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Veröffentlicht: Aug 24 2026 Gesehen / Gelesen: 430 / 352 [82%] Bewertung Teil: 9.91 (11 Stimmen)
Das Ende eines Traums, acht Mann kampfbereit, Wiedersehen mit alten Freunden, ein Müllmann wird Patenonkel, Die Polizei – Dein Freund und Helfer, ein Rausschmiss, Rettung im letzten Moment

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„Klasse gekontert! Mich mit einem solchen Hintergrund und so gekonnt an der Nase herumzuführen – das lasse ich mir auch gern gefallen. Aber nun, meine Damen und Herren, zur Sache: Das Angebot anzunehmen ist heute den Mitfahrern erlaubt denen ich das erlauben darf. Die Kollegen vom Finanzamt und von der Polizei müssen selbst wissen was sie dürfen und was nicht. Rückfahrt dann nach eigenem Ermessen, aber denken Sie bitte daran, dass heute eigentlich ein normaler Öffnungstag hier ist und sowohl die als solche erkennbaren Behördenfahrzeuge als auch die Vielzahl der Autos Leute offenbar abgeschreckt haben. Mir wurde jedenfalls berichtet, dass mehrere Autos auf den Parkplatz fuhren, dann diesen aber sofort wieder verließen und so sicher ein nennenswerter Einnahmeausfall für den Club entstanden ist. Einen derart mustergültig geführten Betrieb mehr als unbedingt notwendig zu schädigen muss nun wirklich nicht sein.“

Von einem der Polizisten kam ein Einwand: „wir wollen gleich zurückfahren, möchten uns aber gern vorher den Lamborghini genauer ansehen. Können wir das vorziehen?“

Ich fühlte mich angesprochen.

„Na klar. Gehen wir raus.“

Die ganze Meute kam mit. Am Auto angekommen öffnete ich die Türen sowie Motorraum- und Kofferraumklappe. Die schloss ich aber gleich wieder nachdem jeder Interessierte einen Blick hineingeworfen hatte. Auf Wunsch einer der beiden Frauen startete ich den Motor, drückte ein paar Mal kräftig aufs Gaspedal. Der Sound war schon toll. Die ersten Leute trollten sich, darunter auch die beiden Polizisten. Einer der verbliebenen nunmehr durchaus gern gesehenen Besucher traute sich aus der Deckung, fragte oder er sich mal reinsetzen dürfe und war sichtbar stolz wie Oskar, bat einen Kollegen ein paar Aufnahmen von ihm im Auto zu machen. Zwei weitere schlossen sich an, wollten und bekamen dasselbe. Endlich traute sich auch der Ordnungsamtschef.

„Gerne“ kam es von mir. „Aber Moment“. Ich beugte mich in Auto, zog richtig theatralisch den Zündschlüssel ab. „Nicht, dass ich dann zwei habe!“

Allgemein große Augen, fragende Gesichter.

„Na ja, ein Auto das hier steht und dann eines das weg ist sind zusammen zwei.“

Die Leute lachten. Hatte ihr Chef schon wieder einen mitbekommen. Das gab es auch nicht alle Tage. Das Beste aber war: der Chef lachte mit!

Die verbliebenen Besucher bekamen ihr Getränk und trollten sich ebenfalls nachdem sie ausgetrunken hatten. Nur der Amtsleiter und eine junge Frau blieben noch da. Es entwickelte sich eine lockere Unterhaltung, in der er seine Begleiterin vorstellte.

„Sie ist seit ein paar Tagen als Referendarin bei mir im Amt eingesetzt. Als sie heute Morgen vom heutigen Termin erfuhr wollte sie unbedingt etwas erleben, unbedingt mitkommen. Von der rechtlichen Seite her ist das kein Problem, denn sie unterliegt ebenso wie alle anderen vom Personal der Verschwiegenheitspflicht und ist für die Dauer ihrer Zugehörigkeit Teil meines Amtes. In Anbetracht ihrer Jugend und – ich gebe es zu – ihres Geschlechts habe ich mir Gedanken gemacht ob ich ihre Teilnahme verantworten kann, habe mich dann dafür entschieden. Im Rückblick stellte sich das als die beste Entscheidung heraus, die ich heute getroffen habe. Mir war nicht bekannt, dass sie neben den regelmäßig von Abiturienten beherrschten Sprachen auch mehrere aus dem slawischen Sprachraum beherrscht – ihre Eltern stammen von dort, sie ist mehrsprachig aufgewachsen. Beste Voraussetzungen also, sich mit den Frauen in ihrer Muttersprache zu unterhalten. Sie hatte dadurch einen Zugang zu den Damen, den wir in der Verwaltung nie erhalten können. Als wir vorhin im Obergeschoss waren kam sie mit erst einer, dann mit immer mehr Prostituierten ins Gespräch. Ich hatte das gar nicht mitbekommen. Das was deren Tätigkeit im Zimmer angeht, wurde nur kurz angeschnitten. Interessanter waren die Arbeitsbedingungen ebenso wie Konflikte unter den Leuten, Abhängigkeiten von Weisungen des Chefs und Vergleichbares. Absolut erstaunt war sie als von der Harmonie im Umgang mit allen hier erzählt wurde, dass Einsatzpläne stets in Absprache miteinander und nicht durch alleinige Entscheidung des Chefs erstellt würden, die Aufteilung der durch den Clubbetrieb erzielten Einnahmen äußerst fair sei und sowohl Chef, Chefin und Kolleginnen stets bereit seien zu helfen wenn mal Probleme entstehen sollten. Zudem wäre nicht nur an Arbeit und schlafen gedacht, sondern im Obergeschoss auch ein Sportbereich eingerichtet, der frei genutzt werden kann. Alle sprachen davon, dass es in allen anderen ihnen bekannten Clubs ganz anders zugeht.

Nun, ich war angemessen überrascht als sie mir von den Unterhaltungen berichtete. Wir haben im Kreisgebiet noch zwei weitere Geschäfte dieser Art.“

Ich unterbrach ihn. „Uns ist nur eines bekannt.“

„Nein, zwei. Eins das schon länger besteht und das auch den Frauen bekannt ist. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und verrate Ihnen, dass dort eine Kontrolle ein ganz anderes Ergebnis hatte. Details darf ich Ihnen natürlich nicht nennen. Und eins, von dem wir nur zufällig erfahren haben. Dafür lag weder eine Anmeldung noch eine bauliche Abnahme für diese Art der Nutzung noch eine Gewerbeanmeldung durch den Betreiber oder für die Prostituierten noch eine Schankerlaubnis vor. Es gab gar nichts! Der Betrieb wurde natürlich sofort dicht gemacht, der angebliche Inhaber stellte sich als Strohmann heraus, der tatsächlich Verantwortliche konnte aber festgestellt und – es waren auch strafbare Handlungen festgestellt worden – wenige Tage später festgenommen werden. Damit wurde sogar noch ein offener Haftbefehl gegen ihn vollstreckt; er ist in Bezug auf die ihm anzulastenden Vorwürfe kein unbeschriebenes Blatt. Soweit kann ich Ihnen das erzählen, denn heute Vormittag war eine Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft angesetzt, in der genau diese Fakten zur Sprache kommen sollten. Ich will nicht so blauäugig sein und davon ausgehen, dass es nicht auch hier Probleme gibt, dass der Job für die Frauen nicht einfach ist, aber das was ich dort gesehen habe ist im Vergleich mit Ihrem Geschäft die Hölle, Ihres das Paradies.

Ich möchte mich bei Ihnen für Ihre Offenheit bedanken und hoffe, dass sich Ihr Einnahmeausfall in Grenzen hält. Und bei Ihnen (er sah mich an) möchte ich mich ebenfalls bedanken für die Unterstützung Ihres Freundes während der Kontrolle und für das einmalige Erlebnis, mal hinter dem Steuer eines so wunderschönen Autos Platz nehmen zu dürfen.“

Wir standen alle auf. Dieter bedankte sich für die faire Kontrolle. So etwas gehöre zum Geschäft und sei nun mal leider notwendig, wie gerade auch aus dem unmittelbar nach Eröffnung wieder dichtgemachten Betrieb ersichtlich sei. Ich schloss mich dem an, wies noch darauf hin, dass es ja dazu noch allseits Spaß gegeben habe. Es sei doch recht ungewöhnlich, dass ein Amtsleiter einen Bürger verklapst und sich dann umgekehrt dasselbe gefallen lässt, auch herzlich mitlacht.

Ich sah auf die Uhr und staunte. Es war bereits 18 Uhr! Üblicherweise begann während der wärmeren Jahreszeiten etwa jetzt das Hauptgeschäft des Tages und tatsächlich – der Parkplatz am Haus füllte sich, Gäste klingelten. Die ersten fragten was das für ein Auflauf gewesen sei. Als sie erfuhren, dass es sich um eine Kontrolle gehandelt habe, waren sie froh, dass sie nicht da rein geraten waren.

Eingedenk der Bitte von Dieter mich um die Neuen zu kümmern, sah ich nach ob eine der beiden frei wäre. Tatsächlich war eine wohl schon mit einem Gast unterwegs, die andere saß noch im Partyraum. Ich setzte mich zu ihr, wurde auch gleich angesprochen. Sie stellte sich als Ilona vor. Erst gab es den üblichen Smalltalk. Dann wurde es spannend als es um das ging was man so miteinander anstellen konnte. Sie war kaum geschminkt, sagte zu meiner Überraschung ja zu einem Besuch in der Sauna. Also begaben wir uns dorthin. Die Unterhaltung wurde intensiver, flüssiger. Während wir so vor uns hin schwitzten gab es schon die ersten Streicheleinheiten, mehr aber nicht. Irgendwann war es genug, wir gingen unter die Dusche. Als ich ihr sagte ich ginge noch in den Whirlpool kam sie mit. Ich war überrascht. Auch da ging die Unterhaltung weiter, nun auch recht flott von ihr auf Deutsch geführt! Ich war nun davon überzeugt, dass sie eine Rolle spielte, ich wusste nur noch nicht welche. Im Pool sprachen wir dann auch ab was im Zimmer laufen würde. Kurz gesagt: Standard, keine Küsse, kein Analverkehr. Dort lief dann das ab was abgesprochen war. Ich war zufrieden, sie bekam ihren Jeton und ein verbales Dankeschön, war mit mir offenbar auch einverstanden.

Nach dem Duschen erst mal Ins Esszimmer, die verbrauchten Kalorien nachfüllen, dann wieder in den Partyraum. Obwohl weder die Zwillinge noch Katharina heute im Plan standen waren alle Drei unten, wollten mit mir eine Privatnummer schieben. Überraschte Aufmerksamkeit sowohl bei den beiden neuen Frauen als auch bei den Gästen. Die anderen Mädels kannten mich ja und wussten um den Abschluss unseres gemeinsamen Ausflugs vor einiger Zeit. Ich lehnte ab, meinte sie sollten nicht enttäuscht sein, aber ich hätte etwas anderes vor. Während die Drei sich schmollend zurückzogen sah ich nach der anderen Neuen. Sie saß tatsächlich auf der Couch, hatte keinen Gast neben sich. Ich ging zu ihr, setzte mich neben sie und startete dasselbe Programm wie bei ihrer Vorgängerin. Sie nannte sich Iris, kam ebenso wie Ilona mit in die Sauna, anschließend in den Pool und bot auf dem Zimmer ebenfalls das Standardprogramm. Auch sie zeigte während unserer Unterhaltung immer besser werdende Deutschkenntnisse, allerdings nicht so sehr unterschiedlich wie Ilona. Ich war davon überzeugt: auch sie spielte eine Rolle und sie und Ilona gehörten zusammen. Und noch einen Unterschied gab es: als wir das Zimmer verlassen wollten und uns anzogen fiel aus ihrem Höschen ein kleiner Gegenstand heraus, sah so aus wie ein USB-Stick. Ich stellte schnell meinen Fuß drauf, tat so als hätte ich mich gestoßen, gab ihr ihren Jeton und schickte sie dann aus dem Raum, ich käme gleich nach. Sie verließ das Zimmer, ich stand auf, steckte den Stick ein und ging zu den Männerduschen. In dem Moment kam mir Iris entgegen, war in Eile. Ich grinste innerlich: zu spät!

Mein Weg führte dann an der Dusche vorbei durch den Eingangsbereich zu Dieter ins Büro. Ihm legte ich den Stick auf den Tisch. Vorher hatte ich mir ihn kurz angesehen, eine Linse und ein paar Bedienungselemente erkannt. Ich vermutete, dass es sich um eine Kamera handelt. Im Laden galt strengstes Fotografierverbot! Sowohl auf dem Aushang im Eingangsbereich als auch auf den Unterlagen, die die Frauen durchlesen und unterschreiben mussten bevor sie hier arbeiten durften, stand das ausdrücklich drin, im Aushang in vielen, in den Unterlagen auf Deutsch und der jeweiligen Muttersprache.

Ich schilderte was ich mit den beiden Frauen erlebt und was ich festgestellt hatte, aus welchen Gründen ich der Überzeugung war, dass beide eine Rolle spielten und zusammengehörten. Nur wusste ich zunächst nicht was beabsichtigt war. Das stand nunmehr fest: Fotos machen und irgendeinem Dritten sicher mit zugehörigen Informationen vorlegen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ging ich davon aus, dass auch Ilona eine solche Kamera mit sich führte. Dieter ließ sie rufen, sie kam auch rasch.

Dieter wies ihr einen Stuhl zu, setzte sich hinter seinen Schreibtisch, ich stellte mich hinter den Stuhl. Wortführer war ich.

„Ein Hinweis: Zur Beweissicherung wird jetzt alles was in diesem Raum passiert aufgezeichnet. Du gibst mir jetzt Deine Kamera!“

„Wieso, was, welche Kamera? Ich habe keine.“

„Ich weiß, dass Du eine kleine Kamera in Form eines USB-Sticks bei Dir hast. Die von Deiner Kollegin habe ich schon.“

„Ich habe keine Kamera!“

„Lügen haben kurze Beine. Du brauchst nicht rot zu werden (wurde sie auch nicht, aber ich konnte ja so tun als ob. Schließlich war kein Spiegel im Raum). Du hast Kenntnis davon, dass absolutes Fotografierverbot im Haus besteht. Der Einzige, der davon Ausnahmen erlauben kann, ist Dieter. Du hast keine Erlaubnis, aber dennoch die Kamera hier unten mitgeführt. Wir heben jetzt zwei Möglichkeiten: entweder Du rückst die Kamera raus oder Du ziehst Slip und BH aus und erhältst sie erst wieder wenn ich sie nach dem Gerät durchsucht habe. Wenn Du dazu länger brauchst ist das kein Problem. Abhauen kannst Du nicht.“

„Das ist Freiheitsberaubung! Ich zeige Dich an!“

„Mach das. Du hast die Hausregeln unterschrieben, aber dennoch eine Kamera mitgeführt und, wie sich zeigen wird, Fotos gemacht oder sogar gefilmt. Ich werte das so ganz einfach mal als Hausfriedensbruch, Verletzung des Anspruchs auf Schutz der höchstpersönlichen Lebenssphäre und somit sowohl als Straftat als auch als rechtliche Grundlage für die Forderung nach Schadenersatz und Schmerzensgeld. Gegen Hausfriedensbruch darf ich mich sehr wohl zur Wehr setzen. Ob das hier das angemessene Mittel ist kann später gern ein Richter entscheiden. Jetzt aber entscheiden erst mal wir!“

„Okay, ich beuge mich der Gewalt.“ Sie griff in ihren Slip, fummelte ein wenig darin rum und zog ebenfalls eine USB-Kamera raus. Ich nahm sie mit einem Taschentuch entgegen, meinte nur „wegen Fingerabdrücken.“

„Habt Ihr noch weitere Aufzeichnungsgeräte für Bild oder Ton? Ich weise darauf hin, dass es kein Problem ist Eure Sachen zu durchsuchen.“

„Nein, weiter haben wir nichts.“

„Gut, dann können wir etwas gemütlicher werden.“ Ich nahm mir einen Stuhl, setzte mich neben Dieter.

„Die Sticks werden wir uns gleich mal ansehen. Wenn da Gesichter oder Angaben drauf sind die die Identifizierung von Einzelpersonen ermöglichen, gnade Euch Gott. Dann geht es knallhart weiter.“

„Nein, wir haben immer darauf geachtet, dass wir keine Personen oder Gespräche aufnehmen. Wir sollten dokumentieren wie die Räumlichkeiten aussehen, wie deren Pflegezustand ist, was an Saunen, Pools und anderen Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden ist, wie die Frauen behandelt werden und noch so ein paar andere Sachen.“

„Ihr solltet, also ist das eine Auftragsarbeit. Wer seid Ihr und für wen arbeitet Ihr?“

„Also, unsere Personalien haben wir richtig angegeben. Eigentlich arbeiten wir als Nutten in der Helenenstraße in Bremen. Hierher sind wir aber im Auftrag der Zeitschrift „Sex im Club“ gekommen. Wir sollten das Bildmaterial für einen Artikel liefern und nach Möglichkeit uns zum Schluss outen und mit dem Betreiber ein Interview führen. Die Bilder wären sowieso nur verwendet worden wenn Dieter die Freigabe dafür erteilt hätte. Irgendwie war es da auch ziemlich dumm von mir, dass ich vorhin gemauert habe als die Herausgabe der Kamera verlangt wurde.

