strich ich an der Innenseite ihres Oberschenkels entlang und merkte, wie sie ihre Beine weiter öffnete. An den Lippen angekommen musste ich feststellen, dass ihre Vulva schon wieder im feuchten Glanz lag und nach Berührung lechzte. Mit einer Hand schob ich Maria auf den Rücken, kniete mich zwischen ihre Beine und küsste das süße Paradies. Wir waren zwar beide über 50, aber noch lange nicht fertig. Der kleine schrumpelige Freudenspender füllte sich langsam mit Blut und ich fand die Idee gut, ihn auf seine Freundin abzulegen. Maria schien die Idee ebenfalls zu mögen, denn sie lehnte sich entspannt zurück und wartete ab, was ich vorhatte.

„Meinst du, das wird was?“

„Versuch macht klug“, gab ich mich selbstsicher und schob mein Becken vor und zurück.

Der kleine Mann in meinem Schritt wuchs langsam aber stetig an und schob sich über die Stelle, an der die beiden Hautfalten bei Maria den Eingang zu ihrem Paradies anzeigten und der rot geschwollene Knopf die Freiheit suchte. Dass ich dabei immer wieder den sensiblen Knubbel mit meinem anschwellenden Stück Fleisch stimulierte, war mir nicht nur bewusst, sondern volle Absicht, und daran, dass Maria versuchte, ihr Becken nach oben zu drehen, um mehr Reibung zu erfahren, bestätigte mir, dass ich alles richtig machte. Als ich der Meinung war, er habe genügend Spannkraft ließ ich meinen Penis jedes zweite Mal zwischen die nassen Lippen in ihre Vagina eindringen, schob ihn anschließend erneut über die kleine Perle, um ihn ein weiteres Mal in das glitschige Paradies einfahren zu lassen.

„Man, Roman, das ist so gut“, lobte Maria keuchend und krallte ihre Finger in die Bettwäsche.

Mit geschlossenen Augen genoss sie und schon wieder hätte ich ein Foto machen wollen von ihrem Gesichtsausdruck. Die Schieberei reizte nicht nur die wimmernde Frau unter mir, sondern brachte auch mein bestes Stück auf Betriebsdruck und ich wollte auf einmal mein Becken schneller vorstoßen. Dabei verpasste ich immer öfter die Einfahrt ins Paradies, was weder mich noch die stöhnende Frau unter mir zu stören schien. Wahrscheinlich war das sogar eine sehr gute Therapie gegen meine Rückenschmerzen, die vollkommen in den Hintergrund getreten waren und an die ich in diesem Augenblick keinen einzigen Gedanken verschwendete.

Daran, dass Marias Gesichtsfarbe und die ihres Dekolletés ein zartes rosa annahm, zeigte mir, dass sie erneut auf Hochtouren lief und auf dem Weg war, eine erlösende Antwort auf ihre Lust zu erhalten. Wenige Minuten später lagen wir ermattet nebeneinander auf der Matratze und unsere Gesichtszüge hatten an Spannung verloren.

„So etwas möchte ich noch sehr oft erleben“, hauchte sie mir zu, nachdem ihr Atem zurückgekehrt war.

„Ich auch“, flüsterte ich immer noch luftholend.

Wir kuschelten uns aneinander und uns beiden war vollkommen egal, dass noch Reste von mir zwischen unseren Bäuchen klebten.

„Wir müssen nur daran denken, die Bettwäsche zu wechseln“, meinte Maria.

„Hattest du eigentlich vorhin das Bett schon mal neu bezogen?“

„Na sicher.“

„Dann hattest du das alles schon vorher so geplant?“

„Na, alles nicht und nicht genauso, dazu fehlte mir ehrlich gesagt die Fantasie.“ Das Lachen konnten wir uns beide nicht verkneifen.

***

Als ich die Augen aufschlug, schien bereits das Tageslicht ins Zimmer und strahlte dieses wunderschöne Gesicht an, das neben mir mein Gemüt sofort erhellte. Noch nie war ich neben Maria aufgewacht, doch ich war mir sofort ganz sicher, noch viele Male neben ihr aufwachen zu wollen. Vorsichtig küsste ich ihre Stirn, wollte sie nicht wecken, konnte sie aber auch nicht einfach so ungeküsst liegen sehen. Mit reckenden Armen, einem raubtiergleichen Gähnen und einem herzerweichenden Lächeln begrüßte sie mich.

