An Sandras Seite (Teil 19): Nürnberg? (fm:Cuckold, 4416 Wörter) [19/19] alle Teile anzeigen | ||
| Autor: TrustYourWife | ||
| Veröffentlicht: Aug 07 2026 | Gesehen / Gelesen: 936 / 783 [84%] | Bewertung Teil: 8.94 (17 Stimmen) |
| Wieso Nürnberg? | ||
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„Ich werde ein verlängertes Wochenende daraus machen.“
Etwas in mir spannte sich an. Kaum sichtbar, aber spürbar. „Bis Sonntag?“
„Ja. Ich fahre Mittwoch-Abend mit dem Zug. Komme Sonntagabend zurück, Du holst mich dann vom Bahnhof ab. Offiziell ist Donnerstag als Reisetag geplant, aber so habe ich den Tag noch für mich.“
Ich lehnte mich zurück. „Hotel?“
„Nein.“
Nur dieses Wort.
Ich sah sie an. Sie hielt meinem Blick stand.
„Bei Chris und Lisa.“
Das traf nicht überraschend – aber körperlich. Als sie Nürnberg erwähnte, hatte ich es schon geahnt. Mein Brustkorb reagierte schneller als mein Kopf. Ein dumpfer Druck unter dem Sternum.
Natürlich Chris. Natürlich Lisa.
Ich zwang meinen Atem, ruhig zu bleiben.
„Ist Lisa da?“, fragte ich.
Sandra schüttelte leicht den Kopf. „Nein. Sie ist drei Wochen im Ausland.“
Das saß.
„Das heißt…“ Meine Stimme blieb kontrolliert. „Du bist allein mit ihm?“
„Ja.“
Kein Zögern. Keine Weichzeichnung.
Ich verschränkte die Hände ineinander, damit sie ruhig blieben. „Und das ist so geplant.“
„Ja.“
„Von euch?“
„Von mir.“
Dieser Unterschied war minimal – und doch nicht.
Ich merkte, wie sich Hitze in meinem Nacken sammelte. „Seit wann weißt du das?“
„Seit heute. Ich habe Chris angerufen, nachdem mein Termin bestätigt war.“
Sie sprach sachlich. Keine Verteidigung. Keine Rechtfertigung.
Ich nickte langsam. „Und was genau bedeutet das?“
Sie sah mich an. Länger.
„Ich werde bei ihm schlafen.“
Der Satz kam ohne Provokation. Er war schlicht eine Information.
Mein Magen zog sich zusammen. Gleichzeitig schoss ein vertrautes Kribbeln durch meinen Unterleib – eine Reaktion, die ich hasste und gleichzeitig erregte, und die ich mittlerweile kannte.
„Im Gästezimmer?“, fragte ich.
Sie hielt meinen Blick. „Nein.“
Stille.
„Andreas“, sagte sie ruhig, „du weißt, was es bedeutet.“
Ja. Ich wusste es.
Ich wusste, wie Chris sie berührte. Wie selbstverständlich er ihren Körper nahm. Wie lange. Wie ruhig. Wie ausdauernd. Ich hatte es gehört. Stunde um Stunde.
Ich atmete durch. „Warum diesmal ohne… Rahmen?“
„Welchen Rahmen meinst du?“
„Uns. Lisa. Ein Arrangement.“
Sie verschränkte die Hände vor sich auf dem Tisch. „Es braucht keinen Rahmen mehr.“
Der Satz traf tiefer als jede Provokation es gekonnt hätte.
„Das im Resort war das erste Mal“, fuhr sie fort. „Für dich.“
Für dich.
Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug. „Und jetzt?“
„Jetzt ist es einfach eine Gelegenheit und eine Entscheidung.“
Keine Härte. Nur Feststellung.
„Du hättest mich einbeziehen können“, sagte ich leise.
„Ich beziehe dich ein“, antwortete sie ruhig. „Ich informiere dich.“
Der Unterschied war unüberhörbar.
Ich stand auf, ging ein paar Schritte zum Fenster, blieb stehen. Meine Hände lagen in den Hosentaschen, damit sie nicht verrieten, wie sehr mein Körper reagierte.
