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Bis zum Horizont ... und darüber hinaus (fm:Das Erste Mal, 12317 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen

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Veröffentlicht: Aug 21 2026 Gesehen / Gelesen: 385 / 264 [69%] Bewertung Teil: 9.33 (6 Stimmen)
Part I von AKT II: Bis zum Horizont…


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Part I von AKT II: Bis zum Horizont…

Am nächsten Morgen wacht Tanja auf. Im ersten Moment begreift sie nicht, warum sie in Manuels enger Umarmung liegt. Erst nach und nach kehrt die Erinnerung an den Kuss zurück, daran, dass sie ihn geküsst hatte – und nicht umgekehrt. Und auch daran, wie er sich verhalten hatte: ganz der Gentleman. Wie versprochen hatte er nur angenommen, was sie ihm geschenkt hatte, ohne ihr je das Gefühl zu geben, etwas zu fordern. Er hätte den Moment missverstehen können … doch das tat er nicht. Immerhin habe ich ihn geküsst. Das musste doch in ihm Hoffnung auf mehr wecken, auf eine leidenschaftliche Nacht. Tanja, was hast du getan? War es das wirklich wert?

Vorsichtig löst sich Tanja aus seiner Umarmung und steht auf. Alles in ihr ist in Aufruhr. Barfuß schleicht sie in ihre Küche, die Dielen knarren leise unter ihren Schritten und die Luft trägt noch den dumpfen, feuchten Nachhall des nächtlichen Gewitters in sich. Als sie die Kaffeemaschine einschaltet, bricht deren Summen die Stille des frühen Morgens. Tanja setzt sich an den Tisch und wartet. Ein blasser Streifen Licht fällt durch das Fenster, legt sich über die Tischplatte und zeigt, dass der neue Tag das Unwetter vertrieben hat.

Als der Kaffee fertig ist, gießt Tanja sich eine Tasse ein und setzt sich wieder. Der herbe, dunkle Duft steigt sofort auf und füllt die Küche mit einer Wärme, die sie selbst aber nicht spürt. Ihre Finger krallen sich um das heiße Porzellan, als könne sie sich daran festhalten, während sich ihr Blick im schwarzen Spiegel des Kaffees verliert.

„Guten Morgen“, hört Tanja plötzlich Manuels vorsichtige Stimme. Die Worte überdecken weich das Brummen der Kaffeemaschine. Erschrocken fährt sie zusammen und ein heißer Tropfen schwappt über den Tassenrand auf ihre Finger. „Alles gut bei dir, Tanja?“ fragt Manuel, als er es bemerkt.

Langsam hebt Tanja den Blick und sieht ihn an. Manuel erkennt, dass ihre Augen voller Tränen sind. „Nein, Manuel, es ist nichts gut. Sei mir nicht böse, aber ich bitte dich zu gehen.“

„Tanja, wenn ich etwas falsch gemacht habe, dann sag es mir bitte“, erwidert Manuel schnell und erschrocken.

„Falsch gemacht? Manuel, du hast nichts falsch gemacht. Im Gegenteil – und genau deshalb musst du gehen“, antwortet Tanja und hält seinem Blick stand.

Wortlos dreht sich Manuel um, geht ins Schlafzimmer und zieht sich an. Kurz darauf erscheint er wieder im Türrahmen der Küche. „Ich habe dir immer gesagt, dass ich mit dem zufrieden sein werde, was du mir geben möchtest. Dass ich nichts fordern und dich respektieren werde. Deshalb gehe ich jetzt – und hoffe, bald von dir zu hören.“

Manuel dreht sich zum Gehen, als Tanja leise sagt: „Bitte sei mir nicht böse, Manuel. Ich kann dir im Moment nicht sagen, ob wir uns wiedersehen werden. In welcher Art auch immer. Oder ob ich mich selbst so überfordert habe, dass ich – um mich zu schützen – unsere Freundschaft beenden muss. Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen. Aber ich habe dir damals gesagt, dass ich mir die Möglichkeit offenhalten werde, unsere Freundschaft zu beenden.“ Während sie spricht, bleibt ihr Blick starr auf die Tischplatte gerichtet. Sie hat zu große Angst davor, in Manuels Augen zu sehen, wie sehr sie ihm gerade wehtut.

„Ich werde warten und jede Entscheidung akzeptieren. So, wie ich es dir schon gesagt habe. Auch wenn ich natürlich Angst davor habe, dich zu verlieren“, sagt Manuel und verlässt langsam das Haus. Für einen kurzen Moment bleibt nur der kühle Luftzug, den er mit hinaus nimmt, ehe das Haus in schweres Schweigen fällt.

Wie ein Auslöser wirkt das harte Einschnappen des Schlosses in der stillen Wohnung auf Tanja: bei ihr brechen alle Dämme. Das Geräusch hallt noch einen Moment in ihr nach, während ihr die Tränen schon heiß und unaufhaltsam über die Wangen laufen. Die Luft scheint plötzlich schwerer zu werden, als läge der ganze Morgen bleiern auf ihren Schultern. Es dauert eine ganze Weile, bis sie sich wieder beruhigt.

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