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Mareike 2/3 (fm:Lesbisch, 3034 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen

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Veröffentlicht: Jul 18 2026 Gesehen / Gelesen: 144 / 120 [83%] Bewertung Teil: 9.40 (5 Stimmen)
Mareike wacht im Dünen-Ferienhaus auf, findet einen Umschlag mit Claires Einladung zum Strand. Als sie sich am kalten, salzigen Wasser treffen, teilt Claire ihre Ängste vor unerfüllten Erwartungen – bis die Anspannung zwischen ihnen bricht, sie sich am


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als würde das Meer atmen. Der Himmel ist bedeckt, aber das Licht ist hell, fast weiß, und wirft keine Schatten. Claire bleibt stehen und zieht den Bademantel aus. Darunter kommt der dunkelblaue Einteiler zum Vorschein, der sich an ihre schlanke Figur schmiegt – die weichen Hüften, die muskulösen Waden, die schmalen Schultern. Sie legt den Bademantel über einen Pfahl am Ende des Weges und dreht sich zu mir um.

Ich ziehe meine Sandalen aus und stelle sie neben den Pfahl. Der Sand ist noch kühl und feucht unter meinen Füßen, und ich spüre die Körner zwischen meinen Zehen, wie sie sich zusammenpressen, wenn ich einen Schritt mache. Claire geht voraus zum Wasser, und ich folge ihr. Der Sand wird fester, nasser, und jede Fußspur füllt sich mit einem dünnen Film von Wasser, der im Licht schimmert.

Wir gehen nebeneinander, am Rand der Brandung, wo der nasse Sand fest ist und das Wasser in dünnen Schleiern über unsere Fußspitzen streicht. Das Wasser ist kalt – nicht eisig, aber kühl genug, dass meine Waden sich anspannen bei jeder Welle, die über meinen Fußrücken rollt. Claire geht mit langen, ruhigen Schritten, und ich muss mich anstrengen, um Schritt zu halten.

Eine Weile sagen wir nichts. Das Rauschen der Wellen füllt die Stille, und der Wind zieht an meinem Rock, an meinem Top, an Claires lose hängendem Zopf. Ich beobachte das Wasser, wie es zurückweicht, und dann wieder kommt, und ich denke darüber nach, dass das Meer sich nicht entscheiden muss – es kommt und geht, und beides ist richtig.

„Ich war siebzehn", sagt Claire plötzlich, und ihre Stimme ist leise, fast vom Wind verschluckt. „Als ich dachte, ich wüsste alles."

Ich schaue sie an. Ihr Blick ist auf das Wasser gerichtet, und ihre Mundwinkel sind leicht nach unten gezogen.

„Ich wusste nichts", sagt sie. „Nicht einmal, wer ich war."

Ich warte. Sie geht weiter, und ihre Füße hinterlassen tiefe Abdrücke im nassen Sand, die sich sofort mit Wasser füllen.

„Ich bin in Antwerpen aufgewachsen", sagt sie. „In einem Viertel, in dem jeder jeden kannte. Mein Vater war Bäcker. Meine Mutter unterrichtete Klavier. Ich sollte etwas werden – etwas Richtiges. Jura, vielleicht. Medizin. Mein Vater sagte immer, ich sei klug genug." Sie macht eine Pause. „Ich war nicht klug. Ich war nur gut darin, so zu tun."

Der Wind nimmt zu, und ich schmecke Salz auf meinen Lippen. Ich lecke sie ab, und das Salz prickert auf meiner Zunge.

„Ich hatte Angst", sagt Claire. „Vor allem. Vor dem Abitur, vor dem, was danach kam, vor dem, was die Leute dachten. Vor meiner Mutter, die jeden Abend am Küchentisch saß und mich fragte, was ich werden wollte, und ich jedes Mal sagte: ‚Ich weiß noch nicht.' Und jedes Mal wurde ihr Gesicht ein bisschen länger."

Ich spüre, wie sich etwas in meiner Brust zusammenzieht. Die Worte sind mir vertraut, als hätte sie sie aus meinem Kopf gelesen. Ich schaue auf meine Füße, auf das Wasser, das über meine Zehen rinnt, und versuche, etwas zu sagen, aber mein Hals ist eng, und die Worte bleiben stecken.