„Und du freust dich?“, fragte ich, ohne mich umzudrehen.
„Ja. Natürlich.“
Ich nickte langsam. Das Wort traf ehrlich. Nicht triumphierend. Nicht entschuldigend.
Ich drehte mich wieder zu ihr um. „Und was ist mit uns?“
Sie sah mich an, und zum ersten Mal lag Wärme wieder deutlicher in ihrem Blick.
„Wir bleiben wir“, sagte sie. „Das ändert nichts daran, was ich für dich empfinde.“
Ich wollte ihr glauben. Und ich tat es. Genau das machte es komplizierter.
„Du weißt, was das in mir auslöst“, sagte ich.
„Ja.“
„Eifersucht.“
„Ja.“
„Und…“ Ich stockte. „Mehr.“
Ein kaum sichtbares Lächeln. „Auch das weiß ich.“
Ich spürte, wie sich meine Kehle zusammenzog. „Und wenn ich sage, dass es mich an meine Grenzen bringt?“
„Dann nehme ich das ernst“, sagte sie ruhig. „Aber ich ändere meine Entscheidung nicht.“
Wieder diese Klarheit. Kein Druck. Keine Drohung. Nur Struktur.
Ich setzte mich wieder. Meine Oberschenkel waren angespannt, als hätte ich eben einen Sprint hinter mir.
„Warum wieder Chris?“, fragte ich, obwohl ich die Antwort kannte.
„Weil Du ihn kennst und weißt, dass ich gut aufgehoben bin. Und weil ich weiß, was ich mit ihm erlebe“, sagte sie schlicht.
Kein Detail. Keine Ausschmückung.
Aber in meinem Kopf waren genug Bilder gespeichert.
„Und weil du weißt, was es mit mir macht“, fügte ich hinzu.
Sie hielt meinen Blick. „Ja.“
Stille breitete sich aus. Dichter als zuvor.
Ich suchte nach einem Punkt, an dem ich einhaken konnte. Eine Verhandlung. Ein Aufschub. Eine Bedingung.
„Und wenn ich Nein sage?“
Ihre Augen wurden nicht hart. Aber sie wurden unbeweglich.
„Du kannst sagen, dass es dir schwerfällt“, sagte sie. „Aber du wirst mir nichts verbieten.“
Da war sie. Die Linie.
Nicht aggressiv. Nicht laut. Aber klar gezogen.
Mein Brustkorb hob und senkte sich langsamer. Ich spürte das Pochen in meinen Schläfen. Und darunter – diese andere Reaktion. Diese Spannung, die ich längst mit dieser Dynamik verband.
Sie stand auf, trat hinter mich, legte ihre Hände auf meine Schultern. Ihr Daumen strich langsam über meinen Nacken.
„Du bist stärker, als du denkst“, sagte sie leise.
Ich schloss kurz die Augen.
Stärker.
Oder abhängiger?
Ihre Hände blieben einen Moment liegen, dann zog sie sich zurück und setzte sich wieder.
„Es sind noch zwei Wochen“, sagte sie ruhig. „Du hast Zeit, dich damit auseinanderzusetzen.“
Auseinandersetzen.
Nicht verhindern.
„Und Du genießt die Erregung genauso, wie ich. Nur auf Deine Art.“
Ich sah sie an. Sie wirkte nicht entfernt. Nicht kalt. Im Gegenteil – sie war präsent, ruhig, verbunden.
Und dennoch war etwas unumkehrbar klar: Sie hatte diese Entscheidung bereits getroffen. Nicht im Affekt. Nicht als Test. Nicht als Spiel. Sie fragte nicht um Erlaubnis. Und sie kannte mich.
Ich saß ihr gegenüber und wusste, dass mein „Okay“ nichts mehr verändern würde. Ich sah sie an und wusste, dass alles Wesentliche gesagt war. Nürnberg würde stattfinden. Chris würde dort sein. Und ich würde es nicht.
Trotzdem blieb etwas offen.
„Du sagst, es ändert nichts zwischen uns“, begann ich langsam. „Aber es ändert doch etwas in dir.“
Sie musterte mich aufmerksam.
„Was genau willst du wissen?“
Ich zögerte einen Moment. Dann kam es ehrlicher, als ich es geplant hatte.
