Meine Gräfin, mein Glück (fm:Romantisch, 9300 Wörter) | ||
| Autor: dergraue | ||
| Veröffentlicht: Aug 29 2026 | Gesehen / Gelesen: 1155 / 1034 [90%] | Bewertung Geschichte: 9.68 (59 Stimmen) |
| Ein einfacher Mann rettet eine junge Frau, die sich als einen Adlige entpuppt und findet nach einigen Schwierigkeiten sein Glück. | ||
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dass jetzt eine gute Röte hat, sicher von einer heißen Dusche. Sie sieht mich immer noch ängstlich an und ihr Danke ist kaum zu verstehen.
„Komm, setzt dich aufs Sofa, nimm dir eine Decke, wenn dir noch kalt ist und trinke eine Tasse heißen Tee. Wenn du Hunger hast, mache ich dir gern eine Kleinigkeit, Bin allerdings nicht auf Gäste eingestellt.“
Sie geht vorsichtig zum Sofa und jetzt sehe ich, was ich vergessen habe, ihre Füße sind nackt und so warm ist es in meiner Wohnung nicht. Ich muss an allen Ecken sparen, um über die Runden zu kommen. Aber hier kann ich helfen.
„Entschuldige, daran habe ich nicht gedacht. Ich hole dir schnell ein paar dicke Socken.“
Und schon bin ich auf dem Weg ins Schlafzimmer und greife mir ein Paar meiner dicken Socken. Auf dem Rückweg denke ich noch, ob sie wohl ohne Löcher sind. Ich reiche ihr das Paar Socken und sie zieht sie wirklich an. Noch lustiger. Dann gieße ich ihr eine Tasse Tee ein und unterbreche das Schweigen.
„Lass es dir schmecken, ist nichts besonderes. Übrigens heiße ich Jürgen und das ist meine Wohnung. Du kannst gerne hier bleiben, dort draußen holst du dir ja den Tod.“
Sie sieht mich über den Rand der Tasse an und trinkt einen kleinen Schluck.
„Oh, heiß. Vielen Dank für die Rettung. Ich habe wirklich gedacht, dass es zu Ende geht. So nass und so kalt. Ich heiße Greta und noch mal herzlichen Dank für deine Hilfe.“
Sie wollte nichts essen. Ich glaube, es war so, weil sie mir keine Schwierigkeiten machen wollte. Aber drei Tassen Tee hat sie getrunken und sich dabei in die Decke gekuschelt. An diesem Abend haben wir nicht viel gesprochen. Ich bin noch kurz ins Bad gegangen und habe ihre nassen und verschmutzten Sachen in die Waschmaschine gesteckt. Übrigens eines der wenigen Dinge, die ich aus besseren Zeit gerettet habe. Ein sehr guter Waschvollautomat mit Trockner.
Ich wurde müde.
„Greta, ich muss schlafen. Komm bitte mit mir, ich will dir zeigen, wo Alles ist. Du kannst im Schlafzimmer schlafen. Ich werde im Wohnzimmer schlafen. Das Schlafzimmer kannst du abschließen, aber das musst du nicht. Ich werde dir Nichts tun. So bin ich nicht. Ich will nur helfen.“
Ich holte mir ein Kissen, ein Laken und eine weitere Decke aus dem Schlafzimmer, nahm meine immer noch etwas nasse Hose und brachte sie ins Bad und dann legte ich noch einen Schlafanzug von mir raus.
Während ich das Sofa für die Nacht fertig machte, war Greta im Bad. Sie sah noch kurz ins Zimmer und flüsterte ihr gute Nacht. Ich machte mich schnell fertig und war dann schnell eingeschlafen. Der körperliche Job und die Aufregung verschaffte mir einen tiefen Schlaf. Leider nicht sehr erholsam, da das Sofa nicht für Schlaf von so großen Menschen geschaffen ist und außerdem die Federung sehr nachließ. Wie fast alles bei mir.
Daher bin ich früh aufgewacht und war schon dabei das Frühstück vorzubereiten, als Greta wohl aufwachte und kurz ins Bad ging. Ich habe ihr natürlich Freiraum gewährt. So bin ich erzogen worden und meine Mutter hätte mir ein Paar hinter die Ohren gegeben, wenn ich nicht ein Gentleman gewesen wäre.
Ja, meine Mutter lebt jetzt in einem Altenheim und ich versuche sie auch dort zu unterstützen. Die Scheidung und das dabei veranstaltete Ringen um jeden Cent hat sie sehr geschockt, denn eigentlich hat sie meine Ex-Frau gern gehabt und verstand die ganze Sache nicht. Was sie aber verstand, war, dass ich nicht so konnte, wie ich wohl wollte und meine Unterstützung daher ein wenig dürftig ausfiel.
Nun, zu Weihnachten würde es etwas besser werden. Mein Chef, mein jetziger Chef war ein Netter und er hatte mir ein paar Scheine so nebenbei zugesteckt. Liefen nicht über die Lohnabrechnung. Er kannte meine Probleme aus eigener Erfahrung.
So konnte ich ein wenig mehr für die Festtage ausgeben und Mama freute sich auf die Tage mit mir. Zu mindestens am Tage kann sie dann bei mir bleiben. Ich freute mich genau so sehr. Es ist nicht immer einfach, nach einer zerbrochenen Ehe mit einer Schlange alleine in einer kleinen Wohnung zu sitzen. Ausgehen konnte ich nicht oder wollte ich auch nicht, erstens, weil es Geld kostet und zweitens, weil ich mich schämte und immer erwartete, dass man mich hänselt. Oft genug habe ich die blöden Bemerkungen meiner Frau und ihres Liebhabers ertragen müssen.
Greta suchte mich wohl, denn sie ging erst ins Wohnzimmer und kam erst dann in die Küche. Ich musste leise lachen, denn sie sah aber auch zu lustig aus in den zu großen Sachen. Der Pullover mit den zu langen Ärmeln, die sie umgekrempelt hatte und mit dem zu großen Ausschnitt, der ihren Hals und mehr frei ließ. Ab und zu zog sie ihn hoch, damit nicht noch mehr entblößt wurde. Die Hose rutschte und so war sie immer dabei, entweder die Hose hoch zu ziehen oder den Pullover richtig so hin zu ziehen, dass nichts frei wurde. Wirklich lustig.
Ich riss mich zusammen und deutete auf den Stuhl.
„Guten Morgen, Greta, ich bin gleich fertig mit den Vorbereitungen. Möchtest du Tee oder Kaffee?“
Sie entschied sich für Kaffee. War auch besser so, denn bis auf die gestern schon für den Tee verwandten Teebeutel hatte ich keine anderen.
Heute Morgen hatte sie Hunger und mit einem schüchternen Lächeln nahm sie von den aufgebackenen Brötchen und das nicht nur einmal.
Frühstück war für mich schon immer die Mahlzeit an einem Wochenende, die ich liebte, bei dem ich mir Zeit nahm und früher, zu guten Zeiten meiner Ehe, mit meiner Frau zusammen saß, mit ihr sprach, wir planten und uns austauschten.
Diesmal hätte ich es auch gerne gemacht, musste aber erst Einiges klären. Auch wenn es heute nicht Wochenende war und ich noch zu einer Spätschicht muss. Ja, ich muss meinen Lebensunterhalt verdienen und dazu muss ich den Job gut machen, der mir nach den schlimmen Zeiten noch geblieben ist. Der Kampf bei der Ehescheidung hat alles zerstört und so blieb mir nur noch Job.
