Hast du eine geile Geschichte geschrieben? Wir suchen immer Geschichten! Bitte hier einsenden! Vielen Dank!

Melodie des Lebens (fm:Romantisch, 20086 Wörter)

Autor:
Veröffentlicht: Jun 26 2026 Gesehen / Gelesen: 1 / 0 [0%] Bewertung Geschichte: 0.00 (0 Stimmen)
Eine junge Frau, enttäuscht vom Leben, trifft auf einen geheimnisvollen Mann. Dass er viel älter ist als sie, interessiert sie im ersten Moment nicht. Sie entdeckt zu viele Gemeinsamkeiten und lässt sich auf ihn ein.

[ Werbung: ]
rubberempire
Rubber Empire. Das beste in Rubber und Latex fetish.


Breite der Text unten anpassen: (braucht 'cookies')
[ 10% ] [ 20% ] [ 30% ] [ 40% ] [ 50% ] [ 60% ] [ 70% ] [ 80% ] [ 90% ] [ 100% ]

© Roman Tiker Dieser Text darf nur zum Eigengebrauch kopiert und nicht ohne die schriftliche Einwilligung des Autors anderweitig veröffentlicht werden. Zuwiderhandlungen ziehen strafrechtliche Verfolgung nach sich.

Klicken Sie hier für die ersten 75 Zeilen der Geschichte

Antiquarin, weil nur noch wenige ihrer Kunden wirkliche Bücher kauften. Sogenannte E-Book Reader hatten den Markt längst erobert. Als ob die Dinger lesen konnten. Sie selber liebte es, Papier zu fühlen, es beim Lesen abzunutzen und in einem Buch damit ihre eigenen Spuren zu hinterlassen. Überhaupt mochte sie vieles Herkömmliche. Ihre Platten, Kerzen, die brannten und nicht nur scheinbar im Windzug flackerten und sie liebte ihre Honda. Eine CB650 four, Baujahr 1991, die ihr Vater schon gefahren hatte und die sie hütete wie ihren Augapfel. Sie war ihr Fortbewegungsmittel, aber auch ihr Zeichen der Freiheit und Andenken an ihren Helden.

Der Regen hatte sich gelegt und die Sonne drängte die Wolken zur Seite. So war halt der April, wechselhaft, unberechenbar und manchmal auch höchst ungnädig. Kathi hatte Lust auf eine Spritztour, auch wenn das Wetter wieder von einer Minute auf die andere umschlagen konnte, denn sie liebte es, die Landschaft auf ihrer Honda zu durchstreifen, die verschiedenen Gerüche einzuatmen und abzuschalten, und die Wachau, die Gegend vor der Haustür der Stadt, in der sie lebte, bot genügend Gelegenheit dazu.

In ihrer Lederkluft, auch so ein Relikt aus alter Zeit, das noch von ihrer Mutter stammte, konnte sie ihre Figur nicht verstecken. Die verführerischen Rundungen ließen auf den ersten Blick erkennen, dass sie eine Frau war, mit der der Schöpfer es gut gemeint hatte. Nur ihre Brüste waren für ihren Geschmack ein wenig zu üppig ausgefallen, doch die hatte sie von ihrer Mutter geerbt und deshalb gehörten auch sie zu ihr und außerdem passten sie sich weichzeichnend in die durch ihre Mutter bereits vorgeformte Lederjacke ein. Nicht wenige ihrer Verehrer hatten sie deswegen schon vergöttert und so sensibel, wie sie reagierten, wenn Kathi auf Touren kam, waren sie durchaus in der Lage, Spaß zu bereiten. Doch insgeheim beneidete sie Frauen, deren Oberweite weniger präsent war, weil sie nicht auf ihr Aussehen und ihre Figur reduziert werden wollte, die ohne Frage atemberaubend wirken musste, und ihr selber, ihrem Wesen, ihrer zurückhaltenden Art und letztlich ihrem Können nicht nur einmal im Weg gestanden hatte.

Es hatte Vorzüge, gut auszusehen, konnte Türen öffnen, die für andere verschlossen blieben, und doch nahm man sie auf dem ersten Blick als die hübsche junge Frau wahr und nicht als die gebildete, belesene Erwachsene, mit der man sich unterhalten, mit der man trefflich diskutieren und mit der man sich intellektuell austauschen konnte. Vor dem Spiegel zog sie ihr Lederhalstuch zurecht, nahm den Helm vom Regal und steckte die Schlüssel in die Tasche.

Ihr Schätzchen blitzte in der Sonne, der Chrom war frisch geputzt und sah aus wie neu. Vier- fünfmal trat Kathi auf den Kickstarter, doch die Maschine wollte nicht. Der Tank war voll, die Batterie erst ein paar Jahre alt, doch ihr Schätzchen verwehrte ihr das vertraute Geräusch, das aus dem Auspuff kommen sollte. Enttäuscht stieg Kathi wieder herunter, überlegte, was sie machen könnte, fand jedoch auf die Schnelle keine Lösung. Die Kiste heute noch aufzuschrauben, dazu fehlte die Zeit und außerdem kannte sie sich mit der Technik eines Motorrades wenig aus. Schweren Herzens schloss sie den Schuppen wieder ab, zog ihren Anzug aus und setzte sich aufs Sofa. Wie gut, dass es nicht geklappt hatte, denn der Regen setzte erneut ein, passend zu ihrer Stimmung.

Das Schlimmste war, dass sie morgen früh den Bus nehmen und dafür eine halbe Stunde früher aufstehen musste.

***

„Kümmerst du dich bitte um die Kundschaft, ich gehe dann nach hinten."

Jonas war Kathis Kollege und dirigierte gerne, wenn es was zu dirigieren gab. Es war Montag und da gab es mehr zu organisieren, weil neu angeliefert und anderes wieder abgeholt wurde, und Jonas meinte es sicher nicht böse, aber er traute solch wichtige Arbeit Kathi einfach nicht zu. An sich hätte es ihr egal sein können, weil sie keine Lust auf Kisten schleppen hatte, doch manchmal nervte es sie, dass er sich so aufspielte, nur, weil er ein paar Jahre länger dort arbeitete.

„Sollen wir nicht mal was zusammen trinken gehen?" Kathi hatte sich erschrocken, weil Jonas plötzlich hinter ihr stand.

„Bist du schon fertig mit allem?", wich sie aus.

„Ja, das war nicht so viel. Sag' doch mal, was hältst du davon?"

„Jonas, bitte lass gut sein. Ich möchte nicht, das habe ich dir doch schon wie oft erklärt?"

Als Kathi noch einen Freund hatte, war er schon so versessen darauf gewesen, mit ihr auszugehen, dabei war er ganz und gar nicht ihr Typ. Er sah zwar ganz passabel aus, aber seine überfürsorgliche Art ging ihr mächtig auf den Zeiger.

„Hallo Katharina."

„Guten Morgen Herr Theis, ihr Buch ist leider noch nicht da."

Herr Theis war ein Mann älteren Semesters, der regelmäßig in den Buchladen kam und oft ausgefallene Wünsche hatte. Es war nicht Kathis Art, in fremden Sachen herumzustöbern, doch einmal hatte sie zu einem von ihm bestellten Buch recherchiert.

-Das Delta der Venus- von einer gewissen Anaïs Nin, die ihr absolut gar nichts sagte.

Es handelte sich um ein Buch aus dem Erotiksektor, preisgekrönt, weil es zu dem Zeitpunkt, wo es erschien, sehr ungewöhnlich war, dass Frauen Bücher in diesem Genre veröffentlichten. Das hatte sie dem stattlichen Mann mit den grauen Schläfen gar nicht zugetraut, doch am Ende war es ihr peinlich gewesen und sie hatte mit sich selbst geschimpft, danach gesucht zu haben, denn schließlich war sie Buchhändlerin und hatte kein Recht, ihre Kunden nach dem, was sie lasen, zu bewerten.

„Dann schau ich mich noch ein wenig um." Wenigstens hatte dieser Herr Theis sie, zumindest für den Moment, vor einem erneuten Annäherungsversuch von Jonas gerettet.

„Sagen Sie mal, Katharina, wo ist denn ihr Schätzchen, ich habe es gar nicht stehen sehen?"

„Ach, Sie meinen meine Honda. Die springt im Moment nicht an und ich weiß nicht, warum."

„Das kenne ich, diese alten Damen entwickeln mit der Zeit ein sehr eigenwilliges Eigenleben."

Herr Theis fuhr auch Motorrad, das wusste Kathi oder sie vermutete es zumindest, weil er das ein oder andere Mal einen Helm bei sich trug.

„Kennen Sie sich da aus?", fragte sie und hegte insgeheim den Wunsch, er könne ihr einen Tipp geben, denn bisher hatte ihre Maschine sie noch nie im Stich gelassen.

„Ein wenig", gab er kurz angebunden zurück, weil er offensichtlich ein Buch gefunden hatte, das ihn interessierte.

„Wenn Sie möchten, kann ich es mir ja mal ansehen." Kathi war vertieft in der Suche nach interessanten Neuerscheinungen und hatte ihn nicht kommen sehen, bis er mit einem Mal vor ihr stand.

„Äh, ja, ich meine, nur, wenn Sie Zeit haben."

„Habe ich. Sagen wir, heute Nachmittag? Wann machen Sie Feierabend?"

Nervös schaute sie zu Jonas herüber. Er war mit Ein- und Ausräumen beschäftigt und hatte gottseidank nichts mitbekommen.

„Ähm...", stotterte sie. „Ich denke, so gegen halb vier könnte ich..." Sie würde Jonas einen Vorwand bieten müssen, warum sie früher gehen musste, aber es nutzte auch nichts, wenn es draußen schon dunkel war.

„Ich komme vorbei. Wo wohnen Sie?"

Jetzt fühlte sich Kathi ein wenig überrumpelt, aber wie sollte das auch sonst gehen, wenn die Maschine nicht lief? Fahrig kritzelte sie eine Adresse auf einen Zettel und schob ihn unauffällig über den Tresen. Herr Theis musste verstanden haben, denn er nickte kaum merklich in Jonas Richtung und sein Augenaufschlag gab Kathi zu verstehen, dass sie das wohl hinbekommen würde mit der Ausrede.

„Ich kann Sie auch nachher abholen", flüsterte er und zog die Augenbrauen hoch. „Ich bringe einen Helm mit", sagte er leise, ließ den Zettel in seiner Hosentasche verschwinden und ging.

Wie versteinert sah Kathi ihm hinterher, unfähig auch nur ein „Tschüss" hervorzubringen.

Um Punkt halb vier stand Kathi an der Straßenecke und wartete. Jonas hatte sie etwas von einem unvorhergesehenen Termin beim Frauenarzt erzählt, warum sie früher nach Hause musste. Er hatte es geschluckt.

Es hatte schon wieder begonnen zu regnen, als ein Motorrad neben ihr stoppte und man ihr einen Helm hinhielt. Durch das Visier konnte sie den Ausschnitt des Gesichts erkennen, zog den Helm auf, band sich ihre Tasche um den Rücken und bestieg die Sitzbank. Kathi war noch nie hinten auf einem Motorrad mitgefahren, außer als Kind bei ihrem Vater, bei dem sie ihre kleinen Ärmchen um den Bauch geschlungen hatte. Das ging jetzt nicht, wenn auch die Griffe am Ende der Sitzbank nicht unbedingt ein Gefühl der Sicherheit auf sie ausstrahlten und es kostete sie Überwindung, sich während der Fahrt nach hinten zu lehnen.

„Du bist noch nie hinten mitgefahren, oder?", fragte Herr Theis, als sie vor dem Haus angekommen waren, in dem Kathi wohnte, und er seine Maschine geparkt hatte.

„Sonst fahre ich immer selber", lachte Kathi verlegen und fragte sich, warum er auf einmal angefangen hatte, sie zu duzen.

„Das merkt man, du warst ziemlich steif. Wo steht denn das gute Stück?"

„Äh, ich muss mir erstmal etwas Trockenes anziehen, brauchen Sie auch was? Ein Handtuch vielleicht?"

„Meine Jacke ist dicht, danke. Ein Kaffee wäre gut." Er lächelte sie an. "Wenn du mir zeigst, wo ich die Maschine finde..."

Kathi schaute etwas beschämt, doch ihr war kalt und ihre Jacke hing nass an ihr herunter. „Ja, klar, da in dem Schuppen", stammelte sie und schloss die Tür auf. „Kaffee, ja, kommt gleich", sagte sie mehr zu sich und beeilte sich, in ihre Wohnung zu kommen.

Schnell hatte sie die Kaffeemaschine angestellt und sie brodelte schon, als sie mit einem Handtuch auf dem Kopf und trockenen Klamotten ans Fenster trat. Ab und zu sah sie einen Fuß in der Türe des Schuppens, manchmal auch den unteren Teil seiner Jacke. Ganz wohl war ihr nicht bei dem Gedanken, dass Herr Theis sich um ihr Motorrad kümmerte, er war immerhin ein Kunde aus dem Laden. Andererseits, welche Alternative hatte sie?

Mit zwei Tassen in der Hand stapfte sie die Treppen zum Hof herunter und, als sie die Haustüre mit dem Ellbogen öffnete, hörte sie bereits ein vertrautes Geräusch. Die Honda lief und sie konnte es gar nicht glauben.

„Was haben Sie gemacht?", stammelte sie - hörbar entzückt.

Herr Theis nahm ihr die Tasse aus der Hand und trank einen Schluck, während die Maschine im Standgas vor sich hin schnurrte.

„Entschuldige, aber duzt man sich nicht unter Bikern? -- Roman." Er reichte ihr die Hand. Erstaunt legte sie ihre zarten Finger in die große Hand, die sich gar nicht so anfühlte, wie sie aussah. Deutlich gefühlvoller und zarter, als sie den Anschein machte, umfasste sie ihre Finger und ließ sie in ihrem Handteller verschwinden.

„Äh, Kathi... also Katharina, aber lieber Kathi."

„Freut mich, Kathi."

„Und, wie hast du das hinbekommen?", fragte sie und strich sich das feuchte Haar hinters Ohr.

„Man muss der alten Dame einfach nur gut zureden, dann wird sie willig", lächelte Roman und legte seine Hand zärtlich auf die Sitzbank.

„Und, wie kann ich das wiedergutmachen?"

„Der Kaffee reicht. Mich freut es ja auch, dass sie wieder läuft."

Kathi konnte sich ein zufriedenes Lächeln nicht verkneifen, versuchte ihre Euphorie jedoch durch Nippen an ihrer Tasse zu unterdrücken. Beide standen stumm neben dem Motorrad und lauschten dem sonoren Geräusch, das den Schuppen ausfüllte. Roman drehte am Schlüssel und ließ sie verstummen.

„Ich weiß, wie du das wiedergutmachen kannst", sagte er geheimnisvoll. „Magst du eine Tour mit mir fahren?"

„Äh, es ist schon ziemlich spät."

„Nicht mehr heute. Du hast doch bestimmt auch mal frei, oder?"

„Am Samstag müsste gehen", sagte Kathi, ohne näher darüber nachgedacht zu haben. Im Kopf rechnete sie nach und kam zum Schluss, dass sie tatsächlich am Samstag nicht arbeiten müsste. Roman hielt ihr die Hand hin: „Also dann am Samstag, sagen wir, um neun? Ich hole dich ab."

Kathi zögerte, dann schlug sie ein.

***

Samstagmorgen um kurz vor neun stand Kathi vor dem Tor und ihre Honda lief sich bereits warm. Es versprach, ein eher sonniger als regenreicher Tag zu werden und sie freute sich auf einen Ausritt auf ihrem Zweirad. Sie musste nicht lange warten, bis Roman um die Ecke bog und mit einem Hupen ankündigte, dass es losgehen könnte. Mit röhrenden Auspuffrohren brausten sie los, auf dem schnellsten Weg raus aus dem Dickicht der Stadt und Kathi hatte den Eindruck, dass nicht nur sie das Gefühl von Freiheit beseelte, wenn sie sich in die Kurven legte und auf freier Strecke mal kurz am Gashahn zog. Nach einiger Zeit hob Roman die Hand und deutete, dass er rechts ranfahren würde.

„Was ist los?"

„Ich brauche mal eine Pause und muss mal runter von dem Bock, schließlich bin ich keine dreißig mehr", lachte er.

Kathi machte es nichts aus, sie war trainiert, fuhr, wenn sie mal nicht arbeiten musste oder auf ihrer Honda unterwegs war, häufig mit ihrem Rennrad und behielt damit ihre Fitness. Früher war sie oft in einem Gym gewesen, doch die stierenden Blicke der nur zum Gaffen kommenden Typen konnte sie nicht ausstehen. Seitdem fuhr sie lieber Rennrad und ruderte in ihrer kleinen Wohnung auf dem ausrangierten Gerät ihres Vermieters.

„Ich auch nicht", scherzte sie, nachdem sie den Helm ausgezogen hatte.

„Was meinst du?"

„Ich bin auch keine dreißig."

„Achso, ja. Wenn du lieber mit einem jüngeren Partner fahren möchtest..."

„Nein, nein, schon gut. Macht doch Spaß, oder? Außerdem bin ich dir was schuldig."

„Also machst du das nur, weil du mir etwas schuldest?"

„Nein", lachte sie „ich sagte doch, es macht Spaß."

„Hatte ich auch für dich gehofft", scherzte Roman, während er sich die Beine ausschüttelte und kreisende Bewegungen mit den Armen vollführte, als wolle er einen Schwarm Bienen verjagen.