„Das hatte ich mir gedacht. Lässt man euch mal alleine, läuft alles aus dem Ruder.“

Ich wusste nicht, wie mir geschah, und schaute zur offenen Schlafzimmertür, in der Jana stand und die Fäuste in die Hüften stemmte. Neben mir schreckte Maria ebenso zusammen und zog die Decke, die uns bisher bis zu den Hüften bedeckt hatte, über uns.

„Kannst du nicht anklopfen?“, fauchte ich mehr erschrocken als bösartig.

„Machst du mal Kaffee?“, fragte Maria, ließ es jedoch weniger als Frage klingen, denn als Befehl.

Mit einem Kopfschütteln machte sich Jana aus dem Staub. Wir hörten nur noch Gemurmel und typische Geräusche aus Richtung Küche.

„Man, ist das peinlich“, flüsterte Maria und machte Anstalten aufzustehen.

„Mach langsam, das braucht ein bisschen Zeit, bis der Kaffee durch ist“, flüsterte ich zurück und hielt sie mit meinem Arm fest.

Zielsicher schob ich meinen Kopf unter die Decke und küsste eine ihrer Brüste, was Maria aufquieken ließ. Sie drehte sich auf den Rücken, um mir zu entkommen, erreichte dadurch aber nur, dass ich mich küssend auf ihrem Bauch ausbreiten konnte.

„Jetzt lass das“, kicherte sie

„Du wolltest einen Löwen im Bett, jetzt hast du ihn“, röhrte ich gedämpft durch die Decke nach draußen und legte meinen Mund um ihren Hügel.

„Frühstück“, setzte ich nach, schob ihre Beine auseinander und biss gespielt in Marias Muschel.

Das war zu viel für sie, sie schob mich beiseite und verließ fluchtartig das Bett.

„Du findest mich unter der Dusche“, flüsterte sie und drehte mir verführerisch ihre Kehrseite zu.

Ich riss den Mund auf wie ein hungriger Löwe und sah ihr nach, wie sie nackt im Wohnzimmer verschwand. Jana und sie wechselten ein paar Worte, die ich nicht verstehen konnte. Ich konnte schlecht nackt durch die Wohnung laufen, suchte meine Unterwäsche, fand sie aber nicht, erinnerte mich daran, dass ich aus dem Bad direkt ins Bett gegangen war und deshalb alles noch im Bad sein musste.

Oh Gott, das Bad!

Wahrscheinlich war noch alles überschwemmt. Ich hatte nichts weggemacht und Maria bis vorhin auch nicht. Mit der Decke um die Hüfte gewickelt traute ich mich und stieß im Wohnzimmer natürlich auf mein Patenkind. Schmunzelnd sah sie mir zu, wie ich versuchte, möglichst unauffällig ins Bad zu kommen. Dieses Luder, ging mir durch den Kopf, zuerst überlässt sie uns ihre Wohnung als Liebesnest und nachher beschwert sie sich darüber, dass es auch genauso aussieht.

Im Bad war Maria gerade dabei, mit einem Handtuch über den Boden zu wischen. Schon wieder streckte sie mir ihren Po verführerisch entgegen und lud mich ein, ihn zu küssen ... oder hinein zu beißen. Zweiteres gefiel mir besser, weshalb meine Geliebte fast in die Dusche fiel.

„Hey, bist du verrückt?“

„Ja, ich bin verrückt nach meiner Beute“, raunte ich, hielt sie fest und zog sie wieder hoch.

„Jetzt lass mal, Jana ist draußen.“

Ich hatte verstanden, ließ sie los und suchte meine und Marias Klamotten zusammen. Vor der Dusche stehend beobachtete ich diese wunderbare Frau wie sie sich wusch, dabei ihre zarten Hände über ihren Körper gleiten ließ und eine Erotik ausstrahlte, die man nicht in Bildern hätte einfangen können. Liebend gerne hätte ich mich zu ihr in die Dusche gedrängt, hätte ihren Job nur zu gerne übernommen, doch jetzt galt es, vernünftig zu sein. Sie gab mir den Weg frei und musste ertragen, dass ich schon wieder meine Hände nicht bei mir behalten konnte. Mürrisch schob sie sie weg, bedeutete mir mit einem strengen Gesichtsausdruck, dass ihre Tochter auf uns wartete, küsste mich jedoch zutraulich und schob mich unter den Wasserstrahl.

Ich betrat Janas kleine Küche, wo sie mit ihrer Mutter am Tisch saß. Jede der beiden hatte eine Tasse in der Hand und eine weitere stand auf dem Tisch.

