Herzklopfen (fm:Ältere Mann/Frau, 11676 Wörter) | ||
| Autor: Roman Tiker | ||
| Veröffentlicht: Jun 18 2026 | Gesehen / Gelesen: 723 / 551 [76%] | Bewertung Geschichte: 10.00 (3 Stimmen) |
| Frank ist Rentner, alleine und möchte nochmal an den schönen Dingen des Lebens teilhaben Er trifft auf Lona. Es sieht aus wie ein Zufall, dass sie aufeinandertreffen, doch ist es alles andere als das ... | ||
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Vorbemerkung:
Die Geschichte schrieb ich bereits im letzten Jahr und veröffentlichte sie auf einem anderen Portal, allerdings ausschließlich aus Sicht des Mannes. Ein Leser brachte mich auf die Idee, auch die Sicht der Frau zu beleuchten. Ich fand die Idee gut und schrieb die gleiche Geschichte nochmal, diesmal aus der Sicht der Frau. Letztlich fand ich es etwas zu langweilig, den gleichen Ablauf nur aus einer anderen Sicht zu schildern und dann ist daraus diese Geschichte geworden. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es ein kleiner Ritt auf der bekannten Rasierklinge ist, immer wieder zwischen den Personen zu wechseln. Dennoch starte ich den Versuch und bin gespannt auf die Reaktion. Im Fall von Frank und Lona könnte man die Geschichte sicherlich auch noch fortsetzen, doch ich überlasse den weiteren Werdegang der Fantasie der Leserin oder des Lesers.
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Herzklopfen
FRANK
‚Es ist Mai, ich laufe durch Berlin und sammle Fantasien und du gehörst jetzt dazu‘, singt Roger Cicero in meinen Kopf. Es ist Mai und ich sitze in Berlin, genauer genommen im Treptower Park auf einer Bank, und sehe der Erde zu, wie sie sich um die Sonne dreht. Seit zwei Monaten lässt man mich nicht mehr meiner Arbeit nachgehen. Man nennt das Ruhestand, ich nenne es verordnete Langeweile. Seit meine Frau vor zwei Jahren verstorben ist, fehlt mir ein großer Teil meines Lebensinhalts. Natürlich habe ich mich mit Anfang 60 noch mehr in die Arbeit als Buchhalter in einem mittelständischen Unternehmen vertieft. Aus heutiger Sicht ein fataler Fehler, ich hätte mir ein Hobby suchen sollen, anstatt die letzten Jahre der Firma zu widmen, die mich mit 63 einfach nicht mehr brauchte.
‚Ich hab dich ganz groß aufm Zettel, du bist der Lichtblick meiner Wahl‘, versuche ich mich innerlich aufzuheitern. Bei dem schönen Wetter ist es zumindest hier gut auszuhalten. Allmählich füllen sich die Wege am Spreeufer mit Spaziergängern, Kindern auf Fahrrädern und Menschen auf diesen neumodischen Elektrorollern. Mich wundert, dass genau diejenigen, die ein paar Meter zu Fuß laufen sollten, immer auf diesen Dingern zu finden sind, anstatt etwas für ihre Fitness zu tun. Für meine Gesundheit sollte ich auch mal was tun, war zumindest die Meinung meiner Frau. Ich bin zwar nicht dick, eher durchschnittlich für mein Alter, aber Sport war nie mein Ding, und mit 63 fange ich sicher nicht mehr damit an. Ein bisschen Bewegung täte mir dennoch gut.
Entschuldigen Sie bitte, ich bin vom Thema abgekommen. Die Fantasien, die ich sammle, drehen sich seit ungefähr einer Woche alle um die Dame, die in dem apricotfarbenen Mantel gerade von links die Bildfläche betritt. Heute trägt sie Ballerinas, dazu eine große braune Sonnenbrille und eine farblich zum Mantel abgestimmte Handtasche in kräftigem Orange zu ihrer anmutigen Erscheinung. Gestern steckte die Brille noch im Haar und sie hatte den Kragen hochgeschlagen, heute liegt er flach auf. Konnte ich gestern noch ihre wunderschönen, von den sorgfältig gezupften Augenbrauen umrahmten Augen, bewundern, zeigt sie mir heute ihren Hals mit seinen sanften Linien. Die Sonne hat eben Vor- und Nachteile.
Mit elegantem Tritt schreitet sie förmlich über den Asphalt und lässt keine Zweifel zu, dass sie ein Ziel hat. Langweilig finde ich die Vorstellung, dass es sich um eine Arbeitsstelle handelt, für die sie sich jeden Morgen so verführerisch zurecht macht. Viel interessanter fände ich, wenn sie zu ihrem Liebhaber unterwegs wäre, den sie jeden Tag zwischen halb neun und halb drei besucht. Jedenfalls kommt sie morgens von links und nachmittags von rechts. Und sie ist der Lichtblick, eine unbewusste Ermunterung, die mein Herz schneller schlagen lässt, und die mich seit einer Woche jeden Morgen dazu veranlasst, meine Wohnung so früh zu verlassen und bis nachmittags auszuhalten.
Seit vorgestern habe ich mir fest vorgenommen, ihr nachzugehen, sie anzusprechen, auf einen Kaffee einzuladen oder einfach nur zu erfahren, wohin ihre schmalen Füße sie tragen. Leider habe ich mich bis jetzt nicht getraut. Wie komme ich auch darauf, dass sie überhaupt mit mir
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