Eine Viertelstunde später drehten sie wieder am Gas und nahmen die nächste Etappe in Angriff. Gegen Mittag zogen dunkle Wolken auf und verhießen nichts Gutes, darum hielten sie an einer Hütte, die gemeinhin von Wanderern genutzt wird, und stellten sich unter. Leider war da kein Platz für die Maschinen, und es tat Kathi in der Seele weh, ihrem Schätzchen zuzusehen, wie es von einem mächtigen Regenschauer geduscht wurde.

„Das macht dem Mädchen nichts, das hält sie aus", beruhigte Roman sie und strich ihr über die Schulter.

„Sag mal, der Kombi ist aber auch schon etwas älter, oder?" Roman tat so, als habe er erst jetzt bemerkt, wie sich Kathis Figur deutlich in der Lederkluft abzeichnete.

„Der ist noch von meiner Mutter, ein Andenken, genauso wie die Maschine, die mein Vater schon gefahren hat."

Roman nickte anerkennend. „Dann hatte deine Mutter aber eine recht frauliche Figur, wenn ich das so sagen darf."

„Lass uns weiterfahren, das schmeckt mir nicht. Das Wetter wird nicht besser und ich möchte meiner Honda nicht zu viel zumuten", raunte Kathi, zog den Helm an und schwang sich auf ihr Zweirad. Roman zuckte mit den Schultern. Hatte er etwas Falsches gesagt?

Mit offenem Visier wegen des Regens brausten sie durch die Serpentinen, bis Roman kurz vor der Stadt überholte und mit der Hand deutete, dass Kathi ihm folgen sollte. Sie verstand nicht sofort, war am Ende aber dankbar, als er in eine Hauseinfahrt einbog und ein Garagentor sich wie von selber öffnete.

„Wo sind wir?"

„Ich wohne hier." Kathi stutzte.

„Hier stehen die beiden erstmal warm und trocken und wir wärmen uns drinnen auf, bis der Regen sich gelegt hat."

Überrascht stellte Kathi ihre Honda ab und folgte ins Haus. Roman streifte seinen Kombi im Keller ab, hing ihn an einem Kleiderbügel auf und stand nur noch in Unterwäsche vor Kathi.

„Ich springe schnell unter die Dusche. Ehe du dich aus deinem nassen Kombi geschält hast, bin ich längst fertig, dann kannst du duschen. Ich lege dir was zum Anziehen hin."

Als Kathi ihn überrascht ansah, fügte er an: „Ich warte nachher in der Küche und mache uns erstmal einen Tee zum warmwerden."

Eine Antwort wartete er nicht ab. „Da geht es hoch zur Küche" Er zeigte auf die Treppe, zog sein T-Shirt über den Kopf und verschwand hinter einer Tür. Kurz darauf war ein Rauschen zu hören, untermalt von einem nicht immer ganz den Ton treffenden Männergesang.

Wieder mal fühlte Kathi sich überrumpelt, doch sie zitterte am ganzen Leib, weil ihr kalt war. Langsam begann sie, etwas in die Ecke gedrängt, um Roman nicht bei erster Gelegenheit in Unterwäsche gegenübertreten zu müssen, die schweren Reißverschlüsse zu öffnen und sich aus dem Lederetui zu häuten. Immerhin war er deutlich älter und sollte nicht schlecht von ihr denken. Das Rauschen verstummte und der Gesang ebenfalls und gleich darauf hörte sie die Türe und wie jemand die Treppe hinaufging.

Das Bad war nicht sehr groß und durch den Dampf des warmen Wassers war es wesentlich angenehmer als in dem kalten Vorraum, in dem sie sich ausgezogen hatte. Als das heiße Wasser über ihren Körper flutete, merkte Kathi erst richtig, wie kalt ihr vorher in den durchnässten Klamotten gewesen war. Wesentlich länger als ihr Vorgänger nutzte sie das wohlige Gefühl, bis sie sich ausreichend aufgewärmt hatte.

Der Dampf vernebelte den gesamten Raum und nur tastend fand sie das Handtuch, das sie sich vorher zurechtgelegt hatte. An einem Haken hing ein flauschiger Bademantel und sie war sich absolut sicher, dass der vorher nicht dort gehangen hatte. Kathi fühlte an der Tür und sie war unverschlossen. Natürlich hatte sie nicht abgeschlossen, weil ja überhaupt kein Schlüssel im Schloss steckte. Hatte Roman, während sie geduscht hatte, einfach das Bad betreten und ihr den Bademantel aufgehängt? Ihr wurde etwas mulmig zumute. Er hatte gesagt, er würde ihr etwas zum Anziehen rauslegen. Sollte damit der Bademantel gemeint sein? Ihre Unterwäsche konnte sie unmöglich wieder anziehen, die war nass und überhaupt, wo war die hin? Sie hatte sie doch auf den Hocker gelegt und dort lag sie nicht mehr. Unter dem Waschbecken erkannte sie ein paar fellbesetzte Hausschuhe und schlüpfte hinein, zog den Bademantel an und ging mit Klopfen in der Brust die Treppe hoch.

Roman sang immer noch, diesmal etwas, was ihr bekannter vorkam. Er stand in der Küche, trug eine Trainingshose und ein Poloshirt und machte auf den ersten Blick nicht den Eindruck, als wolle er sie überfallen, darum beruhigte sie sich ein wenig.

„Hat gutgetan, oder? Der Tee muss noch ein wenig durchziehen. Übrigens, tut mir leid, dass ich auf die Schnelle nichts anderes gefunden habe. Wir können gleich mal in meinem Schrank nachsehen, ob dir etwas passt."

„Bist du einfach ins Bad gekommen, während ich geduscht habe?" Kathi versuchte, nicht vorwurfsvoll zu klingen.

„Sollte ich den Bademantel draußen aufhängen und dich zwingen, herauszukommen, bevor du ihn anziehen kannst? Sei beruhigt, ich habe weggesehen." Mit hochgezogenen Augenbrauen sah er sie an.

„Und meine Unterwäsche?"

„Die war durchnass, ich habe sie in die Waschmaschine geworfen. Ich hoffe, das war in deinem Sinne?" Er sagte dies mit einer Selbstverständlichkeit, dass es Kathi die Sprache verschlug.

Na gut, sie und ihn trennten doch vermutlich mehrere Jahrzehnte und er könnte locker ihr Vater sein und genauso fürsorglich verhielt er sich auch. Sie versuchte, sich innerlich zu beruhigen.

„Geh schon mal ins Wohnzimmer, ich habe den Kamin angemacht, damit es warm wird."

Kathi fühlte sich etwas verloren, wie sie dastand, nur in einem Bademantel und mit Fellpantoffeln im Wohnzimmer eines ihr an sich fremden Mannes. Schüchtern sah sie sich um und entdeckte etwas, das sie interessierte. Roman besaß eine enorme Sammlung von Schallplatten und vorsichtig begann sie, die Cover durchzublättern. „Na, hast du was gefunden, was dir zusagt?"

Er stand im Türrahmen, hielt zwei dampfende Tassen in seiner Hand und hatte sie innerlich zusammenzucken lassen.

„Hast du noch etwas anderes zum Anziehen als das?" Kathis Stimme klang leicht gereizt.

„Ja, sicher. Komm mal mit."

Roman ging in ein Nebenzimmer, öffnete mehrere Schränke und breitete die Arme aus.

„Such dir aus, was dir passt." Er schob sich einfach an Kathi vorbei ins Wohnzimmer und ließ die junge Frau alleine zurück. Roman war so freizügig und unkompliziert, das war Kathi nicht gewohnt. Im Grunde waren sie sich fremd und dann war da die Szene im Keller und jetzt ließ er sie einfach in seinen Sachen herumstöbern.

Nach einiger Zeit kam sie ins Wohnzimmer, trug ein Sweatshirt, das ihr bis fast zu den Knien ging und an den Ärmeln zur Hälfte aufgerollt werden musste und eine Jogginghose, die sie, für Roman unsichtbar, am Bund mehrmals zusammengerollt hatte, damit sie nicht darüber stolperte. Roman konnte ein Lachen nicht unterdrücken.

„Tut mir leid, aber du siehst zum Schießen aus."

Kathi sah an sich herab und musste ebenfalls lachen. Definitiv hatte Roman nicht ihre Konfektionsgröße.

Zusammen sahen sie sich die Plattensammlung an und Kathi staunte nicht schlecht.

„Ich habe auch Schallplatten", sagte sie stolz, als Roman ihr Interesse an diesen Relikten aus alter Zeit bewunderte.

„Wow, und ich dachte, Leute in deinem Alter hören nur Spotify und so ein Zeug."

„Habe ich auch von meinem Vater geerbt."

„Deine Eltern sind dir ganz wichtig, stimmt's?"

„Ja, das sind sie." Man konnte quasi sehen, wie ihre Gedanken abschweiften.

„Möchtest du mir von ihnen erzählen?"

„Vielleicht ein anderes Mal. Leg doch mal was Schönes auf."

„Was hältst du von Billy Joel?"

„Ja, kenn ich."

Schweigend und Tee trinkend saßen die beiden in Sesseln und lauschten der Musik. Nicht nur der Tee wärmte, die Atmosphäre hatte für Kathi etwas aus einer früheren Zeit, etwas Nostalgisches und etwas sehr Vertrautes.

Nach geraumer Zeit, in der sie Musik gehört und sich darüber und über Motorräder unterhalten hatten, meinte Roman, dass Kathis Unterwäsche jetzt trocken sein könnte. Ihr war es etwas peinlich, als sie sich im Nebenzimmer anzog, denn daran, dass sie unter Romans Klamotten nichts trug, hatte sie völlig ausgeblendet.

„Ich bekomme langsam Hunger, was ist mit dir?"

„Ich möchte dir echt nicht zur Last fallen. Sobald der Regen nachlässt, fahre ich wieder."

„Das ist doch Unsinn, ich koche lieber für zwei als für mich alleine. Magst du Pasta?"

Kathi wollte nicht unhöflich sein und ließ sich überreden. Eine halbe Stunde später saßen sie an dem großen Küchentisch und aßen zusammen.

Es war schon früher Abend als Kathi sich unter Protest ihres Gastgebers auf den Weg machte, obwohl der Lederkombi immer noch feucht war.

„Wundere dich bitte nicht, aber im Laden bist du für mich wieder Herr Theis", lächelte sie und zog den Helm über. „Und danke nochmal für das leckere Essen." Roman hob die Hand zum Abschied.

***

Am Montag lächelte ein vertrautes Gesicht über den Tresen. Roman schob, als er sich überzeugt hatte, dass Jonas nicht in der Nähe war, Kathi ein Fläschchen zu.

„Dünn auftragen und gut einziehen lassen", sagte er leise.

Kathi sah ihn fragend an.

„Auf den Lederkombi, dann zieht das Wasser nicht durch." Er lächelte.

Sie hatte nicht sofort verstanden, steckte das Fläschchen ein und bedankte sich mit einem Kopfnicken. „Ihr Buch ist angekommen", sagte sie in normaler Lautstärke und fügte leise hinzu „das war letzte Woche schon da, entschuldige."

Mit einem Augenzwinkern nahm er die Entschuldigung an.

Heute hielt Roman sich verdächtig lange im Laden auf, stöberte durch die Regale und sah übertrieben oft zu Kathi herüber. Sie wusste nicht, was sie von diesem Mann halten sollte. Nicht, dass er ihr unheimlich war, sie fand ihn eher sympathisch, aber irgendwie geheimnisvoll.

„Sehen Sie mal, dieses Buch würde mich interessieren. Können Sie mir das bestellen?"

Er hielt Kathi einen Zettel hin.

-Vögelfrei- von Sophie Andresky, stand darauf. Sofort wusste sie, in welchem Genre sie recherchieren musste, und sie fragte sich, was ein Mann in seinem Alter mit so einem Buch anfangen sollte. Offenbar interessierten ihn von Frauen geschriebene Erotikromane ganz besonders.

„Sicher, ich werde es anfragen", gab sie sich äußerst geschäftsmäßig.

Sie sah Roman hinterher, als er das Geschäft verließ und irgendwas an seinem Gang gefiel ihr.

„Hast du gesehen, wie der dich angeschaut hat."

Jonas stand direkt hinter ihr.

„Du sollst dich nicht immer so anschleichen. Irgendwann hast du mal meinen Ellbogen im Bauch."

„Ach, schlagen willst du mich, aber mit mir ausgehen nicht."

Sie schüttelte mit dem Kopf und ließ ihn stehen.

Beim nach Hause gehen sah Kathi, dass Moritz schon wieder angerufen hatte. Er konnte es immer noch nicht verstehen, dass sie nichts mehr von ihm wissen wollte.

Kathi musste den Kopf frei kriegen, darum holte sie abends das Rennrad aus dem Schuppen und drehte eine Runde. Wenn sie erst den Straßenlärm hinter sich gebracht hatte, ging es ihr deutlich besser.

Diese Typen, die ihr ständig hinterher geiferten gingen ihr extrem auf die Nerven. Sollten sie sich doch andere Ziele aussuchen für ihre Baggerversuche.

Sie drehte richtig auf und ihr Shirt war schon gut durchnässt vom Schweiß, als ihr eine Idee kam. Sie bog ab in die Vorstadt, wo es ruhiger war und wo Roman sein Häuschen hatte. Kathi war einfach neugierig, wollte mehr wissen, von diesem geheimnisvollen Mann. Hatte er Familie oder lebte er alleine? Was machte er beruflich? Es interessierte sie nicht, weil sie sich für ihn interessierte, sie wollte es nur wissen, weil sie sich klar werden musste ob sie sich lieber fernhalten sollte, oder ob er harmlos war.

Je mehr sie darüber nachdachte und je näher sie dem Haus kam, desto mehr Zweifel kamen in ihr auf, ob es klug war. Was, wenn er draußen wäre? Er würde sie sofort erkennen und fragen, warum sie da war. Einfach vorbeifahren und so tun, als sei sie zufällig da, war keine Option.

An der Kreuzung, an der sie rechts in die Straße einbiegen sollte, wurde sie langsamer, fuhr nur noch Schritttempo, dann trat sie in die Pedale und fuhr vorbei.

Unter der Dusche dachte sie nach. Wenn er eine Frau und Kinder hatte, warum hatte er ihr nichts von denen zum Anziehen angeboten? In der Wohnung hatte sie auch keine Fotos gesehen, die auf eine Familie hindeuteten und, wer solche Bücher las, lebte sicher nicht in einer Beziehung. Innerlich schimpfte sie mit sich selbst, so misstrauisch zu sein. Es war doch nichts passiert. Roman war fürsorglich gewesen, nicht aufdringlich, was wollte sie denn eigentlich für ein Geheimnis lüften? Gedanklich schob sie die Zweifel beiseite.

***

Jonas besserte sich nicht. Immer wieder versuchte er, sie zu erschrecken, sie zu necken oder ihr sonst wie zu verstehen zu geben, dass er was von ihr wollte. Wenn das so weiterging, war Kathi sich sicher, müsste sie die Chefin einschalten. Am Anfang hatte es ihr noch geschmeichelt, aber irgendwann wurde es einfach zu viel.

Sie war gerade dabei, eine schriftliche Bestellung einzugeben, als sie aus dem Augenwinkel sah, dass jemand etwas auf den Tresen legte.

Sie sah auf und schaute in Romans graublaue Augen und auf sein schelmisches Lächeln.

„Hast du Samstag schon was vor?", fragte er und deutete mit dem Kopf auf seine Hand und auf das, was sie ihr gerade über den Tresen zuschob. Kathi sah sich prüfend um, Jonas war nicht in Sicht.

Roman zog die Augenbrauen hoch. Das Bild auf der Karte, die er jetzt noch deutlicher in ihre Richtung schob, zeigte ein paar Musiker im dichten Nebel. Bei näherem Hinsehen erkannte sie, dass es eine Eintrittskarte zu einem Konzert war. Langsam hob sie den Kopf und sah ihn fragend an.

„Was ist das?", fragte sie leise.

Er nahm die Hand weg und deutete auf das Cover.

Ein Datum, ein Ort, ein Name, den sie noch nie gehört hatte. Es war eine Eintrittskarte für ein Livekonzert, nächsten Samstag um 20 Uhr, in einer Kneipe, von der sie zwar mal gehört hatte, wo sie aber noch nie gewesen war.

„Die sind echt gut. Hast du Zeit? Ich würde mich freuen." Er strahlte förmlich, als er das sagte, dann drehte er die Karte um und versicherte sich, dass Kathi erkannte, dass eine Telefonnummer darauf stand. Ohne ein weiteres Wort verließ Roman den Laden.

Sie starrte auf die Ziffern, überlegte, was sie davon halten sollte, rechnete nach und wusste, dass sie am Samstag arbeiten müsste. Feierabend war um sieben, mit dem Bus dahin, da brauchte sie sicher eine halbe Stunde, nach Hause und umziehen war dann nicht mehr drin. Kathi steckte die Karte in ihre Hosentasche.

„Was wollte der denn schon wieder, kommt der jetzt jeden Tag, um zu fragen, ob seine Bestellung schon da ist?"

Jonas stand schon wieder hinter ihr.

„Ich sag dir das jetzt zum letzten Mal. Wenn du dich nochmal so anschleichst, fängst du dir eine. Außerdem ist Herr Theis ein Kunde und wir sind ein Laden, ein Ort, an dem man etwas kauft, damit du am Ende des Monats noch was zu beißen hast. Der darf hierhin kommen, dazu ist der Laden da."

Sie schaute verächtlich auf sein überraschtes Gesicht und ging.