„Warum er“, sagte ich. „Warum wieder er?“
Sandra lehnte sich leicht zurück. Ihre Hände lagen ruhig auf dem Tisch.
„Du willst den Unterschied verstehen“, sagte sie.
Ich nickte.
Sie nahm sich einen Moment Zeit.
„Chris bringt mich aus dem Gleichgewicht“, begann sie ruhig.
Allein dieser Satz ließ meinen Brustkorb enger werden.
„Wie meinst du das?“
„Er fordert mich“, sagte sie. „Nicht nur körperlich.“
Ihr Blick blieb klar.
„Er reagiert nicht auf meine Sicherheit oder Unsicherheit. Er reagiert auf meine Spannung. Wenn ich unsicher werde, wird er ruhiger. Wenn ich stark bin, wird er noch präsenter. Es ist ein Spiel aus Kraft und Gegenkraft.“
Ich schluckte.
„Und ich?“
„Du gibst mir Sicherheit.“
Kein Zögern. Kein Abwägen.
„Mit dir kann ich planen“, fuhr sie fort. „Ich weiß, wie du reagierst. Ich kenne deine Bewegungen. Deine Gedanken oft schon, bevor du sie aussprichst.“
Ich spürte die Ambivalenz in mir. Das klang nach Nähe – und nach Vorhersehbarkeit.
„Und das ist nicht genug“, sagte ich leise.
„Es ist wertvoll“, korrigierte sie ruhig. „Aber es bringt mich eben nicht aus dem Gleichgewicht.“
Ich blickte auf meine Hände.
„Ich brauche beides“, sagte sie. „Stabilität. Und Reibung.“
Der Satz war sachlich, fast analytisch – aber nicht kühl.
„Wenn ich mit Chris bin, bin ich nicht in Kontrolle“, fuhr sie fort. „Er ist körperlich präsenter. Intensiver. Er dirigiert, ohne erklären zu müssen.“
Ich erinnerte mich an das Resort. An seine Ruhe. An diese selbstverständliche Ausdauer, die mich damals zugleich beschämt und elektrisiert hatte.
„Und ich erkläre zu viel“, murmelte ich.
„Du willst verstehen“, sagte sie. „Du willst ordnen. Auch jetzt.“
Ich konnte es nicht leugnen.
„Im Resort hast du gehört, wie ich mit ihm war“, sagte sie leiser.
Mein Körper reagierte sofort auf die Erinnerung.
„Ja.“
„So bin ich nicht mit dir.“
Der Satz war ruhig. Ohne Wertung.
„Weil ich es nicht kann?“, fragte ich.
Sie sah mich lange an.
„Du hast nicht dieses Durchhaltevermögen“, sagte sie sachlich. „Nicht diese körperliche Ausdauer und nicht diese Selbstkontrolle. Und du wirst schneller unsicher, wenn du merkst, dass ich mich verliere. Chris will mich genau dort haben, und er weiß, was tut. Ich muss bei ihm nicht denken, ihm keine Signale geben. Ich kann einfach nur Frau sein und mich mitreißen lassen.“
Ich spürte die Hitze in meinem Nacken.
„Das ist kein Vorwurf“, fügte sie hinzu. „Es ist einfach eine Beobachtung.“
Ein Unterschied. Kein Urteil.
Eifersucht stieg in mir auf – scharf, brennend. Und gleichzeitig diese andere, erwünscht-unerwünschte Spannung in meinem Unterleib.
Sandra beobachtete mich aufmerksam.
„Es verletzt dich“, sagte sie leise.
Ich nickte.
Sie hielt meinen Blick.
„Und es erregt dich.“
Ich hatte einen Kloß im Hals. Ich wollte widersprechen – aber mein Körper verriet mich längst.
„Als du im Resort gefesselt warst“, sagte sie ruhig, „war da nicht nur Schmerz. Da war auch Lust. Dein Körper hat darauf reagiert.“
Ich fuhr mir mit der Hand über das Gesicht. „Ich hasse, dass du das weißt.“
„Nicht nur wegen des Photos. Ich weiß es, weil ich dich kenne.“
Sie sagte es nicht triumphierend., sondern beinahe zärtlich.