„Ich habe ein Jahr lang nichts getan", sagt Claire. „Nach dem Abitur. Ein Jahr. Ich bin in Antwerpen geblieben, habe in einer Buchhandlung gearbeitet, und jeden Morgen, wenn ich aufwachte, dachte ich: Heute wird es anders. Und jeden Abend, wenn ich schlafen ging, wusste ich, dass es nicht anders war."

Sie bleibt stehen. Das Wasser umspült ihre Knöchel, und ich bleibe neben ihr stehen. Die nächste Welle kommt, höher als die vorherigen, und das Wasser reicht bis zu meinen Waden. Es ist kalt, und ich zucke zusammen, aber ich bewege mich nicht.

„Und dann?" frage ich. Meine Stimme ist heiser.

Claire dreht den Kopf und schaut mich an. Ihre Augen sind dunkel, fast schwarz in diesem Licht, und ich sehe mich darin, klein und verzerrt, mit meinem blonden Haar, das im Wind flattert.

„Dann bin ich weggegangen", sagt sie. „Ich bin nach Frankreich gegangen. Dann nach Spanien. Dann zurück. Ich habe gearbeitet, habe gelebt, habe Fehler gemacht. Und irgendwann – ich weiß nicht genau, wann – hörte die Angst auf, das Erste zu sein, an das ich morgens dachte."

Ich schaue sie an, und mein Herz schlägt schnell, schneller, als es sollte, für einen Morgenspaziergang am Strand. Meine Hände hängen an meinen Seiten, und ich spüre, wie meine Finger sich öffnen und schließen, als würden sie nach etwas suchen.

„Das ist kein Rat", sagt Claire. „Ich gebe dir keinen Rat. Ich sage dir nur, dass es in Ordnung ist, nicht zu wissen. Dass es nicht schwach ist. Dass jeder, der dir sagt, du müsstest jetzt wissen, was du willst – dass derjenige vergessen hat, wie das ist."

Ich nicke. Mein Hals ist trocken, und ich schlucke. Eine Welle kommt, und das Wasser schlägt gegen meine Knie, und ich zucke nicht zusammen, weil ich zu sehr damit beschäftigt bin, Claires Worte zu verarbeiten.

„Wann hörst du auf, dich zu entscheiden?" frage ich. „Wann wusstest du, was du willst?"

Claire lacht leise. Es ist ein kurzes, trockenes Geräusch, das im Wind zerstreut wird. „Ich weiß immer noch nicht", sagt sie. „Ich weiß nur, was ich nicht will. Und manchmal ist das genug."

Sie dreht sich wieder zum Wasser, und ich schaue sie an – die Linie ihres Profils, die Art, wie der Wind eine Strähne aus ihrem Zopf löst und über ihr Gesicht weht, wie sie die Strähne mit einer ungeduldigen Handbewegung zurückstreicht. Ich spüre einen Drang in mir, etwas zu sagen, etwas zu tun, aber ich weiß nicht was.

„Du bist achtzehn", sagt Claire. „Du hast Zeit."

„Alle sagen das", antworte ich, und ich höre, wie meine Stimme schärfer klingt, als ich beabsichtige. „Aber was mache ich mit der Zeit?"

Claire dreht sich zu mir um. Sie schaut mich an, und ihr Blick ist ruhig, geduldig, als hätte sie alle Zeit der Welt. „Du lebst", sagt sie. „Du machst Fehler. Du stehst auf. Du gehst weiter. Und irgendwann merkst du, dass du nicht mehr die bist, die Angst hatte. Sondern die, die Angst hatte und trotzdem weitergegangen ist."

Eine Welle bricht näher am Ufer, und das Wasser spritzt gegen meine Oberschenkel, und ich spüre die Kälte durch den Stoff meines Rocks, der sich an meine Beine klammert. Ich schaue hinunter und sehe, wie der nasse Stoff sich um meine Waden wickelt, und dann schaue ich wieder zu Claire.

Sie steht nah. Näher als vorhin. Der Wind hat den Abstand zwischen uns verringert, oder vielleicht waren wir schon immer näher, als ich dachte. Ich rieche sie – nicht Parfüm, nicht Shampoo, sondern etwas Erdigeres. Salz, Haut, etwas Warmes darunter, das nach Sonne schmeckt, auch wenn die Sonne hinter Wolken steht.

„Claire", sage ich, und ich weiß nicht, warum ich ihren Namen sage, aber er kommt aus mir heraus wie ein Atemzug.