Eigentlich sollten wir nur eine Woche bleiben, aber es hat uns hier so gut gefallen, dass wir noch was drangehängt haben. Wir hatten genau denselben Eindruck wie die Leute, die die Kontrolle gemacht haben, konnten hören was die auf dem Hof besprachen bevor sie in die Autos stiegen und wegfuhren.“

Ich ging kurz raus und bat eines der Mädchen Iris ins Büro zu schicken. Die kam dann auch gleich. Bevor ich was sagen konnte legte Ilona gleich los.

„Iris, Schätzchen, wir sind aufgeflogen, ich habe ausgepackt. Die wissen alles. Den Kopf abreißen werden sie uns nicht.“

„Stimmt“ meinte Dieter. „Aber jetzt sehen wir uns erst mal die beiden USB-Sticks an.“ Er steckte den den ich gefunden hatte in den Computer und startete ihn. Zu sehen waren jede Menge Fotos, teils recht detaillierte Ansichten, von den Räumen, der Sauna, dem Whirlpool und der Außenanlage mit dem großen Swimmingpool. Auch die beiden Geldspielautomaten waren zu sehen, ebenso der Kicker. Der andere hatte denselben Inhalt. Tondokumente gab es nicht, Personen waren nirgendwo zu sehen. Gemeinsam war allen, dass es richtig gekonnte Aufnahmen waren. Beide Frauen hatten offenkundig ein gutes Händchen als Fotografin.

„Auch wenn es meine Räume sind und die Aufnahmen entgegen einem Verbot gemacht wurden – das Urheberrecht an den Aufnahmen habt Ihr. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten“ fing er grinsend an, „entweder ich beschlagnahme beide Sticks, denn einfach die Inhalte löschen reicht nicht aus weil diese mit entsprechenden Mitteln wieder sichtbar gemacht werden können (beide fingen fast an zu heulen). Oder ich erhalte von Euch schriftlich ein unbegrenztes Kopier- und Verwendungsrecht, ziehe mir von beiden Sticks eine Kopie und Ihr bekommt danach Euer Interview. Selbstverständlich bekomme ich dann auch ein paar Belegexemplare, so etwa 50 Stück. Wie siehts aus?“

Ilona sprang auf, flitzte um den Schreibtisch rum und knutschte Dieter ab, dass ihm Hören und Sehen verging, zumal Iris mit ihm auf der anderen Seite dasselbe machte. Ich sah mir das kurz an, sah Dieters ratlosen und völlig überraschten Gesichtsausdruck und fing an zu lachen, konnte fast nicht mehr aufhören.

Inzwischen war es schon nach 20 Uhr. Der Laden brummte, das Haus war voll, die Mädels sicher gut beschäftigt. Ich hatte plötzlich keine Lust mehr noch länger zu bleiben, sehnte mich nach einer Kuschelrunde mit Helena. Also rein ins Auto und nach einer Stunde war ich zuhause. Udo bekam gerade seine Abendmahlzeit, war kurz nach meiner Ankunft satt und wurde auf die Schulter zum Bäuerchenmachen genommen. Ich blickte sinnend auf Helenas Brust.

„Möchtest Du mal probieren?“

„Ich, völlig überrascht: „gerne!“ Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.

Die andere Brustwarze zwischen die Lippen genommen, erst kurz nach alter Gewohnheit angefangen sie mit der Zunge zu reizen bis mir einfiel was ich eigentlich machen wollte. Also erst vorsichtig, dann etwas stärker gesaugt. Gut, der Geschmack war jetzt nicht so meins, aber das war ja egal. Maßgeblich war Udos Meinung dazu und ihm schien es ja geschmeckt zu haben.

Als ich aufhörte versteckte Helena ihre Schätze wieder im BH, umarmte mich und dann gab es Kuscheln und Knutschen satt. Danach begann das erwartete Verhör. Schon beim Bericht von der Kontrolle bekam sie vor Staunen den Mund nicht mehr zu und als ich ihr dann erzählte wie wir die beiden Neuen entlarvt und verklapst hatten kriegte sie sich vor Lachen nicht mehr ein. Spitze war dann aber meine pantomimische Darstellung von Dieters Sprachlosigkeit und ratlosem Gesichtsausdruck als die beiden Frauen ihn so unerwartet und heftig herzten.

Ich erfuhr dann, dass meine Frau auch fleißig gewesen war. Sie hatte mit Cordula und Lydia schon einen Termin für die gemeinsame Taufe unserer vier Babys gefunden, den mit dem Pastor abgeklärt und auch schon dieselbe Gaststätte und denselben Caterer wie bei der Hochzeitsfeier mit im Boot. Auch die Gästeliste war bereits weitgehend fertig. An erster Stelle stand bei uns natürlich Dennis. Der war bei Cordula und Dieter auch auf dem ersten, bei Lydia und Reiner aber auf dem zweiten Platz. Davor standen – verständlich – ihre Eltern und ihre Geschwister.

Dennis war – das hatten wir aber erst erfahren als wir ihn das erste Mal besuchten – schon vor etlichen Jahren verwitwet – seine Frau hatte schon in sehr jungen Jahren den Kampf gegen ihre Leukämie verloren. Kinder hatte er deshalb nicht, freute sich umso mehr als ihm von allen drei Paaren die Patenschaft für ihre Babys angetragen wurde.

Obwohl er schon lange Witwer war hatte es mit einer neuen Beziehung bisher nicht geklappt. Insbesondere als er noch nicht der Star von heute war gab es hin und wieder mal ein paar oder einzelne Nächte mit Frauen. Entwickelt hatte sich nie etwas daraus. Auch probierte er es mit Besuchen bei Callgirls, doch auch die brachten nur körperliche, nicht aber emotionale Entspannung. Jetzt, wo er bekannter war, hielt er sich zudem in dieser Hinsicht zurück. Sogar Groupies hatten sich ihm angeboten, aber darauf war er nie eingegangen.

Auch Jürgen, mein Bruder – er war inzwischen geschieden -, sollte eingeladen werden. Bei unserer Hochzeitsfeier war er berufsbedingt verhindert. Diesmal konnte er kommen. Seine beiden Jungs, auch das hatte mein fleißiges Lieschen schon geklärt, bekamen für den Anreisetag keine Schulbefreiung, konnten deshalb nicht dabei sein. Ihre Betreuung würde seine Nachbarin übernehmen. Über diese Zusage freute ich mich sehr. Wir hatten uns nun schon einige Jahre nicht gesehen, der letzte Besuch bei ihm war kurz nachdem Helena und ich ein Paar geworden waren. Da war seine Ehe noch intakt. Kurz danach hatte es wohl angefangen, dass seine Ex ihre Zukunft in anderen Betten sah und sich dabei auch noch von der Frau eines ihrer Liebhaber erwischen ließ. Es war eine ihrer Freundinnen, na ja, Exfreundinnen, die meinen Bruder auch kannte und nichts Besseres zu tun wusste als ihm ein paar Fotos zu schicken. Drei Tage später lagen die zusammen mit dem Auftrag die Scheidung einzuleiten, beim Anwalt.

Auch zur Taufe eingeladen werden sollte das Personal aus meinem und dem Betrieb von Reiner. Dieter wollte außer Kathi, Anja und Christina nur noch zwei oder drei weitere Frauen aus dem Club dabei haben. Platt war ich als er mich fragte ob wir nicht als Fotografen Ilona und Iris engagieren wollten. Die hatten im Club doch wirklich gute Fotos gemacht. Ich fand die Idee toll, Reiner und unsere Frauen auch. Die Adresse hatte Dieter noch, er würde sich darum kümmern. Auf der Gästeliste stand natürlich auch der Pastor.

Als Helena meinen älteren Bruder erwähnte bekam ich schlagartig ein schlechtes Gewissen wegen meines jüngeren Bruders. Nach seiner Bestattung war ich nur noch einmal an seinem Grab gewesen, nahm mir vor es sobald wie möglich zu besuchen. Helena wollte zuhause bleiben. Fand ich richtig. Sie mit dem Kleinen ein paar Stunden im Auto hin und dann gleich dasselbe wieder zurück, wenn es nicht unbedingt erforderlich war brauchten wir das nun wirklich nicht.

Am nächsten Morgen setzte ich mich mit meinen Leuten im Betrieb zusammen, meldete mich für den Tag ab und ging nach Hause. Gegen 11 Uhr fuhr ich los, hatte den Firmenwagen genommen. Ich war noch keine Viertelstunde unterwegs als sich das Smartphone meldete. Über die Freisprechanlage nahm ich den Anruf an. Dieter meldete sich.

„Robert, es ist soweit! Ich habe eben wieder einen Anruf mit unbekannter Nummer bekommen. Es war Karin. Sie fragte ob sie zu mir kommen kann; sie braucht dringend Schutz vor ihrem Zuhälter. Die Frau klang genauso panisch wie in ihrem Anruf vor einiger Zeit, war aber besser zu verstehen. Sie sitzt gerade im Zug, kommt in knapp einer halben Stunde in der Kreisstadt an. Ich hole sie vom Bahnhof ab. Kannst Du Deinen Kumpels Bescheid sagen? Wenn das wieder so läuft wie damals steht die Limousine bald wieder auf dem Hof.“

Ich drehte sofort um, rief Helena an und informierte sie über die Planänderung. Anschließend setzte ich unseren Alarmplan in Gang, rief zwei von den Sportfreunden an, die wieder zwei und so weiter. Festgelegt war auch wer wen anrufen würde, so dass auch bei Ausfall eines Glieds der Telefonkette doch alle anderen verständigt würden. Kurz danach kam ich am Sammelpunkt an. Sehr schnell, innerhalb von 5 Minuten, waren wir vollzählig, fuhren mit beiden Bullis los, waren in Eile und riskierten sogar geblitzt zu werden. Wir hatten jedoch Glück. Eine Dreiviertelstunde später waren wir da. Dieter war noch nicht zurück, aber die Mädels hielten wohl Wache. Unsere Bullis kannten sie. Kathi öffnete uns das Tor zum Geheimparkplatz. Ausgestiegen, durch den Nebeneingang ins Haus und dann erst mal nachgefragt was die Frauen wussten. Die waren aber genauso schlau wie wir.

Bald darauf kamen Dieter und Karin an, stiegen aus. Karin trug Klamotten, deren bessere Zeiten sicher schon lange zurücklagen. Im Gesicht hatte sie eine große Sonnenbrille. Dieter meinte nur „schlimm! Erklärungen wenn wir im Haus sind.“

Im Haus angekommen beorderte er sofort zwei Frauen in verschiedene Zimmer des Obergeschosses. Sie sollten unabhängig voneinander Ausguck nach ankommenden Fahrzeugen halten und diese sofort melden. Außerdem hatten wir an den Fenstern dieser beiden Räume Videokameras bereit gelegt. Die sollten sofort eingeschaltet und von Frauen bedient werden sobald ein verdächtiges Fahrzeug auf den Hof fuhr. So war gewährleistet, dass alles aufgezeichnet wurde.

Karin nahm die Sonnenbrille ab. Zu sehen waren zwei Veilchen. Als sie die Jacke auszog – sie trug darunter nur ein Top – erschraken wir noch einmal. Die Arme zeigten mehrere große und etliche kleine Blutergüsse, die teils schon älter, teils sogar noch frisch waren. Erst stockend, dann doch einigermaßen flüssig begann sie zu erzählen. Sie hatte sich etwas in einen Gast verliebt. Dieser kam, nachdem sie einige Mal zusammen auf dem Zimmer waren, fast jede Woche, wollte immer nur mit ihr zusammen sein. Ihr schmeichelte das natürlich und weil er sich beim Sex immer um sie bemühte, bald auch bei jedem Besuch eine Kleinigkeit mitbrachte, entwickelte sich mit der Zeit zunächst ein Gefühl der Dankbarkeit, später auch eine gewisse Zuneigung. Nach etwa zwei Monaten schlug er ihr dann vor aus dem Job auszusteigen und zu ihm zu ziehen; er habe sich in sie verliebt. Aussteigen wollte sie sowieso, hatte aber keine Chance gesehen ihren Lebensunterhalt auf andere Weise zu verdienen und als er ihr sagte, dass bei einem Kumpel im Büro ein Arbeitsplatz frei wäre, hätte sie zugestimmt.

„Ich war soooo glücklich und sollte genauso enttäuscht werden! Ich verabschiedete mich hier von den Frauen, vor Allem aber von Dieter und Cordula. Es war wirklich eine tolle Zeit hier, aber ich wollte endlich in ein seriöses Leben wechseln. Mit Ludwig fuhr ich dann zu seinem Zuhause. Das war ein Dorf etwa eine gute Autostunde von hier entfernt. Er hatte da ein schönes Haus. Zuerst hatten wir eine tolle Zeit. Er zeigte mir die Umgebung, wir gingen oft essen, einige Mal auch tanzen. Einmal fuhren wir sogar für eine Woche nach Italien. Seinen Freund, bei dem ich meine Arbeit aufnehmen sollte, besuchten wir auch ein paar Mal. Dort gefiel es mir nicht sonderlich, der zog mich förmlich mit den Augen aus.

Ludwig und ich hatten außer in der Zeit wo ich meine Tage hatte regelmäßig Sex, oft auch mehrmals am Tag. Er achtete auch immer darauf, dass ich auch meine Orgasmen hatte, schaffte es aber nicht immer. Geil war es schon, aber wenn der Höhepunkt nicht kam spielte ich ihm einen vor und gut wars. Eines Tages fragte er mich ob ich bei einem Dreier mitmachen möchte. Sein Freund – ich hatte meine Arbeit (leichte Bürotätigkeiten, die mich zeitlich bei weitem nicht auslasteten; den Rest der Zeit war ich nur am Computer am daddeln) bei dem schon angetreten – möchte mich auch gern mal vernaschen. Nun, als ehemalige Prostituierte war das ein für mich nicht so ungewöhnliches Ansinnen. Gefallen tat es mir nicht, aber nachdem Ludwig sich sehr dafür aussprach – wir würden uns doch lieben, ich solle es auch für ihn tun – stimmte ich zu. Der Abend war schlimm. Der Mann behandelte mich als sei ich ein Gegenstand. Tags darauf beschwerte ich mich bei Ludwig, der aber redete meine Abneigung gegen seinen Freund klein. Dieser Dreier wiederholte sich noch ein paar Mal, dann standen eines Abends nicht nur zwei Männer im Schlafzimmer, sondern gleich acht oder neun. Ich wehrte mich, aber sie zwangen mich zum Gangbang, filmten das sogar. Von da an war es vorbei mit nett. Ich musste aus dem Haus raus, wurde in ein ehemaliges Fabrikgebäude gebracht und dort förmlich gefangen gehalten, durfte nie allein aus dem Haus. In den Monaten danach wiederholte sich der erzwungene Sex regelmäßig. Ich musste dann auch mit anderen Männern schlafen. Ruhe vor den Verbrechern hatte ich nur wenn ich meine Tage hatte.

In diesem Gebäude wurden noch mehr Frauen festgehalten. Manchmal hörte ich eine weinen und einmal, als ich gerade mit einem Mann fertig war und aus dem Zimmer kam, ging Ludwig vor mir, trug eine junge Frau auf der Schulter, die sichtbar Verletzungen hatte. Neben ihm lief einer der anderen Widerlinge, hatte einen Baseballschläger in der Hand, der an einer Stelle rot war. Ich war mehr als erschrocken, mir wurde erst jetzt in letzter Konsequenz klar in was ich da reingeraten war. Da kam noch dazu, dass Ludwig grinsend einen Schlagring aus der Tasche zog und dazu sagte „wer abhaut, den kriegen wir. Immer! Und dann gibt es was mit dem Schläger oder diesem Spielzeug und wenn das nicht reicht eben mit beidem!

Die Freier waren durchweg widerlich, gewalttätig. Misshandlungen waren an der Tagesordnung. Zu Anfang wollte ich mich wehren, protestierte gegen diese Behandlung. Zu hören bekam ich, ich wäre eine Nutte, nur eine Fotze, ein Stück Fickfleisch. Dazu wurde ich noch heftig verprügelt. Ich ertrug das noch einige Zeit bis mir klar wurde, dass ich da nie wieder raus kommen würde und in Anbetracht der gezeigten Brutalität möglicherweise sogar umgebracht werden würde wenn ich denen nicht mehr nützlich bin. Ich musste so schnell wie möglich abhauen.