„Mit Milch und ohne Zucker, stimmt's?“

„Ja, das hast du gut behalten. Meine Schwägerin fragt mich nach 25 Jahren noch immer, ob ich Zucker zum Kaffee nehme.“

„Mama holt nachher ein paar Brötchen, dann können wir frühstücken.“

Ich sah auf die Küchenuhr, es war gerade mal kurz nach acht. Beachtlich, dass Jana sich so früh von ihrer Freundin hatte trennen können, nur um ihre Mutter und mich im Bett zu erwischen.

Sie musste bemerkt haben, dass es in meinem Kopf ratterte, denn nachdem Maria unterwegs war, unser Frühstück zu besorgen, sprach sie mich darauf an.

„Los raus mit der Sprache, was willst du wissen?“

Ich gab mich unwissend, ließ sie zappeln.

„Ich könnte mal kurz zum Auto meine Sachen holen.“ Schließlich trug ich noch immer die Arbeitsklamotten.

Jana ergriff meinen Arm.

„Roman, du hast dich entschieden, das sehe ich. Jetzt sag mir, was du denkst.“

„Was ich denke? Zum Beispiel frage ich mich, warum du so ein Geheimnis daraus machst, dass du zu deiner Freundin ziehst. Dann frage ich mich, warum du am Sonntag um halb acht hier auftauchst, wo du doch immer noch schön bei ihr sein könntest.“ Ich biss mir auf die Zunge. Sie hatte mich provoziert, aber es stand mir nicht zu, so etwas zu sagen, darum nahm ich sie in den Arm. „Entschuldige, das war gemein und ich würde es gerne zurücknehmen.“

Jana ließ es zu, dass ich sie in meine Arme schloss, also bedrückte sie etwas.

„Was ist los? Ist es so schlimm?“ Tränen standen in ihren Augen, als ich sie aus der Umarmung entließ. „Du kannst immer zu mir kommen, das weißt du.“

„Es war auch gemein, dass ich Mama und dich im Bett überrascht habe. Es war mir klar, dass ihr da landen würdet und ich hatte Mama sogar frische Bettwäsche rausgelegt.“

Jetzt konnte ich nicht anders, als sie wieder in den Arm zu nehmen.

„Und was bedrückt dich? Läuft es nicht so wie geplant?“

„Elisabeth ist toll, ich glaube sogar, dass ich sie liebe.“ Schluchzend stand sie mir gegenüber und ich kramte in meiner Hosentasche nach einem Papiertaschentuch. „Aber sie zögert, ob es das richtige ist, wenn ich bei ihr einziehe. Sie hat noch nie mit jemandem zusammengelebt und glaubt, ich würde ihr ein Stück Freiheit nehmen, wenn wir immer zusammen sind.“

„Nimm es als Chance, ihr zu zeigen, dass sie ihre Freiheit behält und dich noch dazu bekommt. Wenn man nicht gewohnt ist, seinen Alltag mit jemandem zu teilen, kann ein solcher Schritt schwer sein. Ist sie älter als du?“

„Sie ist 32.“

„Gebt euch Zeit. Überstürzt nichts, seid ehrlich zueinander, auch, wenn es nicht klappt mit dem Zusammenleben. Wenn ihr euch liebt, werdet ihr feststellen, was euch fehlt, wenn die andere nicht da ist. Du hast dich übrigens strafbar gemacht, meine Liebe“, versuchte ich sie aufzuheitern, „du hast dich der Kuppelei schuldig gemacht.“

Ihre Faust landete auf meinem Arm.

„Komm schon, das wolltest du doch. Meine Wohnung als Liebesnest zu benutzen, das war doch schon lange dein Wunsch.“

„Ja, ich liebe deine Mutter tatsächlich.“

„Und was ist mit Karin?“ Auf einmal sah sie mich ernst an.

„Ich weiß es nicht. Man kann doch nicht zwei Frauen gleichzeitig lieben, oder?“ Ich machte eine Pause, in der ich selber über das, was ich gesagt hatte, nachdenken musste. Es nutzte nichts, ich fand keine Antwort. „Weiß dein Vater eigentlich, dass Maria hier ist?“, fragte ich, mehr um abzulenken, weil ich die Antwort kannte.