„Greta, ich muss erst einmal ein paar Dinge über dich erfahren und dann müssen wir Beide entscheiden, wie es hier weiter geht. Erst einmal lass dir sagen und versichern, dass du gerne noch hier bleiben kannst, wenn du kein Zuhause hast. Es ist zwar nur klein, aber es ist warm und trocken. Draußen ist es immer noch sehr kalt und der Schneeregen macht es nicht besser. Hast du ein Zuhause?“
Greta erzählte mir mit stockenden Worten, dass sie hier in einer Wohngemeinschaft gelebt und an der Uni studiert hat, in schlechte Gesellschaft geraten ist und aus der Wohnung geworfen wurde. Ihre Sachen und auch ihre Papiere haben die Halunken behalten und sie hat fürchterliche Angst, dass sie sie weiter verfolgen und ihr Böses antun. Auch wenn ich ihr glaubte, war es nach meiner Meinung nicht Alles, sie verschwieg Einiges. Nun, ich wollte nicht tiefer in sie dringen. Zumindest ihre inzwischen sauberen und trockenen Sachen zeigten, dass sie noch nicht lange auf der Straße lebte. Jetzt, wo sie sauber und trocken waren, sah man, dass sie von guter Qualität, nicht beschädigt und verhältnismäßig neu waren.
Greta konnte sich also wieder umziehen und sah danach auch schon wieder wie eine Studentin aus. Da sie immer wieder auf ihre Angst zurückkam, fragte ich sie, ob sie die Polizei einschalten wolle. Ich verstand zwar nicht, warum sie das partout nicht wollte, beließ es aber dabei, da sie sich sehr aufregte, wenn ich drängte.
Auf jeden Fall musste ich einkaufen, denn auf einen Gast war ich nicht eingerichtet. Sie wollte mich nicht begleiten. Ich sah jedoch, dass sie Sorgen hat. Und dann bat sie mich, ihr zu helfen und ihr möglichst etwas Unterwäsche zu besorgen. Sie sah so schüchtern, so zerstört aus, dass ich wirklich schmunzeln musste.
„Komm, sag mir deine Größen. Ich war schon mal verheiratet und habe mit einer Frau zusammen gelebt, also auch schon Unterwäsche gekauft. Brauchst du sonst noch etwas?“
Als ich los ging, bat sie mich, abzuschließen, da sie Angst hat. Richtig verstehen konnte ich sie nicht.
Nun ja, ich habe eingekauft und ihre Wünsche erfüllt, auch wenn sie kein Geld hatte. Ich bin schon immer so ein blöder Kerl gewesen, immer hilfsbereit, immer auf das Wohl Anderer bedacht.
Wie sehr sich Greta freute, dass ich wieder da war, sah ich an ihrem Gesicht. Ich habe kurz das Mittagessen vorbereitet, aber noch nicht erwärmt. Noch war Zeit und ich musste noch nicht los zum Arbeiten.
Im Wohnzimmer fragte ich dann noch mal, was sie weiter machen wolle. Sie müsse doch wieder zur Uni und dort ihr Studium fortsetzen. Außerdem sei bald Weihnachten und die Familie würde doch sicher warten.
„Ich muss darüber noch nachdenken. Es ist in der letzten Zeit sehr viel passiert. Jürgen, kann ich ein paar Tage bei dir bleiben?“
Natürlich konnte sie bleiben und dann kam das Wochenende. Samstag saßen wir nach dem Frühstück bei einer frischen Tasse Kaffee und ich erzählte ihr auf ihre Frage meine Geschichte.
Die Geschichte eines jungen Mannes, der seinen Beruf erlernte und eigentlich nach einem Jahr Berufserfahrung ein duales Studium beginnen wollte, aber kurz vor dem Berufsabschluss eine junge Frau, eine blonde kurvige Frau kennen lernte und sich unsterblich in diese Göttin verliebte. Sie studierte schon und er unterstützte sie.
Dann heirateten sie und er verschob seine Studienabsichten und unterstützte sie weitere zwei Jahre, zwei gute Jahre, wie er meinte. Jahre, in denen er seine Frau liebte und alles tat, dass sie ohne Sorgen studieren konnte. Und dann war sie fertig und hatte ihr zweites Staatsexamen erreicht und eine Stelle in einer kleinen Anwaltskanzlei angetreten und wieder tat er Alles, um ihren Start ins Berufsleben zu unterstützten. Verdiente das Geld für die Sachen, die sie angeblich benötigte, um entsprechend ihrer Stellung gekleidet zu sein. Unterschrieb den Leasingvertrag für eine nach seiner Meinung viel zu große und zu teure Limousine. Aber da galt seine Meinung schon nicht mehr viel.
Und als er sie daran erinnerte, dass er auch noch studieren wollte, zwar ein duales Studium, also immer noch arbeiten und studieren und dass er daher nicht so viel mehr verdienen würde und selbst ein bisschen Unterstützung von ihr erwartete, lachte sie ihn aus.
Kurz darauf begann sie ihn mit einem Anwalt der Kanzlei, in der sie ein Referendariat absolviert hatte, offen zu betrügen. Nun saß er mit einem Leasingvertrag und einem Auto, das auf ihn zugelassen war, für das er Raten und Prämien zahlte, mit einer für ihn alleine viel zu großen Wohnung da und seine Frau und ihr Liebhaber lachten und fuhren mit dem viel zu großen Wagen weg.
Und es kam noch schlimmer. Sie kündigte ihre Stelle in der kleinen Kanzlei und begann eine Praktikantenstelle in der großen Kanzlei, natürlich mit nur sehr geringem Einkommen und er musste im Trennungsjahr Unterhalt an sie zahlen.
Sein bisschen Geld ging dann im Rahmen der Scheidung für Anwälte drauf und der Wagen hatte viel zu vielen Kilometer auf der Uhr, als er ihn endlich abgeben konnte. Die Endabrechnung fraß ihn auf.
Zwischenzeitlich hatte sie ihn aus der großen Wohnung geworfen und er war gezwungen, sich eine kleine zu suchen, obwohl er noch für die große bezahlte. Der Rauswurf wurde mit häuslicher Gewalt begründet. Es dauerte, bis er beweisen konnte, dass dies nicht zutreffend war. Auch als er die regelmäßigen Mietzahlungen los war, musste er noch Trennungsunterhalt zahlen und den Kredit, den er aufnehmen musste, abzahlen.
Der letzte Schlag war der Verlust seines eigentlich gut bezahlten Job in der Firma, in der auch sein duales Studium absolvieren wollte. Es war nur gut, dass er sehr schnell eine neue Anstellung fand, jedoch nicht mit der Studienmöglichkeit und für weniger Geld.
So war der Stand zur Zeit und er hoffte, dass seine Ehe in Kürze geschieden wird und er zu mindestens keine Trennungsunterhalt zahlen muss oder wesentlich weniger.
Greta hatte meinen Bericht mit großen Augen und wiederholtem Kopfschütteln angehört. Sie stand auf und strich mir über den Kopf, den ich in meine Hände vergraben hast. Auch jetzt noch nahm mich die ganze Sache ganz schön mit.
„Oh Gott, du tust mir unendlich leid. Und trotz dieser Schwierigkeiten hast du mir geholfen. Lässt mich hier wohnen, hast mir Kleidung gekauft und bezahlst das Essen. Ich weiß gar nicht, wie ich das wieder gut machen kann.“
„Greta, ich habe immer noch viel mehr als du da in der Gasse hattest. Eine Wohnung, die warm ist, zwar klein, aber trocken. Mein Geld reicht für Essen und Trinken und ich gebe gerne ab. Du brauchtest Unterstützung, Hilfe. Ich wurde so erzogen, dass man helfen soll und sieh, wir frieren nicht und hungern nicht. Das ist mehr, als andere von sich sagen können. Es ist genug Dank, wenn es dir gut geht und du dich erholen kannst.“
Sie stand immer noch neben mir und drückte meine Kopf an sich. Eine schöne Geste.