Mein Handy hatten die mir natürlich abgenommen. Selbst wenn ich es noch gehabt hätte – ich wusste ja gar nicht wo genau ich mich aufhielt und dass die Polizei ein Handy einpeilen und so den Standort bestimmen konnte würde sicher – wenn überhaupt möglich – länger als ein Telefonat dauern. Irgendwann sah ich ein Gerät liegen, schnappte es mir. Der einzige, jedenfalls der einzige, der mir einfiel, der mir vielleicht helfen konnte, war Dieter. Die Rufnummer vom Club wusste ich noch. Angerufen und sofort losgelegt, bis ich nach ein paar Sekunden jemand kommen hörte. Telefonat beendet und das Ding wieder auf die Kommode gelegt. Mein Martyrium ging unvermindert weiter. Manchmal war es so schlimm, dass ich mir wünschte tot zu sein, aber selbst dafür fehlten mir die Mittel.“

In diesem Moment kam eine Frau von oben herunter. „Auf der Landstraße kommt eine dunkle große Limousine!“ Wir gingen zum Fenster des Esszimmers. Der Wagen fuhr an unserer Grundstückeinfahrt vorbei.

Karin erzählte weiter wie sie mehr und mehr verzweifelte, eines Tages aber mitbekam, dass wohl alle Männer außer Haus waren und die Tür nicht abgeschlossen war. Fenster hatte das Gebäude in den ihr zugänglichen Bereichen nicht. Sie schnappte sich das Handy, suchte nach Geld und fand außer einer Sonnenbrille, die sie gut gebrauchen konnte um ihre blauen Augen zu verbergen, auch einige hundert Euro und lief weg. Vorher sah sie sich aber noch genau um und erkannte, dass es sich um eine Halle in einem Gewerbegebiet ein paar hundert Meter außerhalb eines Dorfes handelte. Die Straße wollte sie auf dem Weg zum Dorf nicht benutzen – Ludwig oder einer seiner Spießgesellen hätten ja zurückkommen und sie erkennen können. Der nächste von der Straße abzweigende Wirtschaftsweg war ihrer. Den nahm sie, nutzte ihn bis sie die Straße nicht mehr erkennen konnte. Dann nahm sie einen kreuzenden Weg, der sie bis ins Dorf führte. Einen Bahnhof gab es dort nicht, aber eine Bushaltestelle. In deren Nähe versteckte sie sich und als eine halbe Stunde später ein Bus kam stieg sie ein. Der brachte sie in die Kreisstadt, dort kaufte sie sich im Bahnhof eine Fahrkarte.

„Einmal musste ich umsteigen, danach rief ich im Club an und meine Hoffnung erfüllte sich. Dieter war am Apparat und sagte Hilfe zu, würde mich am Bahnhof abholen. Das klappte auch. Den Rest kennt ihr.“

Wir waren alle erschüttert. Ich hatte ja noch indirekt mitbekommen wie sie sich freudestrahlend auf Ludwig eingelassen hatte, froh war mit ihm ein anderes Leben beginnen zu können. Und dann solch eine Enttäuschung, solch ein Martyrium!

Mir war klar, dass Ludwig das Handy absichtlich auf der Kommode liegengelassen hatte um herauszufinden an wen sich die Frauen wenden würden falls eine abhauen sollte. Wenn die Telefonnummer bekannt wäre könnte man versuchen zu klären zu wem sie gehört oder vielleicht wäre sie von vornherein bekannt. Letzteres war hier der Fall, denn als früherer Gast im Club kannte Ludwig diese Rufnummer natürlich. Offenbar hatte er nach dem Telefonat die angerufene Nummer ausgelesen, erkannt und war dann mit seinen Kumpels schon mal die Lage peilen gefahren. Zu befürchten war aber auch, dass auf dem Handy eine Ortungsapp installiert war und deshalb der jeweilige Standort leicht festgestellt werden konnte. Ich bat Karin deshalb das Ding auszuschalten. Sie sah mich fragend an, machte es aber sofort. Ob das etwas helfen würde war zu bezweifeln, aber den Versuch war es allemal wert. Die Erklärung für Karin ließ sie blass werden, aber es war egal. Passiert ist passiert und mit den Folgen würden wir vermutlich in Kürze konfrontiert werden.

Erneut kam von oben eine Nachricht: „es kommen zwei große dunkle Pkw aus Richtung der Stadt.“

Wir besprachen uns noch kurz. Zuhause hatten wir uns darüber unterhalten ob wir in unseren Kampfanzügen erscheinen sollten oder in Zivil. Wir hatten uns für Zivilkleidung entschieden – die Überraschung wäre größer als wenn die Kerle durch die Kleidung vorgewarnt worden wären. Außerdem – erweiterte Grundkenntnisse im Judo hatten wir auch alle – war abgesprochen solange wie vertretbar eher defensiv zu agieren, bei Bedarf aber Gegner nachhaltig auszuschalten. Außerdem wollten wir möglichst mit derselben Personenzahl aus dem Haus gehen wie Leute aus den Autos ausstiegen.

Die Mädels bezogen Posten hinter den Fenstern im Obergeschoss als die beiden Autos auf den Hof fuhren. Aus jedem stiegen drei Männer aus; die drei Kleiderschränke aus dem einen Fahrzeug hatten wir schon mal gesehen, aus dem anderen Wagen kam ein Hänfling, der wohl als Fahrer diente, ein Kerl mit extrem dickem Bauch und mindestens 150 kg Masse sowie ein Mann mit normaler Statur. Letzterer wurde von Karin als Ludwig bezeichnet.

Wir gingen also zu sechst aus dem Haus, zwei blieben als Reserve drin.

„Leute, was wollt Ihr hier? Der Club hat noch nicht geöffnet“ stellte ich mich dumm.

„Rückt die Nutte raus, sonst geht es Euch schlecht!“ tönte Ludwig.

„Bischen Erziehung gefällig?“ wollte ich den Sprecher ein wenig piesacken. „Hier gibt es Prostituierte. Nutten haben wir nicht. Am besten Ihr zieht Leine, verpisst Euch. Hier wird niemand gegen seinen Willen mitgenommen!“

„Die Fotze hat gar nichts zu wollen. Entweder sie kommt aus dem Haus oder wir holen sie raus.“

„Haut ab. Eine weitere Warnung gibt es nicht. Ich vertrete den Besitzer des Grundstücks. Ihr habt Hausverbot und das setzen wir im Bedarfsfall durch!“

Der Kerl fing an zu lachen, die anderen fielen pflichtschuldig ein.

Ludwig und zwei aus dem ersten Auto zogen Schlagringe aus der Tasche, einer zog einen Taser, die anderen nahmen Baseballschläger aus dem Kofferraum eines Autos. Der Taser sah aus wie ein Smartphone, war nicht als Waffe zu erkennen. Die beiden im Haus kamen auch heraus als sie sahen, dass es ernst werden würde. Erst als Heiner zu Boden ging, offenbar einen Elektroschock verpasst bekam, kapierten wir, dass das eine getarnte Waffe war. Um Heiner kümmerte sich einer aus unserer Reserve nachdem er den Typ mit dem Schocker richtig verlascht hatte. Das dauerte nur Sekunden, dann lag der Kerl auf dem Boden und rührte sich nicht mehr. Nase kaputt, Augen blau, Embryohaltung nach dem Treffer in die Weichteile und Bruch des linken Unterarms. Offiziell wurde das dann von unserem Freund so dargestellt, dass der Gegner nach jedem Treffer die Chance bekam aufzugeben, aber erst nach dem Tritt endgültig ausgeschaltet war. Sogar die Schmerzen im Arm hatten ihn nicht stoppen können! Wir hatten das natürlich nicht gesehen, waren selbst genug mit den Leuten vor uns beschäftigt. Das (angebliche) „Hör auf“ war natürlich auf den Videos nicht zu hören, umso besser aber zu sehen, dass der Mann immer wieder angriff.

Als Heiner zu Boden ging war uns auch ohne Absprache klar: kein Pardon, sofort voll zulangen.

Die drei aus dem ersten Wagen kamen auf uns zu, wollten uns wegdrängen, hatten aber keinen Erfolg mit dem Versuch. Der Vorderste wollte mich mit dem Schlagring am Kopf treffen, bekam aber unmittelbar nach Beginn der Bewegung in seiner Körpermitte heftigen Kontakt mit meinem Knie, anschließend eine gewaltige Ohrfeige, flog in den Dreck. Das hatte mit Karate nun gar nichts zu tun, diese Überraschung stand den Leuten noch bevor.

Die anderen vier wollten sich nun alle auf mich stürzen, hatten aber plötzlich jeder einen von den anderen Jungs vor sich, die sie sehr schnell stoppten. Natürlich ging es dabei nicht ohne Blessuren bei denen ab, aber ernsthaft verletzt war keiner. Nur waren alle mehr oder weniger k.o., lagen auf dem Boden. Neben jedem stand einer von uns.

Ich rief Dieter zu, er solle eine Packung Kabelbinder oder anderes zum Fesseln geeignetes Zeug holen. Paketklebeband war vorhanden. Die Leute wurden gut verschnürt. Einen Teil der Arbeit übernahm Karin, die sich inzwischen auch herausgetraut hatte. Zuerst kümmerte sie sich um Ludwig, bat einen von uns vorher, er solle aufpassen ob sie alles richtig macht. Er stellte sich daneben, sie beugte sich, wollte anfangen, verlor das Gleichgewicht und landete mit dem Knie genau dort wo es dem Mann am meisten wehtut. So ein Pech aber auch! Die anderen wurden auch gut verschnürt, alle, auch der Taser-Freund, der als Einziger keine Armfessel bekam weil er einen sowieso nicht mehr einsetzen konnte. Einer von uns reichte aus um auf sie aufzupassen. Den Kerlen wurde verboten aufzustehen oder zu versuchen die Fesseln zu lösen. Entsprechende Versuche hätten zur Folge, dass das verhindert werden würde, sie also noch welche verpasst bekämen und anschließend richtig verschnürt werden würden.

Unser Mann bekam einen Stuhl und setzte sich, sollte ebenso wie seine Nachfolger nach einer halben Stunde abgelöst werden. Karin bot sich an, wollte eine Wache übernehmen. Allerdings sah ich da eine große Gefahr, dass das blutig werden könnte, lehnte ab.

Vorsichtshalber hatten wir ihnen sämtliche Taschen geleert, Ausweise, Handys, Schlüsselbunde, Autoschlüssel und Geldbörsen (die bei allen übrigens ziemlich dick waren) entnommen und schön voneinander getrennt auf einem Tisch im Büro abgelegt. Zwei Schlagringe und eine Schusswaffe hatten wir auch noch gefunden. Alles wurde aber wegen Fingerabdrücken nur mit Taschentüchern angefasst. Die Ausweise kamen uns gerade Recht; die Personalien wurden natürlich notiert, die Ausweise auch fotokopiert.

Krimis mochte ich nicht, aber manchmal waren sie eben für den einen oder anderen Lerneffekt doch nützlich.

Heiner war, immer noch wacklig auf den Beinen, ins Haus begleitet worden, sollte sich auf eine der Couches im Partyraum legen. Machte er auch und fühlte sich sichtbar sofort sauwohl als sich gleich zwei der Grazien um ihn bemühten. Sollte er – immerhin war er ja der Einzige von uns, der Schaden genommen hatte.

Wir anderen gingen ins Haus, ich rief in der Polizeiinspektion der Kreisstadt an, verlangte die Kriminaloberrätin Silke Berndt, die Chefin der Kripo, zu sprechen. Nachdem ich zunächst abgewimmelt werden sollte halfen der Hinweis auf Art und Umfang der anzuzeigenden Verbrechen sowie die Sorge, dass es den anderen festgehaltenen Frauen unter Umständen ans Leben gehen könnte, aus um mit Frau Berndt verbunden zu werden. Der wurde zunächst kurz geschildert was hier passiert war. Sie sicherte zu sofort ausreichend Leute zu uns zu schicken um die Verbrecher einzusammeln. Ganz zu Anfang aber gab ihr Karin den Hinweis wo gefangengehaltene Frauen befreit werden mussten – sie konnte den Namen des Dorfes nennen und die Beschreibung des Gewerbegebietes und der Halle waren ausreichend genau - und was ihnen für ein Schicksal drohte wenn das nicht sofort veranlasst würde. Frau Berndt sicherte zu sich schnellstmöglich um die Sache zu kümmern und, wie wir kurz darauf erfuhren, tat das auch.

Knapp eine halbe Stunde später waren Einsatzfahrzeuge zu hören. Unmittelbar darauf bogen ein Bulli – wohl der Einsatzleitwagen – und 6 Streifenwagen der Polizei auf die Zufahrt zum Grundstück ein, alle hatten Martinshorn und Blaulicht eingeschaltet. Wir waren schon aus dem Haus gegangen als wir die Autos hörten. Dort stiegen jede Menge Polizisten aus. Die hatten wohl alles in Bewegung gesetzt was sie greifen konnten. Zwei von ihnen erkannte ich wieder; sie waren bei der Betriebskontrolle dabei gewesen.

Nach kurzer Schilderung dessen was abgelaufen war wurden die Männer vorläufig festgenommen. Fuß- und Handfessel wurden durchschnitten, für die Arme gab es danach für jeden eine eiserne Acht. Alle gingen in den Partyraum. Wir saßen noch gar nicht als erneut ein Einsatzfahrzeug zu hören war. Auch das bog in die Zufahrt zu uns ein. Es war ein Zivilwagen, aber mit Blaulicht auf dem Dach. Frau Berndt stieg aus, sah mich an, überlegte kurz.

„Als Sie anriefen kam mir der Name bekannt vor. Ich wusste aber nicht in welchem Zusammenhang. Eben fiel es mir ein. Sie sind doch der, der vor längerer Zeit mit einer jungen Frau bei mir war und Anzeige erstattete. Dadurch konnte ein Mordfall geklärt werden. Richtig?“

„Stimmt. Die junge Frau ist inzwischen mit mir verheiratet und seit ein paar Monaten Mama.“

„Gratuliere. Aber kommen wir mal zum Ernst der Sache.“

Wir gingen ins Haus. Frau Berndt, Karin, der Einsatzleiter der Polizei, einer der Protokoll führen sollte, Dieter und ich gingen in einen Nebenraum. Dort schilderte zunächst Karin was sie erlebt hatte, danach waren Dieter und ich dran. Eine der Frauen wurde anschließend noch kurz dazu gerufen. Cordula war inzwischen heruntergekommen, brachte Kopien der Videos aus den Kameras oben mit. Für uns alle gab es ein dickes Lob von Frau Berndt, aber auch leise Kritik. So wie die Kerle bewaffnet waren hätten auch mehrere von uns ernsthaft verletzt werden können. Da wäre es besser gewesen die Polizei vorher zu verständigen und dieser den Zugriff zu überlassen. Mein Einwand, dass dafür die Zeit nicht reichte und, selbst wenn sie gereicht hätte, die Polizeipräsenz die Verbrecher vermutlich abgeschreckt und deren „Besuch“ auf später und damit einen unkontrollierbaren Zeitpunkt und einen unbekannten Ort verschoben hätte, wurde akzeptiert.

Einer der mir bekannten Polizisten sprach mich an. „Sie werden ja sicher zur Zeugenvernehmung geladen werden. Können Sie da mit Ihrem Lamborghini kommen? Etliche Kollegen haben die Fotos von Ihrem Oldie gesehen, würden sich das Auto auch gern mal ansehen.“

Frau Berndt bekam das mit. „Sie haben einen Lamborghini? Was für einen? Den würde ich mir auch gern einmal ansehen. Ich habe übrigens auch einen Oldtimer, einen Opel GT Automatic. Ein ganz seltenes Fahrzeug.“

„Den Opel kenne ich. Ein Mann aus dem Nachbarhaus hatte einen, aber einen Schaltwagen, in gelb. Der hat mir damals auch gefallen. Ich habe einen Espada. Einen Termin für die Vernehmung können wir gern telefonisch vereinbaren.

Ich habe noch etwas anderes auf dem Herzen. Die junge Frau – ich nahm Karin in den Arm – hat Fürchterliches erlebt. Sie hat im Gesicht sichtbar und vermutlich auch am Körper schwere Hämatome. Ob noch weitere Verletzungen vorhanden sind weiß ich nicht, halte es aber für möglich. In ihrem Interesse, aber sicher auch für die Strafverfolgung sowie eine spätere Zivilklage wichtig ist es sicher sinnvoll dies alles ärztlich feststellen und, wenn notwendig, behandeln zu lassen. Können Sie sie mit in die Kreisstadt nehmen und dort ins Krankenhaus bringen? Falls sie nicht krankenversichert sein sollte beschlagnahmen Sie bitte die Geldbörsen der Männer bzw. das darin befindliche Bargeld, denn deren Schadenersatzpflicht dürfte unstreitig sein.“

Frau Berndt setzte gerade zum Sprechen an als sich ihr Handy meldete. Sie nahm das Gespräch an, freute sich sichtbar, zeigte dann aber heftiges Erschrecken.