„Manchmal denke ich, ich sollte nichts mehr hören“, sagte ich. „Keine Details. Keine Bilder.“
„Und trotzdem willst du sie.“
Ich schwieg. Sie wartete.
„Erzähl mir von Nürnberg“, sagte ich schließlich leise. „Mehr. Ich will nicht außen vor sein.“
Das war der Kern. Nicht ausgeschlossen sein.
„Vielleicht könnte ich kommen“, fügte ich hinzu. „In der Nähe bleiben. Oder… dabei sein.“
Das Wort hing zwischen uns. Sie schüttelte langsam den Kopf.
„Nein.“
Nicht hart. Aber eindeutig.
„Warum?“
„Weil du dich vergleichen würdest“, sagte sie ruhig. „Du würdest jede Bewegung messen. Jede Reaktion. Und du würdest leiden.“
„Vielleicht halte ich das aus.“
„Vielleicht“, sagte sie. „Aber ich würde es spüren.“
Sie stand auf und trat näher.
„Ich kann mich nur fallen lassen, wenn ich unbeobachtet bin“, sagte sie leise. „Wenn ich nicht gleichzeitig deine Reaktion tragen muss.“
Ihre Worte trafen mich, präzise.
„Du würdest stark sein wollen“, fuhr sie fort. „Und genau das würde dich zerreißen.“
Ich sah zu ihr auf. „Und wenn ich es brauche?“
Sie beugte sich leicht vor.
„Was brauchst du wirklich, Andreas? Details? Oder die Gewissheit, dass ich zurückkomme?“
Ich wusste die Antwort.
„Dass du zurückkommst“, sagte ich.
„Das werde ich.“
Ohne Zögern.
„Ich gehöre dir nicht weniger, nur weil ich mich dort anders erlebe.“
Sie meinte das nicht als Besitzversprechen. Es war eher eine Definition von Realität.
„Und Du willst Dich anders erleben“, sagte ich leise.
Sie hielt meinen Blick.
„Ja.“
Kein Triumph. Keine Schärfe. Nur Klarheit.
Sie nahm meine Hand.
„Du bist nicht weniger“, sagte sie ruhig. „Du bist anders. Und ich brauche beides.“
Die Spannung zwischen uns blieb.
Sie tat weh.
Und sie fühlte sich zugleich merkwürdig stimmig an.
~~~~~~~~~~
In den nächsten Tagen war Sandra irgendwie - anders. Es war nicht abrupt oder demonstrativ; es war eher wie eine kleine, aber klare Verschiebung. Sie suchte weiterhin meine Nähe. Vielleicht sogar mehr als zuvor. Wenn wir auf dem Sofa saßen, rückte sie dicht an mich heran, lehnte ihre Schulter gegen meine, legte ihr Bein über meines. Beim Einschlafen legte sie oft den Arm über meinen Bauch oder schob ihre Füße zwischen meine. So wie sie es schon immer getan hatte, nur inniger und - besitzergreifender.
Aber etwas fehlte.
Oder besser: Etwas ließ sie nicht mehr zu: Die kleinen Bewegungen, aus denen vielleicht langsam mehr entstehen konnte.
Einmal saßen wir abends nebeneinander auf dem Sofa. Ein Glas Wein, der Fernseher lief leise im Hintergrund. Sandra hatte den Kopf an meine Schulter gelegt. Ihr Haar streifte meinen Hals, ihr Atem ging ruhig und gleichmäßig. Ich legte meine Hand auf ihren Oberschenkel. Sie ließ sie dort.
Ihre Finger spielten mit meiner Hand, strichen über meinen Handrücken. Alles fühlte sich vertraut an. Fast automatisch glitt meine Hand ein Stück höher.
Sandra reagierte sofort. Nicht hastig oder direkt abwehrend. Ihre Finger legten sich einfach über meine Hand und hielten sie fest.
„Andreas.“
Ihre Stimme war ruhig. Ich stoppte.
Sie hob den Kopf und sah mich an. Ihr Blick war klar und aufmerksam.
„Ich möchte gerade nicht weitergehen.“
Ich nickte sofort. Doch sie ließ meine Hand noch einen Moment unter ihrer liegen.