„Er interessiert sie nicht mehr, was er macht, glaube ich.“ Janas Stimme klang traurig. „Ist es nicht ein Jammer, wie er sich verhält?“

Ich schwieg, ließ ihre Frage zwischen uns stehen, weil sie schmerzte. War es nicht auch ein Jammer, wie wir uns verhielten, wie wir all die Jahre über Bord warfen? Endlich hörte ich, wie ein Schlüssel ins Schloss gesteckt wurde und mich von diesen Gedanken erlöste.

***

Vier Wochen später saß ich am Schreibtisch in Janas Wohnzimmer, hatte mein Notebook aufgeklappt und arbeitete angestrengt an einem technischen Problem. Es war schon Mitte Oktober und die Sonne wagte sich nur noch selten zwischen den dunklen Wolken hervor. Entgeistert sprang ich auf und lief zum Kühlschrank. Erleichtert sah ich, dass ich die Tiefkühltorte bereits gestern aus dem Eisfach genommen hatte. Manchmal vergaß ich solche einfachen Dinge und es machte mir Sorgen.

Jana hatte sich für heute Nachmittag angekündigt, kam auf einen Kaffee vorbei und ich wusste, dass sie diese Torte liebte. In den letzten Wochen hatte sie mich oft besucht, wir hatten geredet und es war immer ein Gewinn gewesen, mich mit ihr auszutauschen. Es hatte sich einiges getan. Janas Schreibtisch war vorübergehend zu meinem Arbeitsplatz geworden. Karin hatte gefasst reagiert, als ich sagte, ich bräuchte Abstand. Sie war nicht in Tränen ausgebrochen, wie ich es erwartet hatte, war nicht weggerannt, sondern hatte nur nickend zugestimmt. Ich müsse eine gewisse Distanz schaffen zwischen uns, hatte ich ihr versucht zu erklären, und sie war einverstanden gewesen. Der Vorschlag mit Janas Wohnung kam von ihr.

„Die ist doch frei im Moment“, hatte sie gesagt und war in den Garten gegangen.

Den gleichen Gedanken hatte ich auch schon gehabt, doch jetzt, wo er von ihr kam, klang er wie Betrug.

Ich wohnte schon seit über drei Wochen hier, fuhr von hier auch in die Firma, brauchte ungefähr die gleiche Zeit, wie von zu Hause. Ein paar Pflanzen hatte ich wieder aufgepäppelt, die von Jana vernachlässigt worden waren, hatte außer Kleidung, meinen Notebooks und meinem Handy aber keine persönlichen Dinge mitgebracht. Es war tatsächlich nur vorübergehend, so hatte ich es geplant. Ich fühlte mich wohl, konnte tun und lassen, was ich wollte, doch ich vermisste meine Frauen. Ja, ich vermisste sie und zwar beide. Manchmal wurde ich melancholisch, vor allem am Wochenende, wenn nichts zu tun war. Darum hatte ich das Schreiben wieder angefangen.

Letztes Wochenende war ich bei Jana eingeladen gewesen und sie hatte mir Elisabeth vorgestellt. Eine sehr angenehme junge Frau, äußerst selbstbewusst und resolut und doch auch sehr einfühlsam. Der Abend war toll, bereichernd könnte man sagen. Ich hatte viel über mein Patenkind erfahren, was ich noch nicht wusste. Vielleicht wäre das eine eigene Geschichte.

Ich saß also an meinem vorübergehenden Arbeitsplatz und arbeitete. Weil mir auf einmal ganz andere Gedanken durch den Kopf gingen, klappte ich den Bildschirm zu und öffnete den meines eigenen Notebooks. Maria lächelte mich verführerisch an, es war eines der Bilder, die wir gemeinsam geschossen hatten, hinter dem Waldstück, und das den Hintergrund unscharf erahnen ließ, während Maria messerscharf ihr bezauberndes Lächeln zeigte. Maria. Ich hatte sie in den letzten Wochen nicht ein einziges Mal gesehen. Wir hatten telefoniert, oft bis spät in die Nacht, hatten über die Zukunft gesponnen, uns unsere Träume erzählt und die Stille genossen, wenn niemand mehr etwas sagen wollte und nur noch das Atmen zu hören war. Auch mit Karin hatte ich telefoniert und wir hatten uns gefragt, wie das alles hatte passieren können. Unsere Freunde hatten sich zurückgehalten. In solchen Situationen merkte man erst, was Freundschaft bedeuten konnte, wenn man Freunde brauchte. Keiner hatte sich gemeldet und gefragt, wie es einem geht. Das hatte ich anders erwartet.

Seufzend öffnete ich das Textprogramm und begann zu tippen. Ich schrieb meine eigene Geschichte, die Geschichte von Roman.