„Natürlich bringe ich Ihre Karin ins Krankenhaus. Den Tascheninhalt der Männer haben Sie ja schön sortiert bereit gelegt. Der wird komplett beschlagnahmt. Soweit so gut. Zum Anruf eben: das war mein Kollege aus der zuständigen Kreisstadt. Die Durchsuchung ist abgeschlossen. Es konnten fünf Frauen befreit werden. Deren Personalien sind auch schon geklärt. Für alle lagen Vermisstenanzeigen vor, für zwei sogar mit einer nennenswerten Belohnung für Hinweise, die zu ihrem Wiederauffinden führen. Die Belohnung steht Ihnen natürlich zu, Karin – ich möchte mal beim Vornamen bleiben, wenn Sie einverstanden sind.“

Karin nickte.

„Bei der Durchsuchung wurde ein einzelner Mann angetroffen und festgenommen. Er hatte unter anderem einen Schlagring sowie einen scharfen Revolver bei sich, dazu eine genaue Handlungsanweisung wie er vorzugehen hätte wenn sich die Einsatztruppe, wie er es bezeichnete, nicht alle zwei Stunden melden würde. In diesem Fall müssten Beweismittel beiseite geschafft, somit die Frauen erschossen und an der üblichen Stelle im nahegelegenen Moor versenkt werden. Daraus ersieht sich auch, dass vermutlich noch weitere Frauen Opfer dieser Männer geworden waren. Wo genau diese „übliche Stelle“ ist wird zur Zeit geklärt.

Meinen Zeugen solle ich ausrichten, dass ihre Drängelei goldrichtig gewesen sei. Der Verhaftete hatte auf seiner Handlungsanweisung die Uhrzeit des letzten Anrufs stehen. Bei unserem Zugriff waren die zwei Stunden fast um.“

Der verletzte Verbrecher war zwischenzeitlich von einem RTW abgeholt und in Begleitung eines Polizisten zur Erstversorgung in das Krankenhaus gebracht worden, würde danach in die U-Haftanstalt überstellt werden. Die anderen wurden mit den Streifenwagen abtransportiert – in jedem einer, damit sie sich nicht mehr absprechen konnten. Karin fuhr mit der Beamtin weg, wir verabschiedeten uns von den Frauen und einem sichtlich erleichterten Dieter.

Zuhause musste ich Helena natürlich im Detail erzählen was ich erlebt hatte. Als ich unseren Zugriff schilderte wollte sie etwas schimpfen; ich hätte mich unnötig in Gefahr gebracht, lieber auf die Polizisten warten sollen. Als aber zur Sprache kam, dass in diesem Fall die Frauen beim Zugriff wahrscheinlich schon tot, vielleicht sogar bereits verschwunden gewesen wären, wurde sie doch leise.

Helena rief sofort danach Lydia an, wollte von der Sensation erzählen und wurde bitter enttäuscht. Lydia wusste schon davon, Cordula hatte sie informiert und auch gleich eine Frage weitergegeben: was wird mit Karin, wo kann sie hin? In ihrem Zustand und ihrer gegenwärtigen psychischen Verfassung im Club arbeiten? Unmöglich. Nur als Bewohnerin im Club bleiben? Auch unmöglich, denn das hätte letztlich bedeutet, dass sie während der Öffnungszeiten des Betriebs nicht hätte nach unten gehen können. Auch wären Möglichkeiten, die freie Zeit – und davon gäbe es ja dann mehr als reichlich – sinnvoll zu füllen, kaum vorhanden. Im Betrieb von Reiner gab es für sie keine Beschäftigung, im daneben stehenden Privathaus kein Gästezimmer.

Helena sah mich fragend an. Mir war aber schon was eingefallen!

„Schatz, ich weiß nicht in welcher Verfassung Karin ist. Wir haben zwei Gästezimmer. Wenn sie sich gut bewegen kann und psychisch stabil ist könnte ich mir vorstellen sie bei uns als Haushaltshilfe und Bürokraft zu beschäftigen. Du könntest wieder besser in die Büroarbeit einsteigen. In der Zeit könnte sich Karin um Udo und um den Haushalt kümmern. An anderen Tagen könnte sie, sobald die sichtbaren Hämatome abgeheilt sind, leichtere Büroarbeit machen und Du bleibst zuhause. Entlastung für Dich, Entlastung für mich, Karin hätte einen kleinen Job, Unterkunft, Verpflegung und wäre über den Job auch krankenversichert. Irgendwie gefällt mir die Idee. Was meinst Du?“

„Tolle Idee! Wenn sie das kann und möchte – sehr gern. Sie hätte dadurch auch jemand um sich, dem sie vertraut. Ich glaube, dass das ganz wichtig ist, damit sie die schlimme Zeit verarbeiten und irgendwann hinter sich lassen kann. Aber einen Psychotherapeuten wird sie vermutlich brauchen. Frage doch einfach diese Polizistin ob sie einen empfehlen kann, am besten sogar wenn dies eine Frau wäre.“

„Damit war dieser Drops gelutscht. Zwei Tage später bekam ich einen Brief, ich möge doch bitte mal wegen einer Terminabsprache anrufen. Frau Berndt meldete sich sofort, einen Termin – bereits am übernächsten Freitag – fanden wir auch rasch.

Ich besuchte Karin jeden Tag, einmal kamen auch Helena und Udo mit. Als Karin den Kleinen sah weinte sie bitterlich; sie liebte Kinder, hatte eine Ausbildung als Erzieherin abgeschlossen, war dann aber den Verlockungen des großen Geldes erlegen, kündigte ihren schönen Job in einer Kindertagesstätte. Die Illusion des großen Geldes war rasch vorbei, sie lernte die schlimmen Seiten des Gewerbes kennen. Mit einem Ausstieg klappte es nicht; sie hatte es mehrfach versucht, aber immer wenn gefragt wurde wo sie die letzte Zeit gearbeitet habe war es mit dem Vorstellungsgespräch vorbei. Selbst Schwindeln half nicht, weil die erfahrenen Gegenüber Lunte rochen und nachhakten bis die Wahrheit ans Licht kam.

Im Krankenhaus war sie gründlich auf den Kopf gestellt, nicht nur auf die offensichtlichen Sachen, sondern auch auf andere Krankheiten untersucht worden. Insgesamt ging es ihr überraschend gut, aber übel war die Diagnose eines Trippers. Sie hatte keinerlei Symptome in der Richtung gehabt. Aber dagegen gab es Medikamente und die halfen schnell.

Gleich bei meinem zweiten Besuch erzählte ich Karin, was wir uns ausgedacht hatten. Sie strahlte, fiel mir um den Hals und drückte mir einen dicken Schmatz auf den Mund. „Du bist mir nicht nur im Club der Liebste!“ Dann schreckte sie zurück. „Oh, das wollte ich nicht. Entschuldigung!“ Sie fing an zu weinen.

Ich nahm sie in den Arm, streichelte sie übers Haar. „Lass man, das verstehe ich sehr gut und, offen gesagt, gefallen hat es mir auch. Aber jetzt kommen wir mal wieder zu Deiner Arbeit. Ich melde Dich rückwirkend ab vorgestern als Angestellte bei mir an. Dann bist Du auch krankenversichert und wir gehen Problemen wegen der Krankenhauskosten aus dem Weg. Ich nehme an, Du hast, außer dem was Du mitgebracht hast, keine Kleidung und auch nichts anderes, was Du vielleicht noch aus der Halle holen willst. Also wirst Du, wenn Du aus dem Krankenhaus gekommen bist, mit Helena ein wenig shoppen gehen.“

„Aber ich habe doch gar nicht genug Geld!“

„Doch! Dir stehen doch die Belohnungen zu. Außerdem bekommst Du das Geld erst mal von mir als Darlehen, gibst es mir dann zurück wenn Du die Schadenersatz- und Schmerzensgeldprozesse gewonnen oder die Belohnungen erhalten hast.“

Sie umarmte mich erneut. Ich fühlte wie es feucht auf meiner Schulter wurde. Bald aber löste sie sich von mir.

„Danke!“

Zwei Tage später konnte ich Karin abholen. Am darauffolgenden Freitag fuhr ich mit Helena, Udo und Karin zur Polizei. Als wir ankamen war ein Teil des Parkplatzes vor dem Gebäude mit Trassierband abgesperrt. Auf dieser Fläche standen ein Opel GT, daneben ein Schlachtschiff! Ein 1958er Oldsmobile Ninety-Eight Cabriolet hatte ich noch nie gesehen, wusste auch kaum etwas darüber. Auch ein wunderschönes Auto, aber auch eines, das für ein Fahrzeug gleich zwei Parkplätze brauchte. Über Spritverbrauch und andere Kosten wollen wir auch da nicht reden und ein Vergleich der Fahrleistungen war auch nicht angebracht. Außerdem waren noch andere Schätzchen zu sehen, so ein Jaguar E in racing green, ein Lotus Elite und eine ältere Chevrolet Corvette. Ich war hier scheinbar auf ein Nest von Oldtimerfans gestoßen. Verwandte Seelen – klasse! Mein Auto sollte ich dazu stellen; die Absperrung wurde von Frau Berndt geöffnet, die wohl verständigt worden war als jemand mein Auto kommen sah. Diese Ehre wusste ich zu schätzen…

Sie begrüßte uns, freute sich besonders, dass auch Helena und Udo mitgekommen waren. Helena wollte unbedingt mit und Lydia, die wir als Betreuung für Udo zu uns bitten wollten, hatte dummerweise zu dieser Zeit gerade einen Kinderarzttermin für ihre Kleine.

Die Frauen hielten auf dem Weg ins Büro gleich mal ein kleines Schwätzchen. Dann wurde es ernst.

Karin wurde von einer Frau vernommen, die ihr ein fertiges Protokoll vorlegte. Offenbar war das von Frau Berndt verfasst worden. Es stimmte alles haargenau, nichts war hinzugefügt oder weggelassen worden. Es brauchten nur die Personalien nachgetragen und das Protokoll unterschrieben werden. Ich saß mit der Kripochefin zusammen, bekam ebenfalls ein fertiges und in allen Details korrektes Protokoll vorgelegt, das nach Ergänzung um die Personalien nur noch unterschrieben werden brauchte. Zwischendurch fing Udo kurz an zu quengeln, wurde von Helena aus dem Tragekorb genommen – einen Kinderwagen hatten wir wegen des nicht ausreichenden Kofferraums nicht mitnehmen können – und beruhigte sich bald wieder.

Dann wurde es privat. Wir erfuhren einiges zur privaten Frau Berndt, sie, dass wir Karin angestellt hatten und sie sich bereits sehr gut in ihre Aufgaben hineinfand, es eine win-win-Situation für alle Beteiligten war. Von Karin wurde das heftig bestätigt. Wir erfuhren auch, dass die „übliche Stelle“ im Moor gefunden worden war. Leider hatte sich der Verdacht auf weitere Opfer bestätigt. Drei waren inzwischen geborgen worden und konnten alle noch offenen Vermisstenanzeigen zugeordnet werden. Einerseits schlimm für die Angehörigen, andererseits hatten sie nun Gewissheit über das Schicksal ihrer Lieben. Traurig. Weiteres wusste sie nicht weil die Ermittlungen nicht durch sie, sondern durch eine andere Polizeiinspektion geführt wurden.

Nach fast einer Stunde verabschiedeten wir uns, gingen danach aber doch alle zusammen zum Auto. Sie wollte sich das Fahrzeug schließlich auch noch genauer ansehen. Als wir aus dem Haus traten staunten wir. Da hatte sich wohl fast das gesamte Personal um die Oldies versammelt! Wir sahen uns bei dieser Gelegenheit auch die anderen Schätzchen an, quatschten mit deren Eigentümern, gaben unsererseits Auskünfte und erfüllten ihrer Chefin auch einen Wunsch: sie durfte auch hinter dem Lenkrad meines Wagens Platz nehmen, sah sich sofort einem förmlichen Blitzgewitter ausgesetzt, strahlte dabei. Das sollte übrigens Folgen haben: ein paar Tage später stand ein kleiner Artikel in der regionalen Tageszeitung „Oldtimertreffen auf dem Polizeiparkplatz“. Abgebildet waren ein paar Autos, die Chefin in meinem Wagen und Helena, als sie Udo in seinem Körbchen gerade ins Auto bugsierte. Da war wohl zufällig ein Reporter in der Nähe gewesen, hatte die Gelegenheit genutzt und sich unter die Leute gemischt. Ein richtig netter Artikel war dabei herausgekommen. An dessen Schluss stand eine Frage: „geht das auch größer?“

Die Taufe der Kinder stand an. Gegenüber der Hochzeitsfeier gab es nur eine Änderung: wir hatten den Caterer gebeten möglichst wieder mit demselben Team wie zuvor zu kommen. Der sagte zunächst auch zu, aber vor etwa einem Monat wieder ab. Eine Mitarbeiterin musste er ersetzen. Auf die erschrockene Nachfrage, ob etwas passiert sei, meinte er nur, schon, aber nichts Schlimmes. Es könne nur sein, dass die pausierende Kollegin in ein paar Monaten selbst eine Taufe ausrichten würde. Am Tag der Feier wäre sie bereits im Mutterschutz und dürfe nicht mehr beschäftigt werden. Sie sei zwar traurig, dass sie nicht bei der Feier dabei sein könne, die Hochzeitsfeier wäre toll gewesen obwohl sie dort nur gearbeitet habe, aber eine solche Stimmung habe sie ganz selten erlebt. Zudem sei sie ein großer Fan des Comedian und der wollte ja auch zu der Taufe wieder eingeladen werden.

Dass Dennis tatsächlich eingeladen war wurde natürlich nicht verraten. Wir stimmten uns kurz mit den beiden anderen Paaren ab, ich rief beim Caterer an und bekam zu meiner Überraschung nicht nur die Rufnummer der jungen Frau, sondern auch deren Adresse. Sie wohnte ausgerechnet in dem Ort in dem sich die Gaststätte befand, konnte daher sogar zu Fuß zur Feier kommen. Schnell eine Einladung fertig gemacht, zusätzlich noch unsere Rufnummer drauf geschrieben und abgeschickt. Ein paar Tage später bimmelte abends das Telefon; eine Rufnummer wurde zwar angezeigt, aber ich kannte sie nicht. Der Grund war aber einfach, dass ich die mir von ihrem Chef angegebene nicht eingespeichert hatte.

Helena saß neben mir. Ich meldete mich, hörte wer anrief und begrüßte sie, Helena schloss sich an und sogar Udo war zu hören. Unser Gast lachte. „Habe ich da die ganze Familie am Telefon?“

Ich stellte unseren Sohn vor. Sie meinte nur, dass sie sich unbedingt für die riesige Überraschung bedanken wollte und deshalb anrief. Nur gewundert habe sie sich. Wie es denn käme, dass eine kleine Mitarbeiterin aus einem beauftragten Betrieb denn plötzlich zu einer solchen Feier eingeladen werden würde.

„Frau Jäger“ ließ Helena vernehmen, „wir hatten Ihren Chef gebeten möglichst wieder mit demselben Team zu kommen wie zur Hochzeitsfeier. Nachdem er sagte, dass Sie leider bereits im Mutterschutz seien, haben wir uns gedacht, wenn sie hier nicht arbeiten kann, dann kommt sie eben als Gast.“

„Ich kann Ihnen gar nicht sagen wie sehr in mich freue. Nach den ganzen Nackenschlägen in den letzten Monaten endlich mal eine gute Nachricht!“

„Wieso Nackenschläge? Mögen Sie erzählen?“

Sie schluckte hörbar. „Ein Geheimnis ist es nicht. Also mein Baby, das ist ein Wunschkind. Mein Freund und ich, wir haben fast ein Jahr probiert bis es endlich mit einer Schwangerschaft geklappt hat. Ein paar Monate später änderte er sich nach und nach. Geplant war, dass wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen würden. Davon war nun keine Rede mehr. Ich nahm zunächst an ich würde für ihn nicht mehr so attraktiv sein weil ja mein Bauch mehr und mehr wachsen, sich das aber nach der Entbindung wieder ändern würde. Ich war Ende des sechsten Monats als er eines Morgens sagte er würde ausziehen, hätte eine Neue. Später erfuhr ich, dass da schon länger was gelaufen war. Ich war total geschockt, konnte nichts sagen und musste zusehen wie er seine Sachen in eine Reisetasche packte, mir den Schlüssel zur Wohnung auf den Tisch legte und ging.