Sie schaut mich an. Ihre Augen sind dunkel, und ich sehe die feinen Linien um ihre Augenwinkel, die sich vertiefen, wenn sie blinzelt. Ihr Mund ist leicht geöffnet, und ich sehe die Spur von Salz auf ihrer Unterlippe.

„Ja?" sagt sie.

Ich schaue sie an, und ich spüre, wie etwas in mir kippt – wie eine Welle, die sich aufbaut, zögert, und dann bricht. Ich weiß nicht, ob es Mut ist oder Verzweiflung oder beides, aber ich trete einen Schritt vor, und plötzlich ist der Abstand zwischen uns verschwunden.

Claire hebt die Hand. Ihre Fingerspitzen berühren mein Kinn, leicht, fast wie eine Frage. Ich spüre die Kühle ihrer Haut, die Körnung ihrer Fingerspitzen, und mein Atem stockt. Ich schaue sie an, und sie schaut mich an, und dann – langsam, als hätte sie alle Zeit der Welt – beugt sie sich vor.

Ihre Lippen berühren meine. Sanft. Nur eine Berührung, wie eine Welle, die den Sand streift und sich zurückzieht. Ich schmecke Salz. Ich schmecke Kaffee. Ich schmecke etwas, das nach Wärme schmeckt, nach Haut, nach dem, was ich gestern Abend in ihrem Gesicht gesehen habe, als das Kerzenlicht über ihre Wangenknochen strich.

Dann zieht sie sich zurück. Nur ein paar Zentimeter. Ich spüre ihren Atem auf meiner Oberlippe, und ich sehe, wie ihre Augen sich öffnen, dunkel und suchend, als würde sie fragen: Ist das in Ordnung?

Ich antworte nicht. Ich trete einen weiteren Schritt vor, und diesmal bin ich es, die ihre Lippen auf ihre presst. Fester. Offener. Meine Hände finden ihre Schultern, und ich spüre die glatte Feuchtigkeit des Badeanzugs unter meinen Fingern, die Wärme ihrer Haut darunter. Claire macht einen Laut – nicht ein Wort, nicht ein Seufzen, etwas dazwischen, etwas, das aus ihrer Kehle kommt wie ein Flüstern, das im Wind zerstreut wird.

Ihre Hände finden meine Hüften. Ihre Finger greifen in den Stoff meines Rocks, und ich spüre, wie sie mich näher zieht, und unser Körper berührt sich – meine Brust an ihrer, mein Bauch an ihrem, die Feuchtigkeit meines nassen Rocks an dem glatten Stoff ihres Badeanzugs. Der Wind peitscht um uns, und das Wasser schlägt gegen unsere Beine, und ich schmecke sie – wirklich schmecke sie, nicht nur Salz und Kaffee, sondern etwas Tieferes, etwas, das nach Jahren schmeckt, nach Einsamkeit, nach dem, was sie gestern Abend gesagt hat, als sie sagte, sie komme hierher, um allein zu sein.

Ich öffne meine Lippen, und ihre Zunge findet meine. Langsam. Tastend. Wie jemand, der einen Raum betritt, den er nicht kennt, und erst die Wände abtastet, bevor er sich setzt. Ich spüre ihre Zunge – warm, weich, mit der leichten Rauheit einer Kaffeetasse am Morgen – und ich dränge mich an sie, und meine Finger graben sich in ihre Schultern, und ich spüre, wie sich die Muskeln unter meiner Hand anspannen.

Claire stöhnt leise, und der Ton geht direkt in meinen Bauch, in meinen Unterleib, in das Christina-Piercing, das kalt an meiner Haut liegt und plötzlich warm wird. Ich drücke mich an sie, und ich spüre, wie ihre Hände von meinen Hüften an meine Taille wandern, und dann weiter, hinauf, über meine Rippen, und ich zucke zusammen, weil ihre Fingerspitzen genau an der Stelle streifen, wo mein BH-Bügel endet.

Wir küssen uns, und das Meer atmet um uns herum. Wellen kommen und gehen, und das Wasser umspült unsere Knöchel, und der Wind zieht an meinem Rock, an meinem Top, an Claires Zopf, der sich löst, und schwarze Strähnen wehen um ihr Gesicht und streifen meine Wange. Ich schmecke Salz auf ihren Lippen, und ich lecke es ab, und sie öffnet ihren Mund weiter, und ich spüre ihre Zunge tiefer, und ich nehme sie an, und mein ganzer Körper vibriert wie eine Saite, die gerade angeschlagen wurde.