„Nicht, weil ich dich nicht will“, sagte sie leise. Sie richtete sich ein wenig auf und drehte sich halb zu mir. „Sondern weil ich mich bewusst zurückhalte.“
Ich wusste sofort, worauf sie hinauswollte.
„Wegen Nürnberg“, sagte ich.
Sie nickte.
„Ja.“
Der Moment blieb einen Augenblick zwischen uns stehen.
„Ich möchte diese Vorfreude spüren“, erklärte sie ruhig. „Dieses Aufbauen der Spannung.“
Sie sah mich direkt an.
„Ich möchte mit voller Lust dorthin fahren.“
Ich schluckte.
Sandra hob die Hand und strich mir kurz über die Wange.
„Aber du bist mein Zuhause“, sagte sie leise. „Und ich liebe nur Dich!“
Der Satz drang warm in mich ein. Und gleichzeitig schmerzte er.
Sie lehnte sich wieder an mich, als wäre alles damit gesagt. Doch mein Körper reagierte anders als mein Kopf. Ihre Nähe. Ihre Wärme. Der Duft ihres Haars. Ich versuchte still zu bleiben. Wirklich. Aber irgendwann legte ich meine Hand wieder auf ihren Bauch. Diesmal vorsichtiger.
Sandra atmete langsam aus. Einen Moment blieb sie still liegen, als würde sie in sich hineinspüren. Dann setzte sie sich auf.
„Komm“, sagte sie leise.
Sie nahm meine Hand und zog mich mit ins Schlafzimmer. Das Licht war gedämpft. Nur die kleine Lampe auf der Kommode brannte und tauchte den Raum in warmes, weiches Licht.
Sandra setzte sich auf die Bettkante und zog mich zwischen ihre Knie, sodass ich dicht vor ihr stand.
Für einen Moment sah sie einfach zu mir auf. Ihr Blick war ruhig und aufmerksam. Dann legte sie beide Hände an meine Hüften und zog mich ein kleines Stück näher, bis ihre Stirn kurz meine Brust berührte.
„Du bist gerade ziemlich angespannt“, murmelte sie.
Ich sagte nichts. Sie wusste es ohnehin.
Langsam glitt eine ihrer Hände über meinen Bauch. Sie spürte die Spannung in meinem Körper, das unruhige Heben meines Atems.
„Ich möchte nicht, dass du mit diesem Druck herumläufst“, sagte sie leise.
Dann sah sie wieder zu mir auf.
„Aber mehr als das geht gerade nicht.“
Ich nickte sofort. Es fühlte sich seltsam an. Dankbar – und gleichzeitig ein wenig beschämt.
Sandra zog mich noch ein kleines Stück näher zwischen ihre Knie. Dann begann sie, mit ruhigen, sicheren Bewegungen meine Kleidung zu öffnen. Ihre Finger arbeiteten konzentriert, beinahe sachlich, während ihr Blick immer wieder kurz zu meinem Gesicht wanderte.
Der Stoff meiner Hose lockerte sich, als sie ihn ein Stück nach unten schob. Ich spürte plötzlich die Wärme ihrer Hände direkt an meiner Haut. Für einen Moment hielt sie inne, als würde sie prüfen, wie ich reagierte.
Dann begann sie mich zu berühren. Langsam. Ruhig. Nicht hastig. Nicht gierig. Ihre Bewegungen hatten etwas Bedachtes, fast Fürsorgliches. Sie schenkte mir Aufmerksamkeit und führte nicht einfach nur eine Handlung aus.
Ich merkte, wie mein Atem schneller wurde.
Sandra beobachtete mich dabei. Manchmal sah sie auf ihre Hände. Manchmal in mein Gesicht. Und in ihrem Blick lag nichts Spöttisches. Eher eine stille, fast zärtliche Wachsamkeit, als würde sie genau wahrnehmen, was in mir vorging.
Die Spannung, die sich über Tage aufgebaut hatte, begann sich zu lösen. Sandra spürte es sofort.
Sie veränderte ihre Bewegungen kaum, hielt denselben ruhigen Rhythmus, dieselbe konzentrierte Nähe. Nur ihr Blick wurde noch aufmerksamer. Ein kleines, zufriedenes Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie merkte, wie mein Körper schließlich nachgab und die aufgestaute Spannung sich entlud.