Ein paar Wochen später rief mich mein Chef zu sich. Marion, meinte er, ich muss Dir eine traurige Mitteilung machen. Ich habe hin und her überlegt wie ich Dich nach dem Mutterschaftsurlaub weiterbeschäftigen kann, aber mir ist nichts eingefallen. Das Catering läuft nun mal in der Vorbereitung am frühen Vormittag, die eigentliche Arbeit aber ab dem späten Vormittag für den Aufbau bis spät in die Nacht. Da brauche ich die Mitarbeiterinnen, vormittags habe ich, wie Du weißt, andere Hilfen. Von denen kann ich keine kündigen damit Du deinen Job behältst. Vom Beginn des Aufbaus bis in den späten Abend hinein kannst Du aber nicht arbeiten wenn Du niemand für Dein Baby hast. Glaube mir, das was ich jetzt sagen muss, fällt mir sehr schwer, aber ich werde Dich nach Deinem Mutterschaftsurlaub voraussichtlich nicht weiterbeschäftigen können.

Ich habe bitterlich geweint, aber ich verstand ihn und vor allem wusste ich auch, dass er wirklich alles versucht hatte. Als Chef war er aus guten Gründen bei allen beliebt und hochangesehen.“

„Pass´ mal auf, Marion“ kam es von Helena. „Robert und seine Freunde haben schon ein paar Mal helfen können Frauen aus der Scheiße zu ziehen. Wir bleiben in Kontakt, sprechen nach der Taufe noch einmal miteinander. Vielleicht können wir dann kurzfristig was erreichen. Warte mal, ich muss ihn mal was fragen, rufe dann zurück.“

Sie hielt beendete das Telefonat. „Darf ich ihr erzählen wie wir uns kennen gelernt haben und wie Du anderen Frauen geholfen hast? Deren Namen nenne ich natürlich nicht.“

„Klar, mach ruhig. Ich sehe für die Frau auch schon eine Lösung: Karin als Erzieherin in den Kindergarten oder in die Krippe bei Reiner im Dorf. Unser Nachwuchs und der von Lydia wird dort sowieso betreut werden. Marion kann dann den Job von Karin übernehmen und ihr Baby auch in der Krippe unterbringen. Das macht aber nur Sinn wenn sie zwar den Mutterschaftsurlaub nutzt, aber die Elternzeit nicht oder nur zu einem geringeren Teil in Anspruch nimmt. Ansonsten müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Aber erzähle ihr noch nichts davon. Sonst macht sie sich vielleicht vergebliche Hoffnungen.“

Helena wählte, Marion nahm den Anruf sofort an. Bevor meine Frau loslegen konnte meldete ich mich. „das wird jetzt wohl ein längeres Geschnatter unter weiblichen Wesen werden. Ich bin dann, wie ich meine Frau kenne, abgemeldet und werde mich daher schon jetzt in ein anderes Zimmer zurückziehen.“

Helena lachte, Marion auch. Ich ging nach nebenan ins Büro.

Als erstes sah ich mir die neuen privaten Mails an. Wie üblich kam eine Menge Spam, die aber komplett von meinem gut trainierten Spamfilter abgefangen und in einer Übersicht zur Kontrolle bereitgestellt wurden. Die Anfrage von Gerda nach einem Termin für den nächsten Skatabend beantwortete ich gleich: erst mal keine Zeit. Eine Bestellung hatte sich auf die private Adresse verirrt, wurde auf die vom Betrieb weitergeleitet. Von Heiner kam die Nachfrage, wann es denn die versprochene Zeit in Dieters Club geben würde. Die Mailadressen der Helfer hatte ich zusätzlich als eine per Drag & Drop einfügbare gemeinsame Adresse gespeichert und schickte über sie die ja alle interessierende Antwort: auch hier wieder aktuell keine Zeit, aber zusätzlich mit dem Hinweis auf die den Freunden bekannte Taufe. Danach wäre es bald soweit.

Überraschend hatte ich im Eingang auch eine Nachricht von Frau Berndt. Nachdem ich zunächst nur den Namen sah, auf Weiteres nicht achtete, erstaunte mich der Inhalt noch mehr. Sie hatte Kontakt mit dem Journalisten aufgenommen, der den netten Zeitungsartikel geschrieben hatte. Bei dem handelte es sich auch um einen Oldtimerfreund, der, wie sie mit einem lachenden Smiley versehen schrieb, leider nur ein Schätzchen auf zwei Beinen hatte. Die Anregung meinte er ernst, hatte auch Kontakt zu anderen Hobbyfreunden, darunter zu einem, der einen originalen sechsrädrigen Formel 1 Rennwagen, einen Tyrrell P 34, besaß. Zudem gab es in der Polizeiinspektion noch weitere Kollegen, die ebenfalls Oldtimerfans waren, einige auch mit eigenen Fahrzeugen. Sie plante ein größeres derartiges Treffen zu organisieren, hatte mit dem stillgelegten ehemaligen Militärflugplatz im Nachbarlandkreis auch schon eine geeignete Location im Auge und sich bereits eine Zustimmung der Landkreisverwaltung als aktuellem Eigentümer der Fläche eingeholt. Die Genehmigung käme mit Sicherheit sobald der Termin feststeht. Die Anlage sei ideal: viel Fläche, etliche Straßen, auf denen sich für den Fall, dass Autos auch bewegt werden sollten, ein Rundkurs einschließlich eines für Schnellfahrten geeigneten Abschnitts auf der langen ehemaligen Start- und Landebahn einrichten ließ. Mehrere große und einige kleinere Hangars standen zur Verfügung, in denen die Autos präsentiert werden würden, Cabrios sogar offen gezeigt werden könnten. Genug WC-Anlagen und Räume für eine Sanitätsstelle waren vorhanden, Platz für mehrere Gulaschkanonen, für mehrere Verkaufsbuden für Getränke, Bratwürste, Steaks und Pommes sowie für Souvenirs und Nippes auf einer Skizze markiert. Auch an einen Caterer und Personal für die Reinigung hatte sie schon gedacht, mit mehreren Unternehmen und dem kreiseigenen Eigenbetrieb Müllabfuhr und Straßenreinigung Kontakt aufgenommen, sich auch dort das o.k. geholt. Ordnungspersonal würde aus Freiwilligen ihrer und der dortigen Polizeiinspektion bestehen. Sogar Übernachtungsmöglichkeiten für Aussteller mit weiter Anreise könnten in ehemaligen Büros eingerichtet werden. Feldbetten würde das Rote Kreuz bereitstellen.

Ich war platt, freute mich. Das würde eine feine Sache werden, wollte grundsätzlich zusagen. Erst als ich die Mail beantwortete fiel mir auf, dass es sich um ihre private Mailadresse handelte. In ihrer Funktion so etwas preisgeben – da musste eine große Portion Vertrauen dahinterstecken!

Endlich war der große Tag da. Die Kirche war gut gefüllt, denn außer uns war noch ein weiteres Paar zur Taufe seines Kindes da. Der Geistliche musste Schwerarbeit leisten, bewältigte seine Aufgaben aber souverän. Erstaunen löste Dennis aus als er bei jedem unserer vier Kinder als Pate ans Taufbecken trat. Wir hatten als zweiten Paten meinen älteren Bruder, Reiner und Lydia für ihre Tochter den Bruder von Lydia, Luca, gewinnen können. Die weiteren Paten des Pärchens von Cordula und Dieter kannte ich nicht. Die Predigt des Pastors ging sowohl auf eine besondere Situation des anderen Paares als auch auf unsere Dreifachhochzeit vor gut einem Jahr ein. Uns gefiel sie. Anschließend fuhren wir zur Gaststätte, waren diesmal aber „nur“ etwa 40 Autos. Polizeiliche Unterstützung gab es auch wieder.

Mit dem Wetter hatten wir wieder Glück, parken war kein Problem. Im Saal standen die Tische etwas anders als wie bei der Hochzeitsfeier, waren großzügiger verteilt. Schließlich mussten wir nicht so viele Gäste unterbringen. Die Tanzfläche bot auch mehr Platz, der Cateringbereich war etwas kleiner. Zusätzlich aufgestellt waren vier Tische, auf denen die Taufgeschenke für die Kleinen abgelegt wurden.

Die Sitzordnung war etwas anders als wie bei der Hochzeitsfeier. Die Elternpaare hatten jeweils einen Achtertisch. An dem von Lydia und Reiner saßen ihre Eltern und ihre Geschwister sowie der Pastor. Neben Lydia stand anstelle eines Stuhls ein kleiner Beistelltisch, auf dem die Babytrage mit ihrer Tochter lag. Am Tisch von Cordula und Dieter saßen die anderen Paten – ein Mann und eine Frau – für das Zwillingspärchen mit Partner/in und jeweils einem Kind. Neben deren Tisch stand ein größerer Beistelltisch für die Tragen mit den Zwillingen. Am Tisch von Helena und mir waren mein Bruder mit seinen Söhnen – er war am Vortag einfach ein paar Stunden später losgefahren um die Jungs doch mitnehmen zu können - und Dennis platziert. Neben Helena stand wie neben Lydia ein kleiner Beistelltisch, auf dem die Babytrage mit unserem Sohn lag. Daneben saß Karin, die eigentlich gar nicht mitwollte, sich nicht recht schon wieder unter Leute traute. Erst als wir sie baten die Betreuung von Udo zu übernehmen stimmte sie zu. Ihr gegenüber saß Marion Jäger. Die war vielleicht glücklich neben ihrem Lieblingscomedian sitzen zu dürfen! Zu Anfang fragte sie ihm das berühmte Loch in den Bauch, Dennis seinerseits ging auch voll auf sie ein. Nur um ihn ein wenig auf die Schippe zu nehmen waren auf unseren Tischen wieder nur alkoholfreie Getränke zu sehen.

Ich nahm das Mikrofon, pustete ein paar Mal rein und hatte sofort die allgemeine Aufmerksamkeit gewonnen. Nach Begrüßung, Dank dafür, dass sie alle gekommen waren und Dank an die Paten, dass sie sich bereit erklärt hatten dieses Amt zu übernehmen, gab ich das kalte Buffet frei. Abweichend von der ursprünglichen Planung waren übrigens doch alle Ladies aus dem Club eingeladen worden – einerseits weil das sowieso gerechter war, andererseits als Dankeschön, dass es bei der behördlichen Überprüfung und danach bei dem ungebetenen Besuch der Verbrecher so toll miteinander geklappt hatte.

Als etwa eine Dreiviertelstunde später das Klappern von Besteck leiser und das Getuschel lauter wurde stand Dennis plötzlich auf, nahm sich das Mikro und legte los.

„Also, liebe Leute, da war ich vor einiger Zeit an der Küste, hatte dort einen Auftritt und da nervt mich am Tag vorher – ach nee, die Geschichte kennt ihr ja schon. Also nehmen wir die nächste. Als sich zwei der drei jungen Elternpaare verlobten bat ich mir aus auch zur Hochzeit eingeladen zu werden. Das sagten sie zu und hielten ihr Versprechen dann auch. So eine Dreifachhochzeit gibt es ja nicht alle Tage und so ging der Pastor bei der kirchlichen Trauung auch darauf ein, dass diese Paare offenbar gern etwas zeitgleich machen und stellte die Frage in den Raum ob da vielleicht noch weiteres gleichzeitig geplant sei. Für alle Zuhörer war klar: er meinte Nachwuchs. Später bei der Feier hier fiel nicht nur mir auf, dass nirgends alkoholhaltige Getränke zu sehen waren und, als es Kuchen gab, an denen, die Umdrehungen drin hatten, ein entsprechender Hinweis stand. Ich fand das richtig fürsorglich, denn es gibt in unserer Gesellschaft doch den Einen oder Anderen der aufpassen oder besser gesagt in der Hinsicht abstinent leben muss. Nachdem mir aber auf Nachfrage erzählt wurde drei Anwesende – wohlgemerkt Anwesende, nicht Gäste! – sollten auf keinen Fall Alkohol trinken und daher gäbe es den nicht, keimte ein Verdacht auf. Anwesende, nicht Gäste – das konnten ja nur welche sein, die eingeladen hatten. Und drei? Von denen, die eingeladen hatten, waren drei weiblich. Dass bei ihnen eine Abhängigkeit bestehen würde war mir nicht bekannt, wurde wohl auch von keinem der anderen Gäste vermutet. Es musste also einen anderen Grund geben und da fiel mir nur eine Schwangerschaft ein.

Etwas erzählen wollte ich auf der Feier sowieso, das war auch mit den Paaren abgesprochen. Als ich dann aber auf die ungewöhnlichen Indizien zu sprechen kam – das war natürlich nicht abgesprochen – und nachfragte ob der Geistliche in seiner Predigt vielleicht auch schon Kenntnis hatte oder Vermutungen hegte, was verneint wurde, und dann fragte ob ich auch zu den Taufen eingeladen würde – Leute, da hättet Ihr von den Paaren die Gesichter sehen sollen! Herrlich, wie überrascht die aus der Wäsche guckten.

Heute sehe ich zwar alkoholhaltige Getränke auf den Gästetischen, nicht aber auf denen meiner Freunde. Sichtbar schwanger ist dort nur eine junge Frau, die aber nicht zu denen gehört die eingeladen haben. Also soll damit wieder angedeutet werden, dass Cordula, Helena oder Lydia, also eine oder mehrere von ihnen, wieder Nachwuchs erwarten?

Nein, meine Freunde, das glaube ich Euch nicht! Ihr wolltet mich auf den Arm nehmen, aber da falle ich nicht drauf rein. Und außerdem – ich habe einmal einen solchen Verdacht geäußert. Vorher hatte ich kein Patenkind, jetzt plötzlich vier auf einen Streich. Da liegen die Geburtstage aber sehr dicht beieinander. Terminlich ist das gut zu machen. Wenn ich aber noch mal was sage und es stimmt wieder – dann noch mal vier und das dann vielleicht mit weiter auseinander liegenden Geburtstagen? Das kriege ich nicht hin. Also, Leute, nehmt Euch ein Beispiel an meinem Schicksal und überlegt erst bevor Ihr eine solche Vermutung äußert, auf was Ihr Euch damit unter Umständen einlasst!“

Lachen bei den Zuhörern, Applaus.

Ich stand auf. „Tja, Dennis, ich muss zugeben, Du hast uns wieder erwischt. Wir wollten Dich ein wenig auf den Arm nehmen, aber es hat nicht geklappt. An unseren Tischen gibt es natürlich auch Alkohol, nur Marion will davon Abstand nehmen.“

Die Feier nahm ihren Lauf, die Gäste durchmischten sich. Viel Anteil daran hatten auch die Mädels aus dem Club. Sie, aber auch einige der anderen Frauen, zeigten sich wieder tanzwütig. Anja und Christina machten wohl keine Pause, wanderten von einem Mann, wenn sie den kaputt getanzt hatten, zum nächsten. Was mussten die für eine Kondition haben! Etliche Mal sah ich auch wie Dennis Katharina im Arm hielt. Es war offenkundig: die beiden verstanden sich sehr gut.

Frauen waren deutlich in der Überzahl und von den Kerlen drückten sich einige auch vorm Tanzen, so dass wir anderen immer wieder ran mussten. Ich hatte mich nach einer längeren Runde auf dem Tanzboden gerade an den Tisch von Reiner und Lydia gerettet als Reiner Luca, Lydias Bruder, ansprach.

„Luca, Du bis doch auch ausgebildeter Tischler, aber – wenn ich das richtig in Erinnerung habe – in Österreich als Müllwerker tätig. Macht Dir der Job denn Spaß oder möchtest Du lieber wechseln, im erlernten Beruf arbeiten?“

„Als Müllmann verdiene ich gutes Geld, aber die Arbeit ist hart und ich glaube nicht, dass ich das bis zur Rente machen kann. Spaß macht sie schon gar nicht. Die Ausbildung als Tischler habe ich gemacht weil ich gern mit Holz arbeite, gern etwas unter meinen Händen entstehen sehe. Während der Ausbildung habe ich für jedes Problem eine Lösung gefunden, konnte das auch gut zeichnerisch darstellen und es dann auch genau so umsetzen. Lydia hat dann auch diese Lehre gemacht weil sie sah wie viel Spaß ich an diesem Beruf hatte.“

Lydia nickte. „Er war sogar noch besser als ich! Nicht viel, ich habe ja auch mit Auszeichnung bestanden, aber immerhin.“

„Klar würde ich wieder gern als Tischler arbeiten. Aber weshalb fragst Du? Suchst Du einen? Was würde ich da verdienen und wie sind die Kosten hier zum Beispiel für eine kleine Wohnung?“

„Ja, ich suche schon lange einen weil Lydia ja nur noch halbtags im Betrieb arbeiten kann, habe aber bisher keinen gefunden der so gut ist wie sie.“

Die Unterhaltung setzte sich fort. Anscheinend hatte Reiner endlich sein Personalproblem lösen können. Eine Freundin hatte Luca derzeit nicht und in Österreich nur eine kleine möblierte Zweizimmerwohnung, so dass auch ein Umzug nur wenig Aufwand verursachen würde; ein größerer Kombi sollte ausreichen. So etwas hatten sowohl Reiner als auch ich im Bestand, ich dazu auch noch meinen kleinen Lkw.