„Du bist meine Ritter mit der silbernen Rüstung.“
„Na, die Rüstung ist wohl schon etwas verrostet. Aber sonst gerne, für dich immer.“
Die nächsten Tage verliefen sehr ruhig, mit vielen netten Gesprächen. Die Wohnung war immer gemacht, wenn ich von der Arbeit kam. Meist war das Abendessen vorbereitet und wir saßen später auf dem Sofa und sahen fern. Auch da hatten wir fast immer den gleichen Geschmack. Na, so viel Auswahl hatten wir ja nicht. Bezahlfernsehen leistete ich mir nicht. Oft saß Greta, wenn ich von der Arbeit kam, im Sessel und las eines meiner Bücher, die aus der Ehe gerettet hatte. Meine Frau hatte so gar keine Lust auf Bücher.
In der letzten Zeit wurde ich immer mit einer Umarmung und einem Küsschen auf die Wange begrüßt und mit eine ebensolchen verabschiedet. Auch war der Abstand zwischen uns auf dem Sofa bei den abendlichen Gesprächen oder anderen Sachen merklich zusammen geschmolzen und manchmal ruhte ihr Kopf an meiner Schulter. So hätte ich mir mein ruhiges Eheleben vorgestellt. Nur die Nächte verbrachten wir Beide immer noch getrennt, sie im Schlafzimmer und ich jetzt auf einem aufblasbaren Campingbett im Wohnzimmer und das trotz des Küsschen auf die Wange beim Zubettgehen.
Ich wusste, dass Greta ihre Abreise bzw ihren Auszug bei mir vorbereitete. Sie hatte mir berichtet, dass sie dabei sei, Kontakt mit der Uni-Verwaltung und der Wohngruppe aufzunehmen. Auch wenn ich es sehr bedauerte, ich konnte sie verstehen. Ich, ein leider noch verheirateter Mann mit geringen Einkommen und kaum Aussichten auf ein besseres Leben und dort eine junge lebenslustige kluge Frau, einiges jünger, die sicher eine bessere Zukunft hat. Und trotzdem war ich traurig.
So saß ich nach einer anstrengenden Schicht in meinem großen Sessel, hatte die Kopfhörer aufgesetzt und hört meine so geliebte Musik, wunderschöne, ja man kann schon sagen, schnulzige Country Balladen, Liebeslieder aus der USA. Ich war wohl so in eine Gedanken, Träume versunken, dass ich nicht gehört hatte, das Greta zurück ist.
Aus meinen Träumen bin ich erwacht, als eine junge Frau auf meinem Schoß saß und mich mit viel Inbrunst küsste, richtig küsste und mir nach einer kurzen Unterbrechung versuchte, die Zunge aus dem Mund zu entfernen, sie tief zurückstieß oder versuchte aus dem Mund zu saugen.
Abendbrot gab es diesmal nicht. Greta nahm erst einen Eiweißdrink und ich bekam dann ein junges, sehr gut schmeckendes Kätzchen ohne Fell zum Essen und ich genoss es ausgiebig. Und abschließend tanzten wir den horizontalen Mambo so ausgiebig, dass wir erschöpft in meinem Bett einschliefen und als mein Handy schrie und mich an meine Pflicht erinnerte, diesmal krank war. Nein, ich hätte auf der Arbeit nichts aber auch gar nichts leisten können. Keine Kraft mehr, einfach zu wenig Übung, zu selten solch einen Tiger im Bett.
Als ich später, ich meine nach noch einer diesmal sehr liebevollen, zärtlichen Vereinigung wieder aufwachte, war ich alleine. Greta war nicht mehr da. Auf dem Küchentisch lag ein Brief an mich.
„Mein lieber Jürgen, mein geliebter Ritter in der glänzenden Rüstung,
ich danke Dir für meine Rettung und die schönste Nacht meines Lebens. Ich habe mich in dich verliebt und wollte schon seit Tagen mit dir schlafen. Du kannst mir glauben, es war mehr als schön, es war umwerfend und ich will es noch oft wiederholen, wenn du es willst.
Jetzt muss ich aber erst mal mein Leben wieder in Ordnung bringen, auch für uns Beide, wenn du eine gemeinsame Zukunft mit mir siehst und sie dir so wünscht wie ich. Ich verspreche dir, ich komme wieder und hoffe, du wartest auf mich. Dann erklär ich dir Alles, wirklich Alles.
Warte auf mich und verzweifle nicht, wenn es länger dauert.
Deine dich sehr liebende Greta“
Ich war mal wieder am Boden zerstört und doch war es ganz anders. Einerseits sehr traurig, dass sie nicht mehr da war und doch voller Hoffnung, das sie wieder zu mir zurück kommt. Es dauerte an diesem Tag lange, bis ich vollständig erholt war.
Die nächsten Tage und besonders die Nächte waren schrecklich. Einsam und voller Zweifel und keine Nachricht von Greta. Die Weihnachtstage vergingen und ich bereitete mich auf ein einsames Silvester vor. Ich fand es diesmal besonders schlimm, dass die Firma zwischen Weihnachten und Neujahr Betriebsferien hat und der Job erst am 03. Januar wieder los ging. Noch mehr Zeit zum Grübeln, zum Trauern. Viel lieber hätte ich mich in die doch eigentlich nicht so geliebte Arbeit gestürzt und für ein paar Stunden nicht so intensiv nachgedacht.
Ich saß in meinem Sessel und überlegte, ob ich mir etwas zum Mittag mache oder kurz zum Kiosk gehe und dort eine Kleinigkeit esse, als es klingelte. Als ich die Tür öffnete, stand dort ein tadellos gekleideter, sicher schon älterer Herr, nach meiner Schätzung mindestens 60 Jahre alter Herr, der sich als Rechtsanwalt Alberto Rupert vorstellte. Er bat mich, mich auszuweisen. Nun, es ist ja bekannt, dass ich in der letzten Zeit recht schlechte Erfahrungen machen musste und so war ich erst einmal sehr skeptisch und fragte natürlich erst mal nach dem Grund seines Erscheinens.
„Mein lieber Herr, ich würde ja gerne ihre Frage beantworten, kann das aber erst, wenn ich ihre Identität festgestellt habe. Ich habe noch nicht das Vergnügen gehabt, Sie kennen zu lernen. Seien Sie doch so gut, mir zum Beispiel Ihren Personalausweis oder Ihren Reisepass zu zeigen, dann können wir weiter machen.“
Nun gut, was kann schon dabei sein, dass ich ihm meinen Personalausweis zeige. Also lies ich ihn eintreten, meine Nachbarn müssen nicht Alles mitbekommen, zeigte ihm meinen Ausweis und sah ein Lächeln über sein Gesicht huschen.
„Herr Martens, ich danke Ihnen. Zu meiner Person. Ich bin einer der Anwälte in der Kanzlei Kirkland & Ellis hier in München. Wir vertreten auch eine sehr bedeutende Adelsfamilie aus Monaco, in deren Namen ich Sie hiermit herzlich zu dem bevorstehenden Silvesterempfang anlässlich der Verlobung der Frau Baroness einladen darf.
Sie sehen ein wenig überrascht aus und das haben wir natürlich erwartete und deshalb darf ich Ihnen diesen kleinen Brief überreichen. Bitte lesen Sie ihn. Danach können wir wahrscheinlich fortfahren.“
Er reichte mir ein Kuvert aus bestem Papier, das aber nicht verschlossen war. Inhalt war ein kleiner handgeschriebener Brief auf wirklich wunderschönem Papier.
„Jürgen, mein Schatz, mein Liebling,
dies ist ein Gruß deiner dich immer liebenden Greta. Sei nicht böse, dass es so lange gedauert hat, aber jetzt werden wir uns bald wiedersehen. Dann kann ich dich wieder umarmen und dich küssen.
Bitte vertraue mir und tue das, um was der Rechtsanwalt der Kanzlei Kirkland & Ellis dich bittet. Es ist zum Besten für uns.
In glühender Liebe Deine Greta“
Ich las den Brief noch mal und fragte dann.
