Der erste Schlag auf Porzellanhaut (fm:Dominanter Mann, 2652 Wörter) | ||
| Autor: Lustbringer | ||
| Veröffentlicht: Sep 10 2026 | Gesehen / Gelesen: 0 / 0 [0%] | Bewertung Geschichte: 0.00 (0 Stimmen) |
| Thomas hat Mara gefunden – eine Kunstgaleristin, die seine Anzeige beantwortet hat. Ihr erstes Treffen im Spielzimmer beginnt mit einem Ritual aus Leder und Hingabe. Als er ihre Hand hebt, weiß sie: Der erste Schlag wird alles entscheiden. | ||
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Der Klick meiner Laptop-Tastatur ist das einzige Geräusch in diesem Raum. Ein monotoner, fast meditativer Rhythmus, der meine Gedanken bündelt. Monate. Es sind Monate her, seit ich die Anzeige aufgegeben habe. Präzise formuliert, ohne Raum für Interpretationen. „Dominanter Mann, 38, sucht devote Frau für ein reines Spanking-Treffen. Erfahrung nicht erforderlich, aber die Bereitschaft zur Hingabe schon.“ Die Reaktionen waren ein Spiegelkabinett menschlicher Selbstdarstellung. Unsichere Neugierige, die sich nach zwei Nachrichten schon zurückzogen. Aufgeblasene Dom-Spielchen, die mehr dramatisierten als fühlten. Und die schiere Masse an Profilfotos, die mehr versprachen, als sie je halten konnten. Ich drehe langsam die Uhr am Handgelenk, eine alte Gewohnheit, wenn ich in Gedanken versinke. Die Suche war zäh, fast schon enttäuschend. Ich wollte keine Beziehung, nicht im herkömmlichen Sinne. Ich wollte diesen Moment. Die absolute Konzentration, der Austausch von Energie, der in einem einzigen, klaren Akt gipfelt. Ein Ritual.
Und dann war da ihre Nachricht. Ein Foto was mehr verbarg als zeigte. Kein überladenes Profil. Nur Text. Mara. Ihre Worte waren wie ihre Handschrift, sauber, direkt, ohne Schnörkel. Sie beschrieb nicht, was sie erwartete. Sie beschrieb, was sie fühlte. Ein Bedürfnis nach Loslassen, nach der Befreiung von der ständigen Anspannung, ihr Leben zu steuern. Sie schrieb von der Sehnsucht nach der Wärme, die dem Schmerz folgt. Ich spürte sofort, dass hier jemand schrieb, der wusste, wovon er redete. Jemand, der nicht fantasierte, sondern eine innere Realität beschrieb. Wir analysierten, wir fragten, wir legten unsere Karten auf den Tisch. Es ging um Vertrauen, um Grenzen, um die ungeschriebenen Regeln dieses Spiels. Nach drei Wochen schlug ich ein Treffen vor. Neutral. Öffentlich. Ein Spaziergang am See, Kaffee danach. Ein Test. Ein Mustern.
Der Tag ist perfekt. Ein strahlend blauer Himmel, die Luft ist noch kühl vom Morgen, aber die Sonne wärmt schon meine Haut. Ich sitze auf einer Bank in der Nähe des vereinbarten Treffpunkts. Meine Augen scannen die Leute, die vorbeigehen. Dann sehe ich sie. Sie kommt aus der Richtung des Parkplatzes, und selbst aus der Entfernung erkenne ich die Eleganz, die in ihrer Haltung liegt. Sie ist groß, größer, als ich erwartet hatte, und trägt eine perfekt sitzende, dunkelgraue Hose und eine seidene, himmelblaue Bluse, deren Kragen bis zum Hals geschlossen ist. Ihre langen, schwarzen Haare bewegen sich leicht im Wind. Jeder Schritt ist bewusst, kontrolliert. Sie sieht nicht suchend um sich. Sie weiß, dass ich hier bin. Und sie weiß, dass ich sie sehe.
Als sie näherkommt, stehe ich auf. Sie bleibt etwa zwei Meter vor mir stehen. Ihre Augen sind dunkel, intensiv, und sie mustern mich mit dem gleichen analytischen Blick, mit dem ich sie mustere. Kein Lächeln. Keine nervöse Geste. Nur eine stille Konfrontation. „Thomas?“, fragt sie. Ihre Stimme ist tiefer, als ich dachte, klar und ruhig. „Mara“, antworte ich und nicke kurz. „Es freut mich, dich kennenzulernen.“ Sie hebt eine Augenbraue. Ein winziger, fast unmerklicher Ausdruck von Amüsement. „Dich auch.“
Wir beginnen zu gehen. Der Weg führt uns am Ufer entlang, das Wasser glitzert in der Sonne. Zuerst herrscht Stille zwischen uns, aber es ist keine unangenehme. Es ist eine Stille, die füllt, nicht eine, die leer ist. Ich spüre die Präsenz neben mir, die konzentrierte Energie. „Also“, beginne ich nach einer Weile, „was bewegt eine Kunstgaleristin dazu, auf eine Anzeige wie meine zu antworten?“ Sie blickt geradeaus, auf das Wasser. „Vielleicht dieselben Dinge, die einen Handwerker dazu bringen, sie aufzugeben.“ Sie hat recherchiert. Gut. „Die Suche nach Klarheit. Nach einem Moment, in dem alles unwichtig ist, nur die reine Sinnlichkeit.“ „Und warum Spanking?“, frage ich direkt. Sie zögert nicht. „Weil es die ehrlichste Form der Kommunikation ist, die ich kenne. Ein Schlag sagt mehr als tausend Worte. Er fordert eine Reaktion, eine unmittelbare, gefilterte. Schmerz. Erregung. Hingabe. Es ist ein Dialog ohne Sprache.“ Ich nicke langsam. Sie versteht es. Es geht ihr nicht um Bestrafung im klassischen Sinne. Es geht ihr um den Moment, in dem der Verstand schweigt und der Körper die Führung übernimmt. Wir reden über Kunst, über die Strukturen, die wir beide in unserem jeweiligen Beruf so sehr schätzen. Es fühlt sich weniger wie ein Kennenlernen an, mehr wie die Bestätigung einer langgehegten Vermutung.
Wir setzen uns in ein Café mit einer großen Terrasse. Ich bestelle zwei Cappuccino. Die Sonne steht jetzt hoch, und die Stimmung ist entspannt.
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