Als es an der Tür klingelte, schreckte ich hoch. Draußen regnete es in Strömen und, obwohl Jana immer noch einen Schlüssel hatte, kam sie nie ins Haus, ohne vorher zu klingeln. Aus Respekt vor meiner Privatsphäre, hatte sie gesagt. Jetzt wartete sie im Regen vor dem Haus, bis ich die Gegensprechanlage betätigte. Ich hörte ihre Schritte, ging in die Küche, machte Kaffee und nahm den Kuchen aus dem Kühlschrank. Ein Klopfen an der Tür kündigte sie an und ich rief aus der Küche: „Komm rein, ist offen.“

Im Flur stand Maria. Mit nassen Haaren und nasser Jacke schaute sie mich an. Ich brauchte einen Moment, um zu registrieren, dass sie es war. Hinter ihr stand Jana.

„Hallo Maria.“ Eine schüchterne Umarmung, ein schüchterner Kuss, dann half ich ihr aus der nassen Jacke. Wortlos standen wir uns gegenüber, dann sah ich die große Reisetasche. Ich sah Jana an, die mit den Schultern zuckte.

„Komm rein, zieh die Jacke aus, ich hole dir ein Handtuch.“

Maria war ins Bad gegangen und stand vor dem Spiegel. Ich war ihr gefolgt,um für Jana ein Handtuch zu holen. Eine Träne kämpfte sich auf Marias Wange nach unten. Ich legte meine Hand auf ihre Schultern, sah sie im Spiegel an und wusste, dass es ihr schlecht ging. Ich meine, ein Blinder hätte das gesehen.

„Ich bin nicht willkommen, oder?“ Eine zweite Träne lief an der Nase vorbei.

„Natürlich bist du willkommen“, sagte ich.

Maria glaubte mir nicht, drehte sich weg und wollte gehen, wollte weg von mir, doch ich hielt sie fest, zog sie an mich, in meine Arme und zwang sie, hier zu bleiben, bei mir.

„Ich bin nur ... ich hatte nicht mit dir gerechnet.“

Ein gequältes Lächeln zog sich über ihr hübsches Gesicht.

Jana stand noch immer im Flur, die nassen Haare klebten an ihr.

„Das Bad ist frei“, sagte ich, obwohl das offensichtlich war.

Völlig überfahren von der Situation stand ich alleine im Flur und starrte auf die große Reisetasche. Maria war zu Hause ausgezogen und wollte zu mir und ich hatte nichts anderes zu tun, als ihr zu verstehen zu geben, dass ich damit nicht gerechnet hatte. War ich wirklich so ein gefühlsloser Klotz, der ihr das Gefühl gab, dass sie wieder gehen sollte? Ich nahm die Tasche und trug sie ins Schlafzimmer. Demonstrativ stellte ich sie, nass wie sie war, auf Bett. Ich wollte Maria zeigen, dass es auch ihr zu Hause sein sollte, dass sie natürlich herzlich willkommen war und dass ich mich darüber freute, wenn mir gerade auch nicht so zumute war.

Zurück in der Küche saß Maria vor meinem Notebook. Sie starrte auf den Bildschirm und bei mir bildete sich ein Kloß im Hals. Sie las doch nicht etwa meine Geschichte? Als ich mich hinter sie stellte, klappte ich vor ihren Augen den Bildschirm zu. Sie hatte nur den Bildschirmschoner gesehen, eine Abfolge von Bildern von ihr.

„Die kenne ich gar nicht“, stellte sie fest und sah mich an.