„Wo ist Greta und was hat sie mit der Einladung zu tun?“
„Herr Martens, ich habe ganz genaue Anweisungen und weis nicht, wo sich Fräulein Greta aufhält. Glauben sie mir aber, dass meine Anweisungen sie zu ihr führen werden, jedoch nicht sofort. Können wir uns darauf verständigen, dass sie mir folgen und nicht fragen sondern meine Bitten erfüllen. Ihnen geschieht gewiss nichts Schlimmes.“
Und ich folgte ihm. Draußen vor dem Haus wartete eine große Limousine mit Chauffeur und wir fuhren zu einem der wohl besten Herrenausstatter Münchens und ich ließ die Prozedur der Vermessung meines Körpers bis zur Feststellung meine Schuhmaße über mich ergehen. Dann ein spätes Mittag in der guten Gaststätte, einem Italiener. Es war schon fast 16 Uhr, als wir in der Kanzlei in der Maximilian Straße eintrafen. Ich hoffte, dass ich Greta hier treffen würde. Leider nicht.
Es ging in der Besprechung um meine Scheidung, die in Kürze ja abgeschlossen würde. Ein Termin im Januar war schon anberaumt. Als ich feststellte, dass ich ja schon einen Anwalt habe und mir ihre Dienst gewiss nicht leisten kann und auch nicht wisse, was mein Anwalt besser machen kann, sagte man mir nur, dass sie nur, dass mein Anwalt mein Anwalt bleibe, er schon informiert sei und sie nur mit ihren Mitteln helfen wollen. Das Grinsen war vielsagend. Es kam etwas Hoffnung auf.
Dann wurde ich verabschiedet und gebeten, um 10 Uhr für einen neuen Termin einsatzbereit zu sein. Gleichzeitig wurde ich gefragt, ob meine Reisepass aktuell ist, ja, ist er.
Nach der Rückfahrt mit dem großen Wagen, diesmal ohne Anwalt, meinte der Fahrer, dass er mich Morgen um 10 Uhr abholen würde. Ich saß in meiner Wohnung und las die beiden Briefe von Greta, den alten und den neuen und wusste immer noch nicht, was ich von dieser Sache halten soll. Nachts hatte ich eine feuchten Traum, in der meine Tiger eine führende Rolle spielte.
Ich war pünktlich fertig und wurde wieder zu dem Herrenausstatter gefahren. Die Anprobe dauerte lange und um 14 Uhr saß ich wieder Herrn Anwalt gegenüber und während des Mittags, diesmal recht deutsch, rustikal deutsch, informierte mich Herr Rupert lächelnd, dass ich sehr voraussichtlich die gesamte Summe an Trennungsunterhalt zurück bekommen würde einschließlich der Anwaltskosten, die ich für diesen Teil der Auseinandersetzung mit meiner Frau gezahlt habe und wahrscheinlich auch für die Kosten des geleasten Wagens.
Meine Frau hat keine schlecht bezahlte Stelle als Praktikantin sondern eine gut bezahlte als Anwältin. Eigentlich wäre sie mir zum Unterhalt verpflichtet.
„Herr Martens, morgen gegen 16 Uhr oder etwas später wird ihnen das Herrengeschäft ihre Garderobe liefern. Der größte Teil wird in entsprechenden Koffern verpackt sein. Einmal wird jedoch zum Anziehen für den nächsten Tag sein. Bitte packen sie ihre persönlichen Wasch- und Rasiersachen ein und seien sie wieder um 10 Uhr des Folgetages abreise bereit. Ein Wagen mit ihrem persönlichen Fahrer wird sie dann zu unserer Kanzlei nach Monaco bringen. Dort werden sie am dann folgenden Tag in Alles eingeweiht. Ich wünsche ihnen im Namen meiner Kanzlei eine gute Fahrt, eine guten Rutsch ins neue Jahr und ein erfolgreiches neues Jahr, ich glaube mit vielen Überraschungen, guten Überraschungen. Es war mir ein wirkliches Vergnügen, den Auftrag zu erfüllen.“
Natürlich wurde ich wieder nach Hause gefahren. Jetzt war ich aber wirklich nervös, total aufgeregt. Die Koffer kamen pünktlich an und die dann folgende Nacht habe ich kaum geschlafen. Pünktlich um 10 Uhr, ich war bereit, klingelte es und der Fahrer war. Diesmal war es ein silber farbener Bentley, der vor dem Haus stand und den mein Fahrer belud. Ich muss recht gut ausgesehen haben, denn meine eine Nachbarin sah mich mit großen Augen staunend an. Nun gut, ich fühlte mich auch sehr gut angezogen.
Auf der Fahrt zu meinem Ziel konnte ich gut schlafen. Die Rückbank war sehr bequem und der Wagen sehr leise. Hinzu kam, dass der Fahrer ein sehr netter Mensch war, der aber nur wenig über meine Ziel und die Umstände erzählte bzw wahrscheinlich wusste. Leise Musik, angenehme Wärme und eine gute Reisegeschwindigkeit mit nur leisen Geräuschen versetzten mich in eine angenehme Müdigkeit. Die Reise wurde erst an der Grenze zu Monaco einmal unterbrochen, als meine Fahrer tanken musste.
Der Empfang im Büro der Kanzlei war höflich professionell und kurz. Ein älterer Herr mit grauen Haaren und sehr gut gekleidet nahm mich in Empfang und stellte sich als einer der Partner der Kanzlei vor. Seine Namen hatte ich nicht richtig verstanden, ein langer französischer. Er fuhr mit mir in ein Hotel in der Stadtmitte. Bei der Fahrt machte er mich auf einige Sehenswürdigkeiten aufmerksam. Ich bin ehrlich, mich interessierte etwas ganz anderes.
„Geduld, Geduld. Die jungen Leute sind heute alle so ungeduldig. Alles zu seiner Zeit.“
Im Hotel ging es dann recht schnell. Einchecken ins große Zimmer, dann Abendessen mit dem Partner und eine Drink an der Hotelbar. Beim Studieren der Karte beim Abendessen fiel mir auf, dass keine Preise vermerkt waren.
Nach dem Drink verabschiedete sich der Herr.
„Herr Martens, morgen um 18 Uhr holt sie ihr Fahrer hier ab. Bitte Smoking. Er fährt sie zu dem Empfang, zu dem sie eingeladen sind. Hier im Hotel ist alles bezahlt, auch das, was sie heute und Morgen noch verzehren. Wenn sie weitere Wünsche haben, sprechen sie mit dem Personal. Sie werden ihnen alle Wünsche im Rahmen des Erfüllbaren erfüllen. Ich wünsche eine schönen Aufenthalt, eine guten Rutsch und mögen sich all ihre Wünsche erfüllen.“
Irgendwie wusste ich, dass wir uns wiedersehen.
Ein wenig Fernsehen, noch ein Schluck Wein und dann in das große Bett. Viel zu groß für eine Person. Aber ich habe wunderbar geschlafen. Egal, was ich Morgen erleben werde, ich hatte nur eine Wunsch, ich wollte Greta wiedersehen.
Der Tag verging ziemlich langsam. Ich war wohl schon um 17.30 Uhr vollständig angezogen und tigerte nervös im Zimmer umher.
Pünktlich zwei Minuten vor 18 Uhr klingelte das Telefon im Zimmer und eine weibliche Stimme teilte mir mit, dass mein Wagen vorgefahren ist. Ja, wirklich, mein Wagen ist vorgefahren. Ist das nicht zu lachen, ein armer kleiner Angestellter aus München steht in einem Zimmer eines sehr guten Hotels in Monaco und ihm wird mitgeteilt, das sein Wagen vorgefahren ist. Eigentlich nur noch zum Kopfschütteln, aber es sollte noch besser werden.
Wieder „mein“ Fahrer, wieder der Bentley. Kurze Fahrt zu einem großen Herrenhaus, ein Palais etwas außerhalb und eine großem Auffahrt. Personal öffnete die Tür und ich wurde in ein großes Büro mit wunderschönen Möbeln, alten Möbeln geführt und kaum war ich eingetreten, war auch schon der Anwalt da und stellte mich einem alten Mann vor, der gestützt auf einen Gehstock vor einem großen Schreibtisch stand.
