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Clara 1/3 Die Tür zwischen den Wälzern (fm:Fetisch, 2827 Wörter) [1/3] alle Teile anzeigen

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Veröffentlicht: Jul 20 2026 Gesehen / Gelesen: 1093 / 971 [89%] Bewertung Teil: 9.08 (24 Stimmen)
Als Clara, 57 Jahre alt und erschöpft von einem Tag voller unvollendeter Manuskripte, durch die heiße Innenstadt Köln streift, stolpert sie über eine unscheinbare Holztür mit einer Altersbeschränkung. Hinter der Tür wartet eine Bar nur für Frauen, in der


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© Misttueck Dieser Text darf nur zum Eigengebrauch kopiert und nicht ohne die schriftliche Einwilligung des Autors anderweitig veröffentlicht werden. Zuwiderhandlungen ziehen strafrechtliche Verfolgung nach sich.

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Ich lausche. Leise Musik dringt durch die Tür, gedämpft, ein langsamer Bass, ein paar Saxophon-Töne, die sich wie Rauchschwaden durch das Holz winden. Jazzmusik, oder etwas Ähnliches. Nicht aufdringlich. Einladend.

Na dann, denke ich. Schau ich doch mal.

Ich drücke die Klinke herunter. Die Tür gibt nach, schwerer als erwartet, und ein Schwall warmer Luft schlägt mir entgegen. Der Geruch trifft mich zuerst: Tabak, nicht Zigarette, etwas Schwereres, vielleicht Zigarre, vermischt mit Alkohol und einem süßlich-scharfen Unterton, den ich nicht sofort zuordnen kann. Es riecht nach – ich kenne das Wort nicht. Es riecht nach etwas, das man nicht benennen muss, um es zu kennen. Nach einem Raum, in dem Dinge geschehen, die draußen vor der Tür keine Bedeutung haben.

Ich trete ein.

Die Bar ist kleiner, als ich erwartet habe, und das ist gut so. Sie ist urig – das Wort fällt mir ein, bevor ich überhaupt den Raum überblicke. Urig wie eine Kneipe, in der die Zeit stehen geblieben ist, aber nicht auf eine staubige, traurige Weise, sondern auf eine, die sagt: Hier haben wir uns eingerichtet. Hier bleiben wir, wie wir sind. Der Boden ist aus schwarz lackiertem Holz, das im gedimmten Licht glänzt, als wäre er frisch gebohnert. An den Wänden hängen keine Bilder, sondern Regale mit Flaschen, die im Halbdunkel bernsteinfarben und rubinrot leuchten. Das Licht ist warm und so niedrig, dass die Ecken des Raumes im Dunkeln verschwimmen.

Und welche Ecken. Diverse kleine Nischen sind in die Wände eingelassen oder durch Wandvorsprünge und Vorhänge geschaffen, halbrunde Sitzgelegenheiten mit roten Ledersesseln, die so tief sind, dass man darin versinkt wie in einer Umarmung. Manche Nischen sind durch schwere, dunkle Vorhänge halb verschlossen, aus denen nur ein Schimmer von Licht und ein Flüstern von Stimmen dringt. Andere sind offen, und ich erkenne Umrisse von Frauen, die einander zugewandt sitzen, Gläser in den Händen, Köpfe nah beieinander. Ich blinzle. Es ist dunkel hier, und ich brauche einen Moment, bis meine Augen sich anpassen.

In der Mitte des Raumes gibt es eine kleine Tanzfläche – das Wort ist fast zu groß für das, was ich sehe. Ein Quadrat, vielleicht drei mal drei Meter, mit einem leicht reflektierenden Boden, auf dem das Licht einer einzelnen Spot tanzt, der an der Decke montiert ist. Niemand tanzt. Die Fläche liegt da wie eine leere Bühne, wartend.

Dann die Bar. Sie ist das Herz des Raumes, ein langes, geschwungenes Möbelstück aus dunklem Holz, das sich wie ein Fluss durch den vorderen Teil des Raumes zieht. Nicht gerade, nicht winklig, sondern mit einer sanften Kurve, die den Blick führt und die Schwere des Holzes aufhebt. Die Bartheke ist poliert, glatt, und dahinter erhebt sich ein Regal, das bis zur Decke reicht, voller Flaschen in allen Farben und Größen. Am Rand der Bar, an der freien Ecke der Kurve, steht ein Barhocker aus dunklem Leder, der frei ist.