Die Feier neigte sich ihrem Ende zu. Ich wollte bevor die letzte halbe Stunde angesagt wurde, noch mal vor die Tür, ein wenig frische Luft schnappen, ging draußen spazieren. Als ich eine Gebäudeecke passierte erkannte ich an der Hauswand ein sich heftig abknutschendes Paar: Katharina und Dennis! Da hatte es wohl gefunkt! Auch wenn die Gefahr bestand, dass Kathi den Club vielleicht verlassen würde und ich sie bei einem meiner dort selten gewordenen Besuche nicht mehr antreffen würde – ich gönnte den beiden ihr Glück!

Schon am Montag nach der Taufe drängelte Heiner, wann es denn endlich den, wie er sich ausdrückte, Bumstag geben würde. Ich ärgerte mich wegen der Drängelei. Als hätte er nichts Anderes im Kopf. Allerdings konnte man schon den Eindruck gewinnen, dass dem doch so war, denn sein Leben hatte er auch nach der inzwischen verstrichenen Zeit nicht auf die Reihe bekommen: den Kleinwagen übernahm er von mir, einen neuen Job hatte er nicht und wohnte immer noch bei seinem Seitensprung, wobei die aber wohl inzwischen von ihm auch schon die Nase voll hatte. Andererseits stand ich den Freunden gegenüber im Wort. Also stimmte ich mit Dieter ein paar Montage ab. Die wollte ich meinen Freunden zur Auswahl stellen und dann den mit den wenigsten Ausfällen wählen. Dabei gab es einen eindeutigen Siegertag: ausgerechnet der, der am weitesten in der Zukunft lag – rund zwei Monate – war der einzige, an dem keiner der Freunde verhindert war.

Sechs der sieben Freunde freuten sich, einer fragte sogar ob er seine Frau zur Unterstützung der Mädels aus dem Club mitbringen dürfe. Einer meckerte, dass es bis dahin noch viel zu lange dauern würde. Ihm sagte ich dann nur, dass er ja auch die Möglichkeit hat den Laden als normaler zahlender Gast aufzusuchen. Das wollte er nun auch nicht.

Zuhause hatte sich in Bezug auf Sex und Erotik immer noch nichts geändert. Küssen, kuscheln ja, vögeln nein. Helena überlegte ob sie nicht einen Psychologen konsultieren sollte, damit der ihr hilft die Blockade zu überwinden. Ich fand, dass das eine gute Idee sei. Entschieden hatte sie sich aber noch nicht.

Helena sah wohl, dass sich bei mir wieder ein gewisser Druck angesammelt hatte und drängelte mich förmlich im Club „Entspannungsübungen“ zu buchen. Im Betrieb hatte ich am Nachmittag keine Termine, mein Espada sollte auch mal wieder bewegt werden. Also ins Auto gesetzt und ganz gemütlich losgefahren, die Fahrt genossen und nach einer Stunde war ich da. Kurz vor der Ankunft hatte ich angerufen. Das Tor zu „meinem“ Parkplatz war schon offen. Auto abgestellt, Tor geschlossen und durch den Nebeneingang ins Haus.

Im Telefonat hatte ich erfahren, dass Kathi heute frei hatte, wie an seit der Tauffeier fast jedem freien Tag von Dennis abgeholt worden war. Auch Dieter hatte den Eindruck, dass sich da was anbahnen würde und sah das mit einem weinenden und einem lachenden Auge, einerseits weil er wohl die Frau verlieren würde die ihm von allen am nächsten stand, andererseits voller Hoffnung, dass sie den Ausstieg aus dem Milieu schaffen und ihr Glück finden würde. Dazu kam, dass wir Dennis inzwischen recht gut kannten und wussten, dass auch er eine Seele von Mensch ist und daher gute Aussichten bestehen, dass die beiden miteinander glücklich werden könnten.

Christina hatte ebenfalls frei, war aber im Haus. Anja war unten, ebenso Ilona und Iris, die sowohl bei unserer Hochzeitsfeier als auch bei der Tauffeier tolle Fotos gemacht hatten, bald nach der Feier ihre Zimmer in Bremen kündigten und im Club anfingen. Die Zeit in der sie „spionieren“ sollten hatte sie wohl überzeugt, dass es sich hier angenehmer leben ließ als wie in der Hansestadt. Weiterhin im Einsatz waren zwei Neue, die erst vor wenigen Tagen angefangen hatten, zu denen es aber noch keine nennenswerten Rückmeldungen von Gästen gab.

Dass Dieter und ich befreundet waren wussten sie schließlich sicher. So musste schon damit gerechnet werden, dass sie sich vielleicht nicht ganz so verhalten würden wie bei anderen Gästen. Aber sicherlich würden sie nichts machen was einer grundsätzlichen Einstellung widersprach. Von daher war ich gespannt was sich entwickeln würde.

Dieter hatte mich gebeten den Neuen auf den Zahn zu fühlen. Als Anja mich entdeckte war die Freude groß – nicht nur bei ihr. Ihre Enttäuschung kam aber gleich hinterher weil sie nicht gleich mit mir abschieben konnte; dass ich ihr die zwei Neuen vorzog machte sie scheinbar regelrecht eifersüchtig. So richtig getröstet war sie zunächst nicht als ich ihr versprach, ich sei nur neugierig auf die beiden und würde mich nach denen um sie kümmern. Sie zuerst, das ginge nicht, denn ich würde ahnen, dass sie sich vorgenommen habe mich sämtlicher Kräfte zu berauben.

Als ich in den Partyraum ging saß dort nur eine von beiden. Ich setzte mich zu ihr, sie stellte sich als Anna vor, der übliche Smalltalk begann. Die Frage nach einem gemeinsamen Sauna- oder Whirlpoolbesuch wurde abschlägig beschieden, auf die nach Küsschen ganz entsetzt reagiert. Schade, aber das lag nun mal in ihrer Entscheidungsgewalt. Für den Weg ins Zimmer wurde mir der Standardservice zugesagt: Oralverkehr, aber nur sie bei mir, ansonsten die üblichen drei Stellungen. Kein 69 – ohne die Bitte von Dieter hätte ich mich von ihr verabschiedet. So aber ging ich mit. Im Zimmer ging es sofort ins Bett. Streicheleinheiten oder ein wenig Unterhaltung? Fehlanzeige! Sie übernahm das Kommando. Ich musste mich auf den Rücken legen, sie montierte – anders kann man den rüden Umgang mit meinem empfindlichsten Teil nicht nennen – den Conti, blies mir kurz einen, dann setzte sie sich auf mich, „arbeitete“ ein paar Minuten. Anschließend die Frage „doggy oder Missionarsstellung?“

Ich wählte Letzteres, wollte sie vorher am Körper streichen, wurde aber angeblafft wie auf dem Kasernenhof „wir machen hier nicht Liebe! Ich bin zum Ficken da. Also los!“

Normalerweise hätte ich spätestens jetzt abgebrochen, aber es kam Neugier auf: wie weit würde sie gehen? Ein paar Minuten abgehampelt, dann schob sie mich runter, kniete sich aufs Bett. „Jetzt doggy!“ Auch da spielte ich einige Minuten mit, dann meinte ich zu ihr, dass es mir reichen würde, ich daher abbrechen würde. Ihren Jeton bekam sie, denn technisch betrachtet hatte sie ihre Zusagen erfüllt und wenn ich weitergemacht hätte wäre es wohl auch zu meinem, allerdings äußerst unbefriedigenden, Orgasmus gekommen. Dieser Chip war aber gleich zwei auf einmal – nämlich der erste und zugleich letzte von mir für sie.

Ab zur Dusche, danach zu Dieter ins Büro. Er sah mich mit fragenden Augen an.

„Anna versaut Dir den Ruf, den Du mit Deinem Laden hast!“

Erschrecken bei ihm. „Die arbeitet aber schon einige Tage hier. Ich habe schon gemerkt, dass wohl kein Gast mehr als einmal mit ihr auf dem Zimmer war. Aber gesagt hat nie jemand etwas. Was ist denn passiert?“

„Alles was über den absoluten Mindestservice hinausgeht, wird abgelehnt. Französisch bei ihr, somit auch 69, ebenfalls, aber da gehen die Meinungen ja auseinander ob das zum Mindestservice gehört. Im Zimmer keinerlei Nähe, aber Kasernenhofton mit Befehl und Gehorsam. Sie sagt an, der Gast hat das zu tun was sie anordnet.“ Ich schilderte im Detail was vor und während des Zimmeraufenthalts geschehen war.

„Die kauf ich mir, schmeiße sie sofort raus!“

„Damit solltest Du noch waren. Ob die jetzt noch ein paar Stunden mehr hier bleibt oder nicht macht auch den Kohl nicht mehr fett. Du solltest aber die Mädels, die schon länger bei Dir sind, nach und nach anspitzen, dass sie darauf achten mit wem Anna aufs Zimmer geht. Sobald der betreffende Gast zurück kommt soll ihn jemand zu Dir bitten, möglichst bevor Anna das mitbekommt. Du lässt Dir schildern was im Zimmer gelaufen ist, wie er das bewertet und gibst ihm, wenn er wie absehbar eine heftige Enttäuschung offenbart, einen neuen Jeton als Ersatz für den mit Anna vergeudeten Chip, am Besten noch einen zusätzlich als Entschädigung für den Ärger.

Ich sehe jetzt zu, dass ich die andere Neue kennen lerne.“

„O.k., mach das. Wegen Anna warte ich ab bis ich von einem anderen Gast was höre und das mit Dir besprechen kann.“

Ich ging wieder in den Partyraum. Obwohl viel Betrieb war sah ich zu meiner Überraschung Andrea allein sitzen. Ihre Haltung – gesenkter Kopf, angezogene Beine, die Arme um die Knie geschlungen – signalisierte nur eines: rühr mich nicht an! Was war geschehen? Ich setzte mich neben sie. Sie erschrak, flüsterte, „bitte lassen Sie mich allein“. Jetzt war auch zu hören, dass sie leise weinte.

Ich setzte mich dennoch zu ihr, berührte sie aber nicht.

„Mädchen, was ist passiert?“

„Bitte, setzen Sie sich doch zu einer der anderen Frauen. Ich kann jetzt nicht!“

„Ich sehe doch, Du hast etwas erlebt was Dich geschockt oder Dir sogar wehgetan hat. So etwas darf hier nicht sein und wenn es doch passiert muss der Chef nach dem Grund suchen um möglichst zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt. Bitte erzähle mir was passiert ist.“

„Er hat mir wehgetan. Ich habe ihm immer wieder gesagt er soll aufhören, aber er hat einfach gesagt „das gehört dazu“ und weitergemacht.“ Jetzt flossen die Tränen heftig.

„Wer?“

„Er ist gerade nicht hier, vielleicht auf dem Zimmer, in der Sauna oder im Pool.“

„Weshalb bis Du dann nicht zu Dieter gegangen und hast ihm erzählt was passiert ist?“

„Er sagte wenn ich schreie oder petze würde er mich richtig rannehmen.“

„Komm, wir gehen zusammen ins Büro. Dort erzählst du was vorgefallen ist.“

So geschah es dann auch. Während sie mit Dieter sprach hatte ich Gelegenheit mir die junge Frau näher anzusehen. Zierlich, etwa eineinhalb Meter groß, ein richtig hübsches Gesicht, schulterlanges Haar und eine zur Figur passende Oberweite, kurz gesagt eine Schönheit. Ihr Alter schätzte ich auf etwa 25 bis 28 Jahre, aber ihr Selbstvertrauen schien nur sehr gering ausgeprägt zu sein. Wenn es anders wäre hätte sie dem Kerl sicher erfolgreich Grenzen aufgezeigt.

Dieter hörte gespannt zu, stellte ein paar Zwischenfragen. Einen Namen konnte die Kleine nicht nennen – der Mann hatte sich ihr nicht einmal vorgestellt, ich bis dahin übrigens auch nicht.

Dieter stand auf. „Ich bin gleich zurück.“ Er verließ das Büro, kam zwei Minuten später zurück, in seinem Schlepptau die drei Frauen die sich gerade im Partyraum aufhielten. Die letzte schloss die Tür.

„Mädels, Andrea ist vorhin Schlimmes passiert.“ Er erzählte in Kurzfassung das was sie ihm berichtet hatte. Andrea ist zwar noch nicht lange hier, aber ich glaube, ich kann sie gut einschätzen und glaube ihr. Von Euch möchte ich wissen ob Ihr mit ihm gleichartige Erlebnisse hattet. Also?“

Erst herrschte betretenes Schweigen im Raum, dann meldete sich eine „als ich das erste Mal mit ihm auf dem Zimmer war fing er auch so an. Ich habe ihm eine geknallt. Daraufhin hat er gekuscht. Danach war er noch ein paar Mal hier, aber mit mir auf dem Zimmer immer friedlich. Die beiden anderen äußerten sich ähnlich, nur dass er bei der einen auch nach der Ansage weitermachte, einen Tritt in die Körpermitte bekam, schleunigst seine Sachen packte und den Club verließ. Danach hat er sie bei den darauffolgenden Clubbesuchen nie wieder gebucht.

„Also, da muss ich etwas schimpfen, meine Damen! So etwas müsst Ihr mir sagen, auch wenn es halbwegs friedlich ausgegangen ist! Wenn nicht kann ich nicht dafür sorgen, dass solche Typen draußen bleiben. Wird nichts dagegen getan, kommt erst nur dieser eine, dann kommen immer mehr und mehr und die würden die Grenzen immer weiter hinausschieben. Bald wäre das hier eine Hölle für Euch. Zudem würden weniger Gäste kommen, denn die Guten würden zum Teil wegbleiben und so viele wie nicht mehr kommen gibt es von den Schlechten hoffentlich nicht. Euer Verdienst, der ja nach dem Verteilungsschlüssel vom Umsatz des Ladens abhängig ist, würde sinken. Aber jetzt kaufen wir uns den Mann. Kommt mit.“

Wir gingen nach hinten zu den Zimmern. Von keinem war die Tür geschlossen. Also musste er in der Sauna oder im Pool sein. Tatsächlich war er im Pool. Dieter bat ihn mit ins Büro zu kommen. Er wollte zunächst nicht bis mein Freund darauf hinwies man könne, wenn er wolle, auch alles öffentlich besprechen. Die Gäste im Partyraum seien sowieso schon aufmerksam geworden als ich mit allen freien Frauen nach hinten ging, vermutlich auch einige nachgekommen. Er könne es sich aussuchen. Der Typ schimpfte wie ein Rohrspatz, kam aber aus dem Wasser, trocknete sich ab und warf sich in den Bademantel.

Im Büro angekommen ging es gleich zur Sache. Dieter bat mich das Wort zu führen. Ich übernahm gern.

„Wenn sich eine Frau entscheidet der Prostitution nachzugehen ist das nicht gleichbedeutend mit der Zustimmung zu BDSM-Praktiken mit ihr als Opfer. Hier wurde vorhin bekannt, dass Sie mehrfach Frauen misshandelt haben, zuletzt heute. Die vier Damen hier stehen als Zeuginnen zur Verfügung, eventuell noch weitere von denen, die heute nicht hier sind. Heute haben Sie bei Andrea mit den Quälereien weiter gemacht obwohl sie forderte damit aufzuhören. Juristen nennen so etwas vorsätzliche Körperverletzung. Alle geschädigten Frauen werden Strafanzeige erstatten und Strafantrag stellen. Zivilrechtliche Forderungen – Schmerzensgeld – bleiben vorbehalten. Ich will jetzt Ihre Personalien haben. Name, Vorname, Geburtsdatum, Wohnanschrift!“

„Am Arsch lecken könnt Ihr mich! Ich will sofort meinen Spindschlüssel haben!“

„Den kriegen Sie dann wenn wir es für richtig halten. Ihre Personalien. Ein Hinweis: werden die nicht freiwillig angegeben wird das erzwungen.“

„Max Müller, Maximilianstraße…“ Er nannte die Hausnummer und den Ort. Ich fragte nach der Postleitzahl, denn der Ort war die Kreisstadt vom Nachbarkreis und die PLZ kannte ich. Er nannte eine falsche Zahl.

„Die Adressangabe ist falsch. Entweder Sie nennen Ihre richtige Adresse oder ich setze Sie fest bis die geklärt werden kann.“

„Leck mich doch! Das wäre Freiheitsberaubung, Entführung. Dann sehen wir uns vor dem Strafrichter wieder, aber ich als Zeuge!“

„Abgesehen davon, dass auch das die Angabe zutreffender Personalien voraussetzt stelle ich fest, dass Sie die Personalienangabe verweigern. Ich erkläre Sie für vorläufig festgenommen. Ein Hinweis nebenbei: dies ist ein Recht, das jeder Bürger hat wenn anders eine berechtigte Forderung nach Angabe der Personalien nicht durchzusetzen ist.