„Baron, es ist mir eine Freude, Ihnen Jürgen Martens vorzustellen. Herr Martens, vor ihnen steht der derzeitige Chef des Hauses Matignon. Baron Justus. Baron, ich gehe davon aus, dass wir den Auftrag, den sie uns erteilt haben zu ihrer Zufriedenheit erfüllt haben und würde mich, ihre Zustimmung vorausgesetzt, verabschieden.“
„Henrie, wenn es dir nichts ausmacht, würde ich mich freuen, wenn du noch eine Weile bleibst. Kommen sie, meine Herren, lassen sie uns Platz nehmen. Ich kann nicht mehr so lange stehen.“
Mit einer Geste wies er auf die großen Sessel neben dem Schreibtisch und ging voraus. Ich kam mir, als wäre ich in eine andere Welt versetzt worden.
Kaum saßen wir, kam eine junge Angestellte herein und servierte einen Cognac in die schon auf dem Tisch stehenden Kristallgläser. Bevor es weiter ging, öffnet sich die Eingangstür und zwei Damen betreten den Raum. Ich stand auf, es musste mir keiner etwas sagen. Erziehung hatte ich genossen und meine Eltern hatten mir beigebracht, dass man sich erhebt, wenn Frau den Raum betritt. Und betreten war der richtige Ausdruck. Nur der Baron blieb sitzen. Ihm sei verziehen, denn es fiel ihm bestimmt schwer.
„Herr Martens, ich darf Ihnen meine Frau Baronin Elvira und meine Tochter Baroness Juditha, die heutige Hauptperson, vorstellen. Meine Lieben, vor euch steht der lang ersehnte Herr Jürgen Martens, der Ritter in der glänzenden Rüstung. Wo ist denn die Gräfin eigentlich?“
Die junge Frau lachte leise.
„Vater. Ich weiß nicht, ob ich heute wirklich die Hauptperson bin, auch wenn dies heute meine Verlobung ist. Bei der Gräfin bestimmt nicht. Sie muss sich noch ein wenig zurecht machen. Wird aber ..., ach, da ist sie ja.“
Ich wäre bald umgefallen, hätte bald eine Herzinfarkt erlitten, meine Greta betrat in einer super Abendgarderobe den Raum. Sie strahlte und war noch schöner, als ich sie in Erinnerung hatte.
Die ältere Dame flüsterte leise.
„Haltung, mein Schatz, Haltung.“
„Herr Martens, es ist mir eine Freude, Ihnen Gräfin Margareta vorzustellen. Mein Mündel und Ihnen wohl unter Greta bekannt. Wir Alle sind Ihnen zu größtem Dank verpflichtet, dass Sie sie aus einer wirklich schrecklichen Lage gerettet haben. Und wohl noch viel mehr.“
Dabei lächelte er wissend.
Greta glitt auf mich zu, legte ihre Arme um meine Hals und küsste mich. Keine Küsschen auf die Wange, nein, eine richtiger heißer Kuss.
Auch das etwas lautere Haltung hielt sie nicht ab, den Kuss zu wiederholen. Der Baron lachte und meinte.
„Schon gut, Elvira, wir waren doch auch mal so jung und so verliebt. Kommt Kinder, nehmt kurz Platz.“
Wie von Zauberhand standen drei Gläser Sekt, ich nehme an es war Champagner, auf dem Tisch. Der Baron erhob sein Glas.
„Auf eine glückliche Zukunft, eine schöne Feier und für die beiden jungen Paare, auf ein glückliches Leben gemeinsam mit der Person, die man liebt. Juditha, wo ist eigentlich dein Zukünftiger?“
Nach einem Schluck antwortete die Angesprochene.
„Bob holt seine Großmutter ab. Vater, du weißt doch, sie ist nicht gut zu Fuß.“
Eine kurze Unterhaltung schloss sich an. Man sah Greta an, dass sie ungeduldig war, aber die Erziehung befahl, wie sagte die Baronin, Haltung. Nur ihre Augen brachen aus. Sie glühten vor Verlangen.
Die Gläser waren ausgetrunken.
„So, wir werden uns noch ein wenig zurückziehen. Pünktlich um 19.45 Uhr beginnt der Empfang, Ihr seid da und zwar vollzählig und ansehbar. Bis dahin seid ihr jungen Leute entlassen. Denkt daran, pünktlich und ansehbar, dass gilt besonders für dich, Gräfin.“
Greta zerrte mich bald aus dem Raum und mit Juditha liefen wir in den ersten Stock und dort in eine großes Schlafzimmer, wohl ein Zimmer einer der Beiden. Greta zog mich zu dem dort stehenden Bett, stieß mich darauf und setzte sich auf meinen Schoß.
„Entschuldige uns ein paar Minuten, Judi, aber ich muss diesen Kerl erst mal richtig begrüßen. Es ist schon so lange her und meine Sehnsucht ist riesig.. Schatz, zum Reden haben wir immer noch Zeit. Küss mich erst einmal richtig und nimm mich in deine starken Arme.“
In den nächsten Minuten konnte ich wirklich nicht reden und als sie mich losließ und aufstand. Strich sie mir über den sich sehr entwickelten Penis.
„Oh, wie schön. Erwartet er mich auch.“
„Greta, Haltung, wirklich Haltung.“
Die beiden Frauen lachten aus voller Kehle. Juditha konnte sich bald nicht ein bekommen.
„Wir werden alle viel Spaß haben. Er passt zu dir und zu uns.“
Diese eigentlich lustige und liebevolle Stimmung änderte sich fast schlagartig, als der zukünftige Verlobte und Ehemann von Juditha eintraf und wir seiner Großmutter vorgestellt wurden. Wenn mir schon Bob, der Verlobte nicht gefiel, einen überheblichen Eindruck vermittelte, war seine Großmutter trotz ihres Alters und ihrer Behinderung, sie musste einen Rollstuhl benutzten, eine giftige, zutiefst arrogante, alte Frau, die glaubte, die alleinige Eigentümerin allen Wissens zu sein und hoch über solchen Menschen wie mich zu stehen. Auch wenn ich hoffe, dass ich einigermaßen gut erzogen bin und mich auch sehr zusammenreißen kann, stand ich mehrfach kurz vor einer Explosion.
Und genau so entwickelte sich der ganze Abend. Wenn Greta nicht da gewesen wäre und mit all ihrer Kraft versuchte, mich aus dem Schussfeld zu holen und mich zu unterstützen, nein, nur abzulenken, ging mir das ewige Haltung, Kind, Haltung so langsam so auf den Geist, dass ich gehen wollte.
Schlimm wurde es dann, als gegen fast 23 Uhr ein später, aber wohl von Einigen erwarteter Gast eintraf. Ein wirklich sehr gut aussehender junger Mann, vielleicht ein paar Jahre älter als Greta, mit einem Körper wie ein griechischer Gott und seine Kleidung sagte, ich habe Geld, ich kann mir alles leisten. Nicht, dass er eine protzige goldene Uhr oder dicke Goldketten trug, nein alles sehr schick und zurückhaltend und doch sah man, dass es, ich würde sagen, sauteuer war. Auch wenn er mich mit ausgesuchter Höflichkeit begrüßte, war jedes Wort, jeder Satz ein Versuch, Aufmerksamkeit zu erlangen und mich als klein abzustempeln.
Was mich sehr störte, war, dass er sich, wenn er mit dem Baron, seiner Frau und dem Brautpaar sowie den Verwandten unterhielt, fast ausschließlich französisch sprach, eine Sprache, die ich leider nicht verstand. Manchmal zog Greta bei einigen Bemerkungen die Augenbrauen hoch und sie sah nicht glücklich aus. Sie übersetzte dabei nicht und es begann mich auch zu stören.
