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Wegscheide (fm:1 auf 1, 10240 Wörter)

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Veröffentlicht: May 27 2026 Gesehen / Gelesen: 892 / 651 [73%] Bewertung Geschichte: 9.38 (8 Stimmen)
Zwei Schulfreunde treffen einander zufällig wieder

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Wegscheide

1 – Wegweiser

"Mensch, Carina, das ist toll!", freute sich mein Vater, als ich ihm erzählte, dass mir eine Beförderung zur Abteilungsleiterin angeboten wurde und zugleich ein Headhunter für eine Stelle in den USA vorfühlte. "Hast du Lust, mit mir heute Abend in die Oper zu gehen?" "Und Mama?" Er räusperte sich. "Sie ist kurzfristig verreist, deshalb ist eine Karte übrig." "Aber ich hab' kein Kleid." "Das ist kein Problem, festliche Kleidung kann, muss aber nicht sein." So nahm ich eins meiner Business-Outfits, reiste am späten Nachmittag die kurze Strecke nach Frankfurt, holte Papa ab und wir fuhren zur Oper, in der ich schon lang nicht mehr war.

Den Ruf "Volker!" bezog ich nicht auf mich, denn Volker gibt es viele und wer kennt mich hier, also führte ich meine Mutter am Arm weiter durch das Foyer zum Saal, denn es hatte schon das erste Mal geklingelt. "Volker!" Das war nur schon sehr nah und jemand zupfte mich am Ärmel. Ich drehte mich um und sah Carina, meine Ex-Mitschülerin und -Kommilitonin. Mama drehte sich mit um. "Hallo, Carina! Mama, kennst du noch Carina mit dem Cello?" "Ja. Hallo, Carina, wie schön, Sie wiederzusehen." "Volker, kann ich dich in der Pause kurz sprechen?" "Ja, sicher." Carina drückte mich, lächelte meiner Mutter zu und ging winkend zu einem älteren Mann.

Im Dunkel der Loge kamen Erinnerungen hoch. Kurz vor dem Abitur wechselte ich mal wieder die Schule, weil mein Vater versetzt wurde. Da lernte ich Volker kennen, der mir half, die Lücken zu schließen, Anschluss und Freunde in der Schule zu finden. Wir haben viele Nachmittage über Büchern und am Baggersee mit anderen Leuten verbracht. Volker wurde mir ein guter, brüderlicher Freund, ein Vertrauter, aber geknistert oder gefunkt hat es nie zwischen uns.

Carina und ich hatten uns nach dem Abitur an derselben Uni eingeschrieben, sie wählte Wirtschaftsingenieurwesen und ich Bauwesen. Obwohl wir keine gemeinsamen Vorlesungen und Übungen hatten, lernten wir mitunter zusammen, sahen uns oft in der Freizeit und regelmäßig beim Unisport. Ab und zu schleppte sie einen Typen an und brauchte bald darauf eine Schulter zum Ausweinen, aber ebenso stand sie mir bei, wenn sich eine Typin wieder als Reinfall für mich entpuppte.

In der Pause trafen Papa und ich wieder auf Volker und seine Mutter. Nach einer kurzen Vorstellung bot Papa seiner Mutter den Arm und ließ mich mit Volker zurück. "Wie geht's?" und "Was machst du?" fragten wir nahezu gleichzeitig. Volker hatte nach dem Abschluss bei einem Baukonzern in Köln angefangen und war viel im Ausland unterwegs, um Häfen zu bauen. "Hast du auch in jedem Hafen eine Braut?" "Naja, Braut nicht, aber schöne Frauen gibt's viele, doch komme ich nicht alle paar Monate wieder", grinste er. "Und du?"

Sie rollte mit den Augen. Carina hatte bei einer Beratungsfirma angeheuert und war schnell aufgestiegen, aber hatte auch mehrfach gewechselt, wenn ihr das Betriebsklima nicht zusagte. Nun stand sie wieder vor einer Entscheidung und dieses Mal fiel sie ihr schwerer als früher. "Bis wann musst du dich entscheiden und könntest du bis dahin ein paar Tage freinehmen?" "Drei Wochen, zwei Wochen. Warum?" "Ich werde ab nächsten Samstag Urlaub im Campingbus machen – Biskaya von der Bretagne nach Santiago de Compostela ist das Revier, trödeln, wo es schön ist und die Sonne lacht, weiterfahren, wenn es stürmt und regnet. Und ich könnte einer Beifahrerin einen Schlafplatz anbieten. Hast du Lust auszulüften, nachzudenken, welcher Weg es für dich sein soll? Ich kann dich auch direkt auf dem Jakobsweg aussetzen, falls es hilft", grinste ich.

"Hast du noch den alten VW-Bus?" Er grinste breiter. Volkers Vorschlag war zu verlockend, so kurzfristig frei zu bekommen nicht einfach, aber möglich. "Okay, wo soll ich Samstag einsteigen?" "Köln Hauptbahnhof, Vordereingang, gegen acht Uhr?" "So machen wir das!" Es klingelte wieder und seine Mutter kam mit Papa zurück. Wir verabschiedeten uns voneinander.

Mama schaute mich an: "Du strahlst ja. Was ist mit Carina?" "Nichts weiter, sie begleitet mich an die Biskaya." Sie drückte meinen Arm und unterdrückte ein Lachen. Im Dunkel des Saals mäanderten meine Gedanken

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