Ich gehe darauf zu. Meine Schritte hallen leise auf dem Holzboden nach, und mir fällt auf, dass ich die einzige bin, deren Schuhe kein Klacken verursachen. Überall sonst im Raum – das registriere ich im Vorbeigehen – ist das Geräusch von Absätzen auf Holz zu hören. Spitz, rhythmisch, bestimmend. Das Klicken und Klacken von Stöckelschuhen, Stiefeln, Pumps. Es ist ein Geräusch, das den Raum wie ein Herzschlag durchzieht, gleichmäßig und unaufhörlich. Meine flachen Schuhe sind eine Ausnahme. Mir ist das recht so.

Ich setze mich an die freie Ecke der Bar. Der Barhocker ist bequemer, als er aussieht, das Leder gibt nach, als ich mich hineinlasse. Ich stütze die Ellbogen auf die Bartheke und schaue mich um. Jetzt, wo ich sitze und meine Augen sich an das Halbdunkel gewöhnt haben, beginne ich, Details wahrzunehmen.

Hinter der Bar steht eine Frau. Sie ist groß – nein, nicht groß, das ist es nicht. Sie trägt Stiefel. Schwarze, glänzende Stiefel, die über das Knie reichen und Absätze haben, die so spitz sind, dass sie wie Waffen aussehen. Die Stiefel glänzen im Licht, und es dauert einen Moment, bis ich erkenne, dass es kein Leder ist. Es ist Latexgummi. Das süßlich-scharfe Aroma, das ich beim Eintreten wahrgenommen habe – das ist es. Latexgummi. Der Geruch von Gummi und Hitze und etwas, das ich nicht benennen will, weil es mich irritiert und gleichzeitig an etwas erinnert, das ich lange nicht mehr gespürt habe.

Die Frau hinter der Bar trägt ein Korsett. Schwarz, glänzend, aus demselben Material wie die Stiefel, das sich um ihren Oberkörper legt wie eine zweite Haut. Es schnürt sich vorne, und die Schnürung zieht das Material so eng an, dass jede Kurve ihres Körpers darunter hervortritt. Ihre Haut schimmert im Licht, warm und dunkel, und ihre Haare sind zu einem strengen Knoten gebunden. Sie sieht mich an, und ihre Augen sind dunkel, beobachtend, als würde sie mich taxieren. Ich nicke ihr zu. Sie nickt zurück, langsam, und stellt ein Glas, das sie gerade poliert hat, vor mir ab.

„Was darf's sein?", fragt sie. Ihre Stimme ist tief, ruhig, mit einem Unterton, der nicht fragt, sondern auffordert.

Ich überlege. Ich bin nicht hier, um mich zu betrinken. Ich bin hier, weil ich raus musste, weil die Wände meiner Wohnung zu eng wurden und die Sätze in meinem Kopf zu laut. Ein Glas Wein. Und Wasser, weil ich klaren Kopf behalten möchte. Ich muss nicht mehr fahren – der Bus fährt noch bis Mitternacht, und die Haltestelle ist zwei Straßen weiter.

„Ein Glas Wein", sage ich. „Rot, wenn Sie haben. Trocken. Und ein Wasser dazu."

Sie dreht sich um, und ich beobachte, wie sich das Latexgummi über ihren Rücken spannt, wie das Licht in feinen Streifen über das Material gleitet. Sie greift nach einer Flasche, gießt ein, stellt das Glas vor mich, dann das Wasser. Beide auf einem kleinen, runden Untersetzer aus Kristall. Neben dem Glas Wein steht ein Aschenbecher. Ebenfalls Kristall, schwer, mit geschliffenem Rand. Ich rauche nicht. Aber der Aschenbecher ist da, selbstverständlich, wie ein Besteckteil, das auf seinen Gebrauch wartet.

Ich nehme einen Schluck Wein. Er ist gut – kräftig, trocken, mit einem Hauch von Brombeere und etwas Erdigem, das auf der Zunge liegen bleibt. Ich stelle das Glas ab und schaue mich um.

