Vermisste Blicke (fm:Ehebruch, 23936 Wörter) [3/3] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: Roman Tiker | ||
| Veröffentlicht: Jun 12 2026 | Gesehen / Gelesen: 0 / 0 [0%] | Bewertung Teil: 0.00 (0 Stimmen) |
| Sie haben eine Grenze überschritten, die sie nie überschreiten sollten. Was wird jetzt aus Maria und Roman und was aus ihren Partnerschaften? Dies ist der dritte und (vorerst letzte) Teil der Geschichte um die vermissten Gefühle | ||
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Vermisste Blicke
Der Nachmittag mit Maria war etwas ganz Besonderes gewesen, etwas Magisches, Berauschendes, bei dem ich mich um Jahre zurückversetzt gefühlt hatte. Hemmungslos hatten wir uns ins Nirwana gevögelt und waren beide davon überrascht, wie gut wir zueinander passten. Wie Topf und Deckel ergänzten wir uns, wenn wir uns einander hingaben und atemlos ineinander verwoben auf ihrem Bett lagen. Mit stolz geschwellter Brust und schon wieder einem Ziehen und einem geschwollenen Gefühl in der Hose war ich nach Hause geradelt.
Ich hatte mich gar nicht erst gefragt, wie es dazu gekommen war und warum wir diese eiserne Grenze überschritten hatten. Beflügelt von einem Sammelsurium an Glücksgefühlen flog ich, wie ein Teenager nach dem ersten Kuss, auf meinem Fahrrad durch den Ort. Zweifel daran, ob es richtig war, was wir getan hatten, ließ ich nicht zu, schob sie gedanklich sofort beiseite, um nicht so etwas wie ein schlechtes Gewissen meiner Frau oder meinem Freund gegenüber in mir aufkeimen zu lassen.
Wäre ich ehrlich zu mir gewesen, hätte ich wissen müssen, dass das Erlebnis mit Maria eine seltene wenn nicht einmalige Begebenheit gewesen sein musste und keine Zukunft haben durfte. Doch von all dem wollte ich nichts wissen, wollte, solange es ging, davon zehren. Selbst, als ich zu Hause auf Karin traf, plagten mich keine Gewissensbisse und die Gewissheit, etwas gutgemacht zu haben, ließ mich ruhig einschlafen.
Erst am übernächsten Tag telefonierten wir. Maria war es, die das Gespräch suchte.
„Ich bin noch total durch den Wind“, begann sie und kicherte, „und ich kann es immer noch nicht fassen.“
Ich hörte ihren aufgeregten Atem, konnte mir bildlich genau vorstellen, wie sie aufrecht und mit geradem Rücken am Küchentisch saß und nervös an ihren Fingern kaute.
„Warum sagst du nichts?“
„Maria, mir geht es genauso. Das war so ... so befreiend.“
Das war die Wahrheit. Ich fühlte mich, als hätte ich Ketten gesprengt, die mich lange Zeit eingeschnürt gehalten hatten.
„Ja, das finde ich auch ... befreiend, das ist das richtige Wort.“
Am anderen Ende der Leitung konnte ich förmlich hören, wie sie nachdachte, wie ihre Gedanken rotierten. Ich wollte den Moment nicht zerstören und schwieg, obwohl mir einleuchtete, dass wir reden mussten, doch in diesem Augenblick genoss ich die Stille, die zwischen uns herrschte. Wir kosteten den Moment aus, indem wir uns nur anschwiegen, aber genau wussten, dass wir beide beieinander waren und uns atmen hörten.
„Lass uns mal reden, wie es weitergehen kann, Roman“, unterbrach Maria diese Stille und zeigte als Erste, dass Vernunft angesagt war.
„Musst du noch mit dem Hund raus?“, fragte ich und hoffte insgeheim, sie dort treffen zu können.
„Nachher, ja, aber da möchte ich alleine sein. Roman, wir müssen vernünftig sein, es steht zu viel auf dem Spiel.“
Ich kam mir vor wie in einem Deja vus.
„Das darf nicht mehr passieren.“ Sie machte eine Pause und ich konnte hören, wie sie schlucken musste. „Wenn ich es auch genossen habe, wie seit langem nichts mehr“, sagte sie leise, so als würde sie mit sich selber reden, „aber, Roman, daraus kann nichts werden. Daraus darf nichts werden.“
Natürlich hatte sie recht, und doch musste sie es sich nochmal bewusst machen. Mir ging es dabei nicht viel anders. Man sagt so leicht „Es gibt immer eine Lösung“ und „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.“ An
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