Sie ließ ihre Hände danach noch einen Moment ruhig, wo sie waren, als wollte sie sicherstellen, dass mein Atem wieder gleichmäßig wurde. Dann zog sie mich sanft zu sich.
Ich setzte mich neben sie aufs Bett. Sie legte den Arm um meine Schultern und drückte mich kurz an sich. Mein Kopf lehnte gegen ihre Schulter, während sie mit langsamen Bewegungen über meinen Rücken strich.
„So ist es besser“, murmelte sie.
Ihre Finger glitten einmal ruhig über meinen Nacken.
Keine Erotik mehr. Nur Nähe. Nur Vertrautheit.
Nach einer Weile stand sie auf und ging zum Fenster. Ich blieb noch einen Moment auf dem Bett sitzen.
„Ich möchte wirklich, dass dieses Wochenende etwas Besonderes wird“, sagte sie schließlich.
Sie drehte sich zu mir um.
„Deshalb halte ich mich gerade zurück.“
Ich nickte. Und ich merkte, dass ich es verstand.
Zumindest ein Teil von mir.
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In den folgenden Tagen setzte sich ihr Verhaltensmuster fort. Sandra suchte meine Nähe – aber sie bestimmte die Grenze.
Einmal küsste ich sie in der Küche länger als sonst. Meine Hand glitt über ihren Rücken, zog sie enger an mich. Für einen kurzen Moment erwiderte sie den Kuss intensiv. Dann legte sie zwei Finger gegen meine Brust und schob mich sanft ein Stück von sich weg.
„Nicht weiter“, sagte sie ruhig.
Ein anderes Mal lagen wir nachts im Bett. Sie lag dicht bei mir, ein Bein über meinem. Ich spürte, wie mein Körper reagierte. Meine Hand wanderte über ihren Rücken, tiefer, bis zu ihrer Hüfte.
Sandra griff meine Hand. Nicht hart. Aber bestimmt. Sie führte sie wieder nach oben.
„Schlaf“, murmelte sie. Und legte den Kopf an meine Schulter.
Diese kleinen Gesten wiederholten sich. Nie kühl abweisend. Aber immer klar. Und jedes Mal spürte ich dieses seltsame Gemisch aus Frustration und Erregung.
Sandra bemerkte es. Natürlich bemerkte sie es.
Ein paar Tage später saßen wir am Küchentisch. Sie scrollte durch ihr Handy, während ich meinen Kaffee trank. Plötzlich sagte sie beiläufig:
„Du musst übrigens noch Kondome besorgen.“
Ich sah auf.
„Für Nürnberg.“
Der Satz traf mich unvorbereitet.
Sandra blickte kurz auf, als hätte sie nur eine organisatorische Kleinigkeit erwähnt.
„Ich möchte nicht riskieren, dass wir dort keine haben.“
Sie stellte die Tasse ab.
„Am besten eine große Packung. So viele, wie wir im Ressort hatten.“
Ihre Stimme blieb ruhig. Sachlich. Es war keine Provokation darin. Keine Ironie. Es klang eher wie eine praktische Absprache.
Gerade deshalb traf es mich so.
Ich spürte, wie sich etwas in meinem Bauch zusammenzog. Sandra beobachtete mich einen Moment. Dann lächelte sie leicht, nicht spöttisch, sondern eher nachdenklich.
„Du reagierst ziemlich stark darauf“, stellte sie ruhig fest.
Ich antwortete nicht sofort. Weil sie recht hatte. Da war Schmerz. Da war Eifersucht. Und gleichzeitig spürte ich, wie mein Körper auf eine Weise reagierte, die ich mir selbst kaum eingestehen wollte. Es machte mich scharf.
Sandra sah es. Natürlich sah sie es. Sie beugte sich ein kleines Stück über den Tisch. Ihre Finger berührten kurz meine Hand.
„Es ist in Ordnung“, sagte sie leise.
Der gleiche Satz wie ein paar Tage zuvor. Und wieder traf er mich tief.