Später am Abend, kurz nach dem Jahreswechsel, erzählte Greta mir, dass er ein Adliger, ein französischer Adliger ist und aus einem eigentlich sehr reichen Geschlecht stammt. Er war mal mit ihr enger befreundet und hat sie wegen einer anderen Frau auf Grund eines Wunsches der Familie verlassen. Die Verbindung soll aber aus welchen Gründen auch immer nicht gehalten haben.
Ich weiß nicht, ob Greta es nicht bemerkte oder nicht bemerken wollte, Marzell drängte sich sehr geschickt immer mehr zwischen uns. Gegen 2 Uhr saß ich an unserem Tisch und das Brautpaar und Greta mit Marzell tanzten gerade einen recht langsamen Tanz, als Frau Baronin zu ihrem Mann in einer Lautstärke, die es mich gut verstehen lies, sagte.
„Sind Margareta und Marzell nicht ein allerliebstes Paar und sie passen so gut zusammen. Nicht wahr, mein Schatz?“
Es kam zwar keine Antwort, aber das Lächeln des Hausherren sagte Alles.
Kurz darauf habe ich mich, ich hoffe, formvollendet entschuldigt und nachdem ich Greta nicht sehen konnte, ohne Abschied ins Hotel fahren lassen. Eine Unterkunft im Palais wurde mir nicht angeboten. Ein kurzer Aufenthalt an der Hotelbar schloss für mich den eigentlich enttäuschenden Tag bzw die noch schlimmere Nacht.
Es war wohl schon kurz vor vier Uhr Morgens, als an meiner Zimmertür leise geklopft wurde. Eigentlich wollte ich nicht, aber ich habe mich doch überwunden und habe die völlig aufgelöste Greta in mein Zimmer gelassen.
Sie hat mich sofort überfallen und mit vielen Entschuldigungen und noch mehr Küssen und Zärtlichkeiten ins Bett bekommen. Verdammt, ich liebe diese kleine schöne Frau und in der Nacht und dem Morgen haben wir im Bett unsere Liebe gelebt, genossen und uns immer wieder unserer Liebe versichert.
Wir waren gerader aus der Dusche und hatten uns zu dem bestellten Frühstück gesetzt, als Gretas Handy läutete und sie eine nach meinem Gefühl sehr emotionales Gespräch mit Jemanden hatte, natürlich in Französisch.
Auch wenn ich meine, dass sie uns in diesem Gespräch verteidigte, wurde ich so langsam wütend. Nach dem Gespräch sah ich sie lange an.
„Greta, ich habe ja keine Rechte, dir Vorschriften zu machen, aber bitte, ich spreche und verstehe kein Französisch. Wäre es möglich, dass Gespräche in meiner Gegenwart entweder in Deutsch oder Englisch geführt werden, damit ich die Möglichkeit habe, zu folgen. Das Gespräch eben ging doch um uns bzw um dich?“
„Entschuldige. Ich wollte dich nicht ärgern, aber hier sprechen wir fast alle französisch. Mir fällt es gar nicht mehr auf. Und ja, mein Onkel war nicht erfreut, dass ich heute Morgen nicht zum Familienfrühstück da war und wie er wohl erfahren hat, auch die Nacht nicht in Palais war.“
Wir sprachen noch einige Zeit über uns und die Situation und Greta erzählte mir ihre Geschichte.
Sie hat ihre Eltern bei einem Flugzeugunglück in der Karibik verloren. Sie sind mit einer kleinen Maschine abgestürzt und man konnte nur noch wenige Dinge finden. Damals war sie gerade mal 17 Jahre alt und beendete gerade die Schule in einem Internat in der Nähe von Paris. Von dort kennt sie auch Marzell, mit dem sie eine zwar kurze, aber doch intensive Liebesbeziehung hatte. Er verließ die Schule auf Wunsch der Familie und war bald mit einer reichen Erbin verlobt und die Heirat sollte groß gefeiert werden. Auch wenn sie es nicht genau weiß, wurde auf Grund einer Affäre die Hochzeit kurzfristig abgesagt. Wer die Affäre hatte, ist nur gerüchteweise bekannt. Wie gesagt wird, war sie nicht treu und soll ihm angeboten haben, nach einer Hochzeit zwar ihr Ehemann, aber nicht der einzige Liebhaber zu sein. Ein wirklicher Schlag für einen reichen Schönling.
Ihre Eltern hatten ein sehr ausgefeiltes Testament hinterlassen und ihren angeheirateten Onkel, den Baron, zu ihrem Vormund bestellt. Er ist auch mit dem Senior-Chef der Anwaltskanzlei Testamentsvollstrecker. Sie selber trägt jetzt zwar den Titel ihrer Eltern, verfügt aber erst mit dem 25zigsten Geburtstag über das gesamte Erbe. Zur Zeit ist sie noch auf ihren Onkel angewiesen und das ändert sich erst mit ihrem Geburtstag im August diesen Jahres.
Während des Studiums in München war sie mit einigen Leuten zusammen, die sie aus dem Internat und auch aus dem Umfeld ihres Onkels und ihre Cousine Juditha kennt. Es gab einige Feste, sehr ausgelassenen Feste und auch mehr Alkohol und auch schon mal einige Aufputschmittelchen, als gut und zulässig war. Außerdem musste sie ständig Annäherungsversuche der jungen Männer der Clique abwehren.
Nach einer solchen Fete wachte sie Morgens neben einem dieser Männer auf und alles sah so aus, als ob sie eine wilde Sexnacht mit ihm und Anderen verbracht hatte. Es gab auch einige nicht so schöne Fotos und dann begannen diese Männer, sie zu erpressen. Nicht zu sexuellen Dingen sondern zu finanziellen. Als sie kein Geld mehr hatte, warfen sie sie aus der Wohnung und sie irrte ohne Geld und ohne Papiere und was für sie das Schlimmste war, völlig erniedrigt durch die Stadt. So habe ich sie gefunden und gerettet.
Sie erlebte einen Mann, der nicht viel hatte, der aber ohne zu fragen, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, half und nach und nach erholte sie sich, verliebte sich und fand ihren Mut wieder. Nach langer Überlegung rief sie bei den Anwälten der Kanzlei an, die sie auch in Monaco vertreten und machte einen Termin aus. Davor musste sie ihm aber noch ihre Liebe gestehen und verführte ihn am diesem Abend und liebte ihn in dieser Nacht und an diesem Morgen.
Warum sie sich ihm an diesem Abend oder an diesem Morgen nicht offenbarte, weiß sie bis heute nicht.
Dann nahm es seinen Lauf, sie wurde nach Monaco zu ihrer Familie gebracht und es gab einen sehr schlimme Auseinandersetzung mit dem Onkel, aber noch schlimmer mit der Tante, die die Stelle ihrer Mutter eingenommen hat und sie erzog. Erst als sie ihnen drohte, sich aus der Öffentlichkeit und aus ihren Aufgaben als Gräfin zurück zu ziehen, willigte man ein, mich einzuladen und zu empfangen.
Ich versuchte Greta klar zu machen, dass ich zwar „freundlich“ empfangen wurde, aber doch nicht wirklich willkommen bin. Außerdem passe ich nicht in diese Gesellschaft und das hat man bei der Party mehr als deutlich gespürt. Greta war entweder blind oder so unerfahren, dass sie nicht gemerkt hat, dass ich dort ein Außenseiter bin. Immer wieder bat sie mich, bei ihr zu bleiben. Es würde sich schon Alles zu besten wenden. Ich ließ mich überreden und versuchte es, da ich sie wirklich liebte und sah, dass sie es ebenfalls tat.
Die nächsten Tage waren schwer. Mir und Gretas gegenüber war man freundlich, aber ich sah, dass es insbesondere ihre Tante nicht Recht war, dass ich immer noch an der Seite von Greta war. Was mich wirklich aufregte, war die ständige Kommunikation in der Sprache, die ich nicht verstand und die weitere Anwesenheit des ehemaligen Freunds meiner Geliebten.