Jetzt, da ich sitze und den Raum überblicke, fällt mir auf, was mir beim Eintreten noch nicht bewusst war. Ich schaue noch einmal. Und noch einmal. Ich zähle. An der Bar, in den Nischen, auf den Ledersesseln, in der Ecke beim Fenster – überall Frauen. Ich sehe keine Männer. Keinen einzigen. Zwanzig, vielleicht dreißig Personen, und alle sind weiblich. Verschiedene Altersgruppen, verschiedene Typen – einige jung, mit glatten Gesichtern und langen Haaren, andere reifer, mit Linien um die Augen und dem sicheren Auftreten von Frauen, die wissen, wer sie sind. Einige tragen Latexgummi – Kleider, Korsetts, Handschuhe, die bis über die Ellbogen reichen. Andere sind legerer gekleidet, in Jeans und Blusen, in Kleidern, in Röcken. Aber alle – alle – tragen sie Absätze. Das Klacken, das ich beim Eintreten gehört habe, ist nicht zufällig. Es ist die Sprache dieses Raumes.

Ich grinese. Nicht breit, nicht auffällig, nur ein leichtes Heben der Mundwinkel, das ich im polierten Holz der Bartheke gespiegelt sehe. Nicht schlecht, denke ich. Gar nicht schlecht.

Ich nehme einen weiteren Schluck Wein und beobachte den Raum. In einer der Nischen, zwei Sitze von meiner Position entfernt, sitzen zwei Frauen einander gegenüber. Eine von ihnen, jünger, vielleicht Anfang dreißig, mit kurzem blonden Haar und einer Brille, die meiner nicht unähnlich ist, beugt sich vor. Sie trägt ein schwarzes Kleid, hochgeschlossen, und darunter – ich sehe es, als sie die Beine übereinanderschlägt – Lackstiefel, die bis ans Oberschenkel reichen. Die Frau ihr gegenüber, älter, mit silbernen Haaren und einem tiefroten Lippenstift, lehnt zurück und raucht. Sie hält die Zigarette zwischen Zeige- und Mittelfinger, und der Rauch steigt in einer langsamen, dichten Säule auf, der sich im Licht der Tischlampe wie ein Gespinst ausbreitet. Die jüngere Frau sagt etwas, das ich nicht höre. Die ältere lächelt, nimmt einen Zug, und bläst den Rauch nicht nach oben, sondern direkt in Richtung der jüngeren, langsam, zielgerichtet, so als würde sie ihr etwas übergeben. Die jüngere schließt für einen Moment die Augen. Ihre Lippen öffnen sich, nur minimal, und sie atmet ein.

Ich wende den Blick ab. Nicht, weil mich das stört. Sondern weil es mich an etwas erinnert, das ich lange nicht mehr gespürt habe, und ich bin nicht sicher, ob ich bereit bin, das jetzt zuzulassen.

Das Glas Wasser steht neben dem Wein, unangetastet. Ich greife danach, trinke einen Schluck, stelle es ab. Die Kondensation perlt an der Außenseite des Glases und sammelt sich auf dem Kristalluntersetzer. Ich fahre mit dem Finger durch die Feuchtigkeit und ziehe eine Linie, die sofort verdunstet.

Die Musik hat gewechselt. Ein langsameres Stück, tiefer Bass, eine Frauenstimme, die singt, ohne dass ich die Worte verstehe. Es ist nicht wichtig. Die Stimmung ist da, sie liegt über dem Raum wie ein zweiter Tabakrauch, dicht und warm und ein wenig betäubend. Ich atme ein, und der Geruch ist überall – Tabak, Alkohol, Latexgummi, Parfüm, etwas, das nach Leder schmeckt, etwas, das nach Haut schmeckt.

Ich streiche mir über den Kopf, die kurzen Haare, die wie Samt unter meinen Fingern liegen. Die Lesebrille drückt leicht in meiner Jackentasche. Ich hole sie nicht heraus. Es gibt hier nichts zu lesen. Nichts, das man mit den Augen erfasst. Was hier zu lesen ist, liegt zwischen den Blicken und den Gesten, in der Art, wie eine Frau ihr Glas hält, in der Art, wie eine andere den Kopf neigt, in der Art, wie der Rauch sich zwischen ihnen ausbreitet wie ein Gespräch, das keine Worte braucht.

