Felicitas (fm:Sonstige, 2424 Wörter) | ||
| Autor: Ayse1985 | ||
| Veröffentlicht: Jun 26 2026 | Gesehen / Gelesen: 134 / 93 [69%] | Bewertung Geschichte: 9.67 (6 Stimmen) |
| Eine Geschichte von "Grauen Panther" von mir verändert 🙆🏼♀🤦🏼♀🤷🏼♀ | ||
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Horrorunfall das Leben zurückgegeben hat. Und manchmal hasse ich sie dafür, dass sie mich nach meinem Selbstmordversuch ins Dasein zurückgezwungen hat. Mit ihrer bedingungslosen Liebe versucht sie, mich aus den Klauen meiner Depression zu reißen. Und meine größte Angst ist, dass es ihr gelingt – denn ich habe mich in meiner Dunkelheit gemütlich eingerichtet, seit mich meine Familie damals verstieß. Wieder spüre ich die heißen Tränen auf meinen Wangen. Meine Gedanken driften zurück in jene Märznacht im Jahr 2008. Vier Uhr morgens, die Autobahn ist menschenleer. Ein roter Porsche 911 GT3 jagt mit über 200 km/h in Richtung unserer Villa in Bad Ischl. Am Steuer ich, auf dem Beifahrersitz Eleonore – beide bis obenhin vollgepumpt mit Alkohol und Koks. Hinter St. Pölten passiert es. Ein ohrenbetäubender Knall. Das Lenkrad vibriert so heftig, dass es mir die Kontrolle entreißt. Dann bricht der Film ab.
Als ich das erste Mal das Bewusstsein erlange, umgibt mich dämmriges Kliniklicht. „Wo bin ich?“, krächze ich. Eine Stimme antwortet, ich sei auf der Unfallchirurgie. Dann verliere ich wieder den Halt. Tage und Nächte verschwimmen. Als ich erneut erwache, ist ein Pfleger namens Manfred an meinem Bett. Er reicht mir eine Schnabeltasse mit ungesüßtem Tee. „Was ist passiert? Wo ist meine Frau?“, frage ich, und meine alte Arroganz flammt auf, als Manfred mir erklärt, dass der Unfall bereits sechs Monate zurückliegt.
„Erzählen Sie keinen Scheiß, heute ist Fasching!“, schreie ich ihn an. Doch Manfred bleibt ruhig: „Herr Hyrtl-Auer, heute ist der 26. September 2008.“ Der Schock trifft mich wie ein Schlag. Doch es kommt noch schlimmer. Als ich frage, warum ich meine Beine nicht spüren kann, blickt er mich voller Mitgefühl an: „Sie mussten unterhalb der Knie amputiert werden, um Ihr Leben zu retten.“ Ich schreie, bis mir die Sinne schwinden.
III. Das Urteil und das Prickeln im Dunkeln
Zwei Tage später sitzen meine Eltern und Schwiegereltern an meinem Bett – die Mienen versteinert.
„Na, bekommt der Krüppel auch mal Besuch?“, ätze ich. Mein Schwiegervater entgegnet mit eisiger Härte: „Du bist am Leben, Josef. Im Gegensatz zu Eleonore. Wir haben sie vor fünf Monaten begraben.“
Die Luft bleibt mir weg. Ich hyperventiliere, Maschinen piepen, Ärzte stürmen herein und jagen mir ein Beruhigungsmittel in die Venen. Niemand hatte mich vorbereitet. Tränen der Scham und Trauer fließen. Eleonore und ich hatten vielleicht keine tiefschürfende Romanze, aber wir hatten eine toxische, spaßige Komplizenschaft. Zu allem Überfluss ermittelt die Staatsanwaltschaft: 1,5 Promille und ein Drogencocktail im Blut.
Im Januar 2009 stehe ich vor Gericht. Die Anklage: Fahrlässige Tötung im Rausch. Der Luxusanwalt meines Vaters bewahrt mich vor dem Gefängnis, es werden neunzehn Monate auf Bewährung und der lebenslange Verlust des Führerscheins. Da kein Gefängnis barrierefrei ist, beschließt die Justiz ein Kuriosum: Fußfessel. Als ich das höre, bricht ein hysterischer Lachanfall aus mir heraus. Der ganze Saal starrt mich entsetzt an. Ich rolle bis zum Richtertisch, ziehe die Hosenbeine hoch und frage die Richterin: „An welches Bein wollen Sie sie denn anbringen?“ Das Eis bricht, der Saal – inklusive Richterin – lacht laut auf. Die Fessel wird offiziell an meinem Rollstuhl montiert.
Schnitt in die Gegenwart. Dezember 2020.
Felicitas schiebt meinen „Krüppel-Mercedes“, wie ich den Rolli zärtlich nenne, ins abgedunkelte Schlafzimmer. Über dem Bett hängt der Aufrüchter, an dem ich mich hochziehe. Fee schlüpft zu mir unter die Decke. Wir sind beide nackt, die Haut warm und einladend. Ich ziehe sie ganz nah an mich heran, spüre ihren Atem auf meinen Lippen. Wir küssen uns – erst sanft, dann fordernd. Ihre Hand wandert langsam über meinen Bauch nach unten, sucht und findet meine Männlichkeit, beginnt sie mit gekonnten, zärtlichen Bewegungen zu stimulieren. „Neunundsechzig?“, flüstere ich heiß in ihr Ohr.