Dann musste ich wieder nach Hause und freute mich, dass Greta mich begleitete. Leider musste sie nach vier Tagen vollen Liebe und Zärtlichkeit wegen einer wichtigen gesellschaftlichen Verpflichtung zurück. Sie war sehr traurig, ich noch mehr.
Es dauerte zwei ganze Wochen, bis sie wieder bei mir war. Ja, wir hatten jeden Tag telefoniert und per Videochat Kontakt, doch das Alles konnte das persönliche Zusammensein nicht ersetzen. Zu mindestens war sie bei dem Termin meiner Ehescheidung anwesend, der sich zu einer richtigen Schlammschlacht für meine Frau und ihren Liebhaber entwickelte. Die Kanzlei von Greta war wirklich gut und hatte meinen Anwalt mit vielen Dokumenten ausgestattet.
Meine Ehe ist geschieden. Meine Ex ist genau wie ihr geliebter Anwalt am Arsch. Die Zulassung als Anwalt ist dahin. Finanziell sieht es schlecht für Beide aus. Zwar wurde ich hinsichtlich der Schadensersatzansprüche wegen des Trennungsunterhaltes und des PKW auf den Rechtsweg verwiesen, aber eine außergerichtliche Einigung hat mich recht gut gestellt. Hinzu kommt die Hälfte des auf dem versteckten Konto meiner Ex liegenden Summe und der Unterhalt für ein halbes Jahr, den sie mir zahlen muss.
Aber das ist alles nicht so wichtig. Wichtig ist mir meine Greta. Und da sehe ich zur Zeit ein wenig Schwierigkeiten. Ich stehe gerade an der Wand des Stalles auf einem Gut in der Normandie und warte auf die Rückkehr meiner Greta, die mit Juditha, Bob und Marzell ausgeritten ist. So viel Übung habe ich noch nicht, dass ich mich das trauen kann und außerdem bin ich wirklich beim Überlegen, nach Hause zu fahren. Langsam reicht es mir. Neben den schon immer gegen mich gerichteten Spitzen der Familie meiner Liebsten habe ich das Gefühl, dass sie ein wenig Abstand zu mir bekommt und ein wenig zu viel Nähe zu dem so klasse wirkenden Marzell.
Und dann die ständigen Termine, die sie angeblich wahrnehmen muss.
Und dann höre ich gerade ein etwas zu lautes Gespräch zwischen dem Baron, der Baronin und einem mir nicht bekannten Mann, natürlich in Französisch. Wenn nicht mehrfach schon zu Beginn mein Name gefallen wäre, wäre ich nicht so interessiert. Ich überlege gerade, wie ich den Inhalt des Gespräches erfassen kann, als ich die Haushälterin des Anwesens an einem geöffneten Fenster stehen sehe, die das Gespräch bestimmt noch besser hören kann als ich und mich mit einem Ausdruck anschaut, der Bände spricht. Entsetzen, Unglaube und Schreck, vielleicht auch Mitleid sind deutlich zu sehen.
Ich gehe rein, schnappe mir die nicht mehr so junge Frau und frage sie eindringlich, was sie gehört hat.
„Martha, ich habe an ihrem Gesichtsausdruck, mit dem sie mich angesehen haben, erkannt, dass es bei dem Gespräch um mich und ich nehme an, um mein Verhältnis zu Margareta ging. Sie wissen, dass ich kein oder nur sehr wenig Französisch spreche. Ich weiß, dass besonders die Baronin mich nicht mag, mich lieber auf dem Mond sehen würde. Um was ging es in diesem Gespräch? Lassen sie mich nicht dumm sterben. Ich versichere, dass ich sie nicht verraten werde.“
Es dauerte einige Minuten und dann sprach sie wirklich und das, was sie gehört hatte, schloss den Kreis. Man versuchte mit allen Mitteln, unser Verhältnis zu zerstören. Und war wohl auch schon einige Schritte voran gekommen. Jedoch viel zu wenig, denn bis zu dem Geburtstag von Greta musste sie in den Armen von Marzell liegen. Und was das Schlimmste war, Juditha war mit von der Partie und sollte mich in den nächsten Tagen verführen und wir sollten dabei erwischt werden, damit Greta sich von mir trennt. Alternativ wurde überlegt, mir einen netten Betrag zu bieten, damit ich verschwinde.
Für mich war nur eine Frage, wie weit ist das Verhältnis zwischen Greta und Marzell schon? Für mich war klar, heute Abend würde es ein Gespräch mit Greta geben.
Aber es kam mal wieder anders. Schon vor dem Abendbrot, teilte mir Greta mit, dass sie heute Abend noch zu einem Empfang müsse und erst am kommenden Tag wieder kommen würde. Als ich um ein bisschen Zeit für ein persönliches Gespräch bat, wurde ich auf eine anderen Tag vertröstet.
„Nun gut, da dir deine gesellschaftlichen Verpflichtungen vorgehen, sei es so. Komisch, dass es dir erst heute einfällt, dass du heute Abend weg musst. Pass nur auf, dass du nicht etwas machst, das ich nicht gut heißen kann. Langsam komme ich mir wie das fünfte Rad am Wagen vor.“
Ich glaube, kurz kam ihr ein Gedanke, aber nur kurz.
Sie war weg, ich packte, bat Martha mich zur nächsten Eisenbahnstation zu fahren und entschwand. Diesmal ließ ich keine Brief zurück.
Es war eine traurige Rückfahrt, eine lange Rückfahrt. Erst mit der aufgehenden Sonne schickte ich Greta eine längere Nachricht, die nicht sehr nett war.
„Greta, ich bin zurück gereist in meine Heimat. Dorthin, wo ich hingehöre, dorthin, wo mich deine Verwandten haben wollen. Genieße dein Leben mit Marzell und deinen verlogenen Verwandten. Ich weiß zwar noch nicht genau, warum sie dich unbedingt mit Marzell verkuppeln wollen und das bis zu deinem 25. Geburtstag, aber sicher hat es mit deiner Erbschaft zu tun. Warum du dich von mir abgewendet hast, verstehen ich nicht. Ich habe mich nicht geändert, aber du. Auch wenn ich dich noch immer liebe, ich gebe dich frei. Wir sind ja weder verlobt noch verheiratet, auch wenn es mein Traum war. Lebe in deiner Welt.“
Ich habe nicht mal unterschrieben.
Auf der Heimfahrt habe ich lange meine weiteren Schritte überlegt. Gleich als ich zu Hause war, habe ich eine Stelle gesucht, die mir das duale Studium ermöglicht. Ich konnte es mir leisten und hatte auch noch Glück. Die Stelle war gut.
Ich kündigte die alte Anstellung und bereitet mich auf das Neue in meinem Leben vor. Man soll nicht glauben, dass ich nicht tot traurig war. Aber ich musste so entscheiden, denn ich konnte nicht so leben. Es war alles so falsch, so aufgesetzt und was ich besonders bedauerte, war, das Greta es nicht sah. Nicht erkannte, dass die Cousine und die beiden Männer keine Freunde waren und ihr Onkel, aber besonders ihre Tante keine freundliche, liebevolle Familie sind. Nun ja, sie ist alt genug.
Schon gar nicht verstand ich es, dass sie ihr unterbrochenes Studium nicht fortsetzte. Aber zu einem richtigen Gespräch kam es ja die letzte Zeit nicht mehr. Ein halbes Jahr Träume, eine lange Zeit Herzschmerz. Ende.
Mein Handy hatte ich ausgeschaltet, als ich mit den notwendigen Anrufen für den Job fertig war und jetzt hatte ich Zeit und konnte mich erholen.
Am nächsten Tag schaltete ich das Handy wieder ein und war überrascht, dass ich nur zwei Anrufe und ein Schreiben von Greta hatte. Die Anrufe waren nur Anrufversuche ohne Inhalt und die Nachricht war kurz.
„Bitte ruf mich an. Ich liebe dich.“
Keine Erklärungen, keine Entschuldigungen. Nichts.