Sie zog ihre Hand zurück, nahm wieder ihr Handy.
„Vergiss es nicht“, sagte sie noch einmal ruhig. Dann wechselte sie das Thema. Als wäre es wirklich nur eine kleine Besorgung auf einer Einkaufsliste gewesen.
Aber für mich war es mehr. Viel mehr.
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Der Mittwoch kam schneller als gedacht. Seit unserem Gespräch über Nürnberg lag etwas Neues zwischen uns. Kein Streit, keine offene Spannung – eher eine stille Achtsamkeit. Als würde jeder von uns genau beobachten, wie sich der andere in Anbetracht des vor uns liegenden Wochenendes bewegte.
Am Abend zuvor lag Sandras kleiner Reisekoffer geöffnet auf dem Bett.
Ich lehnte im Türrahmen des Schlafzimmers und sah ihr zu, wie sie Kleidungsstücke sorgfältig zusammenlegte. Blusen, eine dunkle Stoffhose, ein Kleid, das ich besonders mochte. Ihre Bewegungen waren ruhig, fast konzentriert.
„Du musst nicht die ganze Zeit dort stehen“, sagte sie schließlich, ohne aufzusehen.
Ich trat ein.
„Ich schaue nur.“
Sie lächelte kurz.
„Dann komm wenigstens näher.“
Ich setzte mich auf die Bettkante. Zwischen uns lag der halb gepackte Koffer.
Eine Weile hörte man nur das leise Rascheln von Stoff.
„Du fährst morgen Abend direkt von der Arbeit los“, sagte ich schließlich.
„Ja.“
„Und kommst Sonntag zurück.“
„Sonntagabend“, bestätigte sie. „Du holst mich vom Bahnhof.“
Ich nickte. Natürlich wusste ich das alles längst. Wir hatten es präzise besprochen.
Sie fuhr schon Mittwochabend. Eigentlich war Donnerstag offizieller Reisetag, aber so hatte sie den Tag noch für sich.
Für ‚sich‘.
Der Gedanke lag schwer in meinem Magen.
Sandra bemerkte meinen Blick. Sie legte gerade ein leichtes Sommerkleid zusammen, hielt inne und sah zu mir.
„Was ist los, Andreas?“
Ich zögerte einen Moment. Dann sagte ich es einfach.
„Ich habe Angst.“
Der Satz hing kurz im Raum. Sandra legte das Kleid langsam in den Koffer und setzte sich mir gegenüber auf das Bett.
„Wovor?“
Ich sah auf meine Hände.
„Dich zu verlieren.“
Sie antwortete nicht sofort. Stattdessen streckte sie die Hand aus und legte sie auf meinen Unterarm. Eine ruhige, feste Berührung.
„Du verlierst mich nicht.“
„Manchmal fühlt es sich aber so an“, sagte ich leise.
Ihre Finger strichen einmal langsam über meine Haut.
„Weil ich mit Chris schlafe?“
Ich nickte. Es war seltsam, wie selbstverständlich sie das aussprach. Keine Scham. Keine Ausweichbewegung. Nur eine Tatsache.
Sandra sah mich lange an. Ihr Blick war ruhig und zärtlich.
„Andreas“, sagte sie schließlich leise. „Du weißt, dass ich dich liebe.“
„Ja.“
„Und du weißt auch, dass ich diese andere Seite brauche.“
Ich schwieg. Sie rückte ein Stück näher.
„Du hast sie doch selbst gesehen.“
Unwillkürlich dachte ich wieder an das Wochenende im Golfresort. An das Nachbarschlafzimmer. An die Fesseln an meinen Handgelenken. An die Geräusche durch die Wand.
Sandra musste meinen Gesichtsausdruck bemerkt haben.
„Chris bringt etwas in mir zum Vorschein“, sagte sie ruhig. „Etwas Körperliches. Etwas Wildes.“
Ihre Stimme blieb sachlich, aber nicht kühl.
„Aber mein Leben“, fügte sie hinzu, „mein Alltag, meine Pläne – das bist du.“
Sie nahm meine Hand.
„Du gibst mir Sicherheit.“
Ich sah sie an.
„Und er?“
Sandra lächelte schwach.