Sie antwortet mit Küssen auf meinen Hals, wandert langsam an meinem Körper hinab, dreht sich mit einer geschmeidigen Bewegung und schiebt ihre feuchte Pussy direkt über mein Gesicht, während ihre Lippen mich umschließen.
IV. Die Wahrheit hinter dem Wrack
Februar 2009.
Nach dem Prozess bitte ich meinen Vater zu mir. Er wirkt wie ein Eisblock; seit Eleonores Tod ist die Beziehung tiefgefroren. Meine Frustration bricht aus mir heraus: „Bist du noch mein Vater oder nur der Erzeuger eines verkrüppelten Etwas, das man aus Imagegründen nicht verstößt?!
Er dreht sich wortlos um. Ich brülle ihm nach: „Was ist mit dem Wrack des Porsche? Hast du es verscherbelt?“ Er blickt zurück: „Willst du es dir als Trophäe deines Verbrechens in die Vitrine stellen?“ „Nein“, sage ich leiser. „Tu mir den letzten Gefallen. Danach streich mich aus deinem Leben. Lass das Wrack untersuchen. Die Lenkung hat extrem vibriert, bevor alles schwarz wurde.“
Drei Monate später, im Mai 2009.
Ich sitze mit dem Laptop im Wohnzimmer, als es an der Tür läutet. Ich öffne selbst – und erstarre. Meine Eltern und meine Schwiegereltern stehen vor mir. Die Menschen, die mich verflucht hatten. „Lass uns rein, Josef. Wir müssen reden“, sagt meine Mutter leise.
Sie nehmen Platz, umringen mich. Mein Schwiegervater räuspert sich, seine Stimme zittert: „Josef… wir müssen uns entschuldigen. Dass du berauscht gefahren bist, bleibt unentschuldbar. Aber der Unfall… der Tod von Eleonore… es war nicht deine Schuld.“ Mein Vater übernimmt, während die Mütter meine Hände so fest drücken, dass es fast schmerzt. „Die Spurstange des Porsche war angesägt, Josef. Du konntest den Wagen nicht halten.“ Ich will aufspringen, vergesse meine fehlenden Beine und wäre fast vornüber gestürzt, hätten die Mütter mich nicht gehalten. Angesägt? Ein Anschlag? Galt er mir oder Eleonore, die den Wagen oft nutzte?
„Wir wollen dich wieder in die Familie aufnehmen“, sagt meine Mutter mit tränenerstickter Stimme. Ich blicke in die Runde. „Und wenn ICH das nicht mehr will? Ihr habt mich vorverurteilt. Ohne meinen Drang wäre ich für euch für immer der Mörder geblieben. Lasst uns eine entfernte Bekanntschaft bleiben. Frohe Ostern, frohe Weihnachten, mehr nicht.“ Ich warf sie hinaus. Fünf Jahre herrschte Funkstille.
V. Die Fee und das Gift
Im August 2010 suche ich einen Pfleger. Der siebte Bewerber ist Thomas. Die Chemie stimmt sofort, wir werden wie BrĂĽder. Ich lasse einen VW Vito behindertengerecht umbauen, Thomas wird mein Fahrer, Bodyguard und Seelenverwandter. Er zieht in meine Villa ein. Gegenwart, Dezember 2020
Fee verwöhnt mich im Bett mit der Zärtlichkeit einer Frau, die genau weiß, was sie tut. Sie liebt es zu saugen, doch das Finale mag sie nicht im Mund – ein stummes Abkommen zwischen uns, ebenso wie wir den Analsex meiden. Ich klopfe ihr sanft auf den Po, sie nimmt ein Tuch und bringt mich mit der Hand zum Orgasmus. Danach revanchiere ich mich. Ich liebe ihren süßen Muschisaft. Meine Zunge und meine Finger bringen sie um den Verstand, bis sie ihr ekstatisches „Hallelujah“ stöhnt und mir zeigt, dass ich sie glücklich gemacht habe. Dezember 2010.
Durch Thomas lernte ich Felicitas, seine jüngere Schwester, kennen. Anfangs verbarg ich meine Gefühle hinter gespieltem Desinteresse. Sie war vierundzwanzig, machte eine Ausbildung zur Kindergartenpädagogin. Ihre Lebendigkeit faszinierte mich. Als sie einmal bei einem Ausflug fehlte, weigerte ich mich, das Haus zu verlassen. Thomas stellte mich zur Rede.