Dieter, die Tür am gegenüberliegenden Ende des Partyraums führt doch zu einem kleinen Lagerraum. Er hat keine Fenster. Kann der für die Zeit bis Polizei hier ist für ihn genutzt werden?“

„Ja, klar.“

„Gut. Wir gehen da jetzt hin. Sie haben die Wahl: entweder sie kommen mit ohne Faxen zu machen oder ich führe Sie im Polizeigriff dahin. Zuschauer haben Sie in beiden Fällen genug.“

Er entschied sich dafür den Weg ohne Widerstand zurück zu legen. Allerdings gab es doch etwas Aufmerksamkeit als ich vom Inneren des Raums einige Fotos machte und deutlich hörbar darauf hinwies, dass der augenblickliche Ist-Zustand nun festgehalten sei und wenn nach seiner Zeit hier drin Schäden oder fehlende Sachen festgestellt würden, ebenfalls Fotos gemacht würden und eine Schadenersatzklage absehbar wäre.

Ich wandte mich an die anderen Gäste.

„Es hat leider ein unerfreuliches Ereignis gegeben. Wir müssen die Polizei einschalten. Ich gehe davon aus, dass in frühestens einer halben Stunde eine Streife hier ist und sich um den Herrn kümmern wird. Betonen möchte ich, dass es sich nicht um eine allgemeine polizeiliche Kontrolle handelt. Die hatten wir erst kürzlich. Dabei waren auch noch Beamte von anderen Behörden und wir haben die mit Glanz und Gloria überstanden. Ich möchte Euch nur vorab informieren, nicht, dass jemand überrascht wird wenn plötzlich ein Streifenwagen auf den Parkplatz fährt. Ihr könnt Euch überall im Club bewegen wenn die Polizisten da sind, nur die Frauen müssen als Zeuginnen zur Verfügung stehen. Wer lieber vorsichtig ist und den Club vorher verlassen will hätte jetzt noch die Möglichkeit zu einem Zimmergang.“

Einer meldete sich, sprach Anja an. Beide gingen nach hinten. Die anderen wollten bleiben. Einer kam auf mich zu. Irgendwie kam mir das Gesicht bekannt vor, ich konnte ihn aber nicht einordnen.

„Geht es darum, dass vorhin aus einem Zimmer eine weinende Frau zu hören war? Ich hatte nur den Eindruck, vermutete auch, dass Worte wie „hör auf“ fielen, konnte das aber nicht richtig verstehen und habe deshalb nichts gesagt. Wenn, dann stehe ich als Zeuge zur Verfügung.“

„Danke. Dann bleibe bitte hier bei uns.“

Ich rief auf dem Polizeirevier der Kreisstadt an. Nachdem ich geschildert hatte was passiert war sicherte man mir zu in Kürze eine Streife loszuschicken. Eine Dreiviertelstunde würde es bis zu deren Eintreffen aber sicher noch dauern, eventuell etwas mehr, da sie noch mit einem anderen Einsatz befasst war.

Ich bedankte mich, informierte die Gäste und tatsächlich entschieden sich zwei dafür auch noch eine Runde zu starten. Einer von ihnen wandte sich dafür an Anna. Ich merkte mir sein Gesicht, nahm mir vor ihn anschließend anzusprechen.

Ich rätselte immer noch: woher kannte ich dieses Gesicht, woher den ganzen Zeugen? Etwa 1,85 groß, Muskeln wie ein Bodybuilder, einen recht offenen Gesichtsausdruck… WOHER?

Ich ging gedanklich zurück, immer weiter zurück. Es musste jemand sein, zu dem ich eine direkte oder indirekte Beziehung gehabt habe, den ich häufiger gesehen hatte. Studium, Meisterschule? Nein. Schule? Nein. Tischlerlehre? Nein. Moment! In diesem Moment fiel es mir ein. Werner Wagner, der Bruder meiner ersten Ex!

„Werner, bis Du es? Der Bruder von Heidi?“

„Ja, Robert. Ich habe Dich gleich erkannt, mich aber nicht getraut Dich als Kumpel anzusprechen. Ist ja schon viele Jahre her und Du scheinst ja recht speziell mit Dieter zu sein. Aber wenn Du mich ansprichst, dann wirst Du wohl noch genauso schwer in Ordnung sein wie damals. Ich werde nie vergessen wie Du mich bei unserem ersten Treffen vorgeführt hast. Ich werde aber auch nie vergessen, glaube ich, was für ein toller Kumpel Du warst und wie viel Geduld Du mit den Eskapaden von Heidi hattest. Sag mal, wie geht es Dir denn?“

„Da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich habe die Tischlerei von meinen Eltern übernommen, mich im Handwerk später noch etwas spezialisiert, bin verheiratet und habe einen Sohn. Ansonsten mache ich noch meinen Sport und bin hin und wieder hier.“

„Verheiratet und dann einen solchen Laden besuchen? Ist das nicht schwierig vor der Frau zu verbergen?“

„Nein, Helena weiß davon, hat mich sogar in diese Richtung geschoben. Aber das jetzt weiter zu erklären würde zu weit führen. Aber wie geht es Dir, was machst Du? Hast Du eine Familie, was machst Du beruflich? Was ist aus Heidi geworden?“

„Familie habe ich nicht. Ich war verlobt, aber der vorgezogene Junggesellenabschied ist schief gegangen. Ich landete mit einer Freundin meiner Verlobten im Bett und bekam später zu wissen, dass die beiden gewettet hatten, ob ich standhaft bleiben würde. Wäre ich sicher auch, wenn die mich nicht so abgefüllt hätten, dass ich wohl nicht mehr wusste was ich tat. Ich weiß bis heute nicht ob ich nur dort gepennt oder sie auch gevögelt habe. Jedenfalls gab es am Morgen etliche Fotos von ihr und mir nackt im Bett, die natürlich auch meine Verlobte zu sehen bekam. Der Hochzeitstermin stand zwar schon fest, aber es war noch nichts gebucht, noch keine Einladung geschrieben. Insofern hatte ich Glück. Aber Glück hatte ich im Nachhinein betrachtet auch, dass meine Verlobte mich verwettet hatte. Dazu gehört doch ein ziemlich kaltes, herrisches Denken, meine ich, das ich vorher nie bei ihr bemerkt hatte. Wir waren zweieinhalb Jahre zusammen. Es ist schon eine starke Leistung sich über einen so langen Zeitraum so perfekt zu verstellen, dass zumindest ich nichts bemerkte – oder nichts bemerken wollte, denn zwei Freunde warnten mich vor ihr. So habe ich sie aus dem Haus geschmissen und natürlich sämtliche Unterstützung für sie eingestellt. Sie hatte ein halbes Jahr zuvor mal wieder einen Job verloren, ihre eigene Wohnung aufgegeben und war bei mir eingezogen. Ich verdiente damals gut, war aber als Fernfahrer viel unterwegs. Wie ich dann später mitbekam hat sie meine Abwesenheit genutzt um auch mal Abwechslung im Bett – in meinem Bett! – zu haben. Na ja, dann stand sie auf der Straße, ohne Job, ohne Wohnung. Das was ihr gehörte stand dann noch einige Zeit in meiner Garage, die ich deswegen offen gelassen hatte. Nachdem ich ihr eine Frist setzte holte sie einen Teil ab, der Rest war später plötzlich verschwunden. Ich wusste natürlich von nichts, hätte mir den Wiegezettel von der Mülldeponie aber am Liebsten eingerahmt ins Wohnzimmer gehängt.

Eine neue Beziehung bin ich danach nicht eingegangen, war und bin in dieser Hinsicht erst mal bedient. Es hat zwar ab und an mal einen ONS gegeben, aber das blieb selten. Im Normalfall besuche ich ein Callgirl oder diesen Club, wenn es mal pressiert.

Meinen Job habe ich aber nicht mehr. Mein Arbeitgeber hat Insolvenz angemeldet. Die Firma konnte nicht gerettet werden. Aktuell lebe ich von Arbeitslosengeld, mehrere Bewerbungen laufen. Als Fernfahrer will ich nicht wieder arbeiten, der Job ist mir zu hart geworden. Ich kenne keinen Betrieb wo die Fahrer nicht an den Grenzen der Legalität oder sogar außerhalb derer arbeiten müssen. Egal ob es die zulässigen Lenkzeiten sind, der technische Zustand des Lkw ist, ein Fahrtenschreiber manipuliert wurde, bei der Ladungssicherung geschludert wird oder irgendetwas anderes ist – gleichgültig wo Beschiss gemacht wird, als Fahrer ist man immer der Dumme. Eine Bewerbung läuft im Grünflächenamt der Kreisverwaltung. Da hatte ich vorgestern ein Vorstellungsgespräch und meine, dass es sehr gut gelaufen ist.

Heidi war einige Jahre verheiratet, wollte sich dann selbst finden und trennte sich von ihrem Mann. Mit ihrem Sohn bezog sie eine kleine Wohnung, fing in einem Reinigungsunternehmen zu arbeiten an. Großes Geld konnte sie da nicht verdienen, besann sich darauf, dass sie dauergeil war, mietete eine Wohnung nachdem sie sich ausführlich im Internet informiert hatte und bot Sex für Geld an. Klartext: sie war eine Nutte. Das lief zu Anfang auch überraschend gut, wohl weil sie neu war. Was sie genau anbot und was sie ablehnte weiß ich nicht. Ihre Inserate im Internet kannte ich zwar, aber ob sie das was da drin stand auch tatsächlich machte – keine Ahnung, da haben wir nie drüber gesprochen. Jedenfalls wurden nach einiger Zeit die Freier immer weniger. Manche von denen, die noch kamen, wollten partout Sachen geboten haben die sie ablehnte. Also kamen die auch nicht wieder. Zum Schluss war es dann so, dass sie man gerade noch genug Geld erwirtschaftete um die beiden Wohnungen sowie den Lebensunterhalt für sich und meinen Neffen zu bezahlen. Manchmal musste ich ihr sogar den einen oder anderen Schein zustecken weil das Geld eben doch schneller zu Ende war als der Monat. Letztlich zog sie die Notbremse, bewarb sich in einem Supermarkt als Verkäuferin – den Beruf hatte sie ja gelernt – und wurde eingestellt. Eine Beziehung ist sie bislang nicht wieder eingegangen. Ich weiß das recht genau, denn sie hat sich das Erbe vor ihrer Heirat auszahlen lassen, ich war deshalb nach dem Tod unserer Eltern Alleinerbe, wohne seitdem im Elternhaus und Heidi und mein Neffe sind bei mir eingezogen, damit sie auch ihre andere Wohnung aufgeben und das Geld dafür einsparen kann.“

„Wenn Du magst kann ich Euch mal besuchen kommen. Das Haus finde ich wieder, kann mich noch gut daran erinnern. Bei mir geht es derzeit nicht. Ich habe ein Kleinkind zuhause und beherberge eine Frau, die eine schlimme Zeit hinter sich hat und ein Trauma verarbeiten muss.“

In diesem Moment war ein Martinshorn zu hören. Ein Streifenwagen fuhr auf den Hof. Kurz darauf klingelte es, ich ging zur Tür, öffnete – und fing an zu lachen.

„Reiner, rate mal wen ich mitbringe!“

„Etwa unsere zwei Lieblingspolizisten?“

„Genau!“

Mit den beiden ging ich zunächst mal in den Partyraum, erklärte dort, dass wir mit beiden Leuten schon mehrmals zu tun hatten, unter anderem bei der vorhin von mir erwähnten Betriebsprüfung, und man miteinander ins Gespräch gekommen sei, sogar gemeinsame Interessen wie z.B. Oldtimer festgestellt habe. Sofort kam ein Zwischenruf.

„Oldtimer? Sind auch mein Hobby. Haben Sie einen? Wenn ja, was für einen? Ich habe mehrere. Können wir uns nachher mal näher darüber unterhalten?“

„Gern, aber wir müssen jetzt erst mal ins Büro.“

Dort angekommen erzählten wir was passiert war, was wir festgestellt hatten, wer alles als Zeuge bekannt war und dass es eventuell noch weitere Zeuginnen gäbe sowie wie wir mit dem Mann verfahren seien nachdem er zunächst falsche Personalien angegeben und danach die richtigen verweigert hatte.

Beide fingen das Grinsen an, machten sich Notizen und erfragten die Realnahmen der Zeugen – ich war ja auch einer - und Zeuginnen. Anschließend schlossen wir den Vorratsraum auf und durften uns ein Geschrei anhören, das nur so von Ausdrücken aus unterster Gosse wimmelte. Jegliche Ordnung in dem Raum war zerstört. Die Sachen waren aus den Regalen gerissen, lagen auf dem Boden, waren teils kaputt. Wieder ein paar Fotos gemacht, darunter auch eines vom Übeltäter. Der tobte noch mehr, forderte unter Hinweis auf das Recht am eigenen Bild die Löschung dieser Aufnahme. Darauf war aber auch das von ihm angerichtete Chaos zu sehen, brachte somit die Tat in Verbindung mit dem Täter und war damit Beweismittel. Nach dieser Auskunft rastete der Typ vollkommen aus, wurde gegenüber allen anwesenden Personen – die anderen Gäste und die Frauen standen inzwischen hinter uns – massiv beleidigend, drohte Einzelnen an sie umzubringen oder umbringen zu lassen – und die Polizisten notierten fleißig. Er wehrte sich auch gegen den Zugriff der Polizisten als die ihn zur Umkleide bringen wollten.

Dieter hatte sich inzwischen den Spindschlüssel bringen lassen, schloss den Schrank in Gegenwart des Ex-Kunden und der Polizisten auf. Was sofort auffiel waren ein Bademantel und ein Stapel Handtücher aus dem Club. Die fotografiert, dann herausgenommen – und darunter lagen diverse Kondome wie sie im Club in den Zimmern bereit lagen. Zu den Vorwürfen kam somit noch Diebstahl hinzu. Die anderen Leute wurden hinausgebeten, im Umkleideraum blieben außer dem immer noch schimpfenden Kerl nur die Polizisten, Dieter und ich. Während er sich anzog passten wir auf was da noch alles an interessanten Sachen im Spind sichtbar werden würde. Es tauchten noch je eine Handvoll Feuerzeuge und Streichholzschächtelchen – Werbemittel mit dem aufgedruckten Clubnamen und dessen Rufnummer - auf, wurden ebenfalls fotografiert.

Ich bat die Polizisten die Geldbörse des Übeltäters durchzusehen ob da ein Personalausweis zu finden sei, da wir Anzeige erstatten wollten und Anspruch auf die Personalienangabe hatten. Bingo! Die Daten abgeschrieben, nett von den Polizisten verabschiedet, sie und hinausbegleitet.

Anschließend setzte ich mich kurz mit dem Gast zusammen, der sich als Eigentümer mehrerer Oldtimer bezeichnet hatte, erfuhr von ihm welche Fahrzeuge in seiner Scheune stehen und staunte. Zum Einen – es waren nicht nur zwei oder drei. Zum Anderen: unter den Autos waren auch ein paar richtig teure Teile. Ich informierte ihn darüber, dass eine grobe Vorplanung für ein größeres Oldtimertreffen angelaufen sei, das nicht weit weg von hier steigen solle. Ein Termin stehe noch nicht fest. Er möge mir doch seine Mailadresse und eine Rufnummer geben, damit ich die an die Organisatorin weiterleiten kann. Ein paar Minuten später hatte ich die erbetenen Daten. Anschließend holte ich mir von Werner dieselben Daten. Ich wollte mich schließlich vor einem Besuch anmelden können, ihn nicht aus heiterem Himmel überfallen.

Inzwischen waren ein paar neue Gäste eingetroffen, einer ging auf Andrea zu. Die sah mich bittend an, wollte wohl nicht von diesem neuen Gast gebucht werden. Rennen wollte ich nicht, also rief ich „Andrea, nun wo die Aufregung vorbei ist – wollen wir?“

Sie war richtig erleichtert, kam zu mir. Ich flüsterte ihr in Ohr „magst Du Whirlpool oder Sauna? Wenn nicht gehen wir in das Zimmer mit der Couch, können uns da unterhalten. Ich bin übrigens Robert.“

„Das habe ich schon mitgekriegt. Weißt Du, so wie Du dafür gesorgt hast, dass der Widerling auffliegt und voraussichtlich bestraft wird, da gehe ich mit Dir überall hin. Du bist ein guter Freund von Dennis. Das habe ich erkannt als Ihr Euch zu diesen Spielabenden gesehen habt und auch bei der Tauffeier war das zu bemerken. Ein bisschen habe ich bedauert, dass in Dein schönes Auto immer nur Katharina oder die Zwillinge einsteigen durften, ich oder auch die anderen Mädchen – gewollt haben eigentlich fast alle – hatten da keine Chance. Wo wollen wir zuerst hin?“

.. Zuerst in die Sauna, danach in den Pool. O.k.?“

„Komm“ meinte sie nur, nahm mich an die Hand. Ich legte meinen Arm um ihre Taille, so gingen wir nach hinten. Vor der Sauna legte ich meinen Bademantel ab, sie wollte ihre Dessous ausziehen.