***

Zum Glück war Jonas am Samstag nicht im Geschäft, denn samstags kam immer die Chefin selbst. Dafür hatte sich Moritz schon wieder gemeldet und ihr zuckersüß Honig um den Mund geschmiert, bis sie ihm auf seine Sprachnachricht geantwortet hatte, dass sie telefonieren könnten. Fast wäre sie auf seine Schleimereien wiedermal reingefallen, als er erzählt hatte, wie schlecht es ihm ging ohne sie, und dass sie es doch nochmal versuchen könnten. Um ein Haar hatte sie zugesagt, sich mit ihm zu treffen, um zu reden. In ihr kam die Erinnerung zurück, wie er sie am Anfang ihrer Beziehung immer wieder überrascht hatte. Das Picknick im Park, das Candelite Dinner auf der Dachterrasse eines Freundes, das er organisiert hatte, und die vielen kleinen Geschenke, nette winzige Gesten, und wie er sie immer in seinen Armen hatte einschlafen lassen. Am Ende siegte jedoch Vernunft über Romantik, weil all das nach einem halben Jahr alles vorbei gewesen war und er sie nur noch behandelt hatte wie eine Wunscherfüllerin, die parat stehen sollte, wenn er etwas von ihr wollte.

Anschließend hatte sie versucht, Roman unter der Nummer zu erreichen, die hinten auf der Karte stand, doch auch beim fünften Versuch hatte er weder abgenommen noch zurückgerufen. Eine Entschuldigung per SMS war am nächsten Tag gekommen und eine weitere, dass er sich auf Samstag freue.

Egal, vielleicht hatte er viel um die Ohren, hatte sie sich gedacht und vor dem Kleiderschrank überlegt, was sie anziehen solle. Das beige Kleid fiel ihr ins Auge, das bis über die Knie ging und ihre Figur so sehr betonte. Wenn sie ihre Jeansjacke darüber anziehen würde, könnte sie ihre freiliegenden Schultern bedecken, um nicht zu aufreizend aufzutreten. Sie hatte es angezogen und für gut befunden, passend für ein Rockkonzert. Sie würde es in einer Tasche mitnehmen zur Arbeit und sich dort umziehen. Ihre Chefin hätte sicher nichts dagegen. Die weißen Turnschuhe zog sie direkt an und ein wenig schminken würde sie sich auf der Toilette im Laden.

Ihr Handy vibrierte in ihrer Jeans.

„Soll ich dich abholen?", schrieb Roman.

Womöglich noch mit dem Motorrad, das ging auf keinen Fall, dachte sie und schrieb zurück, dass sie mit dem Bus käme. Er würde am Eingang warten und nachher würden sie gemeinsam ein Taxi nehmen können, antwortete er prompt. ‚Sie würden gemeinsam ein Taxi nehmen', wie das klang. Kam nicht in Frage, sie war erwachsen und würde mit dem Bus oder der Bahn nach Hause fahren, dachte sie.

Im Laden war Richtung Feierabend totale Flaute, darum bot ihre Chefin ihr an, etwas früher Schluss zu machen, damit sie genug Zeit hatte, sich fertig zu machen. Sie war immer verständnisvoll und alles andere als streng, ja, sie freute sich regelrecht, dass die junge Frau etwas unternahm, weil sie das Drama der Trennung von Moritz notgedrungen mitbekommen hatte.

Pünktlich um zehn vor acht stand Kathi vor der Kneipe, wo sich eine Schlange gebildet hatte und auf Einlass wartete.

„Du siehst toll aus", hatte ihre Chefin gesagt, ihr noch eine Strähne hinters Ohr geschoben und ihr viel Spaß gewünscht.

Hier vor der Kneipe kam sich Kathi allerdings völlig overdressed vor. Die meisten trugen einfach Jeans und Hemd, T-Shirt oder Bluse unter der Jacke.

„Du siehst toll aus, junge Frau", schallte es in ihr Ohr. Hinter ihr stand Roman und reichte ihr zur Begrüßung die Hand, hauchte ein „Ach" und fasste sie an den Armen, um ihr angedeutete Küsschen auf die Wangen zu drücken. Etwas überrascht sah sie ihn an. Dann bot er ihr seinen Arm an und bedeutete ihr, sich unterzuhaken.

Der Raum war groß, größer als es von außen den Anschein gehabt hatte und eine Menge Menschen waren hier. Roman machte eine Geste, um zu fragen, was sie trinken wolle. Sie zeigte auf das große Reklameschild über der Theke und er verstand sofort.

Die Band war richtig gut, spielte zwar nur Coversongs, aber die richtig echt, so, als sei man beim Original. Ein oder zwei Bier würde sie trinken, dann wollte sie auf was Leichteres umsteigen, weil sie ansonsten zu oft aufs Klo müsste, erklärte sie Roman, der wissend grinste.

„Ja, das ist immer ein Problem", sagte er und tanzte weiter auf der Stelle. Er schien zu jedem Stück den Text zu kennen und Kathi schmunzelte, weil sie daran denken musste, wie schief er in der Dusche gesungen hatte.

***

Die Sonne blendete. Wo war sie? Sie lag in einem Bett, aber es war nicht ihres. Kathi schaute sich um. Das Bett war groß, viel größer als ihr eigenes und das Fenster war an der falschen Seite. Sie war alleine, horchte, ob sie etwas hörte, doch es war still. Langsam hob sie den Kopf und ließ ihn im nächsten Augenblick wieder aufs Kissen sinken. Mensch, was habe ich einen Schädel, dachte sie, während sie an die Decke starrte. Ihre Hand fuhr unter die Decke und im gleichen Moment durchzog ein Schauer ihren Körper. Sie fühlte ihren nackten Bauch, ihre Unterhose und ihren BH. Was war bloß passiert und warum lag sie in einem fremden Bett?

Vorsichtig schob sie die Bettdecke zur Seite, fürchtete sich davor, zu entdecken, dass etwas schlimmes passiert sein könnte. Auf den ersten Blick sah alles normal aus, bis auf die Tatsache, dass sie fast nackt war. Ihr BH wies keine Anzeichen von Gewalteinwirkung auf und ihre Unterhose, eine von den nahtlosen, die wie unsichtbar erscheinen unter einem engen Kleid, tat es ebenso wenig.

Ihr Kleid, wo war ihr Kleid? Jemand musste es ihr ausgezogen haben. Kathi versuchte, vorsichtig aufzustehen, weil ihr Kopf brummte.

Sie saß auf der Bettkante und wollte sich erinnern. Roman und sie hatten getanzt, ausgelassen, so wie sie es mochte. Die Toilette der Kneipe tauchte in ihrer Erinnerung auf, der große Spiegel, vor dem sie ihren Lippenstift nachgezogen hatte, dann brach alles ab.

Romans besorgter Gesichtsausdruck drängte sich vor Kathis Auge. Wie sie sich auch anstrengte, ab da fehlte alles.

Ihre Knie waren wacklig, als sie aufstand. Sie sah sich selbst im Spiegel und sie bekam einen Schrecken. Die Schminke hatte sich im gesamten Gesicht verteilt und sie war kreidebleich trotz ihres ansonsten mediterran dunklen Teints. Die Augen wanderten an ihr herab und sie atmete tief ein. Das alles sah harmlos aus, beantwortete aber immer noch nicht die Frage, wo sie war.

Mit zögernden Schritten näherte Kathi sich der Tür, drückte vorsichtig die Klinke herunter und spähte durch den Spalt. Alles war still, nur ein leises Schnarchen war zu hören.

Als sie die Tür weiter aufschob, blieb ihr Blick auf einer behaarten Brust haften, die sich gleichmäßig hob und senkte. Es war Roman und sie erkannte, dass sie bei ihm zu Hause waren. Ihr Herzschlag beruhigte sich, obwohl das alles keinen Sinn ergab. Warum sollte sie bei ihm sein, wenn er sie doch mit dem Taxi nach Hause bringen wollte.

Kathi konnte nicht anders, als ihren Blick über Roman weitergleiten zu lassen, und das nächste, an dem ihre Augen hängen blieben, war die Ausbeulung seiner Pants. Mein Gott, wenn es das ist, was ich glaube... Beschämt wandte sie den Blick ab, musste aber nochmal hinsehen, weil sie nicht glauben konnte, was sie da gesehen hatte. Es war real. Lang und dick dehnte sich unter dem Stoff ein Stück aus, das mächtig Eindruck hinterließ.

Mit leisen Schritten tippelte sie zum Bad. Was, um alles in der Welt, war geschehen? Wieder und wieder zwang sie sich dazu, sich zu erinnern. Aber wie sie sich auch bemühte, außer Romans besorgtem Blick, kam im Moment nichts zurück. Sie musste unbedingt aufs Klo und waschen musste sie sich auch.

Zurück im Wohnzimmer tippelte sie zurück zu dem Bett, in dem sie gelegen hatte und wickelte sich in die Bettdecke ein. Wo war, verdammt nochmal, ihr Kleid? Die Ungewissheit nagte an ihr und das Hämmerchen in ihrem Kopf machte es nicht besser. Am Türrahmen gelehnt sah sie zu, wie Roman langsam wach wurde.

„Wie geht es dir?", fragte er und zog, als er merkte, wie versteinert Kathi ihn ansah, mit einer beiläufigen Bewegung die Decke über seinen entblößten Körper.

„Hast du Kopfschmerztabletten?"

„Magst du zuerst einen Kaffee?"

Kathi nickte.

Beide saßen, jeweils in eine Decke gewickelt am Küchentisch, auf dem ein leeres Wasserglas und zwei Becher Kaffee standen.

„Kannst du mir sagen, was gestern passiert ist?"

Roman nippte an seinem Kaffee.

„Möchtest du nicht zuerst duschen?"

„Ist es so schlimm?"

„Geht so. Du hast ganz schön zugeschlagen."

Ein unsicheres Lächeln huschte über Kathis Gesicht.

„Ich meine, ob ich so streng rieche."

„Wir haben wohl beide eine Fahne."

„Warum bin ich hier und... hast du mich ausgezogen?"

„Im Bad steht noch eine frische Zahnbürste, die kannst du nehmen."

Kathi roch an dem Kaffee und stellte ihn wieder ab.

„Wenn du nicht willst, gehe ich zuerst."

Roman stand auf, warf die Decke zurück aufs Sofa und ging ins Bad. Einen Blick auf den strammen Hintern und den muskulösen Rücken des älteren Herrn konnte Kathi sich nicht verkneifen.

Während Kathi die Tassen auf die Spüle stellte, versuchte sie sich wieder und wieder zu erinnern. Es wollte ihr nicht gelingen, die Geschehnisse nach der Szene auf der Toilette der Kneipe zu rekonstruieren. Sie nahm noch ein Glas Wasser.

‚Wenn er mich gestern ins Bett gelegt hat...' sie dachte nach. Sie kannte wenige Männer, die dann auf dem Sofa geschlafen hätten. Kathi schämte sich, wenn sie auch nicht genau wusste, wofür sie sich schämen sollte, aber genau das war das Schlimme.

„Das Bad ist frei, du kannst jetzt duschen. Frühstück?"

Roman kam aus dem Bad und ging in das Ankleidezimmer, in dem Kathi sich auch schon mal umgezogen hatte. Er reichte ihr einen Hoody und eine Trainingshose.

„Was anderes habe ich leider nicht."

„Wo ist eigentlich mein Kleid?"

„Das kannst du noch nicht anziehen, das hängt im Keller. Geh erstmal duschen, ich erzähle es dir beim Frühstück."

Zum zweiten Mal saß Kathi in Romans Küche in dessen schlabbrig sitzenden Klamotten und gab das gleiche Bild ab wie vor einer Woche.

„Ich habe dich gestern nicht mehr wiedererkannt. Du warst echt schräg drauf."

„Was meinst du mit schräg?"

„Na ja, wir haben getanzt, es war nett, und, als die Band aufgehört hatte zu spielen, bist du aufs Klo. Ich musste auch mal und, als ich zurückkam, habe ich dich zuerst gar nicht wiedergefunden. Ich habe mir echt Sorgen gemacht. Die Rothaarige hinter der Theke hat mir gezeigt, wo du bist."

„Wo bin ich denn hin, ich kann mich an nichts erinnern."

„Du standest, umringt von einer Gruppe dubioser Typen, am Rand der Theke und hast einen Wodka nach dem anderen getrunken."

Langsam dämmerte es in Kathis Kopf. Sie hatte auf der Toilette die Freundin von Moritz Kumpel getroffen. Ein Biest, die immer schon gemein zu ihr war. Und sie glaubte sich zu erinnern, dass die mit ihr zurückgehen wollte.

„Roman, es tut mir so leid, ich weiß wirklich nicht, was passiert ist."

Er sah sie streng an.

„Hast du was getrunken, was irgendwo rumstand?"

„Nicht, dass ich mich daran erinnern könnte." Sie überlegte. „Und du hast mich da rausgeholt?"

Kathi stiegen die Tränen in die Augen. „Alles gut." Roman war aufgestanden und hatte Kathi in seine Arme gezogen. „Es ist nichts passiert." Sanft strich er ihr mit seinen großen Händen über den Rücken, während sie ihren Kopf an seine Brust drückte.

Nach einer Weile hatte Kathi sich wieder gefangen und löste sich von ihm.

„Und du hast mich sicher nach Hause gebracht", stellte sie fest. „Darf ich?", fragte sie, stellte sich auf die Zehenspitzen und machte einen Kussmund. Roman drehte sein Gesicht zur Seite, so dass ihr Kuss auf seiner Wange landete.

„Ich weiß, dass junge Frauen das gerne machen, aber vielleicht schminkst du dich beim nächsten Mal nicht so auffällig. Mag sein, dass du das selber nicht gemerkt hast, aber du warst gestern die schillerndste Erscheinung auf dem Konzert. Dass solche Typen, wenn sie ein Opfer suchen, auf dich stoßen..."

Weiter kam er nicht.

„Willst du sagen, dass ich selber schuld bin?"

„Natürlich nicht." Wieder legte er seine Arme um sie, erstens, weil sie recht hatte, und zweitens, weil schließlich er es war, der sie dahin gebracht hatte.

„Du hast das gar nicht nötig. Du bist naturschön."

Kathi konnte nicht glauben, was sie da hörte.

„Du findest, dass ich hübsch bin? Ist es das, was du mir sagen möchtest?"

Jetzt löste Roman den Griff und räumte schon mal die Teller zusammen.

„Weißt du, dass es gar nicht so einfach war, dich ins Bett zu bringen?" Roman musste schmunzeln. „Du hast dich die ganze Zeit gewehrt."

„Oh, Roman, es tut mir wirklich leid, wieviel Mühe ich gemacht habe."

„Schon gut, du konntest wahrscheinlich gar nichts dafür. Was, wenn dir diese ominöse Freundin etwas ins Getränk geschüttet hat oder vielleicht auch einer dieser Typen?"

Zusammen räumten sie den Tisch ab und stellten das Geschirr in die Spülmaschine. Kathi sah auf die Uhr, es war gerade Mittag.

„Was hast du heute noch vor?", fragte sie unschuldig.

„Warum? Wie geht es denn deinen Kopfschmerzen?"

„Das geht schon. Ich bin heilfroh, dass du mich gerettet hast. Vielleicht können wir noch etwas an die frische Luft gehen."

„Das wird schwierig, sieh dich mal an."

Kathi sah an sich herunter, sie trug immer noch Romans Sportsachen.

„Und mein Kleid?"

„Das kannst du erstmal vergessen."

Kathis strenger fragender Blick veranlasste ihn, sie die Treppe herunter zu führen. Das Kleid hing an dem Kleiderbügel, auf dem er vor einer Woche noch seinen Motorradkombi aufgehangen hatte und es sah nicht gut aus. An mehreren Stellen waren Nähte aufgerissen und das Innenleben hing heraus.

„Das meintest du mit -nicht so einfach, mich ins Bett zu bringen-?"

Er nickte.

„Es war keine Absicht, es ist einfach passiert."

„Als du mir die Kleider vom Leib gerissen hast?"

Sie musste lachen.

„Was sollte ich denn machen?"

„Ich hoffe, du hast nicht so genau hingesehen, als du mir das Kleid ausgezogen hast."

„Daran war gar nicht zu denken, ich war froh, dass du irgendwann im Bett lagst und eingeschlafen warst."

„Und darum lagst du auf dem Sofa und nicht in deinem Bett?"

Entgeistert sah er sie an.

„Da lagst du doch schon."

„Roman, ich kenne viele Kerle, die hätten sich einfach dazugelegt, glaube mir."

Schon wieder hatte Kathi das Bedürfnis, sich bei ihm mit einer herzlichen Umarmung und einem Küsschen zu bedanken, doch diesmal konnte sie sich zurückhalten.

„Lass uns wieder hochgehen." Roman erfasste ihre Hand und führte sie zur Treppe. In diesem Moment empfand Kathi eine emotionale Wärme wie lange nicht und sie war ergriffen von diesem Mann. Er war noch geheimnisvoller als noch vor Tagen. Sie ließ sich von ihm zurück in seine Wohnung führen. Hier drehte sie sich um und sah ihm in die Augen.

„Wenn ich nichts anzuziehen habe, muss ich wohl für immer hierbleiben", sagte sie und wartete auf seine Reaktion. Kathi lächelte ihn an und das Lächeln verstärkte sich zu einem Lachen. Er lachte ebenfalls, die einzige Reaktion, die er zeigte. So undurchsichtig er auch für Kathi war, so wohl fühlte sie sich in seiner Nähe.

„Ich rufe dir ein Taxi", wurde er unangenehm sachlich.

„Können wir das auf nachher verschieben?" Kathi sah ihn an, als wäre ihre Bemerkung kein Scherz gewesen.

Roman wandte sich ab und begann, mit einem Tuch die Spüle zu wischen, obwohl schon alles sauber war.

„Musst du nicht irgendwann nach Hause?"

„Ja, irgendwann." Sie musterte ihn genau, sah seine Unentschlossenheit, konnte sie aber nicht deuten. „Ich möchte dir aber nicht die Zeit stehlen, du hast sicher anderes für heute geplant?"