„Ich liebe sie, Thomas“, gestand ich mit brüchiger Stimme. „Wenn sie meine Hand hält, geht in meinem Herzen die Sonne auf.“ Thomas lächelte matt. „Ich hatte Angst, du spielst nur mit ihr. Sie ist jetzt für zwei Wochen bei Oma in Steyr. Wenn sie wiederkommt, lade sie ein. Beichte ihr alles, Schritt für Schritt. Und sag ihr erst am Ende, dass du sie liebst.“ Ich folgte seinem Rat. Doch die Wahrheit war zu schwer für sie. Nach meiner Beichte stand sie wortlos auf, ging und strafte mich zwei Monate mit Verachtung. Ich drehte durch vor Schmerz. In einer dunklen Nacht sammelte ich vierzig Schlaftabletten, mörserte sie, löste sie in Cola auf und trank den Becher auf Ex, nachdem ich Thomas und meiner Haushälterin je 100.000 Euro überwiesen hatte.
Doch Gevatter Hein wollte mich nicht. Ich erwachte auf der Intensivstation. Neben mir saß nicht meine Familie, sondern eine wütende, weinende Felicitas. Sie wusch mir gehörig den Kopf: „Was bildest du dir ein, mir erst Hoffnung zu machen und dich dann zu verpissen? Wenn du das noch mal versuchst, verprügle ich dich höchstpersönlich!“ Ich blickte in ihre verweinten Augen. Ihre Wut klang wie Sphärenmusik in meinen Ohren. Seit diesem Tag gab es keine Tabletten mehr im Haus.
Kurz darauf machte sie einen Pflegekurs, um Thomas zu entlasten. Als sie bei einem Spaziergang von feigen Bestien attackiert und verletzt wurde, musste ich hilflos im Rollstuhl zusehen, während ich den Notruf wählte. Um sie und mich nie wieder so schutzlos zu sehen, besorgte ich mir später eine sechsschüssige Cobra-Pistole für den Rollstuhlsack. Ich habe sie nie gebraucht, aber sie gab mir meine Männlichkeit zurück.
VI. Der Kreis schlieĂźt sich
Im März 2014, an meinem 34. Geburtstag, stellte die zehn Jahre jüngere Fee die Frage aller Fragen: „Josef, möchtest du der Vater meiner Kinder sein?“ „Ist das ein Heiratsantrag, du Mutige?“ „Ja, du Feigling..
Im Mai 2015 gaben wir uns das Ja-Wort. Vor dem Standesamt wartete eine riesige Ăśberraschung: Meine Totgeglaubte Familie und die Ex-Schwiegereltern standen Spalier. Thomas hatte heimlich den Kontakt gehalten; meine Mutter hatte uns monatelang aus der Ferne beobachtet und wusste von meinem Selbstmordversuch und dem Ăśberfall. Das Eis war endgĂĽltig geschmolzen.
Im Juli 2016 kam unsere Tochter Gerlinde-Gertrude zur Welt – unser erster Stern.
Gegenwart, Januar 2021.
Das Coronavirus hielt die Welt in Atem. Trotz Impfung erwischte es Thomas, der wieder im mobilen Pflegedienst arbeitete. Im April mussten wir meinen Bruder im Herzen begraben. Doch das Leben schenkte uns mitten im Schmerz ein neues Wunder: Fee war wieder schwanger.
Im Juli 2021 wurde Thomas-Josef geboren. Zur Feier des Tages kam mein Vater mit seiner neuen Frau Julia. Er hatte mich vor der Hochzeit gebeten, Julia meine ganze, ungeschönte Geschichte zu erzählen. Als ich mein sündiges Leben vor ihr ausbreitete, sah ich in ihrem Gesicht kein Urteil, sondern tiefes Verstehen. Sie umarmte Fee und mich: „Ich will nicht eure Stiefmutter sein, sondern eine verdammt gute Freundin.“ Sie hielt ihr Wort. Sie wurde die beste Oma der Welt.
Julia brachte einen Sohn mit in die Ehe, Franz, der anfangs Angst hatte, das fünfte Rad am Wagen zu sein. Ich nahm ihn beiseite und nahm ihm diese Sorge. Als mein Vater mich kurz darauf fragte, ob ich die Fabrik übernehmen wolle, lehnte ich ab: „Das ist nicht meine Welt, Vater. Mach Franz zu deinem Nachfolger.“ Mein Vater kniete weinend vor meinem Rollstuhl nieder und bat mich um Vergebung. Es war der Moment unserer endgültigen Versöhnung.
Epilog
Franz wurde ein brillanter Junior-Chef, fand die Liebe seines Lebens und schenkte der Familie fĂĽnf Enkelkinder. Mein Vater und Julia genossen ihren wohlverdienten Lebensabend in tiefer Harmonie.
Und Fee und ich? Wir führen eine so unverschämt glückliche, leidenschaftliche Ehe, dass ich an manchen Tagen völlig vergesse, dass mir die Beine fehlen. In jenen Momenten, wenn die Musik spielt und sie sich an mich schmiegt, will ich mit ihr einfach nur durch das Zimmer tanzen.
Übrigens: Unsere kleine Familie bekamm im Jahr 2025 noch einmal Zuwachs. Felicitas-Martina ist unser Nesthäkchen – das letzte, wunderschöne Kapitel einer langen Reise aus der Dunkelheit.
=== ENDE ===
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