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Dern Schein wahren ... solange es möglich ist (fm:Ältere Mann/Frau, 9264 Wörter)

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Veröffentlicht: Jul 30 2026 Gesehen / Gelesen: 578 / 454 [79%] Bewertung Geschichte: 8.71 (7 Stimmen)
Theo muss erkennen, das seine Familie nicht so normal ist, wie er immer angenommen hat. Dies ist eine Leseprobe. Der Rest folgt in einem gewissen Zeitlichen Abstand.


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Den Schein wahren …

… solange es möglich ist

Episode 1 Zerfall von Illusionen

„Leseprobe“

„Ich liebe dich. Und ich vermisse dich jetzt schon. Komm schnell wieder zurück zu mir“, sagt meine Frau leise, während ich in der Tür stehe. „Ich bin gleich wieder da. Nur kurz was trinken und auf die Toilette“, erwidere ich lächelnd, werfe ihr einen Luftkuss zu und verlasse schließlich das Gästezimmer im Ferienhaus meiner Eltern, in dem wir bei Besuchen übernachten.

Die nächsten zwei Wochen werden wir dieses Zimmer bewohnen. Wie jedes Jahr im August kommt die Familie hier zusammen: meine Eltern Benno (54) und Magrit (53), meine Schwägerin Jenna (23), mein Bruder Egon (22), meine Frau Susie (33) und ich, Theodor – kurz Theo – (35). Außerdem sind Lissy (42) und Frank (45), Egons Schwiegereltern, dabei.

Zuerst gehe ich zur Toilette, erleichtere mich, wasche mir die Hände und schlendere dann in die Küche. Ich nehme ein Glas aus der Vitrine, hole das gekühlte Erfrischungsgetränk aus dem Kühlschrank und schenke mir ein. Was für ein Glück wir mit unserer Familie haben. Alle sind glücklich verheiratet, denke ich, während ich trinke. Wenn ich bedenke, wie es in anderen Familien aussieht.

Dabei muss ich an meinen besten Freund Andreas denken, dessen Frau gerade die Scheidung eingereicht hat. Umso deutlicher wird mir klar, wie dankbar wir für unser Glück sein können. Gut, dann aber schnell zurück, damit Susie gar nicht erst auf solche Gedanken kommt, überlege ich, stelle das Glas auf die Theke und mache mich auf den Weg.

„Wie lange läuft das schon?“, höre ich Jenna plötzlich fragen. Wem die Frage gilt, weiß ich nicht. Ihre Stimme kommt aus dem Schlafzimmer meines Bruders und seiner Frau. Egon, was hast du angestellt? Eigentlich ist es nicht meine Art, andere zu belauschen – schon gar nicht meine Schwägerin und meinen Bruder. Trotzdem zieht mich etwas zu der nur angelehnten Tür.

„Seit letztem Sommer“, höre ich Egon sagen. Seit letztem Sommer? Verdammt, warum interessiert mich das überhaupt? Das geht nur die beiden etwas an, und offenbar müssen sie es klären. Mit diesem Gedanken wende ich mich ab und will mich langsam und unbemerkt davonschleichen.

„Seit letztem Sommer?“, wiederholt Jenna. „Also … kurz nach unserer Hochzeit?“

„Du betrügst mich also seit fast einem Jahr? Und dann auch noch mit Mama? Meiner Mutter?“ Jennas Stimme klingt rau, behält aber eine gewisse Weichheit.

Wie angewurzelt bleibe ich stehen. Hatte ich nicht eben noch gedacht, unsere Familie sei von Skandalen und Geheimnissen verschont geblieben? Und nun erfahre ich, dass mein Bruder meine Schwägerin schon kurz nach der Hochzeit betrogen hat? Das kann doch nicht wahr sein. Warum tust du ihr das an? Leise schleiche ich zur Tür zurück und lausche weiter. Aber was war das gerade? Mit ihrer Mutter? Nein, das kann nicht sein. Für mich wirkt die Ehe ihrer Eltern absolut stabil, so, als wären sie einander treu. Zumindest nach außen.

„Warum, Egon? Bitte erklär mir das“, sagt Jenna mit Nachdruck.

„Was soll ich sagen, Schatz? Es ist passiert. Und ja … es hat uns beiden gefallen. Danach ist es eben wieder passiert“, beginnt Egon.

„Ich will keine Ausflüchte, Egon. Ich will verstehen, warum. Nur dann weiß ich überhaupt, ob ich dir irgendwann vergeben kann … ob wir noch eine Chance haben“, höre ich Jenna sagen. Ich kann kaum glauben, dass sie überhaupt daran denkt, ihm zu verzeihen oder auch nur eine Versöhnung anzustreben.

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