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Herr Rechtsanwalt, (fm:Verführung, 5272 Wörter)

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Veröffentlicht: Aug 25 2026 Gesehen / Gelesen: 0 / 0 [0%] Bewertung Geschichte: 0.00 (0 Stimmen)
Herr Quest kam in meine Kanzlei und bat wegen eines merkwürdigen Kündigungsgrundes um Hilfe

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© Achterlaub Dieser Text darf nur zum Eigengebrauch kopiert und nicht ohne die schriftliche Einwilligung des Autors anderweitig veröffentlicht werden. Zuwiderhandlungen ziehen strafrechtliche Verfolgung nach sich.

Herr Rechtsanwalt,

ich bin gekündigt worden. Dies waren seine ersten Worte, als Konstantin Quest in mein Büro eintrat.

Er wirkte auf mich langweilig, insgesamt etwas unangenehm und stark verschwitzt. Sein dünnes braunes Haar war nach hinten gekämmt und glänzte fettig. Das Gesicht war rund, von Furchen durchzogen und hatte eine wenig ansehnliche gelbliche Hautfarbe. Sein fülliger Bauch hatte einen Knopf des weißen Hemdes aufspringen lassen. Die Falte seiner beige farbigen Hose hingegen war scharf konturiert. Das Leder der braunen Halbschuhe schien mir schon ein wenig rissig. Das sah man allerdings erst bei genauer Betrachtung. Denn die Schuhe waren auf Hochglanz poliert.

Was war wohl der Hintergrund seiner Kündigung? Nach den vielen Jahren Rechtspraxis vor den Arbeitsgerichten kannte ich eigentlich alle wesentlichen Fallgestaltungen. Bei ihm konnte ich mir eine Kündigung wegen Unzuverlässigkeit, wegen Krankheit oder vielleicht wegen Beendigung des Betriebes vorstellen. Am Ende würde er nach meiner Erfahrung ohne Arbeit und vielleicht mit einer größeren Abfindung dastehen. Routine eben.

Als Herr Quest schwer atmend vor meinem Schreibtisch Platz genommen hatte, reichte er mir das Kündigungsschreiben. Es war mehr als eine Seite, wie ich sofort überraschend feststellte. Vielleicht besaß er doch eine höhere Qualifikation, als ich gedacht hatte.

Ich wollte gerade die Zeilen überfliegen, wurde aber unterbrochen. Herr Quest erklärte mir mit salbungsvollen Worten, was wohl der Hintergrund der Kündigung gewesen war. „Herr Rechtsanwalt, ich bin mir sicher“, begann er. „Der Chef hat mich nur deswegen gekündigt, weil ich etwas mit seiner Frau hatte.“

Alle Achtung, dachte ich dabei. Aber die Frau des Chefs war gewiss auch keine Schönheit. Da hat sie eben auf den langjährigen Mitarbeiter ein Auge geworfen. Während er sprach, fuchtelte Herr Quest mit seinen Wurstfingern in meine Richtung herum. Seine Hände schienen gepflegt. Aber ich mochte diese Art nicht.

Erst als ich Herrn Quest scharf anschaute, stoppte er mitten im folgenden Satz. Ich kam endlich dazu, das Kündigungsschreiben intensiv zu lesen. Was ich mit zunehmendem Erstaunen da zur Kenntnis bekam, war atemberaubend, schier unglaublich.

Herrn Quest wurde zusammengefasst vorgeworfen, den Betriebsfrieden nachhaltig gestört zu haben, indem er mit mindestens zehn weiblichen Mitarbeitern sexuellen Kontakt aufgenommen hatte. Ihm wurde nicht vorgeworfen, seine Stellung als Vorgesetzter ausgenutzt zu haben. Stets sollen die Verbindungen im Betrieb geknüpft und im Privaten fortgesetzt worden sein. Sobald man sich trennte, kam es dann im Betrieb verschiedentlich zu Eifersuchtsszenen der Damen, denen dann längere Ausfallzeiten wegen Krankheit folgten.

Eine Kündigung allein wegen privater Kontakte oder Liebesbeziehungen zu Kolleginnen und Kollegen außerhalb der Arbeit ist in der Regel unzulässig und unwirksam. Das wusste ich. Ich würde nachweisen wollen, dass die Beziehung zum Betrieb rein zufällig war, dass vor allem kein Techtelmechtel im Betrieb seinen Anfang genommen hatte. Allerdings könnte allein die hohe Anzahl der Liebesbeziehungen einen Richter dazu veranlassen, hier von der Regel abzusehen. Dazu müsste ich den Hintergrund jeder der im Kündigungsschreiben genannten Kontaktnahmen genau beschreiben.

Natürlich fragte ich mich sofort, wie die Betriebsleitung auf die Namen der betroffenen Mitarbeiterinnen gekommen war. Wenn sie die illegal erlangt hätte, wäre das Kündigungsschutzverfahren gewiss leicht zu gewinnen. Wir müssten dies nur nachweisen können.

Meine dahin gehende Frage beantwortete Herr Quest zögerlich mit verlegenem Grinsen im Gesicht. „Ich habe wohl vor einigen Tagen einen Zettel mit meinen Aufzeichnungen in der Toilette verloren. Ich wollte da meine Geschichte etwas ergänzen. Den Zettel muss dann einer dem Chef zugesteckt haben.“

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