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Zwölf Schläge zur Erlösung (fm:Verführung, 7662 Wörter)

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Veröffentlicht: Sep 10 2026 Gesehen / Gelesen: 0 / 0 [0%] Bewertung Geschichte: 0.00 (0 Stimmen)
Heidenreichs hinterhältige Erpressung zielt auf die Absetzung der liberalen Lektorin, doch seine Intrige entfaltet eine ungeahnte Wirkung. Die Bestrafung der angeprangerten Verfehlungen fällt gänzlich anders aus, als von ihm beabsichtigt.

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Was als leidenschaftliche Nacht im Glockenturm begann, zieht größere Kreise.

Dies ist die Fortsetzung der Geschichte „In sechs Stunden von null auf zwölf“, kann aber auch in umgekehrter Reihenfolge gelesen werden.

Am Sonntag stand Mart früh auf, um sich für den Kirchgang fertig zu machen. Nicht, dass er die Predigt der Lektorin hätte hören wollen, er wollte Frederike wiedersehen. Sie war Teil der engeren Gemeinde, das wusste er, und sie würde den Gottesdienst begleiten, eine Bibelstelle lesen und am Ende für die Aufräumarbeiten zur Verfügung stehen.

Er hatte sie seit dem leidenschaftlichen Intermezzo im Glockenturm nicht mehr gesehen, ohne große Worte waren sie zur späten Stunde auseinandergegangen und er hatte seitdem von ihr nichts gehört.

Mart wählte ein hellblaues Hemd, den obersten Knopf geöffnet, eine graumelierte Jacke, eine dunkle Chino und braune Lederschuhe. Nicht zu leger, nicht zu steif. Er wollte gut aussehen, aber nicht übertrieben herausgeputzt.

Kurz vor zehn Uhr schritt Mart durch das Kirchenportal. Der Vorraum lag in blauem Licht. Die Sonne schien von Osten durch ein Kirchenfenster mit einer aus den fünfziger Jahren stilisierten Version der Apostel, die um einen Tisch saßen. Aber Marts Augen waren abgelenkt. Frederike stand im Eingang und hatte Gesangbücher und Zettel mit dem Ablauf des Gottesdienstes in Händen. Sie begrüßte die Besucher und händigte je ein Exemplar aus.

Ihr silbriges Haar fiel weich auf ihre Schultern, und in ihrem Dekolletee schimmerte die Perlenkette, die Mart an den Abend erinnerte, als sie sich wie eine Schlange um ihre Kurven wandte, im Rhythmus ihrer leidenschaftlichen Bewegungen.

Mart ging beherzt auf sie zu. Doch ihr Blick traf ihn kalt. Ihr Lächeln war so, wie sie auch den anderen Besuchern eines geschenkt hatte. Noch bevor Mart sie ansprechen konnte, reichte sie ihm ein Gesangbuch. „Guten Morgen“, sagte sie, ihre Stimme neutral und ihr Blick war weitergewandert auf die nachfolgend eintreffenden Besucher. Sein Eindruck, sie würde ihn abweisen verstärkte sich. Schämte sie sich, für was geschehen war? Er musste herausbekommen, was ihr die Episode im Glockenturm bedeutet hat.

Mart setzte sich in eine der hinteren Bänke. Von dort aus beobachtete er, wie Frederike die restlichen Besucher begrüßte. Es waren kaum vierzig. Alte Menschen, Einzelpersonen, einige Paare, keine Familien.

Die Orgel begann zu spielen und die Lektorin schritt mit Frederike an ihrer Seite Richtung Altar. Frederike trug ein figurbetontes graues Kleid, das knapp über den Knien endete. Die weißen Sneakers vom letzten Wochenende hatte sie gegen schwarze Pumps getauscht. Ihre Beine gewannen dadurch an Länge, was ihre kurvige Silhouette aus Marts Sicht nur umso attraktiver erscheinen ließ. Mart musste sich zwingen, nicht an die Liebesnacht mit ihr zu denken. An ihre nackten Oberschenkel, die feuchte Hitze ihrer Haut.

Die Lektorin, eine junge schlanke Frau mit hübschem Gesicht und einer warmen Stimme, trat ans Rednerpult. „Liebe Gemeinde“, begann sie, „heute möchte ich über das Hohelied sprechen. Über die Liebe zwischen Mann und Frau, wie sie uns in der Heiligen Schrift begegnet.“

Friederike erhob sich, trat zum Lesepult und schlug die Bibel auf. Mit fester und klarer Stimme las sie die Verse. Sie endeten mit den Worten: „Komm, mein Freund, lass uns aufs Feld hinausgehen und unter Zyperblumen die Nacht verbringen,dass wir früh aufbrechen zu den Weinbergen und sehen, ob der Weinstock sprosst und seine Blüten aufgehen, ob die Granatbäume blühen. Da will ich dir meine Liebe schenken.“

Und während sie das Buch schloss, da war es Mart, als hätte sie mit ihm Blickkontakt gesucht, nur kurz, aber doch. Mart war verwirrt. Ihre kühle Haltung im Eingangsbereich und jetzt hatte sie doch ein Auge für ihn.

Die Predigt der Lektorin drehte sich um die Bedeutung von Vertrauen, von

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