Zielstrebig suchte Kathi in ihrer Jacke nach dem Telefon, zog es heraus und ihr entfuhr ein tiefer Seufzer.

Roman stellte sich vor sie und erfasste mit seinen Händen ihre Arme. Er zwang sie, ihn anzusehen, und Kathi hatte den Eindruck, er wolle etwas sagen, doch er sah ihr nur tief in die Augen. Mahnend, streng, wie ein Vater seine Tochter ansieht, wenn sie etwas Dummes getan hat, lag sein Blick auf ihr. Langsam ließ er seine Hände sinken.

„Entschuldige."

Kathi starrte ihn an, während er sich wegdrehte.

„Habe ich etwas falsch gemacht?", fragte sie.

„Nein, natürlich hast du nichts falsch gemacht. Ich denke nur..."

„Was?", fragte sie, weil er nicht weiterredete.

„Ach nichts, möchtest du noch etwas trinken?"

„Wenn du möchtest, dass ich gehe..."

„Eine junge hübsche Frau wie du hat doch sicher an so einem Tag besseres zu tun, als hier bei mir zu sein."

„Wie gesagt, wenn du möchtest, dass ich gehe, dann rufe ich mir ein Taxi."

Kathi griff nach ihrem Handy. Was war nur auf einmal los mit ihm?

Bevor sie es entsperren konnte, stand Roman neben ihr und legte sanft seine Hand auf ihre, nahm ihr vorsichtig das Telefon ab und legte es auf den Tisch. „Du darfst natürlich bleiben, solange du möchtest." Seine Stimme klang zärtlich.

Der Augenblick, in dem sich ihre Blicke zu lange trafen, wurde unterbrochen, weil Kathis Telefon auf dem Tisch begann zu tanzen. Beide sahen fast zeitgleich auf das Display, auf dem der Name Moritz aufleuchtete.

„Mein Ex", erklärte sie.

Roman überlegte kurz und fragte: „Soll ich?"

Kathi winkte ab, nahm das Handy und ging ins Nebenzimmer. Roman hörte nur, dass sie mehrmals sagte, er solle nicht mehr anrufen. Nach einiger Zeit kam sie zurück und warf das Telefon auf den Tisch.

Sie saßen in den Sesseln in Romans Wohnung und Kathi erzählte ihm von Moritz und ihr. Ihm war klar, dass sie die negativen Erlebnisse besonders betonte und kein gutes Haar an ihrem Ex-Freund ließ. Bei der Sache in der Kneipe, die entweder einer seiner Kumpels oder dessen Freundin angezettelt hatte, konnte er das auch gut verstehen. Am Ende war ihm klar, warum sie sich lieber von solchen Leuten fernhielt und er konnte nachvollziehen, dass sie misstrauisch war. Umso mehr wunderte es ihn aber, dass sie sich ihm gerade heute anvertraute. Hatte es damit zu tun, was gestern geschehen war und wie er selber sich verhalten hatte? Vermutlich war es so.

Die Scheu schien sie vollkommen abgelegt zu haben, denn auf einmal waren sie auf ihre Eltern gekommen und auf ihre enge Bindung zu ihnen, insbesondere zu ihrem Vater.

Fast zwei Stunden hatten sie dort gesessen und geredet und mittlerweile war Roman der Ansicht, ihrer Gedankenwelt ein ganzes Stück näher gekommen zu sein, obwohl sie nur über Alltägliches gesprochen hatten, ohne zu viel von sich preiszugeben.

„Das ist ein guter Nebenverdienst, wenn ich Bücher lese und anschließend meine Meinung dazu dem Verlag mitteile. Ich will nicht angeben, aber meine Rezensionen sind echt gefragt."

„Das ist doch toll. Was macht der Kopf?", fragte er, weil Kathis Wangen rosa leuchteten.

„Gut, dass du fragst. Die Kopfschmerzen sind komplett verschwunden. Komisch, oder? Da rede ich und rede und merke gar nichts mehr."

Roman lächelte. Er hatte den Arm auf die Lehne gestützt und sein Kopf ruhte auf seinem Handrücken. Es war schön, der jungen Frau dabei zu erleben, wie sie auftaute und sich öffnete.

„Und du? Ich rede die ganze Zeit von mir und weiß gar nichts von meinem Retter." Roman fand, dass sie bezaubernd aussah, wenn sich beim Lachen die Mundwinkel hoben und sich kleine Wellen in ihrem Gesicht bildeten.

„Was möchtest du wissen?"

„Alles. Hast du Familie, Freunde, vielleicht eine Freundin?"

„Nein, ja, nein." Er lachte.

„So billig kommst du mir nicht davon." Sie lachte ebenfalls.

„Du wohnst doch nicht alleine in so einem Riesenhaus. Dann könntest du dir auch eine Wohnung mieten oder ein Appartement."

„Ich mag es so."

„Wie kann man das bezahlen?"

„Gar nicht."

„Wie ein Mietnomade siehst du aber gar nicht aus."

Roman lachte auf. „Das Haus gehört mir."

„Nein." Kathi tat nicht nur so, sie war wirklich überrascht. „Das hat doch sicher ein Vermögen gekostet. Sag schon, was arbeitest du?"

„Ich habe mich zur Ruhe gesetzt."

„Ja klar. So kann nur jemand reden, der mächtig Kohle verdient hat. Was hast du gemacht? Lass mich raten... Dir gehörte ein Bordell in der Stadt."

„Wie kommst du darauf?" Er konnte seine Verwunderung nur schwer unterdrücken.

„Hab nur so geraten. Sag nicht, dass ich recht habe."

„Nein, du liegst vollkommen falsch."

Roman stand auf und ging zur Küche. Er gab vor, noch etwas zum Trinken zu holen.

„Du hast dich verraten, ich habe recht. Los, wie heißt der Laden?"

„Hör auf, bitte. Du liegst absolut daneben."

Kathis Telefon vibrierte schon wieder. Roman sah den Namen Moritz aufleuchten, nahm das Handy und fragte, ob er diesmal rangehen solle.

„Mach ruhig, der kann mir gestohlen bleiben."

Sie hörte, wie er begann zu reden, als er im Nebenzimmer verschwand.

„Hör zu, junger Mann. Was ist daran misszuverstehen, dass Kathi nichts mehr mit dir zu tun haben will. Wenn du das nicht kapieren willst, kann ich es dir auch deutlicher beibringen. Und, wenn einer von euch Vögeln ihr nochmal zu nahekommt, werdet ihr es bereuen."

Er kam zurück und gab ihr das Smartphone.

„Der ruft nicht mehr an", sagte er lapidar.

Kathi bekam den Mund nicht mehr zu.

„Das hast du ihm jetzt nicht gesagt, oder?"

„Das hast du doch gehört."

Immer noch sah Kathi den graumelierten Mann ungläubig an.

„War das etwa falsch? Wolltest du doch noch mit ihm verkehren?"

„Mit ihm verkehren, wie sich das anhört. Mir ist tatsächlich ein wenig mulmig zumute. Er weiß schließlich, wo ich wohne."

Stumm ging Roman in das Nebenzimmer, in dem die Schränke standen, und begann herumzukramen. Kathi folgte ihm und stand im Türrahmen, als er eine große Tasche nahm und sie mit allerlei Sachen füllte.

„Was wird das jetzt?"

„Ich habe den Drachen geweckt, also muss ich die Prinzessin auch beschützen."

„Und das heißt?"

„Ich fahre mit und, wenn du der Ansicht bist, ich müsste über Nacht bleiben, hoffe ich, dass du auch ein Sofa hast."

Wie ein überfahrenes Küken sah sie Roman an.

„Das kommt überhaupt nicht in Frage, das schaffe ich schon alleine."

„Dann lass mich dich zumindest mach Hause bringen."

„Du hast ein schlechtes Gewissen wegen der Sache in der Bar? Du fühlst dich doch nicht auch noch schuldig dafür, was mir passiert ist? - Das war echt Mist und es tut mir leid, schließlich war es unser erstes Rendezvous."

Hatte sie wirklich Rendezvous gesagt? Beide sahen sich erstaunt an, während das Wort immer noch in der Luft hing.

„Aber du hast dich wie ein Gentleman verhalten und das weiß ich sehr wohl zu schätzen", beeilte sich Kathi nachzuschieben.

„Und jetzt muss ich zum Bus. Vielleicht brauchen wir beide etwas Zeit."

Ihr Lächeln war bezaubernd. Sie musste sich auf die Zehenspitzen stellen, um ihrem Retter ein Küsschen auf die Wange zu geben. Er hatte ihr eine Jacke gegeben und zur Tür gebracht. Mehrmals hatte er gefragt, ob das ihr letztes Wort gewesen sei und ob er nicht doch lieber ein Taxi rufen sollte. Kathi hatte alle Angebote vehement abgelehnt. Sie sah verboten aus in den Klamotten, die mindestens vier Nummern zu groß waren. Das Lächeln, als sie sich an der Straße nochmal umdrehte, um ihm zu winken, brannte sich in Romans Gedächtnis ein.

***

Am Montag hörte Kathi nichts von Roman und er war auch nicht im Buchladen gewesen. Abends war sie kurz versucht, ihm eine Nachricht zu schreiben und sich nochmal für die Rettungsaktion zu bedanken.

Stattdessen rief sie Klaudia an, ihre Freundin. Früher waren sie wie Pech und Schwefel, doch dann hatte Klaudia ihren Xaver kenngelernt und seitdem hatte sie nur noch selten Zeit für ihre Freundin.

Kathi musste ihr unbedingt erzählen, was passiert war.

„Du glaubst echt, die haben dir was ins Glas getan?"

„Ich weiß doch auch nicht. Zuzutrauen ist es denen doch, oder? Jedenfalls hat er mich da rausgeholt und zu sich nach Hause gebracht."

„Woher kennst du den eigentlich?"

Kathi erzählte, dass er ihr Motorrad repariert hatte und von der Tour, die sie zusammen gefahren waren.

„Süße, kann das sein, dass du..."

„Quatsch, der ist doch viel älter als ich. Er ist einfach ein cooler Typ."

„Genug jetzt, wir treffen und am Freitag in der Therme, dann erzählst du mir alles haargenau. Ich will alle Einzelheiten wissen, hörst du?"

Der Dienstag verlief turbulent und Jonas wollte immer noch nicht kapieren, dass er seine Annäherungsversuche unterlassen sollte. Nach Mittag vibrierte Kathis Telefon in der Hosentasche und ihr Herz hatte einen kurzen Aussetzer. Nachdem sie im Pausenraum verschwunden war, um das Telefonat anzunehmen, hatte es bereits aufgehört zu vibrieren und sie sah mit großer Enttäuschung, dass es nicht Roman, sondern nur eine unbekannte Nummer gewesen war. Nach kurzer Recherche fand sie heraus, dass es eine Werbeagentur gewesen sein musste. Enttäuscht steckte sie das Handy zurück in die Hosentasche.

Erst am Donnerstag, nachdem Roman sich immer noch nicht gemeldet hatte, konnte Kathi es nicht mehr aushalten. Sie wählte seine Nummer und es klingelte zweimal, bis er abnahm.

„Hallo Roman." Kathi hatte sich gedanklich zurechtgelegt, was sie ihm sagen wollte, doch auf einmal fiel ihr das alles nicht mehr ein.

„Hallo Kathi, schön, dass du dich meldest, ich wollte dich gerade anrufen." Seine Stimme klang so warm. „Wie geht es dir?"

Sollte sie ihm sagen, wie es sie bedrückte, nichts von ihm gehört zu haben?

„Viel Arbeit und da dachte ich, um ein wenig Abwechslung vom Alltag zu bekommen, rufe ich einfach mal meinen Retter an." Das mit der vielen Arbeit war natürlich vorgeschoben.

„Retter nennst du mich also?"

Kathi lachte.

„Was meinst du, sollen wir am Wochenende nochmal eine Tour fahren?", fragte sie.

Roman druckste herum. „Das wird wohl nicht gehen."

An Kathis betretenem Schweigen glaubte er, ihre Enttäuschung zu erkennen.

„Bist du noch da?", fragte er.

„Ja, schade. Ich hatte..."

„Was hältst du davon, wenn wir am Samstagabend zusammen essen?"

„Bei dir oder bei mir?", fragte Kathi, während ihr Herz einen kleinen Hüpfer machte.

„Ich lade dich ein. Es gibt da ein schickes Restaurant, wäre das was? Halb acht, ich hole dich ab?"

„Brauche ich da was Besonderes zum Anziehen?"

„Von mir aus könntest du in deiner Motorradkluft kommen, du würdest darin besser aussehen als die meisten anderen, aber ich befürchte, die stehen da auf angemessene Garderobe."

Kathi wurde rot bei diesem Kompliment, auch wenn es nur ihr Äußeres betraf, und sie war froh, dass er das durchs Telefon nicht sehen konnte.

„Hast du so etwas?"

„Ja, sicher, ich freue mich", antwortete sie, ohne näher darüber nachgedacht zu haben, was ihr Kleiderschrank zu bieten hatte.

„Na, dann bis Samstag, ich freue mich auch."

Damit beendete Roman das Gespräch und legte auf, bevor Kathi noch etwas sagen konnte.

Etwas enttäuscht darüber, dass sie „nur" gemeinsam essen würden, ließ sie das Telefon sinken, nahm es wieder auf und wählte erneut Klaudias Nummer.

„Hey Süße, da bist du ja wieder", erklang es am anderen Ende.

„Ich habe ein Problem."

„Was ist denn los? Ist was Schlimmes passiert?"

„Nein, ich brauche was zum Anziehen."

„Hat man dir deine Kleider gestohlen? Wo bist du?"

„Nein, das ist es nicht. Roman will mich zum Essen einladen und so, wie ich ihn verstanden habe, brauche ich etwas, was ich nicht habe. Er sprach von einem schicken Restaurant."

„Wo soll es denn hingehen?"

„Das weiß ich nicht, aber er sagte was von passender Garderobe. Du weißt doch, ich habe nichts für einen vornehmen Anlass. Kannst du mir helfen?"

„Müssen wir einkaufen?"

„Mh...", Kathi druckste herum. „Kannst du mir vielleicht was leihen? Du hast doch so tolle Kleider in deinem Schrank."

„Natürlich, du bist doch meine Freundin. Komm doch am Freitag vorbei, wann hast du Feierabend?"

Kathi schaute zu Jonas herüber und überlegte. Schon wieder würde sie ihm eine Ausrede auftischen müssen.

„Gegen Mittag?"

„Klar, komm einfach, wenn du fertig bist. Wir finden schon was und anschließend gehen wir schwimmen und du erzählst mir alles. Ist das in Ordnung?"

„Xaver ist aber nicht da, oder?"

„Nein, der muss arbeiten, er hat Spätdienst."

Das war Kathi schon ganz recht, er war nicht ganz ihr Fall, schleimte immer so rum und, wenn es nach Kathi ging, war er nicht der Richtige für Klaudia.

In Vorfreude auf das Treffen mit ihrer Freundin und mit Roman am Samstagabend klarte Kathis Laune wieder etwas auf.

***

Er fasste fest an ihre Hüfte und drückte sie gegen die Wand. Seine Zunge schob er unnachgiebig zwischen ihre Lippen. Vehement, fordernd, breit und nass fuhr er damit durch ihren Mund, über ihre Zunge und ihre Lippen. Sie spürte seine Hand fest auf dem schon durchweichten Slip, der unangenehm an ihr klebte. Fest griff er zu, genauso, wie sie es im Moment brauchte, drückte er seine Finger auf ihre Lippen und massierte den empfindsamen Lustknopf. Kathi stöhnte auf unter seiner Behandlung, ließ es nicht nur geschehen, sondern forderte ihn durch ihre erwartende Haltung geradezu heraus. Grob fuhren seine Finger unter den Saum und schoben den Slip nach unten, ergriffen den Oberschenkel und zogen ihn über seine Hüfte, um den elastischen Stoff des Slips über das Knie zu ziehen. Sie stöhnte und forderte ihn heraus, weiter zu machen, sie zu nehmen und es ihr zu geben. Mit einem leisen Plopp zerriss das schmale Band des Slips.

Kathis Vulva lag jetzt frei, frei um seine Hand zu empfangen, die sich daran zu schaffen machte. Einen Augenblick später drang etwas zwischen ihren klitschnassen Lippen in sie ein, befreite sie lang und dick von der Spannung, die sie beherrschte und erlöste sie von der unbändigen Lust nach Weitung. Unnachgiebig schob er seinen dicken harten Penis in ihr williges Fleisch, weitete es und stimulierte die empfindlichen Sensoren in ihrem Innern. Seine große Hand legte sich auf ihre pralle Brust, strich über den Stoff des Kleides und knetete die zum Platzen gereizte Warze darunter, während er ihre Vagina immer wieder weitete. Nach zahlreichen Stößen verengte sich Kathi, begann zu zittern und zu zucken und atmete schwer aus. Ohne Rücksicht schob er weiter in sie hinein, bis ihr die Luft wegblieb und sich ihre Hände in seinen Armen festkrallten.

