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Wenn Entfernungen keine Rolle mehr spielen 2 (fm:Sonstige, 45664 Wörter) [2/2] alle Teile anzeigen

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Veröffentlicht: Sep 20 2026 Gesehen / Gelesen: 176 / 102 [58%] Bewertung Teil: 9.50 (2 Stimmen)
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Eliras Anflug auf die Küstensiedlung

Unter ihr gab es nichts als Wald und Meer.

Elira beugte sich etwas weiter zum Seitenfenster des Jets und suchte die Küstenlinie ab. Dunkles Grün zog sich über die Hügel bis beinahe an die Felsen heran, stellenweise so dicht, dass selbst aus dieser Höhe kein Boden zwischen den Baumkronen zu erkennen war. Dahinter fiel das Land schroff zum Meer ab. Das Wasser draußen war dunkel, viel dunkler, als sie es von den künstlich aufgehellten Buchten rund um New Atlantis kannte. Lange Wellenzüge liefen gegen die Küste, brachen sich an vorgelagerten Felsen und zeichneten für wenige Augenblicke weiße Linien auf die fast schwarze Oberfläche.

Keine Stadt. Keine Siedlung. Nicht einmal ein verdammtes Haus.

Elira warf einen Blick auf das Navigationsdisplay. Der Zielmarker lag genau vor ihnen. Sie runzelte die Stirn, tippte die Koordinaten erneut ein und ließ das System die Route überprüfen. Dasselbe Ergebnis. Entfernung, Kurs, Höhe – alles stimmte. Der Autopilot hatte sie nicht irgendwo an die falsche Küste gebracht. Laut Navigation müsste Taros Siedlung praktisch direkt unter ihrer Nase liegen.

Sie sah wieder hinaus.

Erst jetzt fing etwas zwischen den Bäumen das Licht des Zentralgestirns ein. Ein kurzer heller Blitz, dann ein zweiter. Als der Jet weiter sank und sich der Blickwinkel änderte, wurden daraus vier große, runde Glaskuppeln. Sie lagen nicht in einer Reihe und bildeten auch keinen sauberen Komplex, wie Elira es von Forschungsanlagen gewohnt war. Sie schienen eher zwischen Wald und Felsen verteilt worden zu sein, in die Landschaft eingebettet. Das Licht wanderte über ihre gewölbten Flächen, brach sich darin und ließ sie für Sekunden aufleuchten, bevor sie wieder beinahe mit dem Grün ringsum verschmolzen.

Also doch. Elira lehnte sich zurück, doch ihr Blick blieb draußen. Jetzt, da sie wusste, wonach sie suchen musste, tauchten immer mehr Einzelheiten aus der Landschaft auf.

Etwas Rot-Weißes lag zwischen den Kuppeln und der Küste. Zuerst hielt sie es für ein Gebäude. Ein ungewöhnlich großer, kantiger Klotz, dessen matte Oberfläche sich völlig anders verhielt als das Glas der Kuppeln. Kein Glitzern, kein heller Reflex, obwohl das Licht beinahe direkt darauf fiel. Erst als der Jet tiefer kam und sich die Perspektive verschob, erkannte sie die Konturen. Ein Schiff. Elira richtete sich unwillkürlich etwas auf. Das musste Taros Jäger sein.

Ihr Anwalt hatte irgendwann erwähnt, dass Taro ein eigenes Schiff besaß. Damals war die Information für sie kaum mehr als ein weiterer Punkt auf einer ohnehin bemerkenswerten Liste gewesen. Ein eigenes Schiff bedeutete einen Piloten, der nicht auf Linienverbindungen oder Charter angewiesen war. Vielleicht jemanden, der sie zu den Außenposten bringen konnte, ohne dass Infinity jedes Mal einen Charterflug organisieren musste, Linie kam für sie nie in Betracht.

Sie hatte nicht weiter nachgefragt. Vielleicht hätte sie das tun sollen. Der rot-weiße Jäger war erheblich größer, als sie sich Taros „eigenes Schiff“ vorgestellt hatte. Selbst aus der Luft wirkte er massiv. Seine stumpfe Außenhaut verschluckte das harte Licht beinahe vollständig; nichts daran funkelte oder warf auffällige Reflexe über die Küste. Eigentlich logisch, dachte Elira. Ein Jäger, der im Licht aufblitzte wie eine Werbetafel, hatte vermutlich seinen Beruf verfehlt.

Der Jet sank weiter, und erst jetzt begann sich auch die Küste selbst zu ordnen. Zwei Felsarme, die teilweise Grün überwuchert waren, schoben sich weit ins Meer hinaus und umschlossen eine breite, beinahe U-förmige Bucht. Außerhalb davon rollten die dunklen Wellen mit sichtbarer Kraft heran. Weißer Schaum platzte gegen die Felsen und wurde vom Wind auseinandergerissen. Innerhalb der natürlichen Barriere dagegen lag das Wasser erstaunlich ruhig. Nur lange, flache Bewegungen liefen bis ans Ufer und verloren sich dort in einem breiten Strand, dessen Sand aus dieser Höhe fast weiß erschien.

Unter dem flachen Wasser setzte sich dieser helle Grund fort. Das Licht drang bis hinunter, wurde vom Sand zurückgeworfen und verwandelte das

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