Aber niemand soll sagen, dass ich ein Feigling bin, war ich nie und werde ich nie sein. Also die Nummer von Greta gewählt und natürlich ging der Anruf auf ihre nicht vorhandene Box. Auch zwei Stunden später das gleiche Ergebnis. Gut, heute Abend, am späten Abend noch mal.
Auch da kein Gespräch. Kurze Nachricht, dass ich angerufen habe, wie sie sicher festgestellt hat und nun ihren Anruf erwarte.
Ich war gerade erwacht und noch nicht in der besten Verfassung, als mein Handy klingelte und ich auf dem Display erkannte, dass Greta anrief. Mehr als ein kurzes Guten Morgen bekam ich nicht raus.
„Schatz, wir müssen reden. Bitte rede mit mir.“
„Über was wollen wir reden, darüber, dass du mich in die Ecke gestellt hast und lieber mit dem schönen und reichen Marzell rumgezogen bist, darüber, dass du immer mehr deine gesellschaftlichen Pflichten wahrgenommen hast und mich links liegen liest, darüber, dass du immer weniger liebevoll warst? Also worüber wollen wir sprechen? Ich glaube, es hat wenig Zweck. Ich gehöre nicht dorthin und ich will auch nicht so leben, nicht dieses oberflächliche Leben. Ich will nicht Angst haben, dass eine Verbindung zwischen uns durch Intrigen zerstört wird und wir noch mehr Schmerz erleiden. Frag doch mal deine Verwandten, was sie als nächstes vorhatten, um mir meinen Platz zu zeigen. Aber für dich viel wichtiger, frage, warum sie uns schnell trennen und dich mit dem Widerling Marzell verkuppeln wollen.“
Ich hatte mich richtig in Rase geredet. Es war einfach so aus mir herausgesprudelt. Und ich hörte nur ein Weinen auf der anderen Seite und dann wurde der Anruf unterbrochen, abgebrochen. Ich habe nicht angerufen.
Die nächsten Tage waren nicht leicht für mich. Immer wieder war ich kurz davor, Greta anzurufen. Aber nein, ich hatte doch Nichts falsch gemacht. Oder doch?
Die Tage vergingen und ich sehnte mich immer noch nach dieser kleinen Frau, aber keine Anrufe, keine Reaktion, Nichts.
Gretas Geburtstag war in wenigen Tagen und ich überlegte, ob ich ihr gratulieren soll.
Warum eigentlich nicht. Und so bereitete ich eine Geburtstagsmail vor, so richtig mit Blumen und so, aber keine Herzen.
Noch ein beschissener Tag und dann der große Empfang zu ihrem Geburtstag. Sicher würde sie in den Armen ihre Verwandten und des Siegers liegen. Oh, der Schnaps schmeckte immer noch nicht besser. Es war heute aber auch zu viel. Nein, ich muss aufhören, sonst kann ich morgen nicht arbeiten. Arbeit ist für mich wichtig, bringt mich auf andere Gedanken. Das waren, glaube ich, meine letzten Gedanken, bevor ich auf dem Sofa einschlief.
Der nächste Tag war etwas schwierig. Mein Kopf brummte und auf der Arbeit gab es Schwierigkeiten, die mich zwangen, eine Stunde länger zu arbeiten, sehr zur Freude meines Chefs. Sicher war das Lob echt. Und so kam ich gut zwei Stunden später mit den Händen voller Tüten vom Einkauf in meine Wohnung.
Eine mir nur zu bekannte Stimme empfing mich.
„Süßer, kannst du bitte das, was du mir eben geschickt hast, wiederholen und bitte vergiss nicht die korrekte Anrede.“
Dann hing sie an meinem Hals und die Tuten rollten über den kleinen Flur.
„Entschuldige einer dummen eingebildeten Frau alles, was ich falsch gemacht habe, aber sei versichert, dass ich dich mehr liebe, als du dir vorstellen kannst, mein Retter mit der goldenen Rüstung. Du hast mich schon wieder gerettet. Ich hoffe, dass ich jetzt genug gelernt habe, um meine Retter nicht noch mal zu brauchen. Aber jetzt küss mich endlich. Ich habe mich so nach dir gesehnt.“
Nach einer halben Stunde haben wir gemeinsam den Inhalt der Tüten aufgesammelt, verstaut und sind dann kurz ausgegangen, nur Abendessen. Ich habe an diesem Abend nur ein Glas Wein und danach Wasser getrunken. Na, ihr wisst schon, wegen der Arbeit.
In dieser Nacht haben wir unsere Liebe im Bett ausgelebt und obwohl ich morgens müde wie ein Hund war, hat die Arbeit Spaß gemacht. Und es lief bei der Arbeit gut, keine Probleme und ich freute mich auf ein Abendessen in meiner Wohnung, vorbereitet von einer echten Gräfin.
Danach haben wir lange auf dem Sofa gesessen, eng aneinander gekuschelt und haben geredet. Lange geredet. Greta hat mir alles erzählt, gestanden und sich immer wieder entschuldigt. Sie meinte, dass es gut war, dass ich sie mit meiner damaligen Rede aufgeweckt habe und sie gemerkt hat, wie sich der Abgrund auftat.
Zu ihren Verwandten sagte sie nur, dass sie fertig ist. Es ist richtig, dass sie in die Arme des verdammten Marzell getrieben werden sollte. Seine Motivation war ihr Titel und die ihres Onkels und seiner Frau die Verschleierung von Untreue. Sie haben Schmuck ihrer Mutter in einer Höhe von bestimmt 800 TEUR veruntreut. Kann aber auch noch mehr sein. Nun, sollen sie damit glücklich sein. Nach einer sehr wütenden Auseinandersetzung mit der Kanzlei und dem dort tätigen Testamentsvollstrecker hat sie entschieden, keine Klage einzureichen. Wie war der Spruch, werfe kein gutes Geld dem schlechten hinterher.
Sie hat aus der Erbschaft das kleine Gut in der Normandie, ein Haus in Monaco und eine Villa auf Menorca behalten. Der Rest wird verkauft und wird das Konto auffüllen.
„Liebling, wir sollten uns die Objekte gemeinsam ansehen und dann entscheiden, ob wir sie behalten oder auch abstoßen. Bei dem Haus in Monaco schlage ich jetzt schon vor, dass wir es verkaufen. Viel zu dicht an dem Palais meines Onkels.“
Wir haben uns eine größere Wohnung gesucht, sind umgezogen und haben unsere beiden Studien beendet. Greta ist zwar vor mir fertig geworden, hat aber nicht gearbeitet, nun, nicht für Geld gearbeitet. Untätig war sie aber nicht. Es gibt genug bedürftige Menschen, die Hilfe benötigen.
Und dann wurde es Zeit, wieder umzuziehen, Greta war der Meinung, dass unsere Kinder im Grünen aufwachsen. Ich wollte und konnte ihr nicht widersprechen. Allerdings wurde meine Arbeitsweg dadurch recht weit, aber ich wollte nicht auf Arbeit verzichten. Nur eins hat mir meine Firma gestattet, zweimal 4 Wochen Urlaub. Einmal auf dem Gut meiner Frau und einmal auf Menorca.
Die Villa auf Menorca ist für unseren Alterswohnsitz vorgesehen. Nein, nicht mit 67 Jahren, viel früher. Eigentlich hat mich das Vermögen meiner kleinen Gräfin nicht interessiert, aber ich weiß, es reicht nicht nur für uns sondern auch für unsere drei Kinder und deren Kinder. Hoffentlich viele.
Übrigens trage ich keinen Titel, unsere Kinder schon, obwohl meine Frau und auch meine Kinder die Titel nur in Ausnahmefällen nutzen. Wir treffen kaum auf Leute, die darauf Wert legen, trotz eines großen Freundeskreis. Immerhin reiten wir alle sehr gerne, aber nur freizeitmäßig.
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