„Der Kaffee ist durch. Lass uns in die Küche gehen.“

***

Maria blieb fast drei Wochen. Es war eine schöne Zeit, eine intensive noch dazu und wir lernten einander immer besser kennen. Unsere Eigenarten, unsere Gewohnheiten, all das, was man tut, wenn man sich nicht mehr präsentieren muss. Zum Beispiel dreht sie sich im Schlaf so sehr, dass ich fast keinen Platz mehr finde. Und sie schnarcht ein wenig. Vorher hatte es ihr niemand gesagt und, als ich es ihr erzählte, war es ihr peinlich. Ich hingegen liebte es, wenn sie morgens wieder mal die Decke heruntergestrampelt hatte, sie mit einem Kuss auf den Po zu wecken. Manchmal zuckte sie zusammen, weil sie glaubte, ich würde sie beißen wollen. Sie kochte gerne und gut, ich durfte dabei nur anreichen und helfen und ihre selbstgebackenen Kuchen sind legendär. Wenn wir spazieren gingen, ging Maria immer links von mir. Den Grund dafür konnte sie mir selbst nicht erklären, einfach eine Marotte. Aber es war schön, jemanden, den man sehr mochte, ja vielleicht auch liebte, neu kennen zu lernen. Diese Unbeschwertheit, die uns umgab, weil wir uns um nichts kümmern mussten, außer um uns selbst, tat so gut. Doch das eine Thema kam immer wieder auf und Maria merkte, dass ich zweifelte. Es hatte etwas Endgültiges, wenn ich Karin für alle Zeit den Rücken kehren und mich für Maria entscheiden würde, etwas Unumkehrbares. Außerdem wäre es für mich ein Beleg dafür, dass die letzten dreißig Jahre nur auf einer Fehlentscheidung beruht hatten.

Sie sagte es mir, als sie ging. „Du musst dich entscheiden, Roman. Ich warte, aber du musst mit dir ins Reine kommen.“

Frank war ausgezogen, das hatte mir Jana erzählt. Nachdem Maria zurückgekehrt war, hatte sie ihm ein Ultimatum gesetzt und innerhalb einer Woche die Koffer vor die Tür gestellt. Sie war dahintergekommen, dass er nach der Tochter auch die Mutter vögelte und das war zu viel gewesen. Für diesen Mut verdiente sie meinen Respekt. Ein paar Tage später telefonierten wir und ich brachte es zur Sprache. Sie habe auch mit Karin gesprochen, ihr alles erzählt, sagte sie. Sie habe ihr erklärt, dass sie der Auslöser gewesen wäre, dass sie mich verführt hätte, und hatte damit alle Schuld auf sich genommen. Mich träfe nur eine geringe Schuld an der Affäre, hätte sie Karin erklärt. Die hatte ihr natürlich nicht geglaubt, da war ich mir sicher. Dafür kannte mich Karin zu gut, aber Maria hatte sich getraut, wo ich zu feige für gewesen war, und das machte meine Situation nicht einfacher. Alles war raus und seitdem herrschte Funkstille zwischen Karin und mir. Jetzt war ich am Zug.

Jetzt sitze ich an dem Schreibtisch in Janas Wohnung und schaue voller Demut in die dunklen Wolken. Ich grübele darüber, wie meine Geschichte zu Ende gehen könnte, und komme zum Schluss, dass es noch kein Ende geben kann. Ich lebe noch und ich habe sie noch nicht erlebt, was soll ich also schreiben?

Entschied ich mich dazu, mit Maria meinen weiteren Lebensweg zu gehen, würde ich die letzten dreißig Jahre mit Karin über Bord werfen, und würde ich zu Karin zurückkehren, wären die Erlebnisse und die Emotionen, die ich mit Maria teile, ohne Hoffnung.

In meiner Melancholie gefangen schwirren die Gedanken in meinem Kopf und ich denke darüber nach, dass irgendwo auf dieser Welt gerade ein Mensch geboren wird, während anderswo einer stirbt. An anderer Stelle streiten wahrscheinlich zwei miteinander und an einem anderen Ort lieben sich Menschen gerade. Ich bin nur ein klitzekleines unbedeutendes Rädchen in der Mechanik dieser Menschheit und darf mich nicht zu wichtig nehmen. Ich habe mich immer gefragt, wie es weitergehen könnte, dabei war ich derjenige, der es in der Hand hatte. Ich alleine hätte eine Entscheidung treffen müssen, hätte einen geliebten Menschen enttäuschen müssen, während ich mich einem anderen zuwende, und genau da liegt mein Problem. Mittlerweile geht es schon mit großen Schritten auf Weihnachten zu und wir drei werden das Fest wahrscheinlich alleine feiern, jeder für sich in seiner eigenen Welt.

Mit einem Piepton kündigt mein Rechner an, dass eine Nachricht angekommen ist. Karin hat mir geschrieben, sie will sich mit mir treffen, völlig unverbindlich, nur um zusammen etwas zu unternehmen, ohne Vepflichtung und ohne Zwang. Nur wenn ich Zeit hätte, schreibt sie und betont, dass sie nicht über uns und unsere Zukunft oder über das reden will, was gewesen ist. Sie habe ein Hotel in der Nähe gefunden, wo sie unterkommen könnte. Vielleicht war ich in ihrer Welt doch nicht so unbedeutend.

Mein Telefon klingelt. Es ist Maria.



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