Die Barkeeperin – ich suche nach einem besseren Wort, aber es fällt mir nicht ein – steht weiter hinten an der Bar und spricht leise mit einer Frau, die auf einem der Hocker am anderen Ende sitzt. Die Frau am Hocker trägt ein Latexgummi-Kleid, das so eng ist, dass es jede Bewegung ihres Körpers wie ein Echo wiedergibt. Das Material quietscht leise, wenn sie sich umdreht. Sie hat die Beine übereinandergeschlagen, und ihr Fuß – in einem schwarzen Pump mit spitzer Spitze und einem Absatz, der so dünn ist, dass er wie eine Nadel aussieht – wippt im Takt der Musik auf und ab. Das Klacken auf dem Holzboden ist wie ein Metronom, das den Raum im Takt hält.

Ich trinke meinen Wein. Langsam, Schluck für Schluck, und lasse den Raum auf mir wirken. Ich bin nicht hierhergekommen, um etwas zu finden. Ich bin hierhergekommen, um dem zu entkommen, was ich kenne. Und das hier – dieser Raum, dieser Geruch, diese Frauen, dieses leise Klacken und der dichte Rauch – das kenne ich nicht. Und das ist gut.

Ich stelle das leere Weinglas ab und nehme einen weiteren Schluck Wasser. Die Barkeeperin erscheint vor mir, ohne dass ich sie gerufen habe. Sie stellt eine Schale mit Nüssen neben den Aschenbecher – Mandeln, geröstet, salzig – und sieht mich an.

„Noch ein Glas?", fragt sie.

Ich zögere. Der Abend ist noch jung, und die Wände meiner Wohnung sind noch immer eng. Aber hier ist es warm, und der Wein war gut, und der Raum hat etwas, das mich festhält, ohne dass ich sagen könnte, was es ist.

„Ja", sage ich. „Diesmal Weiß. Und das Wasser kann bleiben."

Sie nickt und dreht sich um. Ich beobachte, wie das Latexgummi über ihren Körper gleitet, wie das Licht sich bricht, wie die Stiefel auf dem Holz klacken, als sie nach der Flasche greift. Sie gießt ein, stellt das Glas vor mich, und ich danke ihr mit einem Nicken.

In der Nische neben mir hat sich etwas verändert. Die jüngere Frau mit den Lackstiefeln ist aufgestanden – oder vielmehr, sie hat sich auf die Knie sinken lassen, vor dem Sessel der älteren Frau, die noch immer raucht. Ihr Kopf ist gesenkt, die Hände liegen auf den Oberschenkeln, und die ältere Frau legt ihr eine Hand auf den Hinterkopf, langsam, fast liebevoll, und streicht ihr über das blonde Haar. Dann nimmt sie einen Zug von der Zigarette, zieht den Rauch tief ein, und beugt sich vor. Sie haucht den Rauch über den Kopf der jüngeren, und der Rauch sinkt herab wie ein Schleier, der sich über die gekniete Frau legt.

Ich wende den Blick nicht ab. Ich kann nicht. Meine Finger liegen auf der Bartheke, still, und ich spüre, wie mein Puls sich etwas beschleunigt. Nur ein wenig. Nur genug, um es zu bemerken.

Die ältere Frau blickt auf. Ihre Augen finden meine. Für einen Moment – einen kurzen, schmalen Moment – halten sich unsere Blicke. Dann lächelt sie, langsam, und wendet sich wieder der Frau zu ihren Füßen.

Ich nehme einen Schluck Wein. Weiß, diesmal, kühl und frisch, mit einer Säure, die den Gaumen putzt. Ich stelle das Glas ab und atme aus. Der Rauch der Zigarette der älteren Frau hat mich erreicht, schwer und warm, und ich atme ihn ein, ohne es zu wollen, ohne mich zu wehren.

Die Musik spielt. Die Frauen reden, leise, in Stimmen, die wie Rauch klingen. Die Barkeeperin poliert ein Glas. Die Absätze klacken. Das Latexgummi quietscht. Und ich sitze an der Bar, in meiner grauen Jacke, mit meinen flachen Schuhen und meiner Lesebrille in der Tasche, und ich trinke meinen Wein, und ich denke: Nicht schlecht. Gar nicht schlecht.

Ich greife nach dem Wasserglas und trinke. Der Abend ist noch lang. Und ich muss nicht mehr fahren



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