„Darf ich das machen?“

„Bitte.“ Sie stellte sich vor mich, ich zog ihr wie in Zeitlupe zunächst das Oberteil, dann das Höschen aus, trat anschließend einen Schritt zurück.

„Mädchen, weißt Du, dass Du zum Wegrennen bist?“

Schock bei ihr. Sie fing fast an zu weinen.

„Doch nicht so! Ich meinte, wenn ich nicht glücklich verheiratet wäre – diese Schönheit unter den Arm klemmen und abhauen!“

Sie kam auf mich zu, boxte mich auf die Brust. „Das war gemein! Ich dachte eben Du wärst auch so ein gemeiner Typ. Dass Du mich so verladen wolltest, das habe ich nicht geahnt.“

Jetzt trommelte sie mit ihren kleinen Fäusten regelrecht auf meinen Oberkörper, wusste dabei offenbar nicht ob sie lachen oder schniefen sollte, machte dann beides abwechselnd. Viel Kraft steckte auch nicht gerade hinter ihren Fäusten. Ich nahm sie in die Arme, drückte sie an mich.

„Ich gebe zu. Das war vielleicht ein bisschen zu hart nach dem was Du vorhin erlebt hast. Aber gehen wir doch mal rein.“

Ich öffnete die Tür, stellte fest, dass bereits ein anderer Gast drin saß. Nach einem „Hallo“ setzten wir beide uns ihm gegenüber auf die Bank, ganz brav etwas auseinander. Es gab Smalltalk zu Dritt bis der Mann die Sauna verließ.

„Endlich“ kam es von ihr. Sie stand auf, stellte sich vor mich, fasste meinen Kopf und drückte mir einen Kuss auf die Lippen, dass ich die Engel singen hörte. „Der war dafür, dass Du mich vorhin trösten wolltest. Anschließend zog sie mich von der Bank. Ich stand, musste mich tief zu ihr hinab beugen und bekam einen weiteren aufgedrückt. „Und der war dafür, dass Du es geschafft hast mich zu trösten.“

Ich bekam einen Schubs, setzte mich unwillkürlich wieder hin. Sie nahm mich wieder in die Arme, drückte mir den nächsten auf. Ich war noch immer überrascht, vergaß für einen Moment wen ich im Arm hielt, öffnete meinen Mund und begann mit der Zunge zu suchen. Jetzt wurde es richtig gut, denn meine bekam von ihrer Antwort! Es entwickelte sich ein richtig schöner langer Zungenkuss bis wir schließlich beide tief Luft holen Mussten.

„Und der war dafür, dass Du mich vor dem anderen Gast bewahrt hast, aber hauptsächlich deshalb weil Du so bist wie Du bist!

Weißt Du, im Job küsse ich nicht, habe das auch noch nie getan. Aber das eben musste sein. Ich bin Dir ja sooo dankbar! Und Spaß gemacht hat es auch. Aber jetzt können wir erst einmal miteinander quatschen, ja?“

„Spaß hatte ich auch, sogar sehr viel Spaß. Aber wir sind ja auch deshalb hier zusammen weil es Dein Job ist. Da weiß ich jetzt nicht was ich erwarten kann. Geht es jetzt mit Knutschen weiter, auch wenn wir im Zimmer sind? Wenn ja – ist das nur heute gültig oder auch wenn ich wieder einmal im Club bin? Und Zimmer ist das richtige Stichwort: was magst Du, was könntest Du mögen, weißt es aber erst wenn Du es ausprobiert hast, und was lehnst Du ab?“

„Ich mache das was üblich ist, also Verkehr in verschiedenen Stellungen, Oralverkehr, 69. Aber Du bist kein normaler Freier, sondern jemand der mir geholfen hat, einfach erkannte was ich brauchte, mich in den Arm nahm und dafür sorgte, dass mir Gerechtigkeit widerfuhr. So etwas habe ich nicht mehr erlebt seit ich noch ganz klein war. Ich fühlte mich von Dir beschützt, bei Dir geborgen, obwohl ich Dich noch gar nicht kenne. Zu Dir habe ich Vertrauen und glaube, Du würdest nie etwas mit mir tun was mir nicht gefällt. Für mich bist Du kein Gast, sondern ein Mann, von dem ich mich gern umarmen lassen, der mich küssen darf soviel er will und von mir geküsst wird solange er es aushält. Du kannst mit mir machen was Dir gerade einfällt. Sollte tatsächlich etwas dabei sein was mir nicht gefällt, so unwahrscheinlich es auch ist, dann sage ich es schon.“

„Andrea, so etwas Liebes hat mir schon lange niemand mehr gesagt. Komm.“ Ich nahm sie in die Arme, drückte ihr auch einen auf den Mund und wartete ab ob ihre Zunge kam. Sie kam! Nach einer wilden Knutscherei brauchten beide eine Pause. Zudem waren wir ganz schon am Schwitzen.

„Wollen wir erst mal unter die Dusche und dann in den Pool?“

„Gute Idee. Sonst kriegen wir noch einen Hitzschlag, so heiß wie das hier mit uns geworden ist.“

Gesagt, getan. Ich schaltete den Pool ein, wir gingen Hand in Hand erst unter die Dusche, dann ins Wasser, sagten zunächst nichts. Ich begann sie zu streicheln, wandte mich dabei ihr zu. Geküsst wurde dabei auch fleißig. Die Finger wanderten erst ihren Rücken hoch und runter, beschäftigten sich dann mit ihren zwei Hügeln, bis sie weiter abwärts zogen und letztlich auf der Vulva landeten. Erst streichelte ich nur die Scheide, dann senkte sich der Mittelfinger ab – und spürte eine Nässe, die nicht vom Wasser kam! Mein kleiner Mann war natürlich inzwischen voll ausgefahren. Sie hatte ihn umklammert, bewegte aber die Hand nur ganz langsam, ganz vorsichtig. Mir gefiel es sehr, vor allem auch weil sie nicht darauf bedacht war mich zum Abschuss zu bringen – Sperma im Wasser des Pools wäre gar nicht gut gewesen! Ich aber brauchte eine solche Rücksicht nicht zu nehmen, suchte mit dem Finger ihren Klingelknopf und fing an den zu reizen, genoss es sie wiederholt bis kurz vor dem Orgasmus zu verwöhnen und dann langsamer zu machen, auch mal eine kleine Pause einzulegen. Ihr Atmen, das Stöhnen – eine Musik in meinen Ohren. Meinen Freudenspender hatte sie losgelassen, umarmte mich beiden Armen und zog mich offenbar so fest wie sie konnte an sich.

„Robert, bitte, lass mich kommen. Ich kann nicht mehr!“

Konnte sie haben! Den Mittelfinger deutlich tiefer eindringen lassen und dann beim ein- und ausfahren immer schön über ihren Kitzler streifen lassen. Es dauerte nur Sekunden, dann hob sie ab! Plötzlich kamen ein paar Tränen.

„Kleine, was ist? Habe ich Dir wehgetan oder was falsch gemacht?“

„Nein, ganz im Gegenteil! Das sind Freudentränen, das war so wunderschön. Aber jetzt muss ich mich ein wenig von diesem heftigen Orgasmus erholen und dann gehen wir ins Zimmer, ja?“

„Gerne.“ Wir umklammerten uns beide mit den Armen, busselten wie frisch Verliebte, bis sie sich löste, aufstand und mich an der Hand nachzog.

Nach der Dusche trocken gemacht, dann die Frage: welches Zimmer? Eigentlich war ich ganz gern in dem großen Zimmer mit der eigenen Nasszelle. Aber auch das Spiegelzimmer hatte seine Reize. Ich schlug letzteres und für den Fall, dass die Luft darin zu abgestanden war – es hatte kein Fenster – das Zimmer mit der Nasszelle vor.

Letztlich landeten wir im Spiegelzimmer, schlossen die Tür und knieten uns mit etwas Abstand voreinander hin. Ich genoss es meine schöne Freundin auf Zeit gleichzeitig von allen Seiten betrachten zu können. Die allerdings wurde ungeduldig, kam zu mir, gab und forderte Küsschen. Wann sie das Kondom an sich genommen und die Verpackung aufgerissen hatte habe ich nicht bemerkt. Erstmal aber lagen wir nur nebeneinander, kuschelten, schmusten, küssten, bis sie sich etwas aufrichtete, mir das Kondom überzog und mich von ihren Fremdsprachenkenntnissen der praktischen Art überzeugte. Wunderschön! Ich wollte da nicht nachstehen. Mit einem Finger kurz gegen ihre Hüfte getippt und sie wusste was ich wünschte, platzierte ihre Muschi über meinem Mund. Weil sie so klein war ging es nicht so schnell bis wir die perfekte Position gefunden hatten, aber dann! 69 war nicht von ungefähr meine Lieblingsstellung. Nach kurzer Zeit musste ich sie bremsen, wäre sonst gekommen. Kleine Pause, wieder miteinander busseln, einander streicheln, und dann in der guten alten Missionarsstellung weiter. Sie wurde schnell wieder kurzatmig, ich aber auch. Fast zeitgleich entschärfte es uns dann. Nicht nur befriedigt, sondern regelrecht glücklich – ich konnte es in ihren Augen sehen, dass es ihr ebenso erging wie mir – lagen wir dann noch etwas auf-, danach nebeneinander, bis wir uns den Realitäten des Clublebens beugten und das Zimmer verließen. Sie ging ins Frauenzimmer um sich dort frisch zu machen, ich unter die Herrendusche.

Anschließend suchte ich Dieter im Büro auf. Der hatte inzwischen den Gast ausgefragt der mit Anna zusammen gewesen war. Erwartungsgemäß war dessen Kritik vernichtend. Er war dermaßen sauer, dass er den Club nicht wieder besuchen wollte. Als er aber wegen des einen vergeudeten Chips als Entschädigung gleich deren zwei bekam war die gute Laune wiederhergestellt. Er verließ den Raum. Dann kam die Frage nach Andrea.

„Eine gesicherte Meinung kann ich Dir leider nicht geben.“

Dieter fielen förmlich die Mundwinkel runter.

„Ich habe mit ihr fast so etwas wie eine Hochzeitsnacht erlebt!“

Verblüffung beim Chef, Lachfältchen um die Augen, die Mundwinkel fingen an zu zucken und dann wurde es laut – er lachte aus vollem Hals.

„Musst Du mich immer so verarschen?“

„Mache ich doch gerne, wie Du weißt. Also, jetzt mal ernsthaft. Andrea wusste ja zumindest von der Feier, dass wir gut befreundet sind. Ich hatte daher ein kleines bisschen Sorge, dass sie mit diesem Hintergrund vielleicht mehr zulassen oder gar bieten würde als bei anderen Gästen. Ihr Standardservice umfasst das, was Du als solchen erwartest und offenbar ist sie richtig gut darin. Küssen tut sie grundsätzlich nicht, ob sie auch mit anderen Männern in die Sauna oder den Pool geht weiß ich nicht. Mit mir waren sie in beiden drin. Schon in der Sauna gab es heftige Küsschen, im Pool und im Bett genoss sie Streicheleinheiten. Der ganze Umgang mit ihr war besonders. Ausgelöst wurde dieses Mehr aber nicht im Hinblick auf unsere Freundschaft, sondern weil sie sich bei mir beschützt, geborgen fühlte. Es war also total sympathieabhängig. Wenn ich das Mehr ausblende hast Du aber immer noch eine Frau im Club, die wahrscheinlich auch für die anderen Gäste ein Hauptgewinn ist. Dazu kommt eine tatsächlich liebenswerte Persönlichkeit und eine körperliche Attraktivität, die mich zum Überlegen bringen würde wenn ich zuhause nicht meine Helena hätte.“

Dieter bedankte sich. „Da hast Du mir zu beiden Frauen die Entscheidung einfach gemacht. Ich glaube der Gast, der vorhin mit Anna im Zimmer war, ist noch da. Den bitte ich herein und hole danach Anna dazu. Bleib Du bitte hier.“

Er ging in den Partyraum, kam mit dem Gast zurück, bot ihm einen Sitzplatz an. „Anna konnte ich nicht finden.“

„Die ist vorhin mit einem Mann im Zimmer gewesen und danach im Frauenraum verschwunden, müsste also bald wieder da sein“ informierte uns der Mann, der gar nicht so überrascht schien, dass er erneut ins Büro gebeten wurde.

Dieter ging noch einmal raus, kam aber rasch zurück, hatte Anna und einen sichtbar verärgerten Mann im Schlepptau. Letzterem bot er den letzten freien Stuhl im Raum an, Anna musste stehen. Der Mann fing an zu schimpfen, beschwerte sich mit deutlichen Worten über das Verhalten, die Leistungsverweigerung und den Kommandoton von Anna, die bestritt die Vorwürfe vehement, ließ sich auch von Dieter nicht unterbrechen. Er schlug mit der Faust auf den Tisch, dass es knallte. Vor Schreck wurde sogar Anna ruhig.

„Ich muss leider feststellen, dass die Vorwürfe begründet sind. Nicht nur er – er zeigte auf ihren letzten Gast -, sondern auch dieser Herr war mit Dir auf dem Zimmer und hat sich beschwert.“

„Die lügen beide“ kam von ihr.

„Beide lügen so clever, dass sich die erhobenen Vorwürfe decken, es aber keine Anzeichen irgendeiner Absprache gibt?“

Anna setzte zu einer Erwiderung an, Dennis sah das ebenso wie wir anderen auch.

„RUHE“ donnerte er. Nicht nur die beiden, sondern auch Robert hat mit Dir exakt dasselbe Desaster erlebt und dass mein bester Freund nicht lügt weiß ich genau. Solche Frauen wie Du verschaffen meinem Laden einen schlechten Ruf, machen mir den Laden kaputt. Das kann ich nicht dulden. Du hast ab sofort Arbeitsverbot hier, ebenso Hausverbot, packst Deine Sachen und trollst Dich!“

Sie sah wohl ein, dass der Rausschmiss endgültig war, entgegnete nur „aber es ist schon nach 21 Uhr! Wo soll ich denn jetzt noch hin, wie von hier wegkommen?“

„Das ist mir egal, hättest Du Dir vorher überlegen sollen. Jetzt ist es zu spät, denn ich muss davon ausgehen, dass Du bisher alle Gäste, mit denen Du auf dem Zimmer warst, so behandelt hast. Der letzte Bus zum Bahnhof in der Kreisstadt fährt übrigens in etwa einer Dreiviertelstunde, ganz genau weiß ich das nicht. Wenn Du noch Deine Sachen packen willst, wird die Zeit schon knapp. Kommst Du zu spät ist der Bus weg und Dir bleibt nur noch Taxi oder laufen! Hier übernachten wirst Du auf keinen Fall! Und jetzt gehen wir hoch und Du“ er blickte den zuletzt dazu gekommenen Gast an „bleibst bitte noch einen Moment hier, ich bin gleich wieder zurück.“

Tatsächlich bemerkten wir wie beide wenige Minuten später zur Haustür gingen und sie kurz danach wieder geschlossen wurde. Dieter kam zurück ins Büro, wandte sich dem einen Mann zu.

„Ich muss mich bei Dir entschuldigen. Solche Frauen haben in meinem Geschäft nichts zu suchen. Leider habe ich es erst viel zu spät zu wissen bekommen, dass sie die Gäste verärgert hat. Vermutlich habe ich dadurch den einen oder anderen auf Dauer oder zumindest für längere Zeit verloren. Dich werde ich hoffentlich nicht verlieren. Einen Chip hast Du ja leider an Anna verschwendet. Den bekommst Du natürlich ersetzt und als Entschädigung für den Ärger noch einen zweiten. Beide können bis Ende des Jahres eingelöst werden. Aber eine Bitte habe ich an Euch Beide: wenn Euch hier noch einmal etwas Derartiges passiert oder Ihr mitbekommt, dass ein anderer Gast einen bösen Reinfall erlebt hat – bitte meldet Euch bei mir bzw. veranlasst den anderen Gast sich bei mir zu melden.“

„Mache ich gern. Ich war tatsächlich entschlossen nie wieder hierher zu kommen. Aber wenn ich sehe wie hier auf eine Beschwerde reagiert wird – ich kenne keinen Clubbetreiber, der seinen Laden ähnlich konsequent führt. Alle Achtung! Ich komme gern wieder.“

Mittlerweile war es kurz nach 10. Ich hatte noch ein Versprechen zu erfüllen, ging daher in den Clubraum. Ich war noch gar nicht ganz drin, da kam mir Anja schon entgegen gelaufen, fiel mir um den Hals. „Ich dachte schon Du hättest mich vergessen“ weinte sie fast.

In diesem Moment klingelte es.

Eine Fortsetzung ist geplant, wird aber wohl noch dauern.



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