Mit beiden Händen erfasste er ihre Oberschenkel, hob sie über seine Hüften und trug die immer noch schwer atmende junge Frau zum Bett, wo er sie sanft ablegte und ihre Beine weit spreizte. Sein Gesicht vergrub sich in ihrem Schoß, drückte sich auf die nassen Lippen, schob sie mit der Zunge auseinander, um in sie einzudringen. Am oberen Ende ließ er sie wieder austreten, kreiste um die lustvoll hervorgetretene Lustkugel. Immer und immer wieder strich die Zungenspitze daran vorbei und ließ sie wimmern, um Gnade winseln, er solle sie malträtieren, einsaugen oder auf andere Weise von ihr Besitz ergreifen, damit sie endlich zum Höhepunkt kam. Ein weiteres Mal fing Kathi unter ihm an zu zucken, diesmal heftiger als zuvor, wollender und fordernder. Ihre Hände auf seinem Kopf drückten fest zu, wollten mehr, bis sie sich schließlich willenlos ergab. Noch auf der Welle reitend spürte sie, wie sich ein weiteres Mal etwas breit und hart zwischen ihre Lippen schob. Zu ermattet nahm sie wahr, wie seine Männlichkeit sich in sie vergrub, ließ es zu und konnte nicht mehr teilhaben.

Kathi schlug die Augen auf, erschrak und spürte, wie ihr Herz in der Brust hämmerte. Sie atmete wie nach einem Marathonlauf und die Haare klebten feucht an ihrer Stirn. Hatte sie das alles nur geträumt? Nachdem sie ihren Kopf ein paar Mal hektisch hin und her gedreht hatte, war sie sich sicher, dass sie in ihrem eigenen Bett lag, alleine und immer noch schwer atmend.

Warum träumte sie derartige Dinge? Und wer war der Mann? Sie war sich sicher, dass es Roman gewesen sein musste, wenn sie auch sein Gesicht nicht gesehen hatte. Zumindest fehlte die Erinnerung daran. Und warum so grob? Früher hatte sie es immer verabscheut, wenn man sie gedrängt hatte beim Sex und jetzt schien sie die Dominanz geradezu genossen zu haben.

Verstohlen schob sie ihre Hand über den Bauch und es war, wie sie befürchtet hatte. Ihr Slip war durchfeuchtet, genau genommen nass, und ihre Lippen und ihre Perle fühlten sich stark geschwollen an. Vorsichtig schob sie den Slip beiseite und fuhr mit ihren Fingern über die gereizte Stelle. Peinlich berührt dachte sie darüber nach, dass sie gerade im Traum einen fulminanten Höhepunkt erlebt hatte, oder waren es am Ende mehr als einer gewesen, sich aber alles andere als befriedigt fühlte.

Ihre Finger tasteten sich an ihren Lippen entlang, so wie sie es sonst am liebsten mochte, doch eine Welle der Begeisterung stellte sich nicht ein. Mit zwei Fingern strich sie an der Perle vorbei und merkte, dass ihr das nicht genügte. Den Druck erhöhend strich sie über die Lippen, klemmte den Lustknopf ein und stimulierte ihn mit ihrem Daumen. Anschließend schob sie zwei Finger in sich hinein, fuhr mit Druck an den Innenseiten ihrer Vagina entlang und sofort kam wieder dieses Wohlgefühl in ihr auf. Nach einigen Minuten lag sie ein weiteres Mal mit klopfendem Herzen, diesmal jedoch spürbar befriedigt, in ihrem Bett und starrte mit verklärtem Blick an die Zimmerdecke.

***

„Schau mal hier, das wäre doch was, oder?"

Die beiden Freundinnen standen vor Klaudias Kleiderschrank und inspizierten das Angebot.

„Das kann ich doch nicht anziehen. Das sieht doch aus, als würde ich ihn anmachen wollen. Mit diesen schmalen Trägern und dem tiefen Ausschnitt, das geht nicht."

Klaudia zog die Augenbrauen hoch und sah ihre Freundin an, dann widmete sie sich wieder ihren Kleidern.

„Was hältst du davon?" Klaudia hielt ein schwarzes Etuikleid in der Hand, welches zwar figurbetont, jedoch nach ihrem Geschmack nicht aufreizend aussah. Den Ausschnitt tief geschnitten, aber mit einem Kragen versehen, der verhinderte, dass zu viel Haut freigelegt wurde, fand Klaudia dieses edle Stück außerordentlich passend.

„Das muss ich zuerst mal anziehen. Gib mal her."

„Mensch Kathi, ich beneide dich echt um deine Hammerfigur", schwärmte Klaudia, als ihre Freundin in Unterwäsche vor ihr stand, um das Kleid zu probieren.

„Wer da nicht schwach wird, der ist blind."

„Ich gehe zum Essen und will niemanden schwach machen", raunte Kathi und stieg in den edlen Stoff. Sie besah sich im Spiegel und strich an sich herunter. Es wunderte sie, dass dieses Kleid Klaudia mal gepasst haben sollte.

„Machst du mal den Reißverschluss zu?"

Während Klaudia das Kleid am Rücken schloss, legte es sich geschmeidig um Kathis Körper.

„Dazu musst du obenrum aber etwas anderes anziehen. Der BH drückt sich nicht schön durch den Stoff und schaut an mehreren Stellen heraus. Zieh das Ding mal aus", sagte sie, öffnete den Reißverschluss wieder und hakte den BH am Rücken auf.

„Hey, das geht doch nicht. Ich kann nicht ohne gehen."

Mit einem schnellen Griff hatte Klaudia den BH von den Schultern geschoben und aufs Bett geworfen. Sie schloss das Kleid wieder am Rücken.

„Sieh mal, das passt doch alles super. Ich kann gar nicht glauben, dass mir das Kleid mal so schön gepasst hat wie dir."

Sie sprach den Gedanken aus, der Kathi eben noch durch den Kopf gegangen war, den sie aber niemals laut äußern würde. Klaudia hatte, seitdem sie mit Xaver zusammen war, tatsächlich zugelegt. Es gibt halt Frauen, die sich gehen lassen, wenn sie einen Partner haben, dachte Kathi.

Wie eine zweite Haut umschmeichelte der schwarze Stoff ihren Oberkörper und lag locker um ihre Hüfte. Dass das Kleid fast bis zum Knie reichte, beruhigte Kathi, wollte sie doch nicht zu auffällig daherkommen.

„Und was mache ich mit den Ärmeln?"

Das Kleid war ärmellos und zeigte ihre muskulösen Schultern, die natürlich gebräunt zur Geltung kamen.

„Gar nichts, du siehst toll aus." Klaudia drückte ihrer Freundin einen Kuss auf die Wange. „Passende Schuhe habe ich auch dazu." Sie kramte im unteren Teil des Schrankes und holte ein paar schwarze Schuhe mit Absatz hervor, bei denen die Füße im vorderen Teil lediglich mit einem Riemen gehalten wurden.

„Tada!", strahlte sie, bückte sich und zog die Schuhe über Kathis gebräunte Füße, die hervorragend in den Schuhen zur Geltung kamen.

„Passt perfekt. Mensch, Kathi, damit bist du das Highlight im gesamten Restaurant. Wo geht es nochmal hin?"

„Das weiß ich gar nicht. Er hat gesagt, er holt mich ab."

„Komm, raus aus dem Fummel, wir gehen schwimmen."

***

„Jetzt erzähle schon, woher kennst du diesen Roman. Er ist Kunde bei euch im Laden gewesen und dann hat er deine Honda repariert? Du lässt doch sonst niemanden an dein Schmuckstück ran."

Die jungen Frauen waren gemeinsam mit Klaudias Knutschkugel, ihrem roten Fiat 500, zur Therme gefahren und paddelten mittlerweile im lauwarmen Wasser des Nichtschwimmerbeckens.

„Er hatte es angeboten und ich dachte, bevor ich sie zur Werkstatt bringe, kann er mal danach sehen. Ich war noch nicht mit dem Kaffee angekommen, da lief sie schon wieder."

„Der hat ja Zauberhände." Klaudia strahlte ihre Freundin an. „Ach, und da hast du dir gedacht, dann könntet ihr auch mal eine Tour machen?"

„Nein, das war sein Vorschlag gewesen. Es war toll, wir waren fast den ganzen Tag unterwegs."

„Fährt er auch, oder hast du ihn hinten drauf mitgenommen?"

„Er hat natürlich selber eine Maschine."

„Und du sagst, er wäre viel älter als du? Mensch, lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen."

„Er ist ein ganzes Stück älter, bestimmt schon über fünfzig."

Kathi erzählte, dass sie vom Regen durchnass geworden waren und dass er sie mit zu sich nach Hause genommen hatte. Die Szene in der Dusche unterschlug sie, soviel wollte sie ihrer Freundin doch noch nicht anvertrauen. Nicht, dass sie auf falsche Gedanken kam.

„Der hat eine riesige Plattensammlung. Wir haben uns unterhalten, über Musik und dies und das und so kam es dann, dass er mir in der nächsten Woche die Eintrittskarte zu dem Konzert geschenkt hat."

„Und, dass er dich aus Bettys Fängen gerettet hat."

„Mensch, ich wurde wach und wusste nicht, wo ich war. Ich habe schon sonst was gedacht." „Und wo war er?"

„Wie, wo war er?"

„Na, ich denke, du warst in seiner Wohnung."

„Ja klar, er lag auf dem Sofa."

„Wie, er lag auf dem Sofa? Mensch, wenn du mir das nicht erzählen willst, mach mich nicht so neugierig. Jetzt will ich es aber wissen. Wo warst du denn, wenn er auf dem Sofa lag? Du warst in seinem Bett, oder was?"

Kathi druckste herum: „Ja, genau. Ich lag in seinem Bett. Er hat mich da hingelegt, nachdem er mich zu sich nach Hause gebracht hat."

„Willst du mich veräppeln? Was ist das denn für einer, der die Frau ins Bett bringt und sich dann... Moment mal, ist der etwa schwul?"

„Ganz sicher nicht", platzte es aus Kathi raus, „er ist eben anständig."

„Soso."

„Was heißt denn hier soso?"

„Mensch Süße, du hast dich aber mächtig in den verguckt, oder?"

„Ach, Quatsch. Er ist halt nett."

Langsam rückte Kathi damit raus, dass Roman am Telefon Moritz eine Ansage gemacht hatte.

„Sag bloß, das hat er zu ihm gesagt. Hammer der Typ."

„Ich sag es dir, das klingt nach romantischer Schwärmerei und so."

„Was will der denn mit mir anfangen, mit so einem jungen Ding?"

Klaudia machte ein mitleidiges Gesicht. „Lass dich umarmen."

Sie streckte ihre Arme aus und schlang ihre Arme um ihre Freundin.

„Du magst ihn, nicht wahr? Und wenn er etwas älter ist, das macht doch nichts."

Die beiden drückten sich fest aneinander.

„Weißt du, Xaver ist auch so ein Engel."

Kathi verzog das Gesicht, was Klaudia nicht sehen konnte. Klaudia erzählte, dass er sie wie am ersten Tag liebte, und der war schon ganze vier Jahre her, und dass er sie ständig überraschte mit irgendwas. Es stand Kathi schon fast zum Hals heraus und dennoch musste Klaudia wiedermal zum Besten geben, dass sie sich liebten, in allen möglichen Positionen und manchmal sogar mehrmals am Tag. Kathi musste sich aus der Umarmung lösen, weil es ihr zu viel wurde. Immer diese Schwärmerei von ihrem Xaver, der so selbstlos war und immer zuerst an seine Freundin dachte und nicht an sich.

Sie zuckte kurz zusammen und tauchte bis zum Hals ins Wasser, weil sich die Türe zum Saunabereich geöffnet hatte.

„Was ist los? Warum versteckst du dich hinter mir?"

„Da ist er", flüsterte Kathi und schob sich hinter ihre Freundin.

„Wer ist wo?" Klaudia stand völlig auf dem Schlauch, darum drehte Kathi sie in die Richtung, aus der Roman das Schwimmbad betreten hatte. Er trug einen Bademantel und stand ziellos vor der Türe, die in den Bereich der Sauna führte. Seine Hände hatte er in den Taschen des Mantels vergraben und schaute sich um.

„Was, der Mördertyp da hinten? Das ist Roman?"

In dem Moment öffnete sich die Türe ein weiteres Mal und eine Frau betrat die Halle. Ihre Haare waren lang, mit grauen Strähnen durchzogen, und sie schwebten um ihr hübsches Gesicht. Der Bademantel, den sie trug, war deutlich kürzer als Romans, vom Stoff her wesentlich dünner und er schmiegte sich eng an ihre sehr feminine Figur. Sie ging auf Roman zu, der seine Hände aus den Taschen nahm und sie umarmte. Fest drückte er sie an sich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor sie sich von ihm verabschiedete.

Kathi und Klaudia sahen ihr mit offenem Mund nach, bis sie das Schwimmbad verlassen hatte. Als sie sich zurückdrehten, war Roman verschwunden.

„Was war das denn?", fragte Klaudia, die als Erste die Sprache wiederfand.

Kathi konnte nichts sagen, sie fühlte sich, als hätte ihr jemand einen Schlag mit der Faust in die Magengrube versetzt.

***

Als Kathi am nächsten Morgen wach wurde, versuchte sie immer noch das Gesehene gedanklich zu sortieren. Klaudia hatte sie nach Hause gebracht, war noch einige Zeit bei ihr geblieben und hatte versucht, sie zu beruhigen und alle Möglichkeiten aufzuzeigen, die zu der Szene im Schwimmbad hätten passen können.

Roman hatte die Frau auf die Stirn geküsst und nicht auf den Mund, das war vielleicht ein Zeichen dafür gewesen, dass es nicht seine Frau oder Geliebte war. Gemeinsam waren sie aber aus der Sauna gekommen, wieder eher ein Zeichen großer Vertrautheit. Dann hatten sie sich umarmt, wie es an sich nur zwei Menschen tun, die sich sehr gerne haben. Sie hatten unter Umständen das gleiche Alter, passten von der Statur gut zusammen, und die Frau war hübsch.

Kurzum, vieles sprach dafür, dass die beiden zusammengehörten.

Warum wollte er dann mit Kathi essen gehen? Hatte sie sich ihm aufgedrängt? Wollte er sich mit ihr treffen, um ihr das alles zu erklären? Und warum dann in einem schicken Restaurant? Warum nicht einfach bei einem Kaffee?

Die junge Frau wurde sich mehr und mehr bewusst, dass ihr einiges an diesem Mann lag, dass er sie faszinierte und dass der Altersunterschied ihr nicht so viel ausmachte, wie gedacht. Im Gegenteil, sie mochte ihn genau deswegen.

Aber, was sollte sie jetzt tun? Sollte sie das Essen absagen, sich irgendeinen Vorwand einfallen lassen? Oder sollte sie, mit dem Wissen, dass es da eine, für viele Beobachter vermutlich passendere, Partnerin gab, sich einfach mit Roman treffen und abwarten, was passierte?

Mittlerweile saß sie am Küchentisch und trank ihre dritte Tasse Kaffee. Die Gedanken hatten sie beim Waschen, beim Zähneputzen und auf der Toilette verfolgt und waren nicht klarer geworden. Gegen Zehn nahm sie ihr Handy und schrieb Roman eine Nachricht. Er solle ihr die Adresse schicken, sie würde selber dorthin kommen, er bräuchte sie nicht abzuholen. Der Gedanke, dass er sie mit dem Auto oder einem Taxi abholen würde und sie stumm neben ihm sitzen musste, machte ihr Angst. Direkt unter Leuten in dem Restaurant auf Roman zu treffen, das wäre ihr wesentlich lieber.

Um sich abzulenken, kaufte Kathi noch etwas für den Sonntag ein, denn sie würde vermutlich voller Kummer den ganzen Tag zu Hause verbringen müssen. Da brauchte man Schokolade, Kekse, Eiscreme, Kartoffelchips und Cola. Außerdem steckte sie noch zwei Schachteln Papiertücher ein, für den Fall der Fälle. Nach dem kargen Frühstück vom Morgen hatte sie zwar noch nichts gegessen, doch dabei würde es bleiben, denn sie verspürte absolut keinen Hunger.

Gegen fünf ging Kathi unter die Dusche. Anschließend kümmerte sie sich um ihr Make Up, dezent, nicht zu auffällig, das würde Roman besser gefallen. Es folgten der Nagellack für die Finger und im gleichen Ton lackierte Füße, die in Klaudias Schuhen besonders glänzten. Sie drapierte ihre Haare gekonnt zu einer Frisur, die sicherlich auffiel und mit der jeder Roman einen Idioten schimpfen würde, wenn er sie alleine nach Hause gehen ließe. Immer wieder ertappte sich Kathi dabei, wie sie verführerisch auf ihn wirken wollte, verführerischer als die Frau im Schwimmbad und verführerischer als irgendeine andere Frau auf der Welt.

Vor ihrem Schrank überlegte Kathi, was sie unter dem Kleid anziehen sollte. Klaudia hatte ihr geraten, den BH wegzulassen, weil der hässliche Streifen hinterließ und eine Strumpfhose passte eh nicht zu ihr. Blieb also nur ein Slip. Satte zehn Minuten brauchte Kathi, um genau den richtigen zu finden, der ihr gefiel, der zu dem Kleid passte und der vielleicht auch Roman gefiel.

Warum eigentlich Roman? Wie kam sie auf einmal auf die Idee, dass irgendwer außer ihr selber den Slip zu Gesicht bekommen könnte?

Ein Blick auf ihr Telefon sagte ihr, dass Roman geantwortet hatte. Er schien etwas enttäuscht, hätte sie liebend gerne abgeholt, aber wenn es nicht anders ginge, warte er am Eingang auf sie. Jedenfalls freue er sich. Darauf folgte die Adresse des Restaurants. Kathi gab sie in die Suchmaschine ein und stieß auf die Seite eines Feinschmeckertempels, an dem sie zwar schon öfter vorbeigegangen war, in den sie sich aber nie hineingetraut hatte. Das Essen dort musste ein kleines Vermögen kosten, wie gut also, dass Roman sie einlud. Noch ein Wehrmutstropfen, der ihr Gemüt beruhigte. Kathi zog das Kleid an und die Schuhe, begutachtete sich nochmal im Spiegel, legte den bereitgelegten Schmuck an, ein Armband und einen Ring, nichts Wertvolles, und fand sich ganz passabel.

Sie suchte die passende Buslinie heraus, legte ihren dünnen Mantel über, nahm die schwarze Handtasche und schloss die Türe hinter sich ab.

Wie versprochen wartete Roman vor dem Eingang des Restaurants und bekam den Mund nicht mehr zu, obwohl er das Kleid noch gar nicht gesehen hatte.

„Kathi, du siehst atemberaubend aus", klang es wie eine belanglose Floskel in ihren Ohren.

„Sollen wir reingehen?", fragte sie etwas schnippisch.

„Ja, klar."

Er ließ ihr den Vortritt, hielt die Tür auf und gab über Kathis Schulter der Dame am Eingang mit der Hand ein Zeichen. Diese trat daraufhin zu der jungen Frau, lächelte sie an, begrüßte sie höflich und nahm ihr wie selbstverständlich den Mantel ab. Etwas verloren sah Kathi sich um. In so einem Lokal war sie noch nie gewesen. Starr stand sie am Eingang und wartete darauf, dass ihr jemand Anweisung gab, was zu tun war.

„Darf ich?" Roman legte ihr eine Hand an den Rücken und deutete ihr, sie solle vorgehen. Kathi spürte die zarte Berührung und wie seine Hand sie sanft auf ihrem Rücken berührte. Sie ging voran, nicht zu schnell, weil sie glaubte, dass es sich in einem Restaurant dieser Kategorie nicht schickte, zu viel Zielstrebigkeit zu zeigen. Die Atmosphäre war gediegen, es war still, man hörte die Leute reden, doch irgendwie hatten es die Architekten oder wer auch immer geschafft, dass man nicht verstehen konnte, was sie sagten. Der ein oder andere und auch die ein oder andere sah kurz auf, jedoch nahmen die Anwesenden zu Kathis Verwunderung nur wenig Notiz von ihr. Mit einem Mal überholte Roman sie und zog einen Stuhl mit einer einladenden Handbewegung zurück. Kathi setzte sich.

Roman nahm ihr gegenüber Platz und das dezente Licht der Tischlampe ließ sie beide in eine intime Stimmung eintauchen. Die Beleuchtung, die Geräuschkulisse, alles verbreitete eine sehr private Atmosphäre.

„Ich weiß, das mag vielleicht kitschig klingen, aber darf ich dir ein Kompliment machen?" Roman wartete, eher aus Höflichkeit, denn aus Erwartung einer Antwort, bevor er weiterredete. „Mir fehlen die Worte, ich habe dich fast nicht wiedrrerkannt. Als du auf mich zukamst, vor dem Eingang, stockte mir ehrlich der Atem."

Kathi konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, denn das war genau das, was sie erreichen wollte: ihn sprachlos zu sehen.

„Das ist nett, danke. Bekommt man hier auch was zu trinken?"

„Ja, sicher, der Kellner kommt bestimmt sofort."

Roman musterte sein Gegenüber ganz genau und bekam sein verschmitztes Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

„Was möchtest du?", fragte er, um davon abzulenken, dass er sie die ganze Zeit über anstarrte.

„Was trinkst du?"

„Magst du Martini?"

„Und Wasser dazu, bitte."

Kathi bemerkte sehr wohl, wie er seinen Blick nicht von ihr wenden konnte und so hatte sie ihre Absicht, Roman die Fassung verlieren zu lassen, nach kurzer Zeit bereits erreicht. Diesmal war sie es, die durch ihre so unfassbar veränderte Erscheinung geheimnisvoll wirkte und damit ihren Gönner und Retter verunsicherte.

Nachdem er sie darauf hingewiesen hatte, dass man in einem solchen Restaurant passend gekleidet erscheinen sollte, hatte er natürlich erwartet, dass sie sich Mühe geben würde. Mit einem solchen Auftritt, der seiner Ansicht nach, ohne despektierlich zu wirken, alle anderen Frauen im Raum in den Schatten stellte, hatte er jedoch beileibe nicht gerechnet. Sogar der Kellner musste sich zwingen, seine Lippen nach dem Reden aufeinander zu pressen, um nicht mit weit geöffnetem Mund da zu stehen. Langsam fing Roman sich wieder und kämpfte sich zu seinem gönnerhaften souveränen Wesen zurück.

Das Essen war Kathi auf einmal gar nicht mehr so wichtig, sie fühlte, dass sie in der Partie die Oberhand erlangt hatte. Seine Worte, seine Verblüfftheit, seine charmante Art, das alles gab ihr Mut, dass sie, obwohl sie beim Betreten des Restaurants ganz anderer Meinung gewesen war, genau hier hingehörte. Das Licht der Lampe, das nur ihnen beiden zu gelten schien und die Stimmung eines intimen Treffens zu zweit vermittelte, gab ihr Auftrieb.

Als Roman sie fragte, ob sie schon gewählt habe, sagte sie kess, er solle doch bitte für sie aussuchen. Ganz entgegen ihrer sonstigen Einstellung, dass Frau selbständig handeln und sich nicht bevormunden lassen sollte, überließ sie ihm die Wahl. Es war mehr eine Anweisung denn eine Bitte, er solle etwas Passendes für sie finden, nicht das, was er wollte, sondern etwas, was ihr gefiel. Sie stellte ihn auf die Probe und Roman erkannte, welche Verantwortung er trug, ihren Bedürfnissen zu genügen. An seinem Blick konnte Kathi ablesen, dass er sich, trotz seiner sonst so souveränen Art, jetzt eher unterwürfig verhielt.

Selbst nachdem sie angestoßen hatten, wartete er, bis sie an ihrem Martini genippt und ihn für gut befunden hatte, bevor auch er trank. Es entstand ein Spiel, bei dem es darum ging, wer den Vorrang behielt. Ein Spiel der Blicke, der Gesten, als Roman seine Hand über den Tisch schob und ihre damit vollkommen bedeckte, und sie es zuließ, nicht zurückzog, sondern ihre Hand dortbehielt und ihre Finger wohlig unter seiner Hand bewegte.

Roman wollte etwas sagen, öffnete den Mund und atmete ein, schien sich die Worte zurecht zu legen, und ließ die Luft langsam wieder entweichen. Er setzte erneut an.

„Roman, du willst etwas sagen?"

„Kathi, ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll."

Diesmal setzte sie an, kam jedoch nicht dazu weiter zu reden.

„Nein, warte. Weißt du, ich bin gerne mit dir zusammen, unternehme gerne etwas mit dir, ja, ich merke, es tut mir gut. Aber uns trennen vermutlich über zwanzig Jahre?" Roman sah sie unschlüssig an.

Kathi nickte, ahnte, was kommen würde, weil sie sich selber schon die Frage gestellt hatte.

„Wäre es nicht richtig, wenn du dich mit Leuten deines Alters umgibst?"

Genau das hatte sie erwartet und doch traf es sie wie ein Schlag, der Vorbote einer Ablehnung.

„Was willst du mir damit sagen? Wir sitzen hier und warten auf das Essen, du hast mich eingeladen." Sie versuchte, ihre Stimme ruhig klingen zu lassen, obwohl sie innerlich aufgewühlt war.

„Kathi", sein Blick wurde ernster, „ich mag dich, sehr sogar. Du bist so jung und frisch und verdammt hübsch." Die letzten beiden Worte flüsterte er nur vor sich hin.

„Und du hast eine Frau und kannst deshalb mit mir keinen Motorradausflug machen?"

„Nein, das ist es nicht. Aber, was versprichst du dir davon, mit mir zusammen zu sein?"

Der Ober kam an den Tisch, zeigte Roman eine Flasche Weißwein, goss etwas ein, als er zustimmte, und nahm die Bestellung entgegen.

„Nein, das ist es nicht?", fragte Kathi, als sie wieder alleine waren. Sollte sie es wagen? Sollte sie ihm sagen, dass sie ihn gesehen hatte?

Sie nahm ihr Glas, drehte es in der Hand, sah wie die kleine Pfütze sich am Rand vorbeischlängelte und setzte es wieder ab.

„Du hast doch eine Frau, oder? Eine Geliebte, nenne es, wie du willst. Und..."

„Nein, wie kommst du darauf?"

„Ich habe euch gesehen."

„Wen hast du gesehen?"

„Ihr kamt aus der Sauna." Jetzt war es raus.

Seine Hand lag immer noch auf ihrer und drückte jetzt fester zu, so, als wolle er sie festhalten, nicht mehr loslassen, bevor alles geklärt wäre.

„Warte mal, du hast uns gesehen, als wir aus der Sauna kamen? Welche Sauna und wann soll das gewesen sein? Und wen hast du gesehen? -- Ach, jetzt verstehe ich. Du meinst gestern. Du warst gestern in der Therme und hast gesehen, wie..." Roman musste lachen. „Das ist herrlich, du bist eifersüchtig?"

Kathi verlor kurz den Boden unter den Füßen. Sie spürte, wie sie dabei war, die Führung im Spiel zu verlieren.

„Machst du dich gerade über mich lustig?"

„Kathi, ich kann dich beruhigen." Der Griff seiner Hand wurde wieder sanfter. Zärtlich strich er mit seinen Fingern über ihre Hand.

„Du hast mich gesehen mit Sofia." Roman hob seinen Kopf und sah ihr direkt in die Augen. Sein Blick nahm etwas Gütiges an, eher mitleidig als streng.

„Sofia ist meine Schwester, meine Zwillingsschwester um genau zu sein. Wir treffen uns ab und zu dort und gehen dann auch schon mal in die Sauna, ja."

Er nahm ihre Hand, hob sie an, legte sie auf seinen Handteller und strich zärtlich mit der anderen darüber. Eine Geste des Friedensschlusses. Das Spiel machte eine Pause und diese Geste sagte ihr, dass es unentschieden stand.

Der Kellner kam mit zwei Tellern und stellte sie auf den Tisch. Kathi nahm gar nicht wahr, was darauf lag und es schien für beide in diesem Moment nicht wichtig zu sein. Stumm nickte Roman ihm zu und ließ ihn wieder gehen, bevor er ihr einen guten Appetit wünschte und begann zu essen. Kathi nahm eine Gabel vom Sortiment und kostete, obwohl sie kaum mehr Hunger hatte.

„Bleibt trotzdem die Frage, was du dir von unserem Treffen versprichst", holte er sie zurück ins Gespräch.

„Sollten wir uns nicht zuerst mal besser kennenlernen und dann entscheiden, was wir uns beide davon versprechen und warum wir hier sitzen?" Sie spürte, dass sie langsam wieder das Spiel übernahm.

„Vielleicht erzählst du erstmal etwas von dir und dann folge ich?"

„In Ordnung", sagte sie nach langsamem Zögern. „Dass du eine Zwillingsschwester hast, weiß ich ja nun schon mal. Ich bin ein Einzelkind." Er nickte zustimmend.

„Und du arbeitest in einer Buchhandlung."

„Und du liest erotische Bücher, die Frauen geschrieben haben." Sie glaubte, einen wunden Punkt getroffen zu haben, doch er nickte nur erneut zustimmend.

„Es gefällt mir, über Empfindungen von Frauen zu lesen, wenn ich mich einsam fühle", öffnete er einen kleinen Spalt in seine Privatsphäre.

„Bist du oft einsam?"

„Bist du es nicht?"

Sie standen beide auf dem Platz, auf dem dieses Spiel stattfand, und sie standen auf gegenüberliegenden Seiten, durch ein dichtes Netz getrennt. Kathi musste auf seine Seite, wenn sie etwas von diesem geheimnisvollen Mann erfahren wollte, darum wagte sie den ersten Schritt.

„Du fragst dich, warum ich mich nicht mit gleichaltrigen Leuten umgeben möchte. Sagen wir mal, ich habe schlechte Erfahrungen gemacht."

„Er hat dich betrogen?" Kathi merkte, dass sie unbewusst die Tür zu weit geöffnet hatte und er war einfach eingetreten.

„Nein, das hat er nicht. Oder, ich weiß nicht, ob er es hat, ich glaube aber nicht."

„Moritz hat dich schlecht behandelt?"

„Also, er hat mir nicht wehgetan oder so etwas. Er hat mir einfach nicht gutgetan." Sie spürte, wie sie Roman Stück für Stück in ihr Privatleben hineinließ und dieses Mal war es ihr recht.

„Diese jungen Kerle, die wissen oft nicht, wie sie eine Frau behandeln sollen. Sie finden es toll, von ihnen begehrt zu werden und sie gleichermaßen zu begehren, doch eine Frau verdient mehr als das. Wie lange ist es her, dass du ihn verlassen hast?"

Er drang immer weiter vor und auf einmal fürchtete sie sich wieder.

„Wie ist es denn bei dir?", fragte sie. „Keine Frau, keine Familie, außer Sofia natürlich?"

„Nein, das hat sich nie ergeben." Er stockte. „Die Umstände gaben es nicht her."

„Möchtest du nicht langsam dein Geheimnis ein wenig lüften? Ich denke, es täte uns beiden gut, wenn du etwas von dir erzählen würdest, meinst du nicht? Was hast du gearbeitet? Bordellkönig warst du also nicht?"

Der Kellner kam mit dem zweiten Gang, doch keine der beiden beachtete ihn.

„Weißt du, was ein Gigolo ist?"

Kathi hatte gerade einen Bissen mit der Gabel in ihren Mund gelegt und verschluckte sich fast daran.

„Entschuldige, das wollte ich nicht", sagte er und reichte ihr die Serviette.

„Ein Gigolo? Was soll das sein?"

„Ich kann dir sagen, was ich gemacht habe. Ich habe dafür gesorgt, dass Frauen sich wohlfühlen."

Kathi musste lachen.

„Du hast Rasen gemäht und Glühbirnen ausgetauscht, die Wäsche für sie gemacht und gekocht? Ist es das, was du mir jetzt allen Ernstes sagen willst?"

„Ich weiß nicht, ob Rasenmähen auch zu den Schlüsselaufgaben eines Gigolos gehört, aber ich habe ihnen das gegeben, was sie sich wünschten."

Ihr wurde warm. Sie kannte das Wort aus einer anderen Sprache und dort bedeutete es ‚Tänzer'. Hatte er getanzt? Was sollte das?

„Du hast mit Frauen getanzt?", schoss sie ins Blaue.

„Ja, das auch. Manchmal waren wir dabei auch unbekleidet."

Sie hatte vorgesorgt und den Bissen auf ihrer Gabel erst in den Mund genommen, nachdem er gesprochen hatte.

„Entschuldige, aber ist ein Gigolo das gleiche wie ein Callboy?"

„So ähnlich, nur dass ich feste Kundinnen hatte und ein Callboy nicht." Er sagte dies mit einer Selbstverständlichkeit, als erzähle er ihr, dass er Autos verkaufte.

„Du hast Frauen den Mann ersetzt? Vielen Frauen?"

„Nicht so vielen. Was nennst du viele?"

Sie wollte es nicht wissen. Das musste sie erstmal verdauen. Der Mann, der sich ihr gegenüber so ehrenhaft gegeben hatte, war in Wirklichkeit ein männlicher Prostituierter gewesen. Sie hätte sich vieles vorstellen können, nur das nicht. Und doch interessierte es sie ungemein, mehr darüber zu erfahren. Nicht, was er mit den Frauen angestellt hatte oder um welche Frauen es sich handelte, sondern warum man so etwas tat und wie man überhaupt dazu kam. Sie schob den Teller zur Seite.

„Erzähle mir bitte mehr. Ist das ein Ausbildungsberuf?" Sie lachte.

Roman schob seinen Teller ebenfalls zur Seite und begann zu erzählen.

Endlich, so hatte Kathi den Eindruck, standen sie auf der gleichen Seite des Spielfeldes und das Ergebnis war unwichtig geworden. Am Ende erfuhr sie, dass eine seiner Kundinnen, wie er sie nannte, das Haus gehört hatte, in dem er lebte. Aus lauter Dankbarkeit hatte sie, weil sie keine Nachkommen hatte, es ihm vererbt. Und immer weiter reifte in ihr die Erkenntnis, mehr von diesem geheimnisvollen Mann zu erfahren, der sein ganzes Leben damit verbracht hatte, Frauen glücklich zu machen. Dass es Frauen gab, die sich Liebe kauften, war ihr schon bewusst, doch sie hatte es immer für eine ausgefallene Nische gehalten, traurige Einzelfälle, doch durch Roman erfuhr sie, dass es ein regelrechtes Geschäftsmodell war.

„Und deine Schwester wusste davon, was du machst?"

„Natürlich wusste sie das."

„Und was machst du jetzt? Ich meine, hast du noch Kundinnen?"

„Jetzt willst du es aber genau wissen." Roman musste lachen. War Kathi zu Beginn des Abends noch der unerreichbare Vamp, hatte sie mit und mit ihre jugendliche Frische zurückerlangt.

„Jetzt bin ich Privatier."

„Und was ist das jetzt schon wieder?"

„Na, sagen wir mal, ich bin in Rente, ohne Rente zu bekommen."

„Und du lebst so in den Tag hinein, liest ab und zu ein erotisches Buch und wartest auf das Ende?"

Erheitert sah er sie an. „Nein, nebenbei helfe ich meiner Schwester, sie hat eine Schule, in der sie Kinder und Jugendliche in Selbstverteidigung ausbildet. Hauptsächlich sind es Mädchen, die dort hinkommen, um ihr Selbstbewusstsein zurück zu erlangen und zu stärken."

Ihr Staunen konnte Kathi nun kaum noch verbergen. Roman war ihr nicht nur sympathisch, sie bewunderte ihn geradezu, als er davon erzählte, dass seine Schwester Sofia, als Teenager selbst mal Opfer eines Angriffs gewesen, bei dem junge Kerle versucht hatten, ihr zu nahe zu kommen, sozusagen gezwungenermaßen zur Selbstverteidigung gefunden und sich soweit gesteigert hatte, dass sie selber eine solche Schule eröffnet hatte. Roman, der schon früh viel und gerne Sport getrieben hatte und durch einen Trainer auch zum brasilianischen Jiu-Jitsu gekommen war, trainierte von Beginn an in dieser Schule Kinder und Jugendliche.

Gedanklich schien Roman für Kathi mittlerweile alle Türen geöffnet und ihr einen gesamten Rundgang durch sein Leben erlaubt zu haben. Dass er ihr dadurch nicht nur einen kompletten Blick hinter die Kulisse geboten, sondern sich noch interessanter für seine Tischnachbarin und Motorradfreundin gemacht hatte, davon ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Den nächsten Gang genossen die beiden und konnten sich zum ersten Mal an diesem Abend auf das vorzügliche Essen konzentrieren.

„Weißt du, dass du mit dem Essen hier sehr viel gemeinsam hast?", fragte Roman und wischte mit der Serviette an seinem Mund.

„Was meinst du jetzt schon wieder?" Ihr Lachen klang mittlerweile nicht mehr gedämpft, sondern ausgelassen, als seien sie tatsächlich alleine in dem Restaurant. Und doch nahm niemand Notiz davon.

„Ihr beide seid perfekt."

Sofort verstummte sie. Er wollte ihr schmeicheln, doch auf solche Aussagen, die immer und immer wieder ausschließlich ihr Äußeres herausstellten, reagierte Kathi im Moment allergisch. Das machte die Erfahrung der letzten Jahre.

„Du liebst alte Sachen und doch strahlst du Jugend aus, zeigst dich interessiert an vielem, fährst Motorrad, bist selbstbewusst, obwohl du es nicht jedem direkt auf die Nase bindest, was in dir steckt. Und wenn man sich länger mit dir beschäftigt, steckst du voller Geheimnisse."

An diesem Punkt musste Kathi trocken schlucken. Damit hatte sie nicht gerechnet.

„Du sagst nichts."

„Lass uns weiter essen", erwiderte Kathi und schob sich die Gabel in den Mund, um ihre Verlegenheit zu überspielen.

„Weißt du, in letzter Zeit habe ich Schwierigkeiten mit Komplimenten", setzte sie nach, nachdem sie ihren Teller geleert hatte.

„War alles in Ordnung", fragte der Kellner, als er abräumte.

„Alles zur vollsten Zufriedenheit", wollte Kathi ihm erwidern, verkniff sich jedoch eine Antwort.

Stattdessen nickte Roman ihm erneut zu, strich sich die Serviette über die Lippe und sah in Kathis zufriedenes Gesicht, die ihm ein Lächeln schenkte, das schöner nicht hätte sein können.

„Einen Espresso zum Abschluss", fragte der Kellner höflich.

Beide winkten ab.

***

Langsam wurde Kathi wach, öffnete die Augen und musste blinzeln, weil die Sonne zum Fenster hereinschien. Ihr Blick fiel auf den Vorhang, der ihren Schlafbereich vom Rest der Wohnung trennte, und sie schmunzelte.

Sie ließ den vergangenen Abend an ihrem geistigen Auge vorbeilaufen, dachte sich zurück zu der Stelle, wo Roman ein Taxi bestellt, ihr die Tür aufgehalten und sein Jacket schützend über sie gehalten hatte, weil es angefangen hatte zu regnen.

Er war neben ihr eingestiegen und hatte dem Fahrer das Ziel genannt. Sie hatte ihn angesehen und sein Bein mit ihrer Hand berührt. In ihr waren in diesem Augenblick alle Hemmungen gefallen. Stumm hatte sie ihre langen Finger über seinen Oberschenkel streichen lassen, hatte ihm damit sagen wollen, dass ihr der Abend gefallen hatte, und dann hatte er sein Gesicht zu ihr gewandt, hatte ihr versichert, dass es ihm genauso ging wie ihr, und war nähergekommen. Sie hatten sich geküsst. Schüchtern, zurückhaltend und unsicher hatten sich ihre Lippen berührt.

Auf einmal wurden die Bilder in ihrem Kopf wieder real. Sie erwartete, dass sie rau sein würden, doch da hatte sie sich getäuscht. Hatte er sie nass gemacht, damit gerechnet und vorsorglich seine Zunge darüber gleiten lassen? Es schmeckte gut, männlich, mit einem Hauch von Moschus. Oder war es sein Parfum? Scheu wich sie zurück, wollte nicht, dass er glaubte, sie sei leicht zu haben, obwohl sie in diesem Moment genau das war. Leicht zu haben und sich sicher, dass es heute passieren würde.

Kathi fühlte sich zurück in die Situation im Taxi und sofort hatte sie wieder den Geschmack auf ihren Lippen. Sie sprachen nicht, auch nicht, als er seine Hand über ihre schob und sie streichelte. Die Fahrt dauerte nicht lange und doch kam es ihr endlos vor. Seine Hand auf ihrer, so warm, so zärtlich, wie man es nicht erwarten würde, wenn man ihn sah. Gerne hätte sie ihrer beide Hände von seinem auf ihren Oberschenkel wechseln lassen, doch ihr schien das zu eindeutig. Kathi fing an, über sein Bein zu streichen, nahm seine Hand mit, bemerkte, wie er zuckte, wenn sie hochstrich und wie er entspannte, wenn sie sich wieder zum Ausgangspunkt zurückbewegte. Dabei sah sie aus dem Fenster auf der anderen Seite, um ihm nicht in die Augen sehen zu müssen. Sie genoss, wie er reagierte, wenn sie ihre Finger auf seinem Bein bewegte, wie er hörbar atmete, wie sie ihn in der Hand hatte und ihn dirigieren konnte. Einmal war sie zu weit gegangen, berührte fast seinen Schritt, zog erschrocken zurück, weil sie etwas spürte, was sie nicht erwartete. War es das gewesen, was sie vermutete? Weich wie ein Taschentuch war es jedenfalls nicht.

Plötzlich hielt das Taxi an. Sie standen vor dem Haus, in dem sie wohnte. Kathi hielt es nicht mehr aus, sah ihn an und drückte ihre Hand fester auf seinen Oberschenkel. Ihr Blick und ihre Berührung sollten ihm sagen, dass er mit hochkommen solle, aber er zögerte. Erst als sie seine Hand erfasste und ihn mitziehen wollte, verstand er, holte ein paar Geldscheine hervor und reichte sie dem Taxifahrer. Dessen Antwort hatte sie nicht verstanden, umnebelt von der Vorfreude. Dann stiegen sie aus und ließen den Mercedes wegfahren.

Einladend nahm sie seine Hand. Minuten später hörte sie sich sagen, dass sie sich etwas Bequemeres anziehen wollte, streifte die Schuhe ab und bot ihm einen Platz auf dem Sofa an. Er sollte in der ersten Reihe sitzen, wenn die Show begann. Wie auf Samtpfoten schob sie sich hinter den Vorhang zwischen Wohn- und Schlafbereich und verschwand in der Dunkelheit. Sie erinnerte sich daran, dass sie seufzen musste und hoffte, er hätte es nicht gehört. Dann legte sie ein dünnes rotes Tuch über die Nachtischlampe und knipste sie an.

Genau konnte sie sich vorstellen, wie es für ihn ausgesehen haben musste, wie sich ihr Schatten auf dem Vorhang im Licht der Lampe abzeichnete, wie er schärfer wurde, je näher sie dem Vorhang kam. Vermutlich saß er in diesem Moment mit trockenem Mund auf ihrem Sofa und sah ihr zu, wie sie langsam den Reißverschluss von Klaudias Kleid öffnete, wie sie im oberen Regal nach einem T-Shirt griff, sich dabei auf die Zehenspitzen stellen und ihren Körper strecken musste und wie sich ihre Silhouette auf dem Vorhang abzeichnete. Sie befreite zuerst einen, dann den anderen Arm von dem Träger und nach endlosen Sekunden ließ sie das Kleid zu Boden gleiten. In ihrer Brust spannte es, ein Gefühl, das sie kannte, wenn sie angeheizt war und sich ihre Brustwarzen zusammenzogen. Noch näher an den Stoff getreten, musste er bemerken, was in ihr vorging, wie sich ihre Knospen verlangend nach Berührung aufrichteten und den Gipfel ihrer lustvollen Rundung markierten.

Unbeholfen faltete sie das T-Shirt auseinander, konnte sich genau vorstellen, wie es wirken musste, wenn sie, nackt bis auf ihr Höschen, das er sicherlich nicht erkennen konnte, hinter dem Vorhang stand und ihm ihren anscheinend nackten Körper als Schattenschnitt präsentierte.

Zu lange hatte sie gewartet, hatte so getan, als wäre sie ungeschickt beim Anziehen. Dann endlich hörte sie seine Schritte.

***

Kathi lag in ihrem Bett, tastete mit den Händen unter der Decke zur Seite und erschrak. Dann hörte sie die Klospülung, lächelte in sich hinein und drehte sich auf die Seite. Leise Schritte näherten sich dem Bett und sie spürte, wie sich die Decke hob. Einen Augenblick später schob sich eine Hand über ihre Hüfte und streichelte ihren Bauch. Kathi stellte sich schlafend und genoss die Wärme in ihrem Rücken, ausgelöst durch den behaarten Körper, der sich an sie schmiegte. Sie seufzte kurz auf und versank gedanklich wieder in die Situation hinter dem Vorhang.

***

Sie spürte seinen Atem in ihrem Nacken, als er einen Kuss auf ihre sensible Haut hauchte, wie ihr gesamter Körper reagierte und von einer wohligen Gänsehaut überzogen wurde. Das T-Shirt beschämt an sich gedrückt, erwartete sie seinen Mund oder seine Finger auf ihrer nackten Haut. Die Augen geschlossen spürte sie, wie er seine Lippen seitlich auf ihren Hals legte, sie küsste, wie er ihre Botenstoffe in Aufruhr versetzte, als er mit seinem Mund auf der Haut über ihre Schulter glitt. Gleichzeitig überraschten Finger sie an ihrer Hüfte, ließen sie erschaudern, weil sie an ihrer Seite nach oben strichen und auf ihrem Arm wieder nach unten glitten. Er flüsterte ihr etwas zu, doch sie verstand es nicht.

„Nicht reden", entgegnete sie und schloss die Augen.

Seine Finger waren wieder auf ihrer Hand angelangt und sein Mund wieder in ihrem Nacken. Kathi entspannte sich, ließ ihre Arme und das T-Shirt sinken und gab den Weg frei für weitere prickelnde Berührungen.

Mutig streiften seine Finger seitlich an ihrer Brust vorbei, doch die war nicht ihr Ziel. Am Kinn angelangt berührten sie ihre Lippen, strichen darüber und beinahe hätte sie den Mund geöffnet und sie hineingelassen, ihre Zunge darüber gleiten lassen, sie geschmeckt und sich an ihnen vergangen. Doch sie entzogen sich ihr, zu schnell, als dass sie reagieren konnte, streichelten sich an ihrem Hals entlang wieder nach unten. Kathi zuckte zusammen, weil seine Lippen die Stelle hinter ihrem Ohr berührten, seine Zunge sich am Ohrläppchen zu schaffen machte und wohlige Wellen in ihr auslöste. Eine zweite Hand glitt an ihrer Hüfte vorbei auf ihren Bauch, fand das Bündchen ihres Höschens, scherte sich nicht daran und schob sich einfach darunter.

Willenlos stellte sie ihre Beine etwas weiter auseinander und fühlte, wie die Finger an dem Ansatz der krausen Haare stoppten, wie sie genüsslich darin kreisten und behutsam der empfindlich gereizten Stelle näherkamen. Kathi atmete heftig in gespannter Erwartung und entspannte sich, als er endlich seine hohle Hand in voller Breite über die geschwollenen Lippen ihrer Muschel stülpte, sie dortbehielt und ihr Zeit gab, sich daran zu gewöhnen. Gleichzeitig streifte die andere Hand des Mannes, der hinter ihr stand und sich zum Ziel gesetzt hatte, ihr gut zu tun, an ihrer Brust vorbei und löste schaurige Wellen in ihr aus. Sie spürte seinen Finger in der Nähe ihrer harten Krone, die gereizt auf ihrer wunderschönen Wölbung thronte, fühlte wie er sich behutsam aber zielgenau vorgenommen hatte, sie dort zu streicheln, während die Finger in ihrem Schritt mit einem langsamen und leisen Piano ihre Muschel verwöhnten.

Sie zerfloss geradezu unter den wohltuenden Liebkosungen und ihre Lust steigerte sich mit jeder Berührung. Gerne hätte sie sich augenblicklich revanchiert, war dazu im Moment aber einfach nicht in der Lage. Übermannt von der Zärtlichkeit und dem sich immer steigernden Gefühl, das sich in ihr breitmachte, stöhnte sie und erschrak sofort ob der Lautstärke ihres klingenden Wohlbehagens. Als sich zwei Finger in ihrem Schritt um die lüstern geschwollene Perle legten, sich in die Falten daneben schoben und die Hautfalte langsam nach oben zogen, ihre Lippen spannten und die Perle ihrer schützenden Haut beraubten, war es ihr gleichgültig, wie laut sie wimmerte und stöhnte. Benebelt von den Empfindungen, krampften sich ihre Beine zusammen, um sich gleich darauf wieder zu öffnen und weitere Stimulation einzufordern. Immer wenn ihre Muschel entspannt wurde, sehnte sie sich nach mehr. Jedes Mal, wenn die Finger dann auch noch zurückglitten und sanft an der Perle vorbeistrichen, zuckte sie zusammen und stöhnte erleichtert auf. Wie gelähmt krallten sich ihre Finger um das T-Shirt in ihrer Hand, ihr Becken bewegte sich, angestachelt von den Fingern in ihrem Schritt, und ihr Oberkörper drückte sich der Hand an ihrer Brust entgegen.

Mit herausgestrecktem Po und zum Hohlkreuz gebogenen Rücken streckte sie ihren Kopf zurück und drückte sich mit beiden Händen das T-Shirt ins Gesicht, während die Finger dieses Wohltäters sie unerträglich langsam in den Wahnsinn trieben. Ein wiederkehrendes Spiel aus Spannung, Entspannung und rastloser Stimulation ihrer empfindlichen Knospe nahm seinen Lauf und war nicht mehr zu bremsen. Das Ziel war gesetzt und für Kathi war es unmöglich, diesem zu entkommen. Wenn sie mehr verlangte, bekam sie mehr. Mehr Tempo, mehr Druck und noch mehr wohliges Empfinden in ihrem Bauch, schenkte ihr Roman, der sie lesen konnte, wie ein spannendes Buch. Facettenreich umspielte er unentwegt die richtigen Knöpfe und schob sie weiter auf der Leiter der Lust, bis dieses leise Kribbeln in ihrem gesamten Körper schlagartig laut wurde, begann zu brennen und ihr die Luft zu rauben, sie erschaudern ließ und ihren Körper in ein vibrierendes Knäuel aus fleischgewordener Willenlosigkeit verwandelte. Seine Finger vollführten ein wahres Kunstwerk, zündeten ein Feuerwerk nach dem anderen, bis mächtig, kraftvoll und erlösend der Höhepunkt über sie hereinbrach. Sie hatte ihn kommen hören, hatte ihn sehnlich erwartet und sie spürte, wie sie festgehalten wurde. Im Gefühl und, um nicht zu stürzen, hielt Roman seine Hände fest auf ihr, hielt sie und gab ihr Sicherheit. Sie konnte loslassen und wurde in einen Wirbelsturm geschossen, hinaufgeschleudert wie ein leichtes Blatt Papier.

Es dauerte eine Zeit, bis der Sturm abflachte und sie wieder auf die Erde sinken ließ, sie sich wiederfand in einer sinnlichen Umarmung und Romans Atem auf ihrer Schulter spürte. Eine Berührung seiner Lippen, ein Kuss auf ihrer Haut, ein Zeichen, dass sie wieder angekommen war, jagte ihr erneut einen Schauer durch den Körper. Diese wohltuenden Hände, die sie hielten, so zärtlich, die ihr eben noch so gutgetan hatten, legten sie auf ihr Bett, nahmen ihr das T-Shirt ab und zogen ihr das Höschen aus, das sie immer noch trug.

Sprachlos sah sie zu, wie Roman es sich ans Gesicht hielt, daran roch und sie zufrieden anlächelte. Sie wollte ihm sagen, dass er sich ausziehen solle, weil sie nicht in der Lage dazu war, dass er sich hinlegen und sie in den Arm nehmen solle, doch ihr Mund war trocken und sie brachte nur einen gequälten Laut hervor. Er musste verstanden haben, denn er tat genau das. Er zog sich aus bis auf die Haut, türmte ganz gemächlich seine Sachen zusammen und legte sich zu ihr. Seine Arme schlangen sich um sie und sie fühlte sich wohl wie lange nicht.

„Geht es dir gut?", fragte Roman, bekam jedoch keine Antwort.

Es dauerte eine Weile, bis sie auf ihn kletterte, seinen gesamten Körper mit ihren Händen abfuhr, ihn streichelte und bereit war für Weiteres.

„Mir geht es großartig, und dir?"

Sein großes Stück drückte zwischen ihren Beinen auf die Venus, die nass, warm und empfindlich gereizt auf ihm ruhte, weckte nur kurz in Vergessenheit geratene Empfindungen, doch er drängte sie zu nichts.

Solch selbstloses Verhalten hatte sie bisher bei keinem Mann kennengelernt und das weckte umso mehr ihr Verlangen, sich ihm zu schenken.

Langsam bewegte sie sich auf ihm und wie von selbst nahm sie ihn auf, Stückchen für Stückchen versenkte sie ihn mit ihrem kreisenden Becken in sich.

„Du bist so atemberaubend", bekam er gerade noch raus. Sie spürte seine Hände auf ihrem Bauch, die sie dort zärtlich streichelten und den dünnen Schweißfilm verrieben. Kathi nahm seine Hände und führte sie dorthin, wo sie sie haben wollte, zeigte ihm, dass sie es jetzt fester brauchte, knetete selbst ihre Brustwarzen, bis sie es ihn übernehmen ließ.

Mit auf seine Brust gestützten Händen schob Kathi ihre Füße auf seine Oberschenkel, weil sie Respekt hatte vor seinem mächtigen Gemächt und Angst, er würde ihr wehtun, wenn er vollständig in ihr vorstoßen würde. Jetzt konnte sie damit beginnen, auf seinem strammen Stück Fleisch auf- und abzufahren, sich und ihn in Fahrt zu bringen und richtig loszulegen. Es war herrlich, wie er sie ausfüllte, wie er endorphine Knospen eine nach der anderen zum Zerspringen brachte. Das Kribbeln in ihr drin wurde schon wieder lauter, obwohl sie auskosten wollte, mit ansehen wollte, wie er die Augen verdrehte, wie er stillhielt, weil er es nicht mehr halten konnte. Wie er versuchen würde, sich zurückzuhalten, auszukosten, den Moment hinauszuzögern, doch ihr Empfinden war zu groß, als dass sie sich zurückhalten konnte. Ihr jugendlicher Tatendrang zwang sie dazu, sich zu bewegen, dieses gute Stück immer und immer wieder in sich aufzunehmen und sich daran zu vergehen, es an den Wänden ihrer Muschel vorbeistreifen zu lassen, damit es ihr guttat, bis die Blase in ihr platzte wie ein Ballon und Glücksgefühle durch ihren gesamten Körper strömten. Erschöpft sank Kathi auf ihm zusammen.

Sie hatte gar nicht mitbekommen, wie er, selber übermannt von den Empfindungen, sich unter ihr versteift, in ihr drin gezuckt und ihr seine gesamte Lust als Geschenk hinterlassen hatte. Kathi hatte glatt ihren Einsatz auf dem Beobachtungsposten dieses aufregenden Lustspiels verpasst.

Ihre Lippen fanden sich, berührten sich zärtlich. Beruhigend küsste sein Mund all die kleinen Stellen in ihrem Gesicht, fand erneut den ihren und beide versanken in einen leidenschaftlichen Kuss.

Das gemeine Drehbuch sah ein ausgiebiges Schmusen vor Beginn weiterer körperlichen Aktivitäten vor, doch sie waren bewusst davon abgewichen, hatten die Einleitung ans Ende gesetzt.

Geschafft glitt Kathi von ihrem Liebhaber, ließ sich in seine Arme sinken, fand seine Lippen und ließ den verbliebenen Funken der Leidenschaft nicht erlöschen.

***

Hinter ihr hörte sie ein leises Schnurren. Roman war offensichtlich wieder weggenickt. Aufgewühlt, weil sie die letzte Nacht in Gedanken ein weiteres Mal erlebt hatte, schob sie seine Hand von ihrem Bauch, schlug die Decke zurück und rollte sich vorsichtig aus dem Bett. Ein letzter Blick, ein zufriedenes Lächeln, dann schlich sie ins Bad.

Lauwarmes Wasser rann über ihren Körper und sie entspannte sich. Absichtlich hielt sie die Augen geschlossen, weil sie sich sicher war, dass er ihr irgendwann folgen würde. Es gab gar keinen Zweifel daran, dass sie sich entschieden hatte. Altersunterschied hin oder her, hier waren zwei Menschen, die Lust aufeinander gehabt hatten und niemand hätte sie davon abhalten können, diese Lust so oft und so lange auszuleben, wie es ihnen beliebte.

Es dauerte eine ganze Weile und doch war Kathi nicht überrascht, als sie seine Hände auf ihren Schultern spürte, wie er sie sanft darauflegte und sie nach einiger Zeit über die Arme herabgleiten ließ.

„Guten Morgen meine Schöne", flüsterte er ihr ins Ohr, während ganz langsam, jeden Sensor ihrer Haut betätigend, diese starken Zauberhände an ihren Armen herunterwanderten, bis sich ihre Finger trafen und ineinander verschränkten. Sie lehnte sich zurück und ihre Schultern berührten seine Brust, legten sich an die graubehaarten muskulösen Ausprägungen.

Mutiger geworden drückte sie ihren Po ein wenig zurück, wollte wissen, was noch von ihm zu spüren war und merkte, wie etwas dickes Langes sich zwischen ihre Backen schmiegte. Fest drückte sie ihren Po daran, wollte es spüren, es reizen und sich daran reiben.

„Guten Morgen ihr Beiden", gab sie schmunzelnd zurück und führte seine Hände auf ihren Bauch, legte sie dort ab und wünschte sich, sie würden sie streicheln, sinnlich und behutsam über ihre Haut gleiten. Er zog sie zurück und fuhr stattdessen mit den Fingern an ihren Seiten hoch, ließ sie erschaudern und lenkte in die Gegenrichtung, wo sich die Finger, an den kleinen Wölbungen ihres Apfelpos vorbei, bis auf ihre Oberschenkel erstreckten.

Immer noch die Augen geschlossen, nahm sie wahr, dass die Hände sie verließen, das Wasser abgestellt wurde und ein leises Ploppen zu hören war. Im nächsten Moment fühlte sie, wie seine Hände sich auf ihren Bauch legten und dort eine schleimige Masse verrieben. Genau, sie war zum Duschen da. Kathi streckte ihre Arme nach oben, versuchte seinen Kopf zu fassen zu bekommen, verschränkte ihre Finger in seinem Nacken und genoss, wie er sanft die Waschlotion auf ihrem Körper verteilte. Nach dem Bauch waren die Seiten dran, bis hoch in ihre Achseln. Ein Kichern und eine Gänsehaut waren die Folge, als seine Fingerspitzen die empfindliche Haut dort berührten. Jetzt wünschte sie sich, er würde sich ihren Brüsten widmen, die empfindlich gereizt bereitstanden, seine zärtlichen Hände zu empfangen. Diesen Gefallen tat er ihr nicht, er verteilte den Rest des Schaumes an ihrem Hals und darunter, ließ die lieblichen Wölbungen bewusst aus und spannte die Beschenkte damit umso mehr auf die Folter.

Sein Mund lag auf ihrem Hinterkopf. Fest presste er seine Lippen auf ihr Haar, küsste sie dort, bevor er endlich seine Hände tiefer wandern ließ, mit den Fingerspitzen die empfindlich gereizten Brüste umkreiste, um sie eine nach der anderen in die Hand zu nehmen. Die beiden Erbstücke ihrer Mutter passten in seine Hände, wurden vollends umschlossen und mit den Fingern massiert und verursachten ein erstes Keuchen in die Stille des Duschraumes. Dass dabei ihre hervorstehenden Brustwarzen zwischen seinen Fingern eingeklemmt und bis aufs Letzte gereizt wurden, machte Kathi nur noch rasender.

Am liebsten hätte sie ihre Hände heruntergenommen und seine Männlichkeit umfasst, die fest an ihrem Po drückte, doch zu schön war die Behäbigkeit, mit der er vorging, zu vielfältig seine Berührungen, wenn er an ihrem Ohr züngelte, ihren Nacken küsste, ihr Ohrläppchen zwischen die Lippen nahm und daran lutschte. Die großen Hände, die lange nicht mehr nur ihre Brüste begutachteten, sondern überall auf ihrem Oberkörper zu spüren waren, entfachten in Kathi langsam aber sicher ein Feuer, das gelöscht werden musste.

Ein erlösender Seufzer war zu hören, als endlich eine der großen Hände sich prüfend auf den Weg in ihren Schoß machte, die Finger das nasse krause Haar berührten, sich nicht beirren ließen und sich in ihrem Schritt ausbreiteten, sie dort bedeckte, wo nicht mehr nur das Duschwasser dafür sorgte, dass es nass war. Das Spiel der Finger, das ‚Für Elise', welches er, wie Beethoven auf dem Piano, auf ihrer Vulva variantenreich vollführte, ebnete ihren Weg in den Wahnsinn. Er tastete sich vor wie ein Nichtsehender beim Lesen der Blindenschrift und kannte die Geschichte nach kurzer Zeit auswendig, wusste, wo er wie die Klaviatur bedienen musste, und wurde mit einem wohligen Zucken seiner Spielpartnerin belohnt, die sich noch enger an ihn drückte, ihren Körper krümmen und ihre Hände in seinem Nacken lösen musste, sicher gehalten wurde vom Musiker, bis sie sich erholt hatte.

Gerade als sie sich umdrehen und sich bedanken wollte, reichte Roman ihr die Flasche mit der Waschlotion und gab einen gehörigen Fleck auf ihre Hände, die daraufhin mit der Reinigung seiner Brust begannen. Schnell strich sie über seinen Bauch, wollte sich überzeugen, dass es dem Stück Fleisch, das an ihrem Haardreieck drückte, gutging, umfasste es mit einer Hand und brauchte auch ihre zweite, um den Schaum darauf zu verteilen, da erfasste er ihre Hände, hinderte sie daran, zu behände ans Werk zu gehen und löste sie von seiner Männlichkeit.

Seinerseits legte er seine Arme um ihre Taille und fuhr ohne Vorwarnung über die beiden Backen ihres Pos, um einen Finger direkt in die Falte zu legen und der Führung zu folgen, bis sie ihn am hinteren Eingang ihres Paradieses spürte. Fest presste er ihren Unterleib an seinen Schritt und wusch sie dort, wo sie ihn später noch einmal spüren wollte. Sie tat es ihm gleich, führte ihre Hände über seinen Hintern und ließ sie an die intimste Stelle gleiten, die ein Mensch zu bieten hat.

Abermals stellte Roman das Wasser an und sie sahen sich tief in die Augen, während der Schaum den Abfluss herabfloss. Anschließend drehte er das Wasser ab und reichte ihr ein Handtuch. Wortlos trockneten sie sich ab, musterten sich, ließen einen scheuen Blick über die nackten Körper streifen, die sie bislang im schummrigen Licht mehr spüren als beobachten durften, schauten sich dabei immer wieder tief in die Augen und verstanden sich stumm, sprachen kein Wort und doch wussten beide, was den anderen bewegte. Ohne zu reden waren sie sich einig und sich bewusst, dass dieser Tag noch Prickelndes für sie bereithielt.

Obwohl Kathi scharf war wie die Sichel vom Mond, nahm sie die Bürste und kämmte vor dem Spiegel ihr langes feuchtes Haar und beobachtete den älteren Mann, der ungläubig dreinschauend hinter ihr stand. Mit leichtem Druck wurden ihre Beine auseinandergeschoben und sofort schob sich etwas an ihren Lippen entlang und schleimte sich bei ihrer nassen Freundin ein. Die Bürste verharrte, weil es wichtigeres zu tun gab. Kathi musste schlucken, denn damit hatte sie nicht gerechnet. Aufdringlich wurden ihre Lippen geweitet. Stetig schob sich die pralle Eichel in sie hinein, betrat ohne Umschweife ihr Paradies und ließ keine Zweifel aufkommen, welche Absicht dahinterstand. Einen Moment brauchte die junge Frau, sich an diese dominante Art zu gewöhnen, dann streckte sie Roman willig ihren Po entgegen. Mit beiden Händen musste sie sich abstützen, während ihre Lippen mehr und mehr geweitet und ihr Paradies mehr und mehr ausgefüllt wurden.

Entschlossen schob Roman seinen Penis in sie, zog sich zurück, nur um noch weiter und noch fester zuzustoßen. Es brauchte nur einen kurzen Augenblick, bis Kathi sich an ihren Traum erinnerte, fühlte sich zurück und spürte diesen wohltuenden Kitzel in sich drin. Erstaunt von der körperlichen Ausdauer ihres doch nicht mehr allzu jungen Liebhabers genoss sie, wie er sie nahm, fühlte sich angestachelt von seinem schweren Atmen und stützte sich, den Rücken zum Hohlkreuz gebeugt, mit beiden Händen auf dem Waschbecken ab, als Roman ihre Schulter erfasste und sie noch tiefer und schneller nahm als zuvor.

Zur Untätigkeit verdammt nahm sie hin, wie sich der Kitzel in ihrem gesamten Körper ausbreitete, wie die Wärme von ihr Besitz ergriff und sich in ihrem Becken konzentrierte. Man gab ihr gar nicht die Zeit, sich vorzubereiten, als ein erster Flash über die hereinbrach, sie mitriss, während Roman unbeirrt seine Männlichkeit in ihr vergrub. Ohne auf Erholung zu hoffen, hielt sie ihm ihre Schatztruhe hin, damit er sich austoben konnte, und spürte, wie ein weiteres Zucken ihren Körper durchflutete. Kathi schlug die Augen auf und bekam im Spiegel so gerade noch mit, wie Roman seine Augen fest zukniff. Ein erlösender Seufzer kündigte an, dass er bald soweit sein würde, bevor er kurz stillhielt. Ein kurzer Moment, nur eine Sekunde, dann stieß er erneut zu und schoss die kleinen weißen Biester in sie hinein. Genau konnte Kathi spüren, wie er in ihr zuckte, wie sein Luststab unkontrolliert gegen ihre Scheidenwand stieß und seine Lust in ihr hinterließ.

Atemlos stand Sie vor dem Spiegel und beobachtete ihren Liebhaber, sah zu, wie er erschöpft die Schultern senkte und langsam die Augen wieder öffnete. Ein freundliches zufriedenes Lächeln sollte ihm zeigen, dass er alles richtig gemacht hatte, dass sie im Moment nichts anderes gebraucht hatte. Reine menschliche Lust, die sich in einem kleinen Erdbeben Bahn brach. Für zärtliche Berührungen war nachher noch genügend Zeit, jetzt zählte nur die reine Befriedigung von Trieben.

Nachdem die beiden sich etwas beruhigt und anschließend sorgfältig gegenseitig die Spuren ihres Tuns beseitigt hatten, schlüpften sie zurück ins Bett. Eng umschlungen, sich zärtlich streichelnd, himmelten sie sich gegenseitig an. Ab und zu küssten sie sich, nicht ausgiebig, eher beiläufig, zur Bestätigung ihrer Zuneigung.

„Ich würde gerne mit dir den ganzen Tag im Bett verbringen, aber ich habe einen Mordshunger", unterbrach Kathi die intime Stille.

„Ich wollte dich gerade schon fragen, ob du einen Kaffee hast", grinste Roman.

Ein Klapps auf seinen Po folgte, der von Kathi nicht so fest beabsichtigt war, wie er schepperte. Den Biss ihres Liebhabers in ihre Pobacke hatte sie nicht kommen sehen und quiekte laut auf.

„Hey, pass auf, sonst bekommst du gar nichts", lachte sie.

***

Er blieb den gesamten Tag und auch die Nacht. Als Kathi am Montag von der Arbeit kam, war die Wohnung leer und keine Spur zu finden von dem, was sich hier zugetragen hatte. Ein Zettel lag auf dem Tisch:

ICH MELDE MICH BEI DIR.

Kein Herz, kein Kuss, nur Worte.

Enttäuscht las Kathi den Zettel mehrere Male durch. Sollte sie ihn anrufen?

Was war das zwischen ihnen? War es Liebe? Nein, sicher nicht. Vielleicht war es ein wenig Verliebtheit, aber Liebe konnte es nicht sein. Und doch vermisste sie seine warmen Hände. Kathi konnte nur zu gut verstehen, warum Roman so erfolgreich war in seinem Job. Bei diesen Händen wurde jede Frau schwach und verfiel ihm restlos. Dazu kam noch sein Charme, sein Auftreten und seine Art, wie er sie um den Finger gewickelt hatte, ohne dass sie es gemerkt hatte.

Am Montagabend meldete er sich. Sie sprachen lange miteinander, fast die ganze Nacht. Beiden war klar, dass ihre Verbindung nicht ewig halten würde, aber was hält schon ewig? Es ging nur darum, keine Hoffnungen zu schüren, die nachher enttäuscht würden. Nachdem der Standpunkt geklärt war, trafen sie sich regelmäßig, zum gemeinsamen Essen, zu Motorradausflügen, um miteinander Musik zu hören und jedesmal, wenn sie Lust aufeinander hatten, auch dazu. Oft begann alles damit, dass Roman seiner heimlichen Geliebten etwas aus einem seiner Bücher vorlas. Anschließend wurde es nie langweilig.



Autoren möchten gerne Feedback haben! Bitte stimmen Sie ab und schicken Sie dem Autor eine Nachricht
und schreiben Sie was Ihnen an der Geschichte (nicht) gefallen hat.
autor icon Roman Tiker hat 5 Geschichte(n) auf diesen Seiten.
autor icon Profil für Roman Tiker, inkl. aller Geschichten
Ihre Beurteilung für diese Geschichte:
 
Privates Feedback zum Autor senden:

Ihre Name:
Ihre Email: (optional, aber ohne kann der Autor nicht antworten!)
Ihre PRIVATE Nachricht für Roman Tiker:

Abstimmen und/oder Private Nachricht an Autor schicken:


Alle Geschichten in "Romantisch"   |   alle Geschichten von "Roman Tiker"  





Kontakt: BestPornStories webmaster Art (art@erogeschichten.com)
Datenschutz - Inhalte melden/entfernen lassen

Eroticstories.com: Erotic Stories in english