Ich weiß nicht, wie lange wir da stehen. Eine Welle. Hundert Wellen. Die Zeit verliert sich im Rauschen des Meeres und im Geschmack von Claires Mund. Ich spüre nur ihre Hände, ihre Lippen, ihre Zunge, und den Wind, der uns umkreist, und das Wasser, das unsere Füße umspült, und die Kälte, die mir egal ist, weil Claires Körper warm ist, so warm, und ich mich an sie dränge, als könnte ich die Wärme in mich aufnehmen.

Dann löst sie sich. Langsam. Ihre Lippen gleiten von meinen, und ich spüre einen feuchten Schatten auf meiner Unterlippe, wo ihr Mund war. Ich öffne die Augen, und sie steht vor mir, und ihr Gesicht ist nah, und ihre Augen sind dunkel, und ihr Mund ist leicht geöffnet, und ich sehe, wie sich ihre Brust hebt und senkt, und ich weiß, dass ich genauso atme – schnell, flach, als hätte ich gerade einen langen Weg zurückgelegt.

„Mareike", sagt sie. Mein Name in ihrem Mund klingt fremd und vertraut zugleich, und ich spüre, wie er in mir nachhallt, als hätte sie ihn nicht gesagt, sondern gesungen.

Ich sage nichts. Ich schaue sie an, und ich spüre, wie meine Hände auf ihren Schultern zittern, und ich weiß, dass ich nicht will, dass sie sich von mir löst, dass ich nicht will, dass dieser Moment endet.

Claire hebt die Hand und streicht mir eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihre Fingerspitzen gleiten über meine Schläfe, über mein Ohr, und ich schließe die Augen und beuge mich in ihre Berührung, wie eine Pflanze, die sich zur Sonne wendet.

„Du musst nichts", sagt sie. „Nichts."

Ich öffne die Augen. Ich nicke. Und dann lehne ich mich vor, und ich küsse sie wieder, und diesmal ist es langsamer, tiefer, und ich spüre, wie sich alles in mir öffnet, als würde eine Tür aufgestoßen, die ich jahrelang verschlossen gehalten habe, und das Licht, das hereinfällt, ist grell und warm und blendet mich.

Claire nimmt mein Gesicht in ihre Hände. Ihre Handflächen liegen an meinen Wangen, und ihre Daumen streichen über meine Schläfen, und ich spüre, wie sie mich hält, als wäre ich etwas Zerbrechliches, und gleichzeitig spüre ich die Kraft in ihren Händen, die Stille, die Sicherheit, als würde sie sagen: Ich habe dich. Du fällst nicht.

Der Wind kommt von See, und er trägt den Geruch von Salz und Tang und Weite, und ich spüre, wie er an meiner Haut klebt, wie er den nassen Rock an meine Beine presst, wie er durch mein Top dringt und meine Brust berührt, und ich zittere, nicht vor Kälte, sondern vor etwas, das größer ist als Kälte, das größer ist als alles, was ich bisher gespürt habe.

Claire löst sich. Wieder. Und diesmal lächelt sie, und es ist ein echtes Lächeln, nicht das kurze, bestätigende Heben ihres Mundwinkels von vorhin, sondern ein volles, warmes Lächeln, das ihre Augen erreicht und sie weicher macht, jünger, als hätte der Kuss etwas in ihr gelockert, das sich jahrelang verspannt hatte.

„Komm", sagt sie. „Wir frieren sonst."

Ich nicke. Wir drehen uns um, und wir gehen zurück, über den nassen Sand, über den trockenen Sand, über die Dünen, den schmalen Pfad entlang, und Claire geht voraus, und ich folge ihr, und ich spüre den Sand unter meinen Füßen, und den Wind in meinem Haar, und den Geschmack von Salz und Kaffee und Claire auf meinen Lippen, und ich weiß, dass sich etwas verändert hat, dass ich nicht mehr die bin, die gestern Abend im Bett lag und nicht wusste, was sie will.

Ich bin die, die Claire geküsst hat. Am Wasser. Im Wind. Mit dem Rauschen des Meeres in den Ohren.

Und ich will mehr.



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