„Er bringt mich aus dem Gleichgewicht.“
Ich spürte wieder dieses verwirrende Kribbeln in meinem Körper. Sandra bemerkte es. Natürlich bemerkte sie es. Ihre Augen verengten sich leicht, als würde sie etwas prüfen.
„Du reagierst jedes Mal darauf“, sagte sie ruhig.
Ich wusste nicht, was ich antworten sollte.
„Wenn ich von ihm spreche“, fuhr sie fort. „Wenn ich dir sage, was er mit mir macht.“
Meine Finger verkrampften sich leicht.
„Ich sehe doch, was es mit dir macht.“ Sie sagte es nicht vorwurfsvoll, eher… beobachtend. „Du wirst scharf.“
Sandra beugte sich ein wenig näher zu mir.
„Du brauchst meinen Halt“, sagte sie leise. Der Satz klang nicht hart. Er klang wie eine Feststellung.
„Und ich brauche meine Freiheit.“ Sie strich mit dem Daumen über meinen Handrücken. „Deshalb funktionieren wir.“
Ich spürte, wie sich mein Widerstand langsam wieder in etwas anderes verwandelte. In diese Mischung aus Schmerz und Nähe, die ich inzwischen kannte. Sandra ließ meine Hand los und wandte sich wieder dem Koffer zu.
„Hilfst du mir?“
Ich nickte. Sie reichte mir einen Stapel zusammengelegter Shirts. Ich legte sie ordentlich in den Koffer. Es war eine merkwürdig intime Handlung. Gemeinsam einen Koffer packen – für ein Wochenende, von dem ich wusste, dass sie es mit einem anderen Mann verbringen würde.
Sandra griff in die Schublade ihres Nachttischs. Einen Moment lang zögerte sie. Dann legte sie eine flache Packung neben den Koffer.
Die Kondome.
Mein Magen zog sich kurz zusammen.
Sandra sah mich an.
„Du hast diesmal gleich genug besorgt.“
Ich nickte.
„Ja.“
Sie nahm die Packung auf, wog sie kurz in der Hand.
„Gut.“
Ihre Stimme war völlig selbstverständlich. Keine Provokation. Kein Spott. Nur eine ruhige Bestätigung einer Aufgabe, die ich übernommen hatte.
Sie legte die Packung in den Koffer zwischen ihre Kleidung. Ich sah zu, wie ihre Finger den Reißverschluss der kleinen Innentasche schlossen. Ein seltsamer Druck breitete sich in meiner Brust aus. Sandra musste es spüren. Sie drehte sich wieder zu mir.
„Das ist nicht leicht für dich“, sagte sie.
Ich schüttelte den Kopf, zögernd.
„Doch“, korrigierte ich mich leise. „Es ist… schwer.“
Sie nickte.
„Ich weiß.“
Dann legte sie ihre Hand an meine Wange. Ihre Berührung war warm.
„Aber du gehst diesen Weg mit mir.“
Ich schloss kurz die Augen.
„Ja.“
Sandra lächelte leicht.
„Weil du weißt, dass wir zusammengehören.“
Der Koffer war inzwischen fast fertig gepackt. Sie stand auf und zog den Reißverschluss ganz zu. Das Geräusch klang endgültig.
Für einen Moment standen wir beide einfach im Zimmer. Dann trat sie zu mir. Sie legte die Arme um meinen Nacken und zog mich in eine lange, ruhige Umarmung. Keine Leidenschaft. Keine Dringlichkeit. Nur Nähe. Ihr Kopf ruhte an meiner Schulter.
„Ich komme Sonntag zurück“, murmelte sie.
„Ich weiß.“
„Zu Dir. Und du holst mich vom Bahnhof.“
„Ja.“
Sie drückte mich kurz fester. Dann löste sie sich.
„Der Zug fährt morgen“, sagte sie.
Ich nahm den Koffer vom Bett, trug ihn die Treppe hinab und stellte ihn für sie im Flur ab. Als wir gemeinsam das Schlafzimmer verließen, wusste ich, dass sich etwas zwischen uns verändert hatte.
Aber es fühlte sich nicht wie ein Verlust an. Eher wie eine Entscheidung.
Eine, die wir